Stefan Selke Schamland

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Inhaltsangabe zu „Schamland“ von Stefan Selke

„Wir leben im Schamland. Wir werden nun sprechen, alle zusammen. Wir sind die, die seit Jahren Almosen in Empfang nehmen. Wir sind die Stimmen und das schlechte Gewissen der neuen sozialen Frage in Deutschland. Wir sind viele.“ In einer einzigartigen Mischung aus Sozialreportage und messerscharfer Gesellschaftsanalyse nimmt der Soziologe Stefan Selke uns mit in die unbekannte Welt der Armen. Er zeichnet das Leben jener Menschen, die einst in der Mitte der Gesellschaft lebten und sich verzweifelt bemühen, ein Stück Normalität zu bewahren. "Christian Lindner (FDP) hat behauptet, es gäbe in diesem Lande mehr Armutsberichte als Armut. Ich bin dankbar für jeden, der diesem Schwachsinn widerspricht." Dieter Hildebrandt, Kabarettist "Ein kluges, überaus mutiges und brillant recherchiertes und geschriebenes Buch." Jean Ziegler, Bestseller-Autor und Soziologe "Das Buch spricht das Thema Armut auf sensible und zugleich kämpferische Weise an.“ Katja Kipping, Vorsitzende DIE LINKE

Ein wichtiges Thema, dass leider sehr einseitig beleutet wird - auch ein Grundeinkommen ohne "Mitwirkungspflicht" ist keine Lösung!

— Ein LovelyBooks-Nutzer
Ein LovelyBooks-Nutzer

Ist für mich seltsam akademisch geblieben, trotz Beispielen und guten Argumenten kann Selke den Leser nicht immer mitnehmen

— Anja_Lev
Anja_Lev

Eine sehr eigene Mischung aus Sachbuch, Gesellschaftskritik, akademischem Pamphlet, und Collage. Hat mich nicht immer überzeugt.

— rumble-bee
rumble-bee

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  • Die Realität der Armut

    Schamland
    Giorgo

    Giorgo

    27. July 2015 um 20:10

    Stefan Selke beschäftigt sich seit 2006 über Armut in Deutschland. Durch intensive Gespräche mit betroffenen Leuten hat er ein Buch geschrieben. Die meisten Gesprächspartner hatten einen normales gutes Leben. Dann auf einmal, durch Unfall oder Krankheit, wurden sie arm. Sie schämen sich dafür und erzählen es niemanden, nicht einmal der eigene Familien... Einige trauen sich zur Tafel zu gehen, andere schämen sich zu sehr. In der Tafel bekommen sie, das was es gibt, egal ob sie es mögen oder sogar fast Schimmel entstehen. Sie sind dann nur noch eine Nummer und müssen immer "Danke" und "Bitte" sagen! Armut kann (fast) jeden treffen. Es ist traurig und auch krass, dass die Armutsquote 15% beträgt. Das sind 12 Mio. Bürger! Die Neue Armut ist eine einsame Armut, weil die Betroffenen alles verloren haben und sich immer mehr zurückziehen... Ich finde es sehr stark, dass Stefan Selke ein Buch zu diesem Thema geschrieben hat. Er hat eine flüssige Schreibweise und benützt nicht so viel Fachbegriffe, so kommt man gut voran mit Lesen. Mich hat das Buch sehr mitgenommen und ich habe mir sehr viele Gedanken darüber gemacht, warum niemand arm sein möchte. Hoffentlich findet die Politik eine Lösung, damit es weniger Armut gibt. Aber dafür müsste sehr vieles ändern und nicht alle sind bereit etwas zu ändern!

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  • Schamland

    Schamland
    Islaender

    Islaender

    25. June 2015 um 10:38

    Der Autor zeigt anlässlich des mehrjährigen Bestehens der Tafel auf, wie weit die Armut in Deutschland verbreitet ist. Es ist erschreckend, dass für die meisten Menschen die Tafel so wichtig ist, dass sie ohne diese verhungern würden. Zugleich zeigt der Autor jedoch auch auf, wie schrecklich es für die Menschen ist, auf die Tafel angewiesen zu sein. Desweiteren welch ein Hohn es ist, das Jubiläum der Tafel zu feiern, denn dies bedeutet im Umkehrschluss die Politik hat versagt und zwar seit Jahren. Herr Selke zeigt anhand der Beschreibungen seiner Treffen mit Menschen, die auf die Tafel angewiesen sind, wie schrecklich sie sich fühlen. Am Rande der Gesellschaft, nicht mehr dazugehören, sich schämen..... Der Autor hat mich durch sein Buch aufgerüttelt und es hat mich traurig gemacht und zugleich war ich frustriert, denn was kann ich tun? Gibt es überhaupt Politiker, die durch andere 'Entscheidungen - Wegfall von Minijobs, etc unser Land aus dieser "Einbahnstraße" in andere Richtungen lenken werden? Das Buch hat mich sehr betroffen gemacht, denn es kann jeden von uns treffen.....

