Stefan Schnell

Lebenslauf

PD DR. STEFAN SCHNELL ist Linguist und forscht am Institut für interdisziplinäre Sprachevolutionswissenschaft an der Universität Zürich. Er befasst sich mit dem Vergleich menschlicher Sprachen, insbesondere solcher, die nur spärlich dokumentiert und häufig bedroht sind. Er hat selbst die ozeanische Sprache Vera’a von Vanua Lava (Nordvanuatu) dokumentiert und beschrieben.

Quelle: Verlag / vlb

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Sprachverlust mit Stil – ein Atlas, der unter die Haut geht

Ich bin reingestolpert, weil ich dachte: „Ein Atlas? Über Sprachen? Klingt trocken wie Knäckebrot ohne Belag.“ Tja, falsch gedacht. Das Ding hat mich dermaßen abgeholt, dass ich beim Lesen beinahe mein Frühstück verbummelt hätte – und das will was heißen.


Dieses Buch ist wie ein Abenteuerurlaub für’s Hirn: Ich reise von Australien nach Afrika, von Sorben zu Comanchen – ganz ohne Jetlag, aber mit jeder Menge Staunen. Und was man da alles lernt! Dass es Sprachen gibt, die Gerüche in Feinheiten unterteilen, da kommt selbst mein Parfum-Regal nicht mit. Oder solche, die Raum und Zeit völlig anders ticken lassen – da denkt man, man sei weltoffen, und merkt plötzlich: nope, noch lange nicht.


Die Karten und Grafiken sind nicht nur schick, sondern machen richtig was her – fast wie Poster fürs Wohnzimmer, wenn man auf Linguistik-Deko steht (ich überlege wirklich). Und die Illustrationen? Ziemlich cool. Pia Bublies hat da was richtig Eigenes geschaffen – charmant, verspielt, aber nie kitschig.


Was mich aber wirklich gepackt hat: Der Ton. Nie belehrend, immer mit Herz, manchmal auch mit einer Prise Ironie. Man merkt: Die Autoren brennen für die Sache. Und ich am Ende auch. Ich hätte nie gedacht, dass mich das Schicksal von Mbugu & Co. mal emotional erwischt – aber genau das ist passiert.


Ein Buch, das Hirn UND Herz anspricht. Und ehrlich: Wer’s liest, wird die Welt danach mit anderen Ohren hören. 5 Sterne, mit Ausrufezeichen. Oder wie man vielleicht irgendwo auf der Welt sagen würde: „Kwemwenga mwa ngozi!“ (Vorsicht, ausgedacht. Aber hey – klingt schön, oder?)

Alle zwei Wochen stirbt eine Sprache aus.

Angesichts von derzeit noch rund 7000 Sprachen weltweit ist das ein dramatisches Tempo – und es verdeutlicht, wie ernst die Lage ist. Der Atlas der vom Aussterben bedrohten Sprachen von Arnfrid Schenk und Stefan Schnell ist daher mehr als ein schönes Buch: Er ist ein eindringlicher Appell, ein kulturhistorisches Warnsignal und ein sprachwissenschaftlicher Schatz zugleich.

Der Band stellt 50 gefährdete Sprachen vor – von Nordfriesisch und Niedersorbisch in Europa über das indigene Comanche in Nordamerika, das Kayardild in Australien bis zum fast vergessenen Mbugu in Afrika. Darunter finden sich Sprachen mit Begriffen für feinste Geruchsnuancen, mit einzigartigen Raum-Zeit-Konzepten oder Grammatiksystemen, die es so kein zweites Mal gibt. Wirklich sehr sehr beeindruckend!

Besonders berührend: Die Sprache Nyang’i aus Uganda wird heute nur noch von einer einzigen Person gesprochen. Wenn sie stirbt, stirbt auch ihr Wissen, ihre Geschichte, ihre Welt. Ein stilles Drama, wie es sich auf allen Kontinenten abspielt – etwa in Ozeanien, das mit rund 2100 Sprachen der sprachreichste Raum der Welt ist, aber von denen zwei Drittel vom Aussterben bedroht sind.

Nicht zuletzt besticht der Atlas auch gestalterisch: Die Karten, Infografiken und das klare Layout machen komplexe Zusammenhänge sichtbar und begreifbar. Begleitende Essays erklären nicht nur, warum Sprachen verschwinden – sie zeigen auch, wie sie gerettet werden können. Ob durch Community-Projekte, digitale Initiativen oder Rückbesinnung auf kulturelle Wurzeln – es gibt Hoffnung.

Fazit:
 Der Atlas der vom Aussterben bedrohten Sprachen ist ein faszinierendes, liebevoll gestaltetes Buch, das Augen öffnet und Herzen erreicht. Er macht deutlich: Sprache ist mehr als Kommunikation – sie ist gelebte Kultur, Identität und ein unersetzliches Gut. Ein Must-Read für alle, die unsere Welt in ihrer Vielfalt bewahren wollen.

Cover des Buches Atlas der vom Aussterben bedrohten Sprachen (ISBN: 9783755820055)
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Rezension zu "Atlas der vom Aussterben bedrohten Sprachen" von Arnfrid Schenk

ReadingFoxy
Wie können wir fast verlorene Sprachen retten?

Wie können wir fast verlorene Sprachen retten?


Die Welt der Sprache ist wahnsinnig faszinierend. Wie ist sie entstanden, wie hat sie sich verbreitet und verändert?


Doch hier geht es um die Sprachen, die bald nicht mehr existieren könnten. Weil es kaum noch Menschen gibt, die sie sprechen und sie nicht weitergegeben werden können. 


Das Buch stellt 50 dieser bedrohten Sprachen vor. Zum Beispiel Plattdeutsch und Baskisch in Europa, Comanche in Nordamerika, Kayardild in Australien und Uda in Afrika. Besonders faszinierend sind Beispiele von Sprachen, die zum Beispiel ihre eigenen Wörter für feinste Geruchsunterscheidungen besitzen.


Als erstes habe ich mich, da ich aus der Ecke komme, für Sorbisch interessiert. Bei uns sind tatsächlich noch Ortsschilder mit dem sorbischen Namen beschildert. Ich finde es faszinierend und ich habe mir früher nie Gedanken darum gemacht. Es war eben so. Doch was, wenn es nicht mehr so ist? Wenn diese kleinen Hinweise weg sind und damit auch die Sichtbarkeit?


Die wirklich schönen und übersichtlich gezeichneten Karten und Infografiken zeigen, wo und in welchem Maß Sprachen gefährdet sind. Die Texte sind sehr gut und verständlich geschrieben. Auch als Laie bekommt man einen guten Einblick.


Daher finde ich den Atlas sehr wichtig. Er klärt uns auf und nimmt uns mit in eine wirklich spannende Welt. Denn es geht auch um die Geschichte hinter der Sprache. sondern gibt dem Leser Tipps, wie man die Sprache retten und unterstützen kann. Denn es wäre wirklich traurig, wenn diese Sprachen und ihre damit einhergehenden Erinnerungen und das Wissen von vielen Jahrzehnten und Jahrhunderten verloren gehen würden.



ISBN: 978-3755820055

Umfang: 224 Seiten

Autor:  Arnfrid Schenk, 

            Stefan Schnell (Autor), 

            Pia Bublies (Zeichner)

Verlag: Dumont

Erscheinungsdatum: 11.02.25

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