Stefan Schomann

 3.8 Sterne bei 4 Bewertungen

Alle Bücher von Stefan Schomann

Im Zeichen der Menschlichkeit

Im Zeichen der Menschlichkeit

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Erschienen am 14.10.2013
Letzte Zuflucht Schanghai

Letzte Zuflucht Schanghai

 (2)
Erschienen am 17.03.2008
Der große gelbe Fisch

Der große gelbe Fisch

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Erschienen am 01.09.2009
Das Glück auf Erden

Das Glück auf Erden

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Erschienen am 12.03.2018
Lesereise China

Lesereise China

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Erschienen am 26.06.2017
„So geht das Morden täglich weiter“

„So geht das Morden täglich weiter“

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Erschienen am 01.09.2014

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Rezension zu "Im Zeichen der Menschlichkeit" von Stefan Schomann

Unbedingt lesenswert
Gospelsingervor 5 Jahren

Vor genau 150 Jahren begann die Geschichte des Roten Kreuzes, einer der vielfältigsten Organisationen überhaupt. Diese Geschichte ist gleichzeitig ein Kaleidoskop der Weltgeschichte, denn die Organisation war von Anfang an auf Internationalität ausgelegt, wie schon der Gründungsort Genf veranschaulicht.

Das vorliegende Buch ist jedoch auch ein „nationales Epos“, wie der Autor auf der Buchpräsentation sagte, denn das Deutsche Rote Kreuz hat alle Ausnahmezustände der deutschen Geschichte begleitet.

Ausgelöst und ermöglicht wurde diese weltumspannende Organisation durch einen höchst ungewöhnlichen Mann und seine nicht minder ungewöhnliche Mitstreiter.

Das Buch setzt sich daher zunächst gründlich mit der Person Henri Dunants auseinander, einer schillernden und unkonventionellen Persönlichkeit, die zwischen Genialität, dem einzigartigen Talent, einflussreiche Unterstützerinnen zu finden, und dem eigenen finanziellen Ruin oszillierte.

Genauso schillernd wie die Person war auch die historische Epoche, in der Dunant lebte. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelten sich Technik, Medizin, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft äußerst rasant, es war eine sehr spannende Zeit. Die Anfänge des Deutschen Roten Kreuzes verliefen ähnlich dynamisch.

Auslöser für Henri Dunants Wirken war die Schlacht von Solferino, deren verheerende Auswirkungen ihn tief beeindruckt haben. Er hatte sich als Nothelfer nützlich gemacht und dabei die Leiden der Verletzten hautnah mitbekommen.

Dunants Buch „Erinnerung an Solferino“ stellt eine absolute Ausnahme dar, denn bis zum Ersten Weltkrieg wurde nicht über die Schattenseiten des Krieges berichtet; Verwundete und Spitäler kamen nicht vor. Dunant und später das DRK durchbrachen dieses Tabu.

Dunants Buch war der Auslöser, und die damalige Popularisierung des Krieges und die gleichzeitigen Bemühungen, seine Auswirkungen zu verringern, boten eine gute Ausgangsbasis für die Gründung einer neuartigen Hilfsorganisation. In ihr verbanden sich Militarismus und Humanismus so gut, dass sich jeder mit dieser neuen Organisation identifizieren konnte.

„Militaristisch gesinnte Zeitgenossen können so die Kampfkraft der preußischen Divisionen stärken, Menschenfreunde ein Werk der Nächstenliebe tun“.

So kam es dann zu der absurden Regelung, dass ein Soldat, der kämpft, als Krieger und Gegner gilt, in dem Moment, in dem er verwundet wird, jedoch zum Opfer wird, das man ebenso fürsorglich behandelt wie die eigenen Soldaten. Bis er dann wieder kämpfen kann und erneut zum Gegner wird.

Stefan Schomann zeichnet die Geschichte des Roten Kreuzes anhand der wichtigen Ereignisse der Epochen nach.

So beschreibt er, dass Neuerungen in der Kriegstechnik und Neuerungen in der Medizintechnik sich gemeinsam und in gegenseitiger Abhängigkeit entwickelten.

„Die Metapher von der großen Kriegsmaschine wird im System der Lazarettzüge unmittelbar anschaulich“.

