Stefan Zweig Schachnovelle

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Inhaltsangabe zu „Schachnovelle“ von Stefan Zweig

Während seiner Isolationshaft bringt sich Dr. B. in exzessivem Selbststudium das Schachspielen bei, um nicht den Verstand zu verlieren. Jahre später trifft er auf den Weltmeister Czentovic und es kommt zu einem ungleichen Duell, bei dem wahnhaftes Genie auf kühle Berechnung trifft. Die Schachnovelle ist Zweigs letztes und zugleich bekanntestes Werk. Sie erschien kurz vor seinem Tod und wurde seitdem verfilmt, als Oper aufgeführt und in mehreren Hörbuchfassungen herausgegeben. Auch heute noch genießt sie in der Literaturwissenschaft höchste Anerkennung.

Lesenswert!

— Isy2611
Isy2611

Dicht, pointiert, scharfsinnig: Zweigt packt den Leser und saugt ihn in seine meisterhaft geschriebene Novelle ein.

— leselea
leselea

Sehr spannend!

— Apfelgruen
Apfelgruen

Sprachlich kraftvoll und demütig zugleich. Ein Meisterwerk!

— BenKKenobi
BenKKenobi

Wunderschön geschrieben, ein Klassiker!

— Rockyrockt
Rockyrockt

Am Ende zählt nur die innere Logik...

— BenjaminVogt
BenjaminVogt

Dicht gewoben, pointiert, eindringlich und spannend.

— PTPorte
PTPorte

Musste das Buch für die Schule lesen. Ich fand das Buch sehr langweilig. Es konnte mich nicht überzeugen!

— isahenke
isahenke

Das Buch hat mich positiv überrascht! Mein erster Eindruck war, das es sehr langweilig werden würde. Das war jedoch selten der Fall.

— ella_reads
ella_reads

Ich war positiv überrascht!

— Jellybaby
Jellybaby

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  • Ein sprachliches Meisterwerk

    Schachnovelle
    Federfee

    Federfee

    Ein Schiff legt ab und es stellt sich heraus, dass der Schachweltmeister Czentovic anwesend ist, ein unsympathischer Mensch, von dem der Erzähler einiges zu berichten weiß: aus welch ärmlichen Verhältnissen er stammt, wie dumm und dumpf er in Kindheit und Jugend war, wie sein Schachtalent entdeckt und gefördert wurde und wie arrogant und abweisend er jetzt ist.Seine Anwesenheit ist für einige Mitpassagiere eine Herausforderung und ein reicher Ingenieur schafft es, Czentovic mit einem hohen Honorar zu einem Spiel gegen mehrere andere zu bewegen. Ein zufällig Anwesender mischt sich ein, gibt einen Tipp, so dass gegen den Weltmeister ein Remis erzielt wird. Der bleibt die ganze Zeit wie versteinert und eiskalt, geradezu roboterhaft.Das genaue Gegenteil ist Dr. B., der sich eingemischt hatte: kultiviert, gebildet, sensibel, feinfühlig. Er schildert dem Erzähler, wie er zu seinen Schachkenntnissen gekommen ist. Das war für mich der interessanteste und bewegendste Teil:Dr. B., aus guter österreichischer Familie stammend (wie Zweig selbst), wurde von der Gestapo in Isolationshaft gesteckt, um Kenntnisse über Finanzangelegenheiten zu erpressen. Zweig schildert die Bedingungen dieses Alleinseins so gut, dass man sich alles vorstellen kann, nicht nur die äußeren Bedingungen, sondern auch die innere Qual, das Kreisen der Gedanken, die Möglichkeit, wahnsinnig zu werden.Das wird zuerst besser, als Dr. B. ein Schachbuch findet, mit dem er sich Monate beschäftigen kann. Erst als er anfängt, Partien gegen sich selbst zu spielen, sich sozusagen in zwei Personen zu spalten, wird er krank (schizophren?), zum Glück gerettet und später als geheilt entlassen.Seinem Grundsatz, nie wieder etwas mit Schach zu tun haben zu wollen, verwirft er, um ein einziges Mal gegen die unerbittliche Schachmaschine Czentovic zu spielen. Der entdeckt den wunden Punkt seines Schachgegners und nutzt das so aus, dass dieser erneut Gefahr läuft, wahnsinnig zu werden. Als der Erzähler sich einmischt, bricht Dr. B. das Spiel ab ...Es ist eine Novelle, sehr kurz also, aber so gehaltvoll, dass man nur staunen kann. Sie ist Schullektüre und wird bis ins Kleinste analysiert und auseinandergenommen: Czentovi hitlerähnlich, das Gute gegen das Böse (Schwarz – Weiß), ein Psychogramm, u.v.m. Manches mag stimmen, anderes ist vielleicht nur hineingedeutet.Mich hat vor allem das sprachliche Vermögen Zweigs sehr beeindruckt. Schreibe mal über das Nichts, dem sich Dr. B. in seinem isolierten Wiener Hotelzimmer gegenüber sah. Das hat Zweig so meisterlich gemacht, dass man die Seelenqual durch Isolation geradezu fühlen konnte und auch den drohenden Wahnsinn.Zweig selbst fühlte sich anscheinend in seinem brasilianischen Exil in einer Art Isolation, abgeschnitten von der deutschen Sprache, von Bibliotheken und allem, was ihm etwas bedeutete. Kurz nachdem er die Schachnovelle beendet hatte, ging er zusammen mit seiner Frau in den vorher geplanten Freitod.

