.aufgezeigt anhand cineastischer Aufreger.
Ein händchenhaltendes schwules Pärchen in der Innenstadt einer deutschen Großstadt ist heute eher nichts Ungewöhnliches mehr. In den 50iger Jahren des letzten Jahrhundert wäre der Skandal perfekt gewesen. Eine nackte Frauenbrust konnte in der gleich Zeit am Badesee durchaus noch Aufregung verursachen. Und heute? Was als anzüglich, als unanständig oder gar als Skandal betrachtet wird, hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich gewandelt und das durchaus nicht nur im sexuellen Bereich. Das Buch nimmt sich unter diesem Aspekt also nun die Filmbranche ins Visier und spannt einen großen Bogen von KISS (USA 1896) bis zu „Tal der Wölfe – Irak“ (Türkei 2006). Der erste Skandal der Filmgeschichte war also, wie der Titel schon vermuten lässt, ein Kuss und zwar zwischen Mann und Frau und durchaus kein heftiger. Das macht es schon gleich deutlich: Nach den Aufregern der Anfänge kräht heute kein Hahn mehr. Selbst der Skandalfilm der 50iger Jahre in Deutschland „Die Sünderin“ hat heute ein FSK ab 12.
Natürlich muss in solch einem Buch eine Auswahl getroffen werden. Das Buch fokussiert auf die Skandale beim deutschen Publikum, wobei viele Film nicht nur hier sondern gleichzeitig auch in anderen Ländern für Aufregung gesorgt haben. Gewundert habe ich mich, dass kein Film von Fassbinder auftaucht und z.B. „Querelle“ nicht aufgelistet ist.
Meist lösten freizügige Darstellungen den Skandal aus, mitunter aber auch Bearbeitungen religiöser Themen und natürlich Gewaltdarstellungen.
Da hat man ganz schön zu Lesen, wenn man das Buch von vorne bis hinten durchackern möchte. Man kann es sich aber natürlich auch nach Gusto film- oder jahrzehntweise vornehmen. Manche Filme kannte ich bereits, andere waren echte Neuentdeckungen.
Am Ende habe ich mich gefragt, welche Steigerungen heutzutage nun noch kommen müssten, um wirklich für Empörung und Aufregung zu sorgen?
Das Werk ist durchgängig recht klein geschrieben, hat viele Fußnoten, ist mehr ein wissenschaftliches Werk als ein Lesebuch. Etliche Szenenfotos der besprochenen Filme lockern das Ganze ein wenig auf. Es gibt eine Einführung nach Jahrzehnten und die Filme sind chronologisch geordnet.
Fazit: Interessante Sammlung









