Schachnovelle

von Stefan Zweig 
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Schachnovelle
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Neue Kurzmeinungen

Positiv (964):
Gregor98s avatar

Ein Meisterwerk, sofern man heutzutage noch die Nerven dazu hat. Dann lohnt es sich auf jeden Fall!

Kritisch (64):
N

für meinen Geschmack zu langatmig

Alle 1,194 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Schachnovelle"

Die Schachnovelle ist eine Novelle von Stefan Zweig, die er zwischen 1938 und 1941 im brasilianischen Exil schrieb. Es ist sein letztes und zugleich bekanntestes Werk.
Im Zentrum der Handlung steht die Konfrontation der psychischen Abgründe, die ein Gefangener der Gestapo erlebt hat, mit der oberflächlichen Lebenswelt wohlhabender Reisender in der Rahmenhandlung. Das Schachspiel spielt anfangs nur die Rolle einer bloßen Unterhaltung bzw. eines einträglichen Sports und erhält erst durch die Figur des Gefangenen Dr. B., der sich während seiner Haftzeit intensiv mit Schach beschäftigt hat, seine tiefere Bedeutung.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783744892308
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:44 Seiten
Verlag:Books on Demand
Erscheinungsdatum:08.08.2017
Das aktuelle Hörbuch ist am 01.09.2013 bei Aureon Verlag erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    Lannas avatar
    Lannavor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Stefan Zweig hat diese Geschichte genutzt um über die Zustände des Konzentrationslagers, der Gestapo und deren Folterungen zu berichten.
    Traurig und schockierend

    Die Schachnovelle von Stefan Zweig

    Erstmals veröffentlicht: 1942

    Unser "Protagonist" wenn man ihn so nennen darf, ich befürchte jedoch das es nicht ganz zutrifft, den es wird nicht seine Geschichte sein die erzählt wird. Er befindet sich auf einem Schiff  von New York nach Buenos Aires. Als das Schiff ablegt erfährt er, dass "der" Schachweltmeister Mirko Czentovic an Bord ist. Dieser Schachmeister  ist jemand ganz besonderes, da sein einziges Talent im Schachspiel liegt. Er spricht auch mit niemanden, der seinem Intellekt überlegen ist und somit fast nur mit den Bauern aus seinem Dorf.

    Das weckt die Neugier in dem Protagonisten. Er möchte an den berühmten Schachspieler ran und wie könnte er das besser, als ihn mit Schach zu locken. Natürlich hat weder er, noch der Reiche McConnor, die geringste Chance gegen ihn zu gewinnen. Bis ein Unbekannter, der sich Dr. B nennt, erscheint und sich als würdigen Gegner herausstellt.  Den er konnte alleine durch das Zuschauen, alle Schritte und alle Eventualitäten, beider Parteien im Kopf berechnen. Obwohl er seit mehr als 20 Jahren nicht mehr Schach gespielt hat. Er erzählt unserem Protagonisten später wieso er so ein brillanter Theoretiker darin ist. 

    Damit beginnt die Erzählung über sein Leben als Anwalt, der die Besitztümer der Kirchen verwaltet hat. Als Hitler an die Macht kam und die Plünderung der Kirchen begannen, wurde er verhaftet. Er kam nicht ins Konzentrationslager, den die Gestapo wollte von ihm Informationen, gegen die Klöster um Vermögensverschiebungen nachweisen zu können. 

    Er kam in ein Leeres Hotelzimmer und wurde dort während der langen Zeit der Gerichtsverhandlungen vier Monate festgehalten. Das war für ihn sogar noch eine viel größere Folter, als die Zwangsarbeit in den Gefangenenlagern.

    "Aber selbst Gedanken, so substanzlos sie scheinen, brauchen einen Stützpunkt, sonst beginnen sie zu rotieren und sinnlos um sich selbst zu kreisen; auch sie ertragen nicht das Nichts." Zitat Seite 50
    Bis ihn ein Buch in die Hände gefallen ist und er es heimlich ins Zimmer bringen konnte, und was war es... Nicht wie erhofft Goethe, sondern ein Schach Repetitorium. Daraufhin erzählt Stefan Zweig, wie dieses Buch Dr. B. durch seine "Wartezeit" im leeren Hotelzimmer begleitet. Wie es ihm zunächst unnütz vorkommt, dann doch froh ist es zu haben und irgendwann in den Wahnsinn treibt.