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    • 2
  • Ein Mustread

    Schachnovelle
    Das_Leseleben

    Das_Leseleben

    27. January 2017 um 13:59

    Die ‚Schachnovelle‘ musste ich vor vier Jahren in meiner Abiturzeit schon einmal lesen, aber wie es so mit der Pflichtschullektüre, die Lust hält sich eher in Grenzen, zumindest bei mir. Dem entsprechend unaufmerksam war ich dann auch beim ersten Lesen. Trotzdem wollte ich es gerne noch einmal lesen, da es sich um eine Novelle handelt hat sie genau die richtige Länge um sie noch vor den Feiertagen zu lesen, vor allem im Zug. Leider hatte ich es schon an einem Abend ausgelesen. Ich habe das Ebook von Amazon gelesen, mit ca 120 Seiten. Das Original erschien im Dezember 1942. Inhalt: Die Passagiere auf einem Passagierschiff, welches von New York nach Buenos Aires fährt, werden Zeugen einer ungewöhnlichen Schachpartie. Der unbekannte Dr. B. schlägt den Schachmeister Mirko Czentovic. Durch das Spiel werden bei Dr B. Erinnerungen an die Zeit wach, als er ein politischer Gefangener der Gestapo in Wien war und ihm Schach das Leben rettete. Meine Meinung: Beim zweiten Lesen ohne Zwang, habe ich die Novelle gradezu verschlungen. Ich bin schon fast euphorisch was Stefan Zweigs Schreibstil angeht. In jedem Wort merkt man als Leser seine pazifistischen Einstellung und seinen Wunsch frei zu Leben, ohne Grenzen. Eindrucksvoll erzählt er in der Schachnovelle von dem Krieg und seinen Folgen. Die Schilderungen von Dr B fühlten sich beim Lesen so real an als hätte ich sie selbst gemacht. In beeindruckenden Sprachbildern, erzählt Stefan Zweig von dem geistigen Tod durch fehlenden Anregungen und dann auch davon wie das rettende Seil zum Strick um den Hals werden kann. Die Metapher des Schachspiels ist sehr Vielfältig auf den verschiedensten Ebenden in dieser Novelle anwendbar. Angefangen bei seinen Protagonisten Czentovic und Dr B. Im ersten Moment scheint die Aufteilung ganz, der etwas tumbe wirkende Schachmeister, ist Symbolfigur für das Naziregime seinen Stumpfsinn und seiner Bedrohung. Wohingegen Dr B im ersten Moment das Weiße - Gute verkörpert. Er schafft es mit seiner Schläue Czentovic erst in Patt zu setzen und später sogar schlägt. Wer jetzt denkt typisches ‚Schwarz-Weiß-Denken‘ den wird das Ende wohl total überraschen. Obwohl Schach schwarz-weiß ist, zeigt der Autor eine bunte Mischung von Leben auf und mit dem Ziel des Dampfers Brasilien, den Wunsch nach Freiheit. Die ‚Schachnovelle‘ habe ich bestimmt nicht zum letzen mal gelesen. Das Büchlein ist ein guter Einstieg in das Thema Exilliteratur der Umgang mit Österreich im zweiten Weltkrieg, sowie dessen Folgen. Wer sich dafür interessiert muss die ‚Schachnovelle‘ lesen.

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  • Schachvergiftung

    Schachnovelle
    Knoppers

    Knoppers

    10. December 2016 um 23:30

    In "Schachnovelle" geht es um einen Autor, der aus der Ich-Perspektive von einer mehrtägigen Schiffsreise erzählt, bei der er zwei Schachgenies trifft. Der eine ist Weltmeister, recht jung und ziemlich plump, was ihn in der Schachszene ziemlich ungewöhnlich macht, er ist eher für seine Trägheit als für eine besondere Form der Intelligenz bekannt. Der Autor, dessen Name nie erwähnt wird und der auch nicht näher beschrieben wird, möchte gern mehr über dieses seltsame Wunderkind erfahren, das außer Schach quasi nichts kann. Er fordert den Meister gemeinsam mit anderen Männern zu einer Partie heraus, bei der sich herausstellt, dass dieser zwar wirklich gut spielen kann, sonst aber sehr unhöflich ist. Sie fordern ihn erneut heraus, bis plötzlich ein unbekannter Herr auftaucht, der ihnen hilft, den Unbesiegten wenigstens zu einem "Remis" zu zwingen, was die Umstehenden tief beeindruckt. Sie vereinbaren eine Schachpartie zwischen dem Weltmeister und dem Unbekannten am nächsten Tag. Der Autor trifft den rätselhaften Mann auf Deck, wo dieser ihm seine Geschichte erzählt; wie er von den Nazis verhaftet und in monatelang in einem Hotelzimmer eingesperrt wurde, um verhört zu werden. Diese Einsamkeit und die Leere, die ihn tagtäglich umgaben, machten ihm schwer zu schaffen und so war es eine Erleichterung, als es ihm gelang, einem Wärter ein Buch über 150 Meisterschachpartien zu entwenden, von denen er zunächst alle auswendig lernte. Doch nach etwa 2 Monaten wurde ihm auch diese Übung langweilig, woraufhin er begann, in seiner Vorstellung gegen sich selbst zu spielen, was ihn in einen fiebrigen Wahn versetzte. Er wurde verrückt, musste hospitalisiert werden und entkam so den Fängen der Nazis. Doch das darauffolgende Schachspiel gegen den berühmten Czentovic reißt Dr.B.s seelische Wunden wieder auf... Spoiler! Ich fand das Buch, obwohl ich normalerweise nicht so der Fan von Klassikern und generell Novellen bin, ziemlich gut. Die Art, wie Dr. B im Laufe der Zeit in eine Manie verfällt, gegen sich selbst gewinnen zu wollen, war wirklich faszinierend und irgendwie gruselig. Was ich etwas befremdlich fand, war diese Passion für Schach, die viele der Leute an Bord zu haben schienen und wie ernst das Ganze genommen wurde. Ich denke mal da muss man Schach schon wahnsinnig toll finden, um diese Leidenschaft zu verstehen ;) Alles in Allem eine sehr interessante Lektüre mit grotesken Einblicken in die menschliche Psyche, die ich allen Novellen- und Schachliebhabern weiterempfehlen würde.

