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StefanSchweizer

vor 2 Wochen

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Liebe LovelyBooks-Fans,

ich möchte euch herzlich zur Buch-Verlosung und anschließenden Lese-Runde meiner Kurzgeschichte „Electro“ einladen. „Electro“ ist vor allem für Leserinnen und Leser, die elektronische Musik mögen und sich gerne am Wochenende in der Scene und in Clubs aufhalten. Oder für besorgte Eltern, die gerne wissen wollen, was ihre Kinder womöglich an den Wochenenden erleben.

Zur Kurzgeschichte: Tommy hat beinahe das Wochenende verschlafen. Nachts eilt er in den Electro-Club und pfeift sich schnell eine starke Ecstasy rein, da er Angst hat, dass das Wochenende sonst vorbei ist, ohne dass er auf seine Kosten gekommen ist. Im Club wird er von Mark, einem jungen Dealer blöd angemacht, der ihn erstens wegen seines Alkoholkonsums im Zusammenhang mit Ecstasy rüffelt, da die Scene solches Verhalten nicht gut heißt. Zweitens stichelt er, dass Tommy für einen Schluck Liquid E zu alt wäre. Tommy möchte kein Liquid E probieren, aber er will auch nicht vor Mark als alter Mann dastehen, der nichts verträgt. Denn Tommy weiß, dass er schon Pillen geschluckt hat, als Mark noch nicht auf der Welt war. Nach dem Liquid E geht es Tommy phantastisch, und er reiht sich in die orgastischen Tänze ein. Bis ihm urplötzlich schwarz vor Augen wird, und er auf der Tanzfläche kollabiert. Kurz vor dem Abtreten gesteht Tommy sich ein, dass er zu alt ist und nicht mehr hierher gehört.

Leseprobe:
Als Tommy die Pille trocken runterschluckte, musste er einen Würgereiz unterdrücken und es überkam ihn schlagartig die Einsicht, dass seine besten Tage vorbei waren. Das gab ihm einen kurzen Stich ins Herz, den er sofort mit einem eigenartigen Würgegeräusch verdrängte. Er gehörte zu den Veteranen einer Szene, die niemand mehr für voll nahm. Die meisten Kids trugen heute die Baseballkappen verkehrt herum und hatten Hosen an, die Einblicke bis zum Spalt gewährten. Dabei verehrten sie einen Sprechgesang, der ihm immer fremd geblieben war und bleiben würde. Die wenigen Raver, die es noch gab, waren Mitte oder Ende der Achtziger Jahre noch nicht einmal geboren. Eigentlich handelte es sich bei Elektroclubs und Rave-Events um nostalgische Veranstaltungen für Leute, die nicht einmal im Ansatz wussten, wie es früher einmal abgegangen war. Er erschauderte – kurz aber heftig. Das lag an der bitteren Pille - in doppeltem Sinne. Dem Dollar und seiner Selbsterkenntnis. Pfui Teufel, sollte doch beides der Teufel holen.
Es war spät/3.37 Uhr/In der Nacht von Samstag auf Sonntag.
Es herrschte eine eigentümliche Stimmung. Der Montag nahte unaufhaltsam und noch klammerten sich die Menschen verzweifelt an die wenigen Wonnen des Wochenendes. Gut zwei Stunden, dann schloss das „Beats“ und er würde sich auf den Weg zur Afterhour machen. Die ging bis Punkt zwölf Uhr mittags. Auf dem Heimweg begegnete er meist frömmlerischen Kirchgängern mit von der Predigt verzückten Blicken, die brav ihre sonntägliche Pflicht erfüllten und ihn mit skeptischen Blicken musterten, da er weder wie ein verwahrloster Jugendlicher, aber auch nicht wie ein vertrauenswürdiger Erwachsener aussah. Das war vielleicht insgesamt sein Problem, dass er sich nicht entscheiden konnte, was er sein wollte.
„Die Dollars sind mit Peyote bestrichen“, versicherte ihm der südländisch aussehende Dealer.
Uff, Peyote – das hatte ihm gerade noch gefehlt. Vom Psychedelischem hatte er ein für alle Mal die Schnauze voll. Diese Zeiten waren längst vorbei. Seine Welle der Erkenntnis lag schon lange hinter ihm. Aber es gab für alles ein Comeback und Retro war in – auch in der Rave-Scene.
„Echt krasses Zeug!“
Klar, wer würde schon zugeben, schlechtes Zeug zu verticken. Alle versprechen einem, dass ihre Ware von erlesenster Qualität ist, um die horrenden Preise zu rechtfertigen.
„Hoffentlich!“
Er gab sich kurz angebunden, und um sich nicht noch mehr Geschwätz mit Balkanakzent anhören und machoides Imponiergehabe geben zu müssen, ging er langsamen Schritts in den Club zurück und hoffte, dass die Pille schnell und heftig wie eine kleine Wasserstoffbombe einschlug. Er war spät dran, hatte den Abend verschlafen und sogar den Wecker überhört. Je älter er wurde, desto mehr setzten ihm die Strapazen der Arbeitswoche zu, die er eigentlich nur auf sich nahm, um sich am Wochenende belohnen zu können. Der massive Türsteher mit Meister Propper Glatze und schwarzer Lederjacke, der die Szene beobachtet hatte, da er am Pillenverkauf prozentual beteiligt wurde, schenkte ihm ein verächtliches Lächeln, schnipste seine Zigarette zwanzig Zentimeter an ihm vorbei und öffnete mit falscher Ergebenheit die Türe. Dann umfing ihn eine Wand aus Dunkelheit und dumpfen Geräuschen und der Bauch des schäbigen Clubs hatte ihn verschluckt. Er tastete sich die ihm wohlbekannten Treppen hinunter. Eine orgastische Woge von Musik und Licht näherte sich ihm. Er spürte bereits erste Anflüge des Aufzugs, oder bildete er sich das nur ein?
… hoch – runter – hoch – runter – hoch …
Er war ein wenig wacklig auf den Beinen, und er hatte ein Grinsen im Gesicht. Dann war er wieder vollkommen klar und stark. Das reizvolle Changieren der Realitätsebenen hielt eine Weile an und spielte mit ihm, bis die Pille voll einschlug.