    Stefan Zweig hat diese Geschichte genutzt um über die Zustände des Konzentrationslagers, der Gestapo und deren Folterungen zu berichten.

    Was soll ich nun dazu sagen? Ich weiß nicht genau was ich von diesem Buch erwartet habe, ich wollte es unbedingt mal lesen, aber das es mich so erschüttert und gleichzeitig bewegt habe ich nicht kommen sehen. Gedanklich begleitet hat mich beim lesen, das Schicksal des Autors.  Schließlich schreibt er von einem Thema, das ihn und seine Frau zum Freitod bewegt hat.

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    Mondracs avatar
    Mondracvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Meisterlich erzählt, tiefgründig, ergreifend - eine Geschichte um das "Spiel der Könige"- das Schachspiel
    Meisterwerk "Schachnovelle" von Stefan Zweig

    Obwohl Stefan Zweig ein Klassiker ist, entdeckte ich ihn (leider) erst vor Kurzem und bin begeistert von dieser tiefgründigen, hoch sensiblen Art des Erzählens, die man eher als "Entführen" in die Untiefen der Seele beschreiben könnte.
    Man spürt außerdem die unbändige Erzähllust und das Interesse am Menschlichen, das unter der Oberfläche zu finden ist.
    So zeigt die Erzählung, dass manchmal etwas ganz anders ausgeht, als die Hochmütigen gewohnt sind, ohne der Handlung vorzugreifen ... ein Genuss!

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    Federfees avatar
    Federfeevor einem Jahr
    Ein sprachliches Meisterwerk

    Ein Schiff legt ab und es stellt sich heraus, dass der Schachweltmeister Czentovic anwesend ist, ein unsympathischer Mensch, von dem der Erzähler einiges zu berichten weiß: aus welch ärmlichen Verhältnissen er stammt, wie dumm und dumpf er in Kindheit und Jugend war, wie sein Schachtalent entdeckt und gefördert wurde und wie arrogant und abweisend er jetzt ist.

    Seine Anwesenheit ist für einige Mitpassagiere eine Herausforderung und ein reicher Ingenieur schafft es, Czentovic mit einem hohen Honorar zu einem Spiel gegen mehrere andere zu bewegen. Ein zufällig Anwesender mischt sich ein, gibt einen Tipp, so dass gegen den Weltmeister ein Remis erzielt wird. Der bleibt die ganze Zeit wie versteinert und eiskalt, geradezu roboterhaft.

    Das genaue Gegenteil ist Dr. B., der sich eingemischt hatte: kultiviert, gebildet, sensibel, feinfühlig. Er schildert dem Erzähler, wie er zu seinen Schachkenntnissen gekommen ist. Das war für mich der interessanteste und bewegendste Teil:

    Dr. B., aus guter österreichischer Familie stammend (wie Zweig selbst), wurde von der Gestapo in Isolationshaft gesteckt, um Kenntnisse über Finanzangelegenheiten zu erpressen. Zweig schildert die Bedingungen dieses Alleinseins so gut, dass man sich alles vorstellen kann, nicht nur die äußeren Bedingungen, sondern auch die innere Qual, das Kreisen der Gedanken, die Möglichkeit, wahnsinnig zu werden.

    Das wird zuerst besser, als Dr. B. ein Schachbuch findet, mit dem er sich Monate beschäftigen kann. Erst als er anfängt, Partien gegen sich selbst zu spielen, sich sozusagen in zwei Personen zu spalten, wird er krank (schizophren?), zum Glück gerettet und später als geheilt entlassen.