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  • Eine Geschichte über das Schachspiel

    Schachnovelle
    elodie_k

    elodie_k

    04. December 2016 um 12:09

    Bereits in der Schule war die Schachnovelle eine Pflichtlektüre, welche ich begeistert verschlungen habe. Nun nach einigen Jahren beschloss ich, dieses Werk ein weiteres Mal zu lesen. Die Geschichte spielt auf einem Schiff, welches von New York nach Buenos Aires zieht und auf dem, unter den Passagieren auch der derzeitige Schachweltmeister Czentovic weilt. Einige Passagiere fordern ihn zu einem Spiel auf, welchem er zögernd zusagt. Ein mysteriöser Mann, hilft den Laien, den Meister zu täuschen. Nachdem Spiel erfährt einer der Herausforderer die unglaubliche Geschichte dessen Mannes, der Monate lang eingesperrt und alleine mit sich selbst und keiner Ablenkung war. Während dieser Zeit entwickelte er das manische Schachspielen in seinem Gehirn gegen sich selbst; er wurde "Schachvergiftet". Ein unglaubliches Werk über die Abgründe des menschlichen Gehirns, der Kunst des Schachspiels und der Grausamkeiten der Nazis. 

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    • 6
  • Zeitlos aktuell

    Schachnovelle
    Xirxe

    Xirxe

    03. September 2016 um 21:45

    Auf einer mehrtägigen Schiffsreise von New York nach Buenos Aires in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts, wird der österreichische Ich-Erzähler Zeuge einer beeindruckenden Schachpartie. Der an Bord weilende Schachweltmeister spielt gegen eine Gruppe Amateure, ohne dass der geringste Zweifel an dessen Sieg besteht. Doch dann mischt sich ein unbekannter Passagier ein und das Spiel endet mit einem Remis. Am nächsten Tag soll ein weiteres Spiel stattfinden und der Ich-Erzähler fordert den Unbekannten zur Teilnahme auf. Dieser sträubt sich zunächst und erzählt ihm zur Erklärung seine Geschichte.Dieses kleine Büchlein, das gerade mal 104 Seiten mit verhältnismäßig groß gedruckten Buchstaben hat, ist sicherlich beeindruckender als viele andere Bücher, die einen drei- oder viermal so großen Umfang aufweisen. Vielleicht liegt es daran, dass Stefan Zweig viel mit Gegensätzlichkeiten gearbeitet hat, die eher im Gedächtnis bleiben. Einmal der introvertierte, ungebildete und langsame Schachweltmeister. Und der umgängliche, intellektuelle und beinahe manische 'Dilettant'. Oder der Ich-Erzähler, für den Schach 'nur' ein Spiel ist und sein Gegner, der alles als Wettkampf sieht und jede Niederlage als persönlichen Affront empfindet. Aber auch die Art, wie Zweig Schach beschreibt, wird mir im Gedächtnis bleiben. Insbesondere, weil er selbst überhaupt keinen großen Bezug dazu hatte.Zitat: "Ist es nicht auch eine Wissenschaft, eine Kunst, schwebend zwischen diesen Kategorien wie der Sarg Mohammeds zwischen Himmel und Erde, eine einmalige Bindung aller Gegensatzpaare; uralt und doch ewig neu, mechanisch in der Anlage und doch nur wirksam durch Phantasie, begrenzt in geometrisch starrem Raum und dabei unbegrenzt in seinen Kombinationen, ständig sich entwickelnd und doch steril, ein Denken, das zu nichts führt, eine Mathematik, die nichts errechnet, eine Kunst ohne Werke, eine Architektur ohne Substanz und nichtsdestominder erwiesenermaßen dauerhafter in seinem Sein und Dasein als alle Bücher und Werke...*Dazu die unglaublich genauen Beschreibungen der einzelnen Charaktere und Situationen, die derart zeitlos gut sind, dass Manches klingt, als wäre es eben erst geschrieben worden.Zitat: "Nun hatten die Nationalsozialisten, längst ehe sie ihre Armeen gegen die Welt aufrüsteten, eine andere ebenso gefährliche und geschulte Armee in allen Nachbarländern zu organisieren begonnen, die Legion der Benachteiligten, der Zurückgesetzten, der Gekränkten."Ein kleines, aber sehr feines Büchlein, das man nicht nur in der Schule lesen sollte - sofern es dort überhaupt noch im entsprechenden Kanon steht.