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  • Schamland

    Schamland
    Machi

    Machi

    23. February 2014 um 15:09

    Der Soziologe Stefan Selke beschreibt die Armut in Deutschland und warum aus einem reichen Land fortschreitend ein Schamland wird. Er geht dabei vor allem auf die Rolle der Tafel und ähnliche Einrichtungen ein. Das Buch ist gut gegliedert und zeigt verschiedene Aspekte der Armut auf. Sehr berührend und gelungen sind die Beispiele von Armen, welche durch verschiedene Schicksalschläge in diese Lage geraten sind. Dies lässt einen als Leser nachdenklich werden, weil jeder in diese Situation gelangen kann. Berührend und emotional ist das Kapitel "Der Chor der Tafelnutzer". Hier formt Selke aus allen einzelnen Meinungen ein kollektives "wir". Dies ist sher beeindruckend. Nicht so gut gelungen sind jedoch die vielen Wiederholungen. Viele Wörter, Thesen und Meinungen werden öfters wiederholt, auch wenn dies einprägsamer ist, wäre weniger mehr. Auch der Schreibstil ist sehr hochgegriffen und anspruchsvoll, dadurch wird das flüssige Lesen erschwert. Grundsätzlich ist das Buch für alle zu empfehlen, die zum Nachdenken über Armut und die Rolle der Tafel angeregt werden wollen und die auch keine schwere Kost scheuen.

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  • Schamland

    Schamland
    Pixibuch

    Pixibuch

    31. August 2013 um 20:24

    Ein gesellschaftskritisches Buch. Es analysiert die Armut in Deutschland, schreibt über die Tafel, Suppenküchen, Menschen mit Hart IV. Ja, der Autor schreibt sehr richtig, dass man schnell in dieses Milieu rutschen kann. Seine Einleitung befaßt sich der Auitor mit einer Gesellschaftsanalyse. er beschreibt das Warum, das Wieso und das Weshalb. Dann kommen erst die Gespräche mit den Betroffenen. Besssondedfrs bei vielen Menschen reicht die Rente nicht mehr. Sie sind froh, dass sie sich bei der Tafel etwas zum Essen holen können. Ja, so wie die Leute erzählen , sind die meist unverschuldet sozial abgestiegen. Aber dann wird ein Ehepaar vorgestellt, dass ein Leben in Saus  und Braus lebte und nichts für das Alter einzahlte. Dann kam eine Pechsträhne und sie verloren alles. Sind diese Leute aber nicht selbst schuld. Zuerst Leben und dann Jammern und den anderen auf der Taache liegne, Oxer die eine Frau, die in einer schönen Wohnung lebt und ihr deswegen wenig Geld bleibt. Bei der Grundsicherung wird eine Wohnung bezahlt. Es ist vorgeschrieben wie groß und wie teuer sein darf. Aber wer das nicht befolgt, bbekommt halt eben nicht den ganzen Zuschuß. Besonders die alten Leute tun mir leid. Aber es gibt auch viele, die es darauf anlegen, vom Staat zu leben. Sie genießen den Tag, fahren nicht bei Wind und Wetter 30 km um 6 Uhr früh in die Arbeit und kommen dann nach 12 Stunden müde und erschöpft zurück. Von diesem Gehalt kann man dann au, ch keine großen Sprünge machen. So manche Familie kauft im Billigladen wie Kik und Discounter ein, obwohl der Mann einen Beruf hat und die Frau noch halbtags jobbt. Man sollte also die Tafel nicht verfluchen, sondernd dankbar sein, dass es so etwas gibt. Man muß jedoch das Gemüse noch waschen und kochen, man hat Arbeit, man hat Geschirr. Der Autor schfreibt ja selbst, dass manche Leute lieber zur Suppenküche gehen. Sie brauchen nichts einkaufen und sich nur an den gedeckten Tisch setzen. Ich sehe dieses Buch als zweischneidiges Schwert an. Es gibt viele armen Leute aber manche machen es sich es eben zu leicht. Leider finde ich die Seiten, auf denen von den Leuten berichtet wird, zu kurz. Man hätte dies weiterschreiben und weiterentwickeln müssen. Leider geht der Autor dann wieder an sein Fachwissen, gibt seine gesellschaftlichen Studien weiter, schreibt über Politik, über die Ergebnisse von Forschungen. Zum Buch selbst: Die Spache ist gut gewählt, der Einband sehr passend. Was mir nicht so sehr gefällt sind diese vilen Fußnoten. Eben, diese wissenschaftlichen Auswertungen, diese Zahlen und Fakten. wer welche These aufgestellt hat. Also kein sachliches Buch sondern ein wissenschaftliches Buch über die Armutsökologie.                    

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  • Parallelwelt - das Schamland