    Seinem Grundsatz, nie wieder etwas mit Schach zu tun haben zu wollen, verwirft er, um ein einziges Mal gegen die unerbittliche Schachmaschine Czentovic zu spielen. Der entdeckt den wunden Punkt seines Schachgegners und nutzt das so aus, dass dieser erneut Gefahr läuft, wahnsinnig zu werden. Als der Erzähler sich einmischt, bricht Dr. B. das Spiel ab ...

    Es ist eine Novelle, sehr kurz also, aber so gehaltvoll, dass man nur staunen kann. Sie ist Schullektüre und wird bis ins Kleinste analysiert und auseinandergenommen: Czentovi hitlerähnlich, das Gute gegen das Böse (Schwarz – Weiß), ein Psychogramm, u.v.m. Manches mag stimmen, anderes ist vielleicht nur hineingedeutet.

    Mich hat vor allem das sprachliche Vermögen Zweigs sehr beeindruckt. Schreibe mal über das Nichts, dem sich Dr. B. in seinem isolierten Wiener Hotelzimmer gegenüber sah. Das hat Zweig so meisterlich gemacht, dass man die Seelenqual durch Isolation geradezu fühlen konnte und auch den drohenden Wahnsinn.

    Zweig selbst fühlte sich anscheinend in seinem brasilianischen Exil in einer Art Isolation, abgeschnitten von der deutschen Sprache, von Bibliotheken und allem, was ihm etwas bedeutete. Kurz nachdem er die Schachnovelle beendet hatte, ging er zusammen mit seiner Frau in den vorher geplanten Freitod.

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    Das_Leselebens avatar
    Das_Leselebenvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Beim zweiten lesen noch besser... Es wird nicht das letzte mal gewesen sein
    Ein Mustread

    Die ‚Schachnovelle‘ musste ich vor vier Jahren in meiner Abiturzeit schon einmal lesen, aber wie es so mit der Pflichtschullektüre, die Lust hält sich eher in Grenzen, zumindest bei mir. Dem entsprechend unaufmerksam war ich dann auch beim ersten Lesen. Trotzdem wollte ich es gerne noch einmal lesen, da es sich um eine Novelle handelt hat sie genau die richtige Länge um sie noch vor den Feiertagen zu lesen, vor allem im Zug. Leider hatte ich es schon an einem Abend ausgelesen. Ich habe das Ebook von Amazon gelesen, mit ca 120 Seiten. Das Original erschien im Dezember 1942.


    Inhalt:
    Die Passagiere auf einem Passagierschiff, welches von New York nach Buenos Aires fährt, werden Zeugen einer ungewöhnlichen Schachpartie. Der unbekannte Dr. B. schlägt den Schachmeister Mirko Czentovic. Durch das Spiel werden bei Dr B. Erinnerungen an die Zeit wach, als er ein politischer Gefangener der Gestapo in Wien war und ihm Schach das Leben rettete.

    Meine Meinung:
    Beim zweiten Lesen ohne Zwang, habe ich die Novelle gradezu verschlungen.
    Ich bin schon fast euphorisch was Stefan Zweigs Schreibstil angeht. In jedem Wort merkt man als Leser seine pazifistischen Einstellung und seinen Wunsch frei zu Leben, ohne Grenzen.
    Eindrucksvoll erzählt er in der Schachnovelle von dem Krieg und seinen Folgen. Die Schilderungen von Dr B fühlten sich beim Lesen so real an als hätte ich sie selbst gemacht. In beeindruckenden Sprachbildern, erzählt Stefan Zweig von dem geistigen Tod durch fehlenden Anregungen und dann auch davon wie das rettende Seil zum Strick um den Hals werden kann.
    Die Metapher des Schachspiels ist sehr Vielfältig auf den verschiedensten Ebenden in dieser Novelle anwendbar. Angefangen bei seinen Protagonisten Czentovic und Dr B. Im ersten Moment scheint die Aufteilung ganz, der etwas tumbe wirkende Schachmeister, ist Symbolfigur für das Naziregime seinen Stumpfsinn und seiner Bedrohung. Wohingegen Dr B im ersten Moment das Weiße - Gute verkörpert. Er schafft es mit seiner Schläue Czentovic erst in Patt zu setzen und später sogar schlägt.
    Wer jetzt denkt typisches ‚Schwarz-Weiß-Denken‘ den wird das Ende wohl total überraschen. Obwohl Schach schwarz-weiß ist, zeigt der Autor eine bunte Mischung von Leben auf und mit dem Ziel des Dampfers Brasilien, den Wunsch nach Freiheit.
    Die ‚Schachnovelle‘ habe ich bestimmt nicht zum letzen mal gelesen. Das Büchlein ist ein guter Einstieg in das Thema Exilliteratur der Umgang mit Österreich im zweiten Weltkrieg, sowie dessen Folgen. Wer sich dafür interessiert muss die ‚Schachnovelle‘ lesen.