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    • 2
  • Faszinierende Elemente, durch die Kürze aber auch recht unbefriedigend

    Schachnovelle
    LaLecture

    LaLecture

    28. March 2016 um 00:12

    Inhalt Auf einem Schiff von New York nach Buenos Aires begegnet der namenlose Erzähler dem Schachweltmeister Mirko Centovic, der ihn vor allem durch seinen in allen Lebensbereichen außer dem Schachspiel beschränkten Geist fasziniert. Bei einem Spiel gegen Centovic, der mit Leichtigkeit zu siegen scheint, greift plötzlich ein Unbekannter ein und rettet die Partie wider Erwarten zugunsten von Centovics Gegnern. Der Erzähler sucht das Gespräch mit dem Fremden (Dr. B.) und erfährt, dass hinter seinem schier unglaublichen Wissen über das Schachspiel ein traumatisches Erlebnis steckt: eine perfide Folter durch die Nationalsozialisten, die bei Dr. B. Narben hinterlassen hat.Meinung Vielleicht ist es mein Problem mit Novellen im Allgemeinen, die oft einfach zu kurz sind, um alle Figuren und Hintergründe zu erklären und eine kurzweilige Handlung zu bieten, aber ich fand, dass die Schachnovelle mehr Potential hat, als letztendlich genutzt wurde.Allgemein handelt es sich um eine sehr ruhige Geschichte, sowohl in der Rahmen- als auch in der Binnenhandlung; das Drama kommt eher unterschwellig zum Vorschein, sodass die Atmosphäre trotz allem recht angespannt wirkt, was Stefan Zweig sehr gut rüberbringt. Die Beschreibung der Folter, die Dr. B. unter den Nationalsozialisten erlitt, ist in zweierlei Hinsicht faszinierend: Zunächst einmal, weil sie dafür sorgt, dass sich die Spannung im Hintergrund immer weiter steigert, die schließlich in einem scheinbar harmlosen Schachspiel ihren Höhepunkt findet, indem gezeigt wird, wie sehr sie Dr. B. innerlich zerstört hat; interessant ist aber auch, dass eine solche Folter zur Zweigs Zeiten von den Nationalsozialisten noch gar nicht angewandt wurde, sondern erst später von den Amerikanerin im Koreakrieg. Auch einige der Figuren sind, besonders in Anbetracht der Kürze der Novelle, recht gut ausgearbeitet und interessant, allen voran Centovic, aber auch McConnor, ein ehrgeiziger Schachspieler, der auf dem Schiff nach Buenos Aires sein Glück gegen den Schachweltmeister versuchen will. Der Erzähler und,bis auf sein traumatisches Erlebnis, auch Dr. B. bleiben jedoch eher blass, was aber nicht unbedingt stört.Viel unbefriedigender fand ich die im Vergleich zu den vielen Erklärungen nicht sehr ergiebige Handlung. Das Buch hat nur knapp 100 Seiten und je mehr langwierige Erklärungen, insbesondere zu Centovics Vergangenheit, kamen, desto weiter sank meine Hoffnung auf eine Handlung, die dem Leser mehr über das Schicksal der Figuren mitteilt. Insgesamt wirkt die Geschichte wie eine sehr lange und ausführliche Exposition, die den Autor dann aber so viel Zeit gekostet hat, dass er nach dem Höhepunkt der Geschichte keine Lust mehr hatte, diese zu Ende zu führen und so dort einfach den letzten Punkt gesetzt hat.Das mag so beabsichtigt und ein Stilmittel sein, doch nachdem ich mich durch seitenlange Erklärungen über das Leben der wichtigsten Figuren gekämpft hatte, hätte ich gerne auch etwas mehr Stoff über die Zukunft der betreffenden Charaktere bekommen. So bleibt mir die Novelle als eine Geschichte in Erinnerung, in der einige Figuren recht gut portraitiert sind und eine zum Entstehungszeitpunkt der Novelle fiktive Form der Folter eindrucksvoll und erschreckend beschrieben wird, die jedoch in ihrer eher knappen, abgebrochen wirkenden Handlung eher unbefriedigend ist, sodass mir auch ihre Aussage nicht ganz klar ist, wodurch ich nur 3 Sterne vergebe.Vorkenntnisse übers Schachspiel sind übrigens nicht zwingend nötig (Zweig selbst soll ein sehr schlechter Spieler gewesen sein), wären jedoch von Vorteil, um einige der beschriebenen Situationen und das betreffende Vokabular zu verstehen. Da man aber nie das ganze Brett beschrieben bekommt, kann man sich viele Gesamtsituationen trotz allem nicht bildlich vor Augen führen.