Die Nähe zum Militär führte mehrmals in der Geschichte dazu, dass das Rote Kreuz sich mitschuldig an Gewalttaten und Völkermord machte, angefangen beim Boxeraufstand in China und dem Abschlachten der Herero in Südwestafrika, bis hin zur Ermordung der Juden.

Schon bald dehnt die Organisation sich in das zivile Leben aus. Auch in der Wohlfahrt warten vielfältige Aufgaben auf die Helfer. Immer wichtiger wird die Verbesserung der „Volksgesundheit“.

Auch dabei ist man immer eng mit den Mächtigen verbunden. Mit progressiven Projekten und mit sozialen Bewegungen dagegen hat das DRK Probleme. In der Kaiserzeit werden beispielsweise Mitglieder der SPD aus dem DRK ausgeschlossen (was zur Gründung des Arbeiter-Samariter-Bundes führte).

Im Dritten Reich beteiligt sich das DRK an der Vernichtung „unwerten Lebens“ und profitiert von den neuen Machthabern. Als der ASB verboten wird, wechseln Mitglieder und Vermögen zum DRK.
Die Organisation konzentriert sich nunmehr wieder verstärkt auf den militärischen Bereich, sie ist „im Grunde eine straff durchorganisierte Unterorganisation der SS“.
Bereits 1933 werden Juden ausgeschlossen, und zwar mit Billigung des Internationalen Komitees, obwohl das den Grundsätzen des Roten Kreuzes widerspricht.

„Der systematische Missbrauch des Roten Kreuzes durch Partei und Staat ist umso bitterer, als dadurch auch die tüchtige, redliche und segensreiche Arbeit Zehntausender von Helfern bis heute überschattet wird“.

Das DRK war vielfältig mit den Machthabern verflochten und auf Gedeih und Verderb an die staatlichen Organe gebunden.

„Wo Unmenschlichkeit System ist, kann niemand zugleich der Macht und der Menschlichkeit dienen“.

Selbst das Internationale Komitee hat sich von den nationalsozialistischen Machthabern einwickeln und sich bei der Besichtigung der Konzentrationslager hinters Licht führen lassen.

Nach dem Krieg besteht das DRK weiter und passt sich wiederum den Gegebenheiten an.
Aus der Nachkriegsfürsorge wird die moderne Sozialarbeit; das DRK konzentriert sich jetzt wieder auf seinen Sachverstand in der zivilen Wohlfahrt. Die Hauptaufgabe leistet jetzt der Suchdienst, der versucht, die durch die Kriegswirren getrennten Familien wieder zu vereinen.

Neue Aufgaben kommen hinzu, wie die zum Beispiel die Vorbereitung auf die Folgen eines Atomkriegs und die Einrichtung von Drogenkliniken.

Und auch bei der Wiedervereinigung ist das DRK ganz vorn dabei, es übernimmt die Verpflegung der Ausreisewilligen in der Prager Botschaft.

Die Wiedervereinigung der beiden deutschen Rotkreuzgesellschaften verlief problemlos, hatte man doch die gleichen Wurzeln und durch die Internationalität der Organisation auch die gleichen Abläufe in der Ausbildung.

Heute bilden die Bereitschaften die größte Gruppe innerhalb des DRK. Sie unterstützen den Rettungsdienst und übernehmen Sanitätsdienste bei Veranstaltungen.

Solche Dienste habe ich auch gemacht; ich war selbst jahrelang ehrenamtlich im DRK aktiv. Deshalb hat mich dieses Buch natürlich besonders interessiert.

Und ich wurde nicht enttäuscht.

Besonders gut gefallen hat mir, dass Stefan Schomann sich nicht scheut, deutliche Worte der Kritik zu finden, wenn es um die Kollaboration mit den Machthabern und die Beteiligung an Gewalttaten und Morden geht. Auch Unterschlagungen und Finanzbetrügereien werden nicht verschwiegen.

Das ist meiner Meinung nach auch die einzig richtige Umgehensweise: Offenheit und Transparenz. Schlechte Menschen gibt es überall, man darf ihre Taten nur nicht unkommentiert unter den Teppich kehren.

Stefan Schomann hat ein umfangreiches, umfassendes und faktenreiches Buch vorgelegt, das sich gut und unterhaltsam liest, auch für langjährige DRK-Mitglieder noch überraschende Informationen bringt, und unbedingt lesenswert ist.


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