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    Knopperss avatar
    Knoppersvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: sehr interessant... aber schach wird hier definitiv überbewertet :D
    Schachvergiftung

    In "Schachnovelle" geht es um einen Autor, der aus der Ich-Perspektive von einer mehrtägigen Schiffsreise erzählt, bei der er zwei Schachgenies trifft. Der eine ist Weltmeister, recht jung und ziemlich plump, was ihn in der Schachszene ziemlich ungewöhnlich macht, er ist eher für seine Trägheit als für eine besondere Form der Intelligenz bekannt. Der Autor, dessen Name nie erwähnt wird und der auch nicht näher beschrieben wird, möchte gern mehr über dieses seltsame Wunderkind erfahren, das außer Schach quasi nichts kann. Er fordert den Meister gemeinsam mit anderen Männern zu einer Partie heraus, bei der sich herausstellt, dass dieser zwar wirklich gut spielen kann, sonst aber sehr unhöflich ist. Sie fordern ihn erneut heraus, bis plötzlich ein unbekannter Herr auftaucht, der ihnen hilft, den Unbesiegten wenigstens zu einem "Remis" zu zwingen, was die Umstehenden tief beeindruckt. Sie vereinbaren eine Schachpartie zwischen dem Weltmeister und dem Unbekannten am nächsten Tag.

    Der Autor trifft den rätselhaften Mann auf Deck, wo dieser ihm seine Geschichte erzählt; wie er von den Nazis verhaftet und in monatelang in einem Hotelzimmer eingesperrt wurde, um verhört zu werden. Diese Einsamkeit und die Leere, die ihn tagtäglich umgaben, machten ihm schwer zu schaffen und so war es eine Erleichterung, als es ihm gelang, einem Wärter ein Buch über 150 Meisterschachpartien zu entwenden, von denen er zunächst alle auswendig lernte. Doch nach etwa 2 Monaten wurde ihm auch diese Übung langweilig, woraufhin er begann, in seiner Vorstellung gegen sich selbst zu spielen, was ihn in einen fiebrigen Wahn versetzte. Er wurde verrückt, musste hospitalisiert werden und entkam so den Fängen der Nazis.

    Doch das darauffolgende Schachspiel gegen den berühmten Czentovic reißt Dr.B.s seelische Wunden wieder auf...

    Spoiler!

    Ich fand das Buch, obwohl ich normalerweise nicht so der Fan von Klassikern und generell Novellen bin, ziemlich gut. Die Art, wie Dr. B im Laufe der Zeit in eine Manie verfällt, gegen sich selbst gewinnen zu wollen, war wirklich faszinierend und irgendwie gruselig. Was ich etwas befremdlich fand, war diese Passion für Schach, die viele der Leute an Bord zu haben schienen und wie ernst das Ganze genommen wurde. Ich denke mal da muss man Schach schon wahnsinnig toll finden, um diese Leidenschaft zu verstehen ;)

    Alles in Allem eine sehr interessante Lektüre mit grotesken Einblicken in die menschliche Psyche, die ich allen Novellen- und Schachliebhabern weiterempfehlen würde.

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    elodie_ks avatar
    elodie_kvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Bereits in der Schule begeistert gelesen und auch nach dem zweiten Male ohne "Zwang", ein Meisterwerk!
    Eine Geschichte über das Schachspiel

    Bereits in der Schule war die Schachnovelle eine Pflichtlektüre, welche ich begeistert verschlungen habe. Nun nach einigen Jahren beschloss ich, dieses Werk ein weiteres Mal zu lesen. 