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  • Das Schachspiel als Kunst und als Martyrium

    Schachnovelle
    Orisha

    Orisha

    Auf einer Reise von New York nach Buenos Aires begegnet der Österreicher Dr. B dem Schachweltmeister Czentovic. Eine Begegnung die bei ihm alte Wunden aufreissen und ihn beinahe in Besitz nehmen wird. Von der Gestapo in Einzelhaft gesteckt, brachte sich Dr. B, nach dem Diebstahl eines Büchleins, das imaginäre Schachspielen bei, um dem "Nichts" zu entkommen und nicht verrückt zu werden. Doch soll ihn das Schachspielen gefangen nehmen und in den Wahnsinn treiben... Zweigs letzter Roman. Weltberühmt. Schullektüre. Vermutlich gibt es kaum jemanden, der dieses Buch nicht kennt. Ich kannte es natürlich, wollte es unbedingt noch einmal lesen. Allein um mit einem gereifteren Blick auf diese Geschichte zu blicken. Und ich habe es nicht bereut. Zweigs Roman entführt uns in die Welt des Schach, in die Welt der Folter und zeigt uns, das zwischen Genesung und Rückfall ein schmaler Grad besteht. Dr. B. als Gefolterter, nicht in einem KZ, sondern über Einzelhaft, über Isolation, steht für all jene, die auf eine andere Art von der Gestapo gequält wurden. Das "Nichts", welches Dr. B zu erdrücken droht, ihn beinahe wahnsinnig macht, wird durch das imaginäre Schachspiel zunächst besiegt, nur um letztlich seinen Platz einzunehmen. Fazit: Eine Ode an das Schachspielen und gleichzeitig die Geschichte einer Folter. Gut geschrieben, schnell lesbar. Lesenswert!

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    • 5
    Bellis-Perennis

    Bellis-Perennis

    09. January 2016 um 09:26
  • viel besser als erwartet!

    Schachnovelle
    Saruna

    Saruna

    Seit neustem lesen mein Freund und ich uns gegenseitig abends etwas vor. Er hat mir Schachnovelle vom Stefan zweig vorgelesen. Um die Rezension nicht länger als das Buch zu machen: Ich fand es unglaublich spannend und fesselnd! Und zwar weil die Erzählweise so packend war, detailliert und die direkte Rede war sehr realistisch dargestellt. Selbst für nicht-Klassiker-Fans eine gute kurzweilige Lektüre.  

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    • 2
    AttackOnDeadpool

    AttackOnDeadpool

    11. October 2015 um 10:13
  • Der Klassiker

    Schachnovelle
    Chrissi92

    Chrissi92

    19. September 2015 um 20:37

    Kurz und einprägend. Der Autor schafft es in dieser kurzen Geschichte Spannung aufzubauen und es psychisch so fesselnd rüberzubringen, dass es aufregender ist als so mancher Krimi. Daumen hoch! Abzug gibt es nur daher, da ich nicht der Fan von kurzen Geschichten bin, sondern es lieber etwas ausführlicher mag.

  • Super Buch

    Schachnovelle
    juleabla

    juleabla

    Trotz des anfänglich unscheinbaren Titels ein sehr schönes Buch. So spannend geschrieben, dass man es in einem Zug durchlesen muss. Die Charaktere sind unscheinbar und nicht groß beschrieben, doch man muss zusehen, dass man den Überblick über die Perspektiven jedes einzelnen nicht verliert. Es verleitet zum Wahnsinn - jedoch muss man gestehen, es ist ohne Zweifel wahnsinnig gut !

    • 2
  • Getürkt!

    Der Schachautomat
    Arun

    Arun

    Der Schachautomat von Robert Löhr Ein „Historischer Roman“ aus dem 18. Jahrhundert mit dem Habsburger Kaiserreich als Hintergrund. Der Handlung zugrunde liegt die reale Figur des Wolfgang von Kempelen und seines Schachautomaten. Inhalt. Der vielseitig Begabte Wolfgang von Kempelen, ein hoher Beamter aus niedrigem Adel im Dienste der Kaiserin Maria Theresia weilt am Kaiserhof in Wien. Nach der Vorführung des französischen Gelehrten Jean Pelletier im Bereich Magnetismus bedauert die Kaiserin, dass immer nur Ausländer, nie aber Österreicher die Welt mit neuen Erfindungen und Experimenten verblüffen. Wolfgang von Kempelen meldet sich zu Wort und verspricht der Kaiserin binnen sechs Monaten ein Experiment zu präsentieren, welches jene von Jean Pelletier in den Schatten stellt. Das Buch erzählt uns nun die Geschichte der Erfindung in allen Einzelheiten, darunter auch den Bau, den Betrieb und die Hintergründe rund um den Schachautomaten. Meine Meinung. Ein Roman, der uns einen wissenschaftlichen Betrug in der Form eines Taschenspielertricks näherbringt. Die Geschichte wird chronologisch etwas Hin- und herspringend erzählt. Die Hauptdarsteller werden ausführlich vorgestellt, wir erfahren einiges aus ihren vorhergehenden Leben mit Werdegang, Erlebnissen und Befindlichkeiten. Möchte die Hauptfiguren mal kurz skizzieren: Der Ideengeber Wolfgang von Kempelen wurde schon genannt. Der Jude Jakob sein Gehilfe ein genialer Handwerker, welcher immer für eine kluge Bemerkung gut ist und dabei ­allen weltlichen Vergnügen gerne zuspricht. Tibor Scardanelli der kleinwüchsige Schachspieler, welcher das Gehirn und den Bediener des Schachautomaten darstellt. Ein kleiner Mensch, der schon viel von der Welt gesehen und dabei immer seine Frömmigkeit bewahrt hat. Baronin Ibolya Jesenak, eine Frau mit vielen Facetten und Elise eine Mätresse vom Königshof die als Spionin agiert. Diese Figuren und viele mehr zeigen uns ein schönes Abbild der Habsburger Zeit. Fazit. Eine lesenswerte Geschichte um den seinerzeit berühmten Schachautomaten „Der Türke“ genannt,verwoben mit technischen Aspekten, sozialen Umständen und gesellschaftlichen Gepflogenheitendes späten 18. Jahrhunderts.