    Schamland
    nicigirl85

    nicigirl85

    25. June 2013 um 13:21

    Im vorliegenden Sachbuch widmet sich der Autor einem äußerst schwierigen Thema, nämlich der Armut mitten unter uns, in einem Land (Sozialstaat), in dem man meinen sollte, dass keine Armut existiert. Das Besondere an dem Buch ist, dass hier nicht wie sonst Helfer und Organisationen zu Wort kommen, sondern selbst Betroffene, die von ihrem Leben schildern. Warum sind sie eigentlich in diese Lage geraten, dass sie auf Hartz IV, Tafel und Co angewiesen sind? Meist ist es nämlich nicht die angeprangerte Faulheit der Leute, die in die Armut führt, sondern vielmehr Krankheiten, Unfälle, Verlust des Ehe/- Lebenspartners, Mutterschaft und vieles mehr. Ich habe mich bis dato noch nicht mit dem Thema beschäftigt, so dass mir das Buch bei manchen Aspekten die Augen geöffnet hat, denn vieles wusste ich einfach nicht. Das Thema lässt einen dann auch so schnell nicht mehr los, musste ich doch feststellen, dass es in meiner näheren Umgebung gar keine Tafel oder ähnliches gibt. Und wer fährt schon 50 km und mehr, wenn er/ sie eh schon kein Geld hat? Dennoch muss ich bemängeln, dass Selke das Thema nur aus der Perspektive der Betroffenen beleuchtet und leider keine Lösungen aufzeigt. Wenn ich Hilfsleistungen anprangere, die das Leiden vielleicht mindern, jedoch nicht verhindern, sollte ich vielleicht Ideen haben, dies zu ändern. Doch danach sucht man vergeblich. Auch finde ich es etwas gewagt die freiwilligen Helfer als Egoisten zu kritisieren, die nur helfen, um sich etwas Gutes zu tun. Des Weiteren merkt man, dass Selke Professor ist. Zu Beginn des Buches erläutert er, dass er einfache Sprache anwenden will, doch dies gelingt ihm nur bedingt, rutscht er doch immer wieder in die Akademikersprache, die das Lesen doch teils etwas anstrengend gestaltet. Fazit: Gesamt betrachtet hat mir das Buch wirklich gut gefallen, da es ein Thema anspricht, dass jeden betreffen kann und dass man es sich nicht aussuchen kann nicht arm zu werden. Ein gelungenes Sachbuch, welches ich gern weiterempfehle.

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  • Was uns fehlt, ist Gerechtigkeit!

    Schamland
    Moep

    Moep

    23. June 2013 um 20:35

    Inhalt: Stefan Selke setzt sich in diesem Sachbuch „Schamland – Die Armut mitten unter uns“ kritisch mit dem Sozialsystem in Deutschland und vor allem dem pseudo-wohltätigen Tafelsystem auseinander. So geht er in den ersten Kapiteln nunmehr darauf ein, welche seine Beweggründe zum Schreiben dieses Buches sind und was ihn antreibt, um dann im Folgenden sehr authentisch und vielseitig Gespräche mit einigen Betroffenen zu schildern. Ferner bildet er auch einen von ihm so genannten „Chor der Tafelnutzer“, in dem er ausschließlich Zitate zu einem zusammenhängendem Text zusammenfügt, sodass man auch aus der „Wir“ - Perspektive noch einmal einen Eindruck von der Situation in der Tafel oder der Armut im Alltag bekommt. In diesem Teil des Buches wird vor allem erkenntlich, wie sehr die Empfänger von Sozialleistungen mit sich im Zwiespalt stehen, denn zu Einen erkennen sie zwar an, dass sie sich ohne den Gang zur Tafel so manches „Extra“ vielleicht nicht leisten könnten, machen aber zum Anderen auch sehr deutlich, dass sie sich von der Herablassung der „Helfer“ und der allgemeinen Abhängigkeit sehr gedemütigt fühlen. Auch haben mich diese Kapitel eine Menge über das System Tafel gelehrt, von dem ich zwar zuvor schon eine grobe Vorstellung hatte, es mir aber dennoch nicht klar war, wie sehr Menschen dort zu – ich möchte sagen Untermenschen – degradiert werden: Dass einem Menschen ein derart großes Misstrauen entgegengebracht wird, man alles offenlegen und auf generelle Bedürftigkeit geprüft werden muss. Der Autor gibt an dieser Stelle auch ein sehr gutes Zitat wieder: „Die gehen davon aus, dass der Mensch schlecht ist. Daher muss er kontrolliert werden.“ Insgesamt ein wirklich sehr informatives Kapitel. Abschließend wertet er noch das System Tafel aus, und fasst noch einmal zusammen, warum es denn eigentlich in einem Staat wie Deutschland überflüssig sein sollte. Meine Meinung: Alles in allem finde ich hat Stefan Selke hier schon ein sehr gutes Buch geschrieben, über das ich mich ganz wunderbar aufregen konnte (über unsere Politik, nicht den Autor), aber das mich auch zum Teil ein wenig enttäuscht hat, da ich bereits sehr hohe Erwartungen hatte. Also zum ersten bin ich natürlich schon sehr glücklich, dass sich dem Thema überhaupt mal einer öffentlich so kritisch zuwendet, denn gerade die sozial schwachen Menschen fühlen sich mit ihren Problemen oft allein gelassen. Ich bin sehr froh, dass Stefan Selke ihnen eine Stimme gegeben hat. Auch habe ich vieles aus diesen Ausführungen gelernt, was mir vorher nicht so bewusst war. Denn obwohl ich vorher schon eine ähnliche Meinung vertrat wie der Autor, hat dieser mich nur in meinen Gedanken bestärkt, sodass ich jetzt noch stärker das Gefühl habe, hier läuft etwas so gewaltig falsch, das müssen wir ändern; Vor allem hat sich bei mir ein außerordentlich starkes Bedürfnis entwickelt, andere Menschen davon zu überzeugen, dass nicht jeder Hartz IV Empfänger ein asozialer „Hartzer“ ist. Da viele meiner Mitschüler sehr vehement diese Meinung vertreten, hat mich der Autor mit seinem Buch dazu bewegt, in der kommenden Woche die Armut mitten unter uns für mein Deutsch Referat zu thematisieren. Denn ich habe das Gefühl, diese Problematik ist zu wichtig, um von gerade so jungen Menschen wie uns ignoriert zu werden. Enttäuscht war ich vor allem davon, wie wenig Lösungsvorschläge Stefan Selke angeführt hat. Denn man kann nicht einfach immer nur rum meckern und die Politiker kritisieren, dass sie alles falschen machen, wenn man selbst keine Lösungsvorschläge vorbringen kann. Das hätte mir als ein abschließendes Kapitel das Buch noch wertvoller gemacht. Insgesamt gab es auch viele Wiederholungen, sodass sich das Lesen zeitweilig wirklich hinzog und man es hätte deutlich kürzer machen können. Trotzdem ein sehr bewegendes Werk, das mich definitiv weitergebracht und sehr bereichert hat.