Zur Hauptfigur: Tommy ist 40 Jahre alt und schlägt sich immer noch die Nächte an den Wochenenden in den Electro-Clubs um die Ohren. Dann schießt er sich mit Drogen wie Ecstasy und Amphetaminen ab, um sich und den anderen zu beweisen, dass er dazugehört, denn Tommy ist ein Veteran der Techno-Bewegung, und seit vielen Jahren ein Freizeit-User. Unter der Woche geht er einem einfachen Beruf als Fabrikarbeiter nach, der ihn nicht erfüllt, sondern auffrisst. Tommy verfügt über keine festen Bindungen, die ihn auffangen. So bietet das Wochenende die einzige Möglichkeit, der traurigen und seine Seele zerdrückenden Realität zu entfliehen. Tommy merkt, dass er die Drogen nicht mehr gut verträgt und dass das Nachtleben für ihn inzwischen zu anstrengend ist. Außerdem findet er im kalten Neonlicht und in den dunklen Ecken der Electro-Clubs weder menschliche Ansprache noch menschliche Wärme. Er hat dennoch Angst, diese letzte Bastion der Freiheit zu verlieren, wobei er weiß, dass ihm dann nichts mehr bleibt.

Es gibt 15 ebook Ausgaben (pdfs) zu gewinnen! Die Bewerbungsfrist endet am 25. Mai 2017. Der Lesebeginn startet am 1. Juni 2017.
Im Gewinnfall verpflichtet ihr euch zum Schreiben einer Rezension, nachdem ihr die Kurzgeschichte gelesen habt. Es wäre wünschenswert, wenn ihr vor eurer Bewerbung schon eine Leserunde und mindestens eine Rezension auf LovelyBooks veröffentlicht habt. Ich werde an der Lese-Runde aktiv teilnehmen und stehe immer für Fragen und Diskussionen zur Verfügung.
Bitte schickt mir eine E-Mail an stefan.schweizer0511@gmail.com, wo ihr im Falle eines Gewinns eure Rezension hinterlegen würdet und beantwortet folgende Frage im Thread:
Was versteht man unter Liquid E?
Ich freue mich schon auf eine spannende Leserunde mit euch. Natürlich sind auch alle herzlich zur Leserunde eingeladen, die kein Exemplar gewinnen, aber dennoch mitmachen wollen.

Herzliche Grüße

Stefan Schweizer

Autor: Stefan Schweizer.
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