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    • 13
  • In erstaunlicher Kürze liegt gefühlvolle Würze

    Schachnovelle
    janett_marposnel

    janett_marposnel

    14. December 2014 um 18:05

    Es ist erstaunlich, wie Stefan Zweig es auf so wenigen Seiten schafft, Charaktere von solch umfassender Größe darzustellen. Auf etwas über fünfzig Seiten erzählt er die Geschichte zweier Menschen so knapp und doch so tiefschürfend, dass sie einen ergreifenden, nachhaltigen Eindruck bei dem Leser hinterlässt. Der amtierende, unbeliebte Schachweltmeister Mirko Czentovic verkörpert mit seinem einfältigen Scharfsinn, der sich obendrein mit habgieriger Arroganz paart, den Schachinator in diesem intelligenten Intermezzo. Der gelehrte und sensible Dr. B aus Österreich ist sein Gegenspieler par excellance. Er wurde während seiner Gefangenschaft von den Nazis durch das dunkle und allumfassende „Nichts“ in einem Hotelzimmer geistig ausgesaugt bis sich ihm endlich, nach einem halben Jahr der völligen Isolation, die Gelegenheit bot, aus der Manteltasche einer NS-Uniform ein Schachbuch zu stehlen. Von nun an malträtiert er heimlich seinen eingesperrten Geist mit Schachpartien aus diesem Buch bis er in einen schizophrenen Schachkampf zwischen Schwarz und Weiß fällt. Meiner Meinung nach zeigt die „Schachnovelle“ einige autobiographische Züge Stefan Zweigs auf, denn der österreichische Autor sah sich durch seine Emigration nach Brasilien, wo die „Schachnovelle“ entstand, gleichermaßen wie Dr. B in seinem vergitterten Hotelzimmer, als ein Gefangener in einem scheinbar goldenen Käfig. Die Umgebung der Gefangenschaft befand sich von außen betrachtet natürlich in einem wertbeständigen Zustand, aber im Inneren fühlte Stefan Zweig wahrscheinlich wie Dr. B das allumfassende Nichts, weil ihm Heimat und Freunde fehlten und weil ihm der Glaube an Kunst und Menschheit durch den Krieg verloren gegangen war. Zweigs Freunde berichteten immer wieder, dass die Situation während des 1. Weltkrieges bereits an den Kräften des feinfühligen Autors zehrte. Der 2. Weltkrieg jedoch mit der Judenverfolgung, der Verbrennung seiner Bücher und der Vertreibung aus seiner europäischen Heimat, hatte ihm nicht nur den Boden unter den Füßen weggerissen, sondern ihn förmlich entwurzelt. Genau wie Dr. B am Ende der Geschichte den eisernen Entschluss fasst, sich nie wieder dem strategischen Brettspiel zu widmen, um sein schwarzes und sein weißes Ich im wahrsten Sinne des Wortes in Schach zu halten, um somit dem sonst vorhersehbaren Wahnsinn zu entgehen, so sehe ich hier Parallelen zu der traurigen, persönlichen Resolution Stefan Zweigs für seinen Freitod im Februar 1942. 

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  • Rezension "Schachnovelle" von Stefan Zweig