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  • Wichtiges Thema, dass leider sehr einseitig behandelt wurde...

    Schamland
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    22. May 2013 um 23:06

    Stefan Selkes Buch „Schamland – Die Armut mitten unter uns“ berichtet von der aktuellen sozialen Notlage vieler deutscher Bürger und der Notwendigkeit soziale Einrichtungen wie die Tafel oder Kleiderkammern zu nutzen. Generell finde ich es sehr gut und wichtig, dass das Thema Armut offen angesprochen wird. Bei vielen Menschen reicht das Geld einfach schlicht nicht mehr zum leben, zum überleben so grade. Viele Menschen wissen wahrscheinlich gar nicht wie schlimm diese Entwicklung mittlerweile bei uns ist, und wie stark arm und reich auseinanderklaffen. Man muss für das Thema sensibilisiert werden und darf nicht alle Menschen über einen Kamm scheren, dennoch habe ich das Gefühl, dass Herr Selke selbst auch hierzu neigt. Das Buch ist in mehrere Abschnitte unterteilt. Selke gibt eine Einführung in das Thema und erklärt, wie es dazu kam, dass er sich damit auseinander gesetzt hat, er führt Gespräche mit in Armut lebenden Menschen und zitiert sie in „Der Chor der Tafelgänger“. Er blickt zurück in die historische Vergangenheit und vergleicht mit der heutigen Situation und macht klar, dass es so nicht weitergehen darf. Der Autor hat sich jahrelang mit dem Thema Tafel, dem Klientel, den ehrenamtlichen Helfern und den Sponsoren samt Werbeaktionen beschäftigt. Den meisten Menschen ist es bestimmt auch bewusst, dass es natürlich für alle besser wäre, wenn man keine Suppenküchen und Tafeln bräuchte. Aber leider sieht die Wirklichkeit anders aus. Doch der angedeutete Ansatz die Menschen mit höheren Geldsätzen zu alimentieren, so dass sie wieder selbstbestimmt für sich sorgen und an der Gesellschaft teilhaben können ist für mich der falsche Ansatz. Für mich ist die einzige Möglichkeit für Inklusion in die Gesellschaft der erste Arbeitsmarkt. Wenn jemand wieder arbeiten geht, sein eigenes Geld verdient und an der Gesellschaft teil hat, braucht er keine Tafel mehr, keine Kleiderkammer mehr. Selke schreibt, dass die karitativen Einrichtungen sich die Leute bei der Tafel für ihre Dienste einfangen (Schuldner-, Drogen-, und Lebensberatung), dass aber in vielen Fällen Hilfe geleistet werden muss ist nun einmal Tatsache. Die Arbeitslosigkeit und die Armut kann der Auslöser für viele Probleme sein, aber auch der Grund für die selbigen. Und um das Problem bei der Wurzel zu packen, muss man mit dem Mensch arbeiten und Hilfestellungen geben. Wenn es um Aufstocker oder Rentner geht ist es ganz klar, dass an diesen Stellen die Politiker mit Änderungen und neuen Konzepten aufwarten müssen. Genauso wäre es wünschenswert wenn sie sich um die Arbeitsmarktlage kümmern würden. Für viele Menschen gibt es natürlich aufgrund von Behinderung, Krankheiten oder auch Lerndefiziten keine passenden Stellen. Aber auch hier wäre es sinnvoller diese Arbeitsplätze einzurichten und mehr niedrigschwellige Arbeitsplätze zu schaffen. „Schamland – Die Armut mitten unter uns“ spricht ein wirklich wichtiges Thema an, dass meiner Meinung nach leider zu einseitig betrachtet wird. Die Einblicke in das Leben und die Gefühle von in Armut lebenden Menschen sind schockierend und machen es einem bewusst, wie gut es einem doch geht. Doch wird auch klar, dass es ganz schnell von einem Tag auf den anderen anders sein kann. Andersrum geht es nicht so schnell. Und unsere Gesellschaft und ihre Politiker, werden noch ziemlich lange brauchen um Deutschland in eine Stellung zu bringen, in der niemand auf die „Almosen“ anderer angewiesen ist – wenn sie es überhaupt noch schaffen... Ein kleiner Kritikpunkt ist für mich noch, dass dieses Buch wahrscheinlich von wenigen betroffenen Menschen gelesen wird, da es zum einen für diese Gruppe zu teuer ist, als auch in einem für die meisten unbekannteren Verlag erschienen ist. 3,5 Herzen für ein Buch, dass Aufsehen erregt und Menschen für die Armut anderer sensibilisieren soll – dies jedoch nur aus einem eingeschränkten Blickwinkel macht.

