Stefan Volk

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Skandalöses Empfinden im Wandel der Zeit

.aufgezeigt anhand cineastischer Aufreger.


Ein händchenhaltendes schwules Pärchen in der Innenstadt einer deutschen Großstadt ist heute eher nichts Ungewöhnliches mehr. In den 50iger Jahren des letzten Jahrhundert wäre der Skandal perfekt gewesen. Eine nackte Frauenbrust konnte in der gleich Zeit am Badesee durchaus noch Aufregung verursachen. Und heute? Was als anzüglich, als unanständig oder gar als Skandal betrachtet wird, hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich gewandelt und das durchaus nicht nur im sexuellen Bereich. Das Buch nimmt sich unter diesem Aspekt also nun die Filmbranche ins Visier und spannt einen großen Bogen von KISS (USA 1896) bis zu „Tal der Wölfe – Irak“ (Türkei 2006). Der erste Skandal der Filmgeschichte war also, wie der Titel schon vermuten lässt, ein Kuss und zwar zwischen Mann und Frau und durchaus kein heftiger. Das macht es schon gleich deutlich: Nach den Aufregern der Anfänge kräht heute kein Hahn mehr. Selbst der Skandalfilm der 50iger Jahre in Deutschland „Die Sünderin“ hat heute ein FSK ab 12.


Natürlich muss in solch einem Buch eine Auswahl getroffen werden. Das Buch fokussiert auf die Skandale beim deutschen Publikum, wobei viele Film nicht nur hier sondern gleichzeitig auch in anderen Ländern für Aufregung gesorgt haben. Gewundert habe ich mich, dass kein Film von Fassbinder auftaucht und z.B. „Querelle“ nicht aufgelistet ist.


Meist lösten freizügige Darstellungen den Skandal aus, mitunter aber auch Bearbeitungen religiöser Themen und natürlich Gewaltdarstellungen.


Da hat man ganz schön zu Lesen, wenn man das Buch von vorne bis hinten durchackern möchte. Man kann es sich aber natürlich auch nach Gusto film- oder jahrzehntweise vornehmen. Manche Filme kannte ich bereits, andere waren echte Neuentdeckungen.


Am Ende habe ich mich gefragt, welche Steigerungen heutzutage nun noch kommen müssten, um wirklich für Empörung und Aufregung zu sorgen?


Das Werk ist durchgängig recht klein geschrieben, hat viele Fußnoten, ist mehr ein wissenschaftliches Werk als ein Lesebuch. Etliche Szenenfotos der besprochenen Filme lockern das Ganze ein wenig auf. Es gibt eine Einführung nach Jahrzehnten und die Filme sind chronologisch geordnet.


Fazit: Interessante Sammlung





Skandal? Welcher Skandal?


Skandalfilme! Allein der Titel hört sich für manche gewiß reißerisch an. Dem ist aber nicht so. Dieses Buch ist klug, fundiert und profunde formuliert.

In diesem Buch wird exemplarisch aufgezeigt, wie wandlungsfähig Moralvorstellungen doch sind, wie der Einfluss auch der Kirchen noch gewirkt hatte und über was man sich nicht so aufgeregt hat. Darüber könnte man heute nicht einmal mehr müde grinsen.

Es ist unterteilt von den Anfängen bis 1949 und dann kommt chronologisch jedes Jahrzehnt bis 2006. ( Das Buch ist aus dem Jahr 2011 ).

1896 konnte man auf der Leinwand den allerersten Kuss überhaupt sehen und das löste Aufruhr in den USA aus. "Schlechthin widerwärtig!"

1919 spielte Conrad Veidt( der Somnambule aus "Das Cabinet des Dr. Caligari ) einen Homosexuellen in " Anders als die Andern". Skandal! Geschrei! Homophobie gibt es leider heute immer noch!



Einer der wahren Pluspunkte des Buches ist, daß an den Rändern in Kästen Persönlichkeiten und Begriffe erläutert werden.


Das Buch ist eine scharfsinnige, geschliffene Analyse. Man denke nur an Hildegard Knefs Barbusigkeit in "Die Sünderin". Shocking!
Erschreckend, wie die Zensur noch eingriff und welche Macht die Kirchen im Hintergrund noch hatten.
Ja, aber dann wurden die Zeiten gegen Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre liberaler. Aber dann kamen die Wellen der Horror- und Sexfilme. Texas Chainsaw Massacre! So blutig! ( Dabei ist kaum Blut im Film zu sehen ). Die Geschichte der O. erhitzte die Gemüter als auch der Film Salò oder die 120 Tage von Sodom, wo konsequent de Sades Schrift mit dem Faschismus verbunden wird, aber die Kritiker sahen nur die Perversitäten und nicht die tieferen Intentionen von Pier Paolo Pasolini.
Blasphemie erregte in den 80er Jahren die Gemüter durch Herbert Achternbusch zum Beispiel. Blasphemie ist offenbar ein Evergreen, um Aufregung anzustacheln.
Die Zeiten wurden und werden noch liberaler. So mußte auch der Film, wenn er Sex und / oder Horror zum Thema hat, immer drastischer werden, um überhaupt noch Reaktionen zu provozieren. Dann kommt es zu fragwürdigen Filmen wie "Hostel" von Eli Roth, wo es nur noch um die Zerstörung von Körpern geht, ohne nennenswerte Handlung, purer Nihilismus, was ich schade finde. Horror mit intelligenter Handlung braucht für mich nicht blutarm zu sein, aber eine Handlung wäre schon immanent.
Beschlagnahmung oder Indizierung auch von den sogenannten "Torture Porns" bringt hingegen gar nichts, weil das erst recht die Neugierde anstachelt und es Mittel und Wege gibt, sich diese Filme zu beschaffen. Alles, was kriminell ist, von Snuff bis Kinderporno gehört selbstredend verboten und vernichtet.
Was aber das Medium Film angeht, ist es oft nur ein Sturm im Wasserglas, viel Gedöns um Nichts. Was legal ist, soll jeder nach eigener Fasson sehen können. Nur, wie drastisch können Filmemacher noch werden, um einen Skandal zu provozieren? Skandale sind auch wunderbare kostenlose Werbung.
Das Buch ist jedenfalls verständlich und sehr interessant geschrieben, ohne Fachchinesisch, mit vielen Schwarzweißbildern und einer sehr hilfreichen Literaturliste und Register. Für jeden Cineasten unverzichtbar!

Cover des Buches EinFach Deutsch -  Effi Briest (ISBN: 9783140224093)
K

Rezension zu "EinFach Deutsch - Effi Briest" von Theodor Fontane

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Rezension zu "EinFach Deutsch - Unterrichtsmodelle / Unterrichtsmodelle - Klassen 11-13 / Theodor Fontane: Effi Briest" von Theodor Fontane

Ein Buch mit viel tief Sinn. Vieles wird nicht direkt hingeschrieben, aber angedeutet. Finde es einer besten Schulbücher.

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