    Schachnovelle
    marcelsarman

    marcelsarman

    Mirko Czentovic ist ein Außenseiter in der von feinsinnigen Intellektuellen geprägten Schachszene. Der etwas tumbe und phantasielose südslawische Bauernsohn hat es trotzdem zum Schachweltmeister gebracht. Außer Schach und Geld interessiert und bewegt Mirko nichts. Sensibilität und Mitgefühl für andere sind ihm vollkommen fremd. Sein Antipode in diesem Roman ist Dr. B, ein sensibler österreichischer Emigrant. Dr. B wurde von der Gestapo mehrere Monate in völliger Isolation eingesperrt. Es gab keinerlei Ablenkung für ihn, keine Bücher oder sonstige Abwechslung. Eines Tages gelingt es ihm ein Schachbuch zu entwenden und er lernt die in diesem Buch enthaltene Meisterpartien auswendig und spielt diese in Gedanken nach. Nach einiger Zeit hat er diese Partien im Kopf und er beginnt, ohne Schachbrett wohlgemerkt, gegen sich selbst Schach zu spielen. Seine Schachleidenschaft steigert sich immer mehr, bis er eines Tages in ein Krankenhaus eingeliefert werden muss, weil er den Verstand verloren hat, durch die Unterstützung des behandelten Arztes gelangt er schließlich in die Freiheit zurück. Zwischen diesen beiden gegensätzlichen Charakteren kommt es schließlich auf einem Passagierdampfer zum finalen Schachduell. Bewertung: Das Buch ist sehr spannend und hervorragend geschrieben. Ist es wirklich möglich in einer Sache wie Schach, hervorragend zu sein und ansonsten keinerlei intellektuelle und menschliche Fähigkeiten zu haben? Ist es nicht zwangsläufig so, dass man den Verstand verliert, wenn man permanent gegen sich selbst (Schach) spielt? Diese zwei Extreme treffen in diesem Buch aufeinander und machen es zu einem zeitlosen Klassiker, weil nicht so sehr die Schachphilosophie, sondern die daraus ableitbare Lebensphilosophie im Mittelpunkt steht: 5 Sterne

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    • 3
  • So viel Psychologie auf so wenig Seiten

    Schachnovelle
    Kanjuga

    Kanjuga

    13. September 2014 um 19:22

    Inhalt Ein tumber Bauer, der sich aufgrund einer einzigen Fähigkeit, dem bisher unbesiegten Schach spielens, für den Größten hält. Ein Mensch, der in seiner Vergangenheit auf die subtilste Weise gefoltert wurde und dabei fast zusammenbrach. Der durch sehr viel Glück einen Strohhalm zu fassen bekam und dabei unweigerlich fasst den Verstand verlor. Beide treffen auf einem Dampfer aufeinander und spielen eine augenscheinlich harmlose Partie Schach gegeneinander und dennoch sind am Ende beide kurz davor, alles zu verlieren. Und während der Eine aus seinen Fehlern lernt, fällt der Andere wieder in sein altes Schema zurück. Meine Meinung Der Schreibstil des Autors ist trotz der teilweise etwas "veralteten" Sprache sehr flüssig und gut zu lesen. Es ist sehr spannend, kurzweilig und ich habe es erst aus der Hand gelegt, als ich die letzte Seite gelesen hatte. Vorweg muss ich sagen, dass ich froh war, dass das Schachspiel lediglich eine Statistenrolle hat. Man muss also nicht befürchten, als Schach-Unkundiger absatzlange Beschreibungen einer Partie lesen zu müssen, die man sowieso nicht verstehen würde. Es dient lediglich als Mittel zum Zweck, die Hauptakteure zu skizzieren. Dieses Buch ist für mich viel mehr als eine kurze Geschichte über zwei Menschen, die durch eine Verkettung von Zufällen aufeinander treffen und Schach spielen. Es ist ein Psychogramm von zwei völlig unterschiedlichen Charakteren. In beiden Fällen ist Schach eigentlich lediglich ein Synonym für die unterschiedlichsten Arten von Drogen. Interessant fand ich die Gegensätze: während Czentovic alles durch das Schachspiel, bekommt was er sich wünscht (Ruhm und Geld), wird dem anderen alles aus seinem Leben genommen und nur das Eine gelassen. Czentovic, der sich selbst maßlos überschätzt und von sich selbst überzeugter ist, als es angebracht wäre. Ein ansonsten dummer Mensch, der lediglich in einer einzigen Disziplin glänzt und dadurch glaubt, ihm gehöre die Welt. Verblendet, siegessicher, herablassend. Seine Droge ist der Ruhm und das "Wissen", besser als alle anderen zu sein. "[...] ist es nicht eigentlich verflucht leicht,sich für einen großen Menschen zu halten, wenn man nicht mit der leisesten Ahnung behaftet ist, dass ein Rembrandt, ein Beethoven, ein Dante, ein Napoleon je gelebt haben? Dieser Bursche weiß in seinem vermauerten Gehirn nur das eine, dass er seit Monaten nicht eine einzige Schachpartie verloren hat, und da er eben nicht ahnt, dass es außer Schach und Geld noch andere Werte auf unserer Erde gibt, hat er allen Grund, von sich begeistert zu sein." (Zitat S.18-19) Dann Herr B. dem während seiner quälenden Folter nichts bleibt, als in sein innerstes zu kehren. Immer wieder die gleichen Vorgänge, der gleiche Ablauf monatelang. "Man tat uns nichts - man stellte uns nur in das vollkommene Nichts, denn bekanntlich erzeugt kein Ding auf Erden einen solchen Druck auf die menschliche Seele wie das Nichts." (Zitat S.56) Seine Droge war, das Schachspiel zu konsumieren, sein Gehirn mehr oder minder gewaltsam umzustrukturieren und seinen Fokus alleine darauf auszurichten. Nichts anderes zuzulassen als die nächste Partie. Selbst als nicht-Psychologie-versierte komme ich auf immer wieder neue Zusammenhänge und Anspielungen. Lediglich die Tatsache, das mir keiner der Protagonisten wirklich nahe kam, ist ein Wehrmutstropfen. Sicherlich sind alle Personen glaubhaft dagestellt aber während ich Czentovic wirklich unsympathisch fand, blieb eine Empfindung Herrn B. gegenüber leider aus. Es gab kein "gutes" Gegengewicht zu Czentovic, dass einen auf seine Seite gezogen hätte. Schon alleine die Tatsache, dass er keinen Namen hat sondern lediglich "Herr B." genannt wird, macht ihn unnahbar und lässt keine echte Sympathie zu, bestenfalls vielleicht Mitleid. Fazit Das Buch kann ich jedem empfehlen, der sich für die Psyche des Menschen interessiert und der gut zwischen den Zeilen lesen kann. Es hallt lange nach, weshalb man sich Zeit dafür nehmen sollte, auch wenn man nicht lange braucht es zu beenden.