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  • Kritischer Sozialreport

    Schamland
    Der.schmetterling

    Der.schmetterling

    20. May 2013 um 20:56

    Klappentext: "Wir leben im Schamland. Wir werden nun sprechen, alle zusammen. Wir sind die, die seit Jahren Almosen in Empfang nehmen. Wir sind die stimmen und das schlechte gewissen der neuen sozialen frage in Deutschland. Wir sind viele." In einer einzigartigen Mischung aus Sozialreportage und messerschärfer Gesellschaftsanalyse nimmt der Soziologe Stefan Selke uns mit in die unbekannte Welt der Armen. Er zeichnet das Leben jener Menschen, die einst in der Mitte der Gesellschaft lebten und sich verzweifelt bemühen, ein Stück Normalität zu bewahren. Stefan Selke versucht in seinem Buch Schamland, den Alltag der Betroffenen mit den soziologischen und politischen Hintergründen zu vereinen. Zu Beginn beschreibt er auf 50 Seiten (Armut mitten unter uns) die soziologischen und politischen Hintergründe. Es werden Grunddaten aufgezeigt wie beispielsweise das Haushaltsnettoäquivalenzeinkommen und die relative Armutsgrenze. Weiterhin betrachtet er die subjektiv "gefühlte" Armut. Im zweiten und dritten Abschnitt des Buches, "Trostbrot" und "Der Chor der Tafelnutzer", gibt Stefan Selke den Betroffenen eine Stimme. Der Autor reiste für die Recherche des Buches durch ganz Deutschland um Gespräche mit den Nutzern der Tafeln zu führen. Diese fasst er in diesem Teil des Buches gefühlvoll und realistisch zusammen. Es wird auf viele Missstände hingewiesen, so beispielsweise auch auf die Berichterstattungen der Presse. Diese sind häufig wenig einfühlsam, wie die Überschrift eines Artikels "Abgespeist" darstellt. Der Wunsch sich selber etwas in einem normalen Supermarkt zu kaufen, ist bei vielen Betroffenen sehr hoch. Weiterhin herrscht eine immer wieder auftauchende verdeckte Gewalt bei den Ausgaben der Tafeln. Wer zuerst kommt malt zuerst... Häufig sind es auch auferlegte Meldepflichten die Tafelnutzer noch weitere an den Rand der Gesellschaft rücken, denn wer diesen nicht nachkommt, wird auch von der Tafel ausgeschlossen. In den zwei abschließenden Kapiteln des Buches widmet sich Stefan Selke erneut der soziologischen Betrachtung der Tafel und berichtet unter anderem, dass besonders die Tafel zu einer Verfestigung der Armutslage beiträgt. Insgesamt betrachtet Stefan Selke, die Tafeln sehr kritisch und weis deutlich auf Missstände hin. Persönliche Bewertung: Bei diesem Buch von Stefan Selke handelt es sich mehr um ein kritisches Fachbuch der Soziologie als um ein Buch, welches auch von Betroffenen gelesen werden wird. Wie er in seiner Danksagung bereits schrieb, unterstützte ihn eine Lektorin die soziologische Sprache ins Deutsche zu übersetzten, dies ist jedoch meines Erachtens weniger gelungen. Das Buch ist sehr fachlich und wissenschaftlich. Störend fand ich die vielen Fußnoten, bereits nach 5 mal bis ans Ende des Buches blättern, überlass ich die Fußnoten im Folgenden. Nicht nur die Schriftform und Sprache wird Betroffene davon abhalten das Buch zu kaufen, sondern auch der leider sehr hohe Preis. Ich empfehle daher eher das Buch für Praktiker, Studenten und weitere mit dem Thema vertraute, sowie vor allem den Entscheidern, die durch dieses Buch einen kritischen Einblick erhalten sollten. Da ich jedoch selbst aus dieser Praxis komme, sind mir solche Schriften wohl bekannt und ich kann mich der Kritik und dem Buch Schamland vollständig anschließen. Für mich ist diese Reportage jedoch nicht vollständig, es fehlt der pädagogische Blickwinkel. Nicht erwähnt bleiben Hilfsmaßnahmen im Rahmen der Tafel, sozialpädagogische Beratung, psychologische Beratung usw. Wo sind die Menschen, die versuchen die Tafelnutzer zu unterstützen ihre Notlage zu überwinden? Warum schaffen es so wenige Nutzer aus diesem Bereich hinaus zu kommen? Warum werden die Folgeerscheinungen (Alkohol- Drogengebrauch, psychische Erkrankungen) nicht benannt. So wie Stefan Selke am Ende seines Buches schrieb, die Tafeln sind häufig "Aktionismus ohne Weitblick- keine Arbeit an den Ursachen". Insgesamt 3 Jahre habe ich mit Langzeitarbeitslosen (über 5 Jahren) im Rahmen von 1 Euro Maßnahmen gearbeitet. Diese 1 Euro Maßnahmen dienten der Wiedereingliederung auf dem Arbeitsmarkt, jedoch wurden sie von vielen Anbietern als "billige Arbeitskräfte" falsch verstanden. Schaut man im Rahmen dieser Maßnahmen auf die Hintergründe der Langzeitarbeitslosigkeit der Betroffenen und fängt bei den verdeckten Ursachen anzuarbeiten, werden diese erfolgreich und für viele Menschen unerwartet doch wieder in den Arbeitsmarkt eingegliedert. Insgesamt erhält das Buch Schamland von Stefan Selke von mir 4 Sterne. Einen Stern ziehe ich ab, da mir die pädagogische Sichtweise fehlt und ich durch die Ankündigung des Buches ein praxisnäheres Buch ohne hochwissenschaftliche Schriftform erwartet habe.