    Die Geschichte spielt auf einem Schiff, welches von New York nach Buenos Aires zieht und auf dem, unter den Passagieren auch der derzeitige Schachweltmeister Czentovic weilt. 
    Einige Passagiere fordern ihn zu einem Spiel auf, welchem er zögernd zusagt. 
    Ein mysteriöser Mann, hilft den Laien, den Meister zu täuschen. 
    Nachdem Spiel erfährt einer der Herausforderer die unglaubliche Geschichte dessen Mannes, der Monate lang eingesperrt und alleine mit sich selbst und keiner Ablenkung war. Während dieser Zeit entwickelte er das manische Schachspielen in seinem Gehirn gegen sich selbst; er wurde "Schachvergiftet". 

    Ein unglaubliches Werk über die Abgründe des menschlichen Gehirns, der Kunst des Schachspiels und der Grausamkeiten der Nazis. 

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    Xirxes avatar
    Xirxevor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Beeindruckende, unglaublich gut geschriebene Geschichte, die man nicht so schnell wieder vergessen wird.
    Zeitlos aktuell

    Auf einer mehrtägigen Schiffsreise von New York nach Buenos Aires in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts, wird der österreichische Ich-Erzähler Zeuge einer beeindruckenden Schachpartie. Der an Bord weilende Schachweltmeister spielt gegen eine Gruppe Amateure, ohne dass der geringste Zweifel an dessen Sieg besteht. Doch dann mischt sich ein unbekannter Passagier ein und das Spiel endet mit einem Remis. Am nächsten Tag soll ein weiteres Spiel stattfinden und der Ich-Erzähler fordert den Unbekannten zur Teilnahme auf. Dieser sträubt sich zunächst und erzählt ihm zur Erklärung seine Geschichte.
    Dieses kleine Büchlein, das gerade mal 104 Seiten mit verhältnismäßig groß gedruckten Buchstaben hat, ist sicherlich beeindruckender als viele andere Bücher, die einen drei- oder viermal so großen Umfang aufweisen. Vielleicht liegt es daran, dass Stefan Zweig viel mit Gegensätzlichkeiten gearbeitet hat, die eher im Gedächtnis bleiben. Einmal der introvertierte, ungebildete und langsame Schachweltmeister. Und der umgängliche, intellektuelle und beinahe manische 'Dilettant'. Oder der Ich-Erzähler, für den Schach 'nur' ein Spiel ist und sein Gegner, der alles als Wettkampf sieht und jede Niederlage als persönlichen Affront empfindet. Aber auch die Art, wie Zweig Schach beschreibt, wird mir im Gedächtnis bleiben. Insbesondere, weil er selbst überhaupt keinen großen Bezug dazu hatte.
    Zitat: "Ist es nicht auch eine Wissenschaft, eine Kunst, schwebend zwischen diesen Kategorien wie der Sarg Mohammeds zwischen Himmel und Erde, eine einmalige Bindung aller Gegensatzpaare; uralt und doch ewig neu, mechanisch in der Anlage und doch nur wirksam durch Phantasie, begrenzt in geometrisch starrem Raum und dabei unbegrenzt in seinen Kombinationen, ständig sich entwickelnd und doch steril, ein Denken, das zu nichts führt, eine Mathematik, die nichts errechnet, eine Kunst ohne Werke, eine Architektur ohne Substanz und nichtsdestominder erwiesenermaßen dauerhafter in seinem Sein und Dasein als alle Bücher und Werke...*
    Dazu die unglaublich genauen Beschreibungen der einzelnen Charaktere und Situationen, die derart zeitlos gut sind, dass Manches klingt, als wäre es eben erst geschrieben worden.
    Zitat: "Nun hatten die Nationalsozialisten, längst ehe sie ihre Armeen gegen die Welt aufrüsteten, eine andere ebenso gefährliche und geschulte Armee in allen Nachbarländern zu organisieren begonnen, die Legion der Benachteiligten, der Zurückgesetzten, der Gekränkten."