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  • Rezension zu "Schachnovelle" von Stefan Zweig

    Schachnovelle
    FabAusten

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    Schachnovelle Ein Passagierdampfer verlässt New York Richtung Buenos Aires. An Bord befindet sich der amtierende Schachweltmeister Mirko Czentovic, dessen einzige geistige Fähigkeit im genialen Schachspiel zu liegen scheint. Außerdem der Erzähler, der von dem Können des ansonsten grobschlächtigen und teilnahmslosen Czentovic fasziniert ist. Der ehrgeizige Millionär McConnor, der sich unbedingt mit einem Schachweltmeister messen möchte. Schließlich der österreichische Emigrant Dr. B., der von den Nationalsozialisten monatelang in Isolierhaft festgehalten wurde. Es kommt zu ersten Schachpartien zwischen dem Weltmeister und den kundigen Passagieren. Alle sind zum Scheitern verurteilt. Schließlich schaltet sich der bisher unbekannte und mysteriöse Dr. B. ein und erreicht ein Remis. Die Umstehenden sind verblüfft und bedrängen ihn, am nächsten Tag allein anzutreten. Obwohl er sehr unsicher ist, willigt er zögernd ein. Wenig später trifft der Erzähler Dr. B. auf dem Promenadendeck und möchte mehr über ihn wissen. Im Gespräch erfährt er, warum der Rechtsanwalt fähig war gegen den Schachweltmeister zu bestehen, obwohl er seit nahezu 20 Jahren keine Schachfigur bewegt hat… Schachnovelle von Stefan Zweig entfaltet auf gerade einmal 110 Seiten ein Psychogramm des Dr. B., aber auch die übrigen Charaktere von Czentovic, McConnor und des Erzählers selbst werden gekonnt ausdrucksstark dargestellt. Letzter begründet seine Faszination für Czentovic damit, dass „je mehr sich einer begrenzt, um so mehr ist er andererseits dem Unendlichen nah“. (Zitat aus dem Buch). Statt des ungehobelten Schachweltmeisters beweist Dr. B. die Richtigkeit dieser These, jedoch anders als vermutet. Er wurde in seiner Haft auf sich selbst zurückgeworfen, er wurde begrenzt – räumlich, seelisch und vor allem geistig. Dies geschah nicht freiwillig und allein die Beschäftigung mit dem Königlichen Spiel rettete ihn davor, seinen Folterern nachzugeben, forderte jedoch einen hohen Preis. Denn er wurde davon ergriffen, die Unendlichkeit seines Geistes wurde ihm offenbart bis er sich darin verirrte. Er ist dem Schach verfallen und muss auch in Freiheit diese Besessenheit in Schach halten. Die Begegnung mit Czentovic ist eine große Bedrohung für seinen fragilen Zustand. Diese Gradwanderung beschreibt Stefan Zweig sehr nachvollziehbar und macht deutlich, wie Dr. B. zunehmend in den Sog des Spiels gerät. Umso erstaunlicher und größer die Kunst, da er diese auf so begrenztem Raum ausübt. Gleichzeitig wird dargestellt, wie die Folter das Wesen des Doktors verändert hat. Eine Veränderung, die ihn immer begleiten wird, die er nie mehr abschütteln kann. Die Sprache ist sehr klar und benutzt ein paar Worte, die in unserem heutigen Wortschatz etwas in den Hintergrund geraten sind. Es ist immer wieder interessant, den eigenen Wortschatz zu erweitern oder fast vergessene Wörter neu zu beleben. Die Idee, die Ausführung und der Umstand, dass Schachnovelle nachdenklich stimmt und Gedanken auslöst, sind ganz beachtlich und meisterlich ausgeführt. Dennoch sprach mich das alles intellektuell aber nicht emotional an. Dies lag allein an den Figuren. Weder Czentovic, noch McConnor oder Dr. B. sind sympathisch und die Figur des Erzählers tritt hinter seiner Funktion zurück. So kann man zu keinem von ihnen eine Verbindung aufbauen, wird emotional nicht gepackt und mitgerissen. Dies gehört für mich aber zu einem Roman dazu, den ich sehr hoch bewerten würde. Insgesamt ein intellektuell anspruchsvolles und meisterlich umgesetztes Werk, das zwar kein emotionales Echo auslöste, aber berechtigterweise ein Klassiker ist.

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