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  • Ein wertvolles Buch - ein wichtiges Buch

    Schamland
    kvel

    kvel

    Inhalt: In dem Sachbuch setzt sich der Autor mit dem Thema der Armutsökonomie auseinander. Er schildert das Thema konsequent aus der Sicht der Armen. Also derjenigen in unserem Land, die auf die Tafeln, Armenküchen und Kleiderkammern angewiesen sind. Er berichtet, was es für die Betroffenen bedeutet zu den Tafeln zu gehen: Wie beschämend dies ist. Und wie sich diese Scham anfühlt. Hier spricht der Autor Tacheles. Gut, dass diese Diskussion nun angestoßen wurde (sie war längst überfällig) und dieses Thema in die Öffentlichkeit getragen wird! Kritikpunkte am Buch: Der Autor bietet keine direkten Lösungsvorschläge an. Der Autor fühlt sich sehr den Armen verpflichtet; d.h. er stellt das Thema konsequent aus ihrer Sicht dar (was natürlich legitim ist); was aber dafür andere Gesichtspunkte (wie die der ehrenamtlichen Helfer) außen vor lässt. Fazit: Aber ein wertvolles und wichtiges Buch.

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  • So viel Armut mitten unter uns? Unglaublich!

    Schamland
    kassandra1010

    kassandra1010

    17. May 2013 um 13:42

      Ein Sachbuch oder eher ein Roman? Definitiv ein Sachbuch über unglaubliche Szenen, die sich doch mitten uns wohlsituierten Deutschen abspielt. Armut kennt keine Grenzen und es bedarf sich schon viel Mut, dass auch kund zu tun. Wo ist unsere Politik, wenn sie gebraucht wird? Warum erhalten Politiker so viel Gehalt und warum ist es so erniedrigend, zum Amt oder zur Tafel zu gehen? Gibt es überhaupt noch Glück und Freunde in den Leben derer, die tagtäglich jeden einzelnen Cent umdrehen müssen? Das alles und noch viel mehr über die Armut und das Wegsehen berichtet uns Stefan Selke ohne viel drum herum zu reden! Klassisch direkt und man sollte es nicht zu leicht nehmen!    

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  • "Was uns fehlt, ist Gerechtigkeit"

    Schamland
    Nachas

    Nachas

    05. May 2013 um 19:47

    Ich bin der Meinung, Stefan Selke hat hier kein offenbarendes, wachrüttelndes Buch geschrieben. Alles was ich gelesen habe, war mir sozusagen nicht unbekannt. Dass ein Großteil der "Bedürftigen" nur durch einen traurigen Zufall (Sei es ein Unfall, Insolvenz durch Betrug oder gar der Tod des Partners) in die Armut gerutscht sind, kann man sich eigentlich denken. Dennoch finde ich es gut, dass eben diese Menschen in seinem Buch - wenn auch anonym - zu Wort kamen. Tafel-Gänger werden oft missverstanden und davon ausgehend verurteilt. Er beschreibt vor Allem das Nicht-Zusammengehörigkeits-Gefühl. Tafel-Gänger schämen sich. Sie schämen sich nicht nur vor Aussenstehenden, sogar untereinander wird sich geschämt. Während des Lesens war mir größtenteils traurig zumute, da mir diese Menschen einfach leidtun. Einmal in diesem "Sumpf" gefangen, schafft man es nur mit großer Mühe wieder heraus, da es alles zu einem Trott wird, ob man nun möchte oder nicht. Er spricht auch an, was mich selbst bewegt: Wie kann man Deutschland ein reiches Land nennen, wenn doch tatsächlich so viele Menschen Hunger leiden? Die Kluft zwischen arm und reich wird einfach immer größer. Ich finde dieses Buch gut, keine Frage. Die Sachverhalte und persönlichen Schicksale sind alle gut, verständlich und bildlich dargestellt. Ich habe beim Lesen mit jedem Betroffenen mitgefühlt. Doch hatte ich zeitweise auch das Gefühl, dass viel wiederholt wird, das Buch hätte man kürzer fassen können. Die Intension die Selke damit (wahrscheinlich) hatte, wäre trotzdem angekommen. Nun werde ich dieses Buch in mein Bücherregal zu den anderen gelesenen Büchern stellen und ab und an - wenn es mir wieder in den Blickwinkel fällt - über das arme, reiche Deutschland nachdenken und hoffen, dass meine Familie, Freunde und auch ich weiterhin von "der Tafel verschont" bleiben.