    Ein kleines, aber sehr feines Büchlein, das man nicht nur in der Schule lesen sollte - sofern es dort überhaupt noch im entsprechenden Kanon steht.

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    LaLectures avatar
    LaLecturevor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Faszinierende Elemente, durch die Kürze aber auch recht unbefriedigend
    Faszinierende Elemente, durch die Kürze aber auch recht unbefriedigend


    Inhalt

    Auf einem Schiff von New York nach Buenos Aires begegnet der namenlose Erzähler dem Schachweltmeister Mirko Centovic, der ihn vor allem durch seinen in allen Lebensbereichen außer dem Schachspiel beschränkten Geist fasziniert. Bei einem Spiel gegen Centovic, der mit Leichtigkeit zu siegen scheint, greift plötzlich ein Unbekannter ein und rettet die Partie wider Erwarten zugunsten von Centovics Gegnern. Der Erzähler sucht das Gespräch mit dem Fremden (Dr. B.) und erfährt, dass hinter seinem schier unglaublichen Wissen über das Schachspiel ein traumatisches Erlebnis steckt: eine perfide Folter durch die Nationalsozialisten, die bei Dr. B. Narben hinterlassen hat.




    Meinung


    Vielleicht ist es mein Problem mit Novellen im Allgemeinen, die oft einfach zu kurz sind, um alle Figuren und Hintergründe zu erklären und eine kurzweilige Handlung zu bieten, aber ich fand, dass die Schachnovelle mehr Potential hat, als letztendlich genutzt wurde.


    Allgemein handelt es sich um eine sehr ruhige Geschichte, sowohl in der Rahmen- als auch in der Binnenhandlung; das Drama kommt eher unterschwellig zum Vorschein, sodass die Atmosphäre trotz allem recht angespannt wirkt, was Stefan Zweig sehr gut rüberbringt.
    Die Beschreibung der Folter, die Dr. B. unter den Nationalsozialisten erlitt, ist in zweierlei Hinsicht faszinierend: Zunächst einmal, weil sie dafür sorgt, dass sich die Spannung im Hintergrund immer weiter steigert, die schließlich in einem scheinbar harmlosen Schachspiel ihren Höhepunkt findet, indem gezeigt wird, wie sehr sie Dr. B. innerlich zerstört hat; interessant ist aber auch, dass eine solche Folter zur Zweigs Zeiten von den Nationalsozialisten noch gar nicht angewandt wurde, sondern erst später von den Amerikanerin im Koreakrieg.

    Auch einige der Figuren sind, besonders in Anbetracht der Kürze der Novelle, recht gut ausgearbeitet und interessant, allen voran Centovic, aber auch McConnor, ein ehrgeiziger Schachspieler, der auf dem Schiff nach Buenos Aires sein Glück gegen den Schachweltmeister versuchen will. Der Erzähler und,
    bis auf sein traumatisches Erlebnis, auch Dr. B. bleiben jedoch eher blass, was aber nicht unbedingt stört.

    Viel unbefriedigender fand ich die im Vergleich zu den vielen Erklärungen nicht sehr ergiebige Handlung. Das Buch hat nur knapp 100 Seiten und je mehr langwierige Erklärungen, insbesondere zu Centovics Vergangenheit, kamen, desto weiter sank meine Hoffnung auf eine Handlung, die dem Leser mehr über das Schicksal der Figuren mitteilt. Insgesamt wirkt die Geschichte wie eine sehr lange und ausführliche Exposition, die den Autor dann aber so viel Zeit gekostet hat, dass er nach dem Höhepunkt der Geschichte keine Lust mehr hatte, diese zu Ende zu führen und so dort einfach den letzten Punkt gesetzt hat.
    Das mag so beabsichtigt und ein Stilmittel sein, doch nachdem ich mich durch seitenlange Erklärungen über das Leben der wichtigsten Figuren gekämpft hatte, hätte ich gerne auch etwas mehr Stoff über die Zukunft der betreffenden Charaktere bekommen.

