Man muss kein Goethe-Fan sein, um anzuerkennen, dass im Zauberlehrling die ganze Misere der Menschheit im Wesentlichen auf den Punkt gebracht wird: Die Geister, die ich rief, werd ich nun nicht los!
Im Drang sein eigenes und das ihm dienliche Potenzial aller anderen Dinge zu entfesseln, hat der Mensch einiges erreicht, aber sich auch überall tief ins eigene Fleisch geschnitten, schlimme Verwüstungen hervorgerufen, die sich verselbstständig haben, selbstverständlich geworden sind. Ruft er die Götter um Hilfe an, ist besetzt: man hat wieder nur einen Menschen dran. Der modus operandi entpuppt sich als eine sich selbst fressende Schlange; ein Kreter, der sagt, dass alle Kreter*innen zu dumm sind, Dummheit zu erkennen.
Gut, dass es nicht nur Metaphysik, sondern auch Lyrik gibt! In seinen Invokationen und Katabasen nimmt sich Stefan Schmitzer des Falles an und ruft allerlei Zeugen auf, von Sternen Captain Johan-Lukas Pickert über griechische Götter und Göttinnen (einmal im Körper von Conan dem Barbarbarbar Arnie Schwarzenegger) bis hin zu Dr. Sigi Freud. Es scheint allerdings, als wären all diese Zeugen ebenfalls viel zu sehr in ihre jeweiligen Potentialvorstellungen verstrickt; Schmitzer lässt sie manchmal einfach reden, manchmal nimmt er sie auch ins Kreuzverhör. Entlarvend ist seine Poesie so oder so.
Wir kommen nicht überein und vieles überkommt uns, we shall overcome, but we won't, cause c'mon: what comes next, wo kommen, wo kämen wir denn da hin! Die Frage nach dem Sinn, das Wissen Schmitzers Texte, stellt sich nicht, wird zu selten gestellt und wirkt dann oft gestellt. Doch da ist keine Stelle, die uns nicht sieht. Wir müssen unser Streben ändern.
Lyristix