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  • Sehr gutes Sachbuch

    Schamland
    sapadi

    sapadi

    04. May 2013 um 10:34

    Stefan Beilke kritisiert hier anhand von Beispielen, vor allem aber am Beispiel der Tafeln (aufgrund dessen 20 jährigen Jubiläums), den Umgang unserer sozialen Marktwirtschaft mit Armut. In fünf große Kapitel aufgeteilt nähert sich der Autor seiner Meinung immer mehr an, aber bereits im Vorwort wird die Richtung in die er geht klar. Sachlich und wissenschaftlich geschrieben, ohne dabei den Leser aus dem Auge zu verlieren, schafft es der Autor einen nicht einfachen Stoff, der auch nicht leicht verdaulich ist, gut zu verpacken. Dabei bringt er seine Auffassung detailliert und gut verständlich an den Leser. Vieles davon hat man schon gewusst, aber hier werden einem nochmal alle Gesichtspunkte und deren Auswirkungen vor Augen geführt. In den Anmerkungen sind die Quellenangaben erfasst, so dass die Grundlagen nachgewiesen sind, auch wenn natürlich die Schlüsse die hieraus gezogen werden durchaus diskutabel sind. Aber hier werden auch immer beide Seiten des „Problems“ betrachtet, was ich sehr angenehme finde, so wird keine Meinung aufgedrängt, auch wenn der Autor seine Meinung zu diesem Thema hat. Heraus zu heben ist das Kapitel „Der Chor der Tafelnutzer“, wo Stefan Beilke die Stellungsnahmen von vielen verschiedenen Tafelnutzern zusammenfasst, eine wirklich bedrückende Stimmung entsteht und man kann die Tafelnutzer richtig verstehen und lernt die Denkweise zu begreifen.  Ebenfalls ist das Kapitel „Trostbrot“ sehr anschaulich, weil hier einige Fälle beschrieben werden, wie Menschen in diese Armut gelangen und wie sie selbst die Chancen ansehen diese wieder zu verlassen. Hier steigt man tief in die Praxis der Hilfe gegen die Armut ein.   Fazit: Ein Buch das sehr nachdenklich stimmt. Manchmal auch unter die Haut geht und dennoch immer dem wissenschaftlichen Ansatz treu bleibt.

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  • Sie sind arm, obwohl sie arbeiten !!

    Schamland
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    29. April 2013 um 21:41

    Die Bundesrepublik Deutschland ist eine der reichsten Industrie-Nationen der Welt. Für uns ist (war) es selbstverständlich, jederzeit Nahrung und Wasser zur Verfügung zu haben und wir empfi(a)nden dies durchaus nicht als Luxus, sondern eben als diese Selbstverständlicheit. Und eben diese Selbstverständlickeit ist (war) eigentlich ein Bürgerrecht in unserem Sozialstaat, eigentlich.....denn immer mehr Menschen befinden sich in diesem Sozialstaat in finanzieller und sozialer Not, ja in Armut. Autor Stefan Selke schreibt in seinem Buch "Schamland" über seine Forschungen über die allgegenwärtigen Tafeln, bei denen er Tafelnutzer in ganz Deutschland interviewte, über das Versagen einer Politik und von Politikern, die immer weniger Verantwortung übernehmen. Man möchte meinen, dieses Thema käme trocken oder kopflastig daher. Nein, der Soziologe Selke berichtet mit spitzer Feder, spannend und gut lesbar. Das die Tafeln zu einer "Armutsökonomie" gehören, war mir auch schon klar und wer vor zehn Jahren lachte, wenn einer von der Amerikanisierung unserer Verhältnisse sprach (siehe Gesundheitssystem), dem dürfte heute das Lachen vergangen sein. Dann unsere Kinderarmut, Kinder, die schon so aufwachsen, dass sie daran gewöhnt werden, wohlwollende Almosen als selbstverständlich zu nehmen und nicht eine menschenwürdige Grundversorgung des ehemaligen Sozialstaates. Aber das ist politisch so gewollt und wir können es nur ändern, indem wir das Ruder herumreissen und diesem unmenschlichen Super-Kapitalismus die Stirn bieten....!! Tolles Buch.....bitte lesen !!

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  • Schamland

    Schamland
    Michelangelo

    Michelangelo

    28. April 2013 um 09:39

    In den Industrieländern galt Armut eigentlich als überwunden, aber die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer. Armut bedeutet den Verlust gesellschaftlichen Ansehens, gesellschaftlicher und kultureller Teilhabe, ungesünderes Leben und sogar eine erhebliche Verkürzung der Lebenszeit. Mittlerweile betrifft die Armut aber nicht mehr nur die Randschichten der Gesellschaft, sondern hält auch Vormarsch in die sogen. Mittelschicht. Es geht wahnsinnig schnell abzustürzen und es wird sehr schwer bis unmöglich aus diesem Loch wieder herauszukommen. Die Agenda 2010 hat dies noch mehr verschärft. Der Sozialstaat hat sich gewandelt. Der Staat hält die die Bedürftigen auf unterstem Niveau und überlässt es anderen, diesen Leuten noch etwas mehr zum Lebensnotwendigen beizusteuern, diese Aufgaben haben die Tafel, Suppenküchen und andere Hilfseinrichtungen übernommen. Der Autor schrieb das Buch aus Protest, als ihm bewusst wurde, dass die Tafeln inzwischen ihr 20 jähriges Jubiläum „feiern“. Er beschreibt uns darin das Phänomen Armut, seine Auswirkungen und auch Prognosen für die Zukunft. Es wird aber im Großen und Ganzen nichts Neues berichtet, es ist nur hilfreich sämtliche Informationen und Äußerungen diverser Politiker mal auf einem Griff parat zu haben. Herr Selke lässt uns an seinen Gesprächen mit Betroffenen teilhaben und fasst in einem 2. großen Kapitel das Fazit aus diesen Gesprächen zusammen. Diese sind sehr interessant und aufschlussreich, inwiefern einige der Betroffenen in diese Situation gerieten, aus der es keinen Ausweg zu geben scheint. Ich finde es nur schade, dass der Autor, den Tafeln gegenüber relativ negativ eingestellt ist, denn solange sich an unserer Sozialpolitik nichts ändert, werden wir sie brauchen . Für das Buch ist ausgiebig recherchiert worden und es bietet so sehr viele Informationen, ist aber nicht gerade leicht und einfach zu lesen. Eigene Ideen bzw. Vorschläge , für Verbesserungen und Lösungen fehlen leider, die hätte ich eigentlich so zum Schluss erwartet, so als Abrundung des ihm anliegenden Themas. Es ist insgesamt ein aufklärendes und zum Nachdenken anregendes Buch, für mein Empfinden hätte es ein wenig kürzer und straffer geschrieben sein können. Das Problem wird nur sein, dass diejenigen, die durch ihre Politik unser Land quasi in ein Schamland verwandelt haben, dieses Buch nicht lesen werden .