    So bleibt mir die Novelle als eine Geschichte in Erinnerung, in der einige Figuren recht gut portraitiert sind und eine zum Entstehungszeitpunkt der Novelle fiktive Form der Folter eindrucksvoll und erschreckend beschrieben wird, die jedoch in ihrer eher knappen, abgebrochen wirkenden Handlung eher unbefriedigend ist, sodass mir auch ihre Aussage nicht ganz klar ist, wodurch ich nur 3 Sterne vergebe.

    Vorkenntnisse übers Schachspiel sind übrigens nicht zwingend nötig (Zweig selbst soll ein sehr schlechter Spieler gewesen sein), wären jedoch von Vorteil, um einige der beschriebenen Situationen und das betreffende Vokabular zu verstehen. Da man aber nie das ganze Brett beschrieben bekommt, kann man sich viele Gesamtsituationen trotz allem nicht bildlich vor Augen führen.

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    Orishas avatar
    Orishavor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Das Schachspiel als Kunst und als Martyrium. Gut geschrieben. Lesen!
    Das Schachspiel als Kunst und als Martyrium

    Auf einer Reise von New York nach Buenos Aires begegnet der Österreicher Dr. B dem Schachweltmeister Czentovic. Eine Begegnung die bei ihm alte Wunden aufreissen und ihn beinahe in Besitz nehmen wird. Von der Gestapo in Einzelhaft gesteckt, brachte sich Dr. B, nach dem Diebstahl eines Büchleins, das imaginäre Schachspielen bei, um dem "Nichts" zu entkommen und nicht verrückt zu werden. Doch soll ihn das Schachspielen gefangen nehmen und in den Wahnsinn treiben...

    Zweigs letzter Roman. Weltberühmt. Schullektüre. Vermutlich gibt es kaum jemanden, der dieses Buch nicht kennt. Ich kannte es natürlich, wollte es unbedingt noch einmal lesen. Allein um mit einem gereifteren Blick auf diese Geschichte zu blicken. Und ich habe es nicht bereut.

    Zweigs Roman entführt uns in die Welt des Schach, in die Welt der Folter und zeigt uns, das zwischen Genesung und Rückfall ein schmaler Grad besteht. Dr. B. als Gefolterter, nicht in einem KZ, sondern über Einzelhaft, über Isolation, steht für all jene, die auf eine andere Art von der Gestapo gequält wurden. Das "Nichts", welches Dr. B zu erdrücken droht, ihn beinahe wahnsinnig macht, wird durch das imaginäre Schachspiel zunächst besiegt, nur um letztlich seinen Platz einzunehmen. 

    Fazit: Eine Ode an das Schachspielen und gleichzeitig die Geschichte einer Folter. Gut geschrieben, schnell lesbar. Lesenswert!

    Kommentare: 4
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    Chrissi92s avatar
    Chrissi92vor 3 Jahren
    Kurzmeinung: ein Klassiker eben - und sehr gut geschrieben
    Der Klassiker

    Kurz und einprägend. Der Autor schafft es in dieser kurzen Geschichte Spannung aufzubauen und es psychisch so fesselnd rüberzubringen, dass es aufregender ist als so mancher Krimi. Daumen hoch! Abzug gibt es nur daher, da ich nicht der Fan von kurzen Geschichten bin, sondern es lieber etwas ausführlicher mag.

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    Apfelgruens avatar
    Willkommen zur aktuellen Leserunde der Gruppe Klassiker Leserunden.

    Wir wollen ein bisschen Leben in die altehrwürdige Literaturwelt bringen. Daher haben wir beschlossen, einige Klassiker gemeinsam zu lesen.

    Beginn: 18. Juni 2017

    Wichtig: Bei dieser Leserunde lesen wir unsere eigenen Bücher, es werden keine Exemplare verlost!

    Für den Juni haben wir uns die "Schachnovelle" von Stefan Zweig ausgesucht.

    Die Leserunde beginnt am 18.06.2017 und die Klassiker-Leserunden-Gruppe freut sich über jeden, der mit uns die Schachnovelle lesen will.:-)
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