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  • Anspruchsvoller Blick hinter die Kulissen

    Schamland
    rumble-bee

    rumble-bee

    22. April 2013 um 10:04

    Ich hatte mich aus mehreren Gründen sehr für dieses Buch interessiert. Erstens wächst seit Jahren mein Interesse an gut gemachten Sachbüchern, und zweitens finde ich, dass das Thema "Armut in Deutschland" viel zu sehr unter den Teppich gekehrt wird. Ich lese zudem gerne Bücher, die mich zum Nachdenken zwingen. Trotzdem möchte ich dem Buch nur drei Sterne geben, was aber weniger am Inhalt liegt. Doch von vorn. Keine Frage, die Thesen und Inhalte, die der Soziologe Stefan Selke hier anspricht, sind brisant und überfällig. Armut ist in Deutschland ein echtes Thema geworden, ebenso die Spaltung der Gesellschaft in 2 Klassen, sowie die teils sinnlos um sich greifende Mildtätigkeitseuphorie. Der Autor konnte mich ferner von der Ernsthaftigkeit seiner Absicht überzeugen - im Vorwort beschreibt er ausführlich, dass er keine Lösungen zu bieten habe, sich aber seit Jahren mit den "Tafeln" etc. beschäftige, und zum Nachdenken anregen wolle. So weit, so gut. Dennoch finde ich das Buch als Produkt, als gemachtes Werk, teils ein wenig sperrig. Ich habe mich manchmal gefragt, wer denn das lesen soll - der typische Durchschnittsleser bestimmt nicht. Denn obwohl der Autor im Prolog beteuert, auf "Soziologensprache" verzichten zu wollen, kann er offenbar einfach nicht aus seiner Haut. Man merkt auf jeder Seite, dass er Akademiker ist, und dass er es gewöhnt ist, vor Publikum zu reden. Genau danach klingt nämlich auch die Sprache in diesem Buch. Der Prolog, sowie weite Teile des Buches, lesen sich wie eine typische Abhandlung in einer akademischen Festschrift. Der Autor verkneift sich zwar weitestgehend Fachtermini, aber der Satzbau ist weit ausholend, viele Passagen und Formulierungen wiederholen sich, und auch die gewählten Metaphern und Bilder klingen eher nach jemandem, der an einer Podiumsdiskussion teilnimmt. Zudem wimmelt es von Fußnoten, Anhängen und Zitaten von Fachkollegen. Der Soziologe XY habe hier festgestellt, die ForscherinYZ habe da und dort dies geschrieben, der Publizist ABC meine dies und jenes, und so fort. Puh! In einem Aufsatz mag das alles ja noch angehen, aber in einem Buch, das in einem allgemeinen Publikumsverlag erscheint, finde ich diese Vorgehensweise teils verfehlt. Zudem finde ich den Aufbau des Buches nicht wirklich geglückt. Einen Prolog zu schreiben, ist üblich und angemessen. Darauf folgen erstens ein Abschnitt mit Fallbeispielen unverschuldet in Armut geratener Menschen, danach eine stilistisch gewagte "Collage": aus lauter Zitaten hat der Autor hier einen "Chor der Tafelnutzer" zusammengeschnitten. Doch - danach wiederum zwei Abschnitte in teils verstiegener Sprache, die einerseits auf historische Hintergründe von Armut eingehen, andererseits Folgen der gegenwärtigen Entwicklung aufzeigen. Das alles kam schon im Prolog ausreichend vor! Zumindest für meinen Geschmack. Man hätte lieber nur einen (!) theoretischen Teil anfertigen sollen, und danach dann die Fallbeispiele und die Collage. Es ist einfach kein Buch, das sich leicht herunterlesen lässt. Oder, anders gesagt: um ausreichend Menschen mit diesem Buch zu "erreichen", um eine Diskussion in Gang zu bringen, ist das Buch nicht eingängig genug geschrieben. Wobei ich noch einmal betonen möchte, dass ich nicht (!) den Inhalt und die Absicht des Autors meine, sehr wohl aber seinen Schreibstil und den Aufbau. Ich finde das, was er eigentlich sagen will, mutig und bedenkenswert. Doch für mich hätten dafür auch 100 Seiten gereicht.

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