Stefan Zweig , Jörg Hülsmann Sternstunden der Menschheit

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Inhaltsangabe zu „Sternstunden der Menschheit“ von Stefan Zweig

›Sternstunden der Menschheit‹ - ein Stück Weltliteratur neu gesehenStefan Zweig versammelt in seinem Weltbestseller ›Sternstunden der Menschheit‹ vierzehn große, schicksalhafte Augenblicke in der Geschichte der Menschheit: von der Schlacht bei Waterloo über die Entstehung von Goethes berühmter Marienbader Elegie bis hin zur tragischen Südpolexpedition von Sir Robert Falcon Scott. Nun hat der Buchkünstler Jörg Hülsmann diese vierzehn Miniaturen bildhaft gestaltet, illustriert und interpretiert. Seine Illustrationen werfen nicht nur ein neues Licht auf ein bekanntes Stück Weltliteratur, sondern bilden zusammen mit dem Text ein eigenes Kunstwerk.

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  • »Aber kurz und vergänglich sind die Augenblicke der Vernunft und Versöhnung in der Geschichte.«

    Sternstunden der Menschheit
    Kopf-Kino

    Kopf-Kino

    Selten begreifen die Zeitgenossen auf den ersten Blick die Größe eines Menschen oder die Größe eines Werkes. Zweigs 'Sternstunden der Menschheit' ist eine Sammlung von einzelner Ereignisse, die nicht zur historischen Analyse dienen, sondern jeweils einen Augenblick der Weltgeschichte novellistisch in den Mittelpunkt rücken. Mal beschreibt Zweig den ästhetischen Lichtblick einer großen Persönlichkeit, wie bspw. Händel, mal die individuelle Entscheidung einer heute weniger bekannten Person, deren individuelle Entscheidung zur kulturellen und/oder wissenschaftlichen Entwicklung der Menschheit führte. Diese Mischung, die speziell jene entscheidende Momente fokussiert, bei denen sich der Charakter des jeweiligen Handelnden hervorhebt, erzählt die Geschichte brillanter, tragischer, zaghafter oder willensstarker Einzelner. Nicht selten spielt der schicksalhafte Zufall eine wesentliche Rolle. Immer müssen Millionen müßige Weltstunden verrinnen, ehe eine wahrhaft historische, eine Sternstunde der Menschheit, in Erscheinung tritt. Meine Rezension bezieht sich im Folgenden auf die Ausgabe des marixverlags, welche 12 historische Miniaturen samt Zweigs Vorwort beinhaltet. Bereits Zweigs Vorwort lässt erahnen, welcher Schreibstil, die sowohl poetisch als auch eindringlich daherkommt, den Leser erwartet. Die damalige Sprache wirkt aus heutiger Sicht altertümlich und pathetisch, was eine Frage des Geschmacks ist. Mir jedoch sagt diese sehr zu. Rhetorisch betrachtet weiß Zweig mit dieser Sammlung meiner Meinung nach zeitlos zu überzeugen. Im Vorwort schreibt Zweig: Nirgends ist versucht, die seelische Wahrheit der äußern und innern Geschehnisse durch eigene Erfindung zu verfärben oder zu verstärken. Denn in jenen sublimen Augenblicken, wo sie vollendet gestaltet, bedarf die Geschichte keiner nachhelfenden Hand. Wo sie wahrhaft als Dichterin, als Dramatikerin waltet, darf kein Dichter versuchen, sie zu überbieten. Inwiefern Zweig bei den ausgewählten Ereignisse ein wenig interpretierte, um eine Geschichte sensationeller schreiben zu können, vermag ich nicht zu beurteilen. Ich zumindest hatte beim Lesen das Gefühl: So könnte es gewesen sein. Kleine Freiheiten sind Zweig somit sicherlich zu verzeihen. Nun aber zu der Gliederung samt eines knappen inhaltlichen Umrisses – stellenweise mit Leseproben : > Flucht in die Unsterblichkeit (Die Entdeckung des Pazifischen Ozeans, 1513) Fähig zu den herrlichsten und heroischen Leistungen des Mutes, der Aufopferung, der Leidensfähigkeit, betrügen und bekämpfen sie sich untereinander in der schamlosesten Weise und haben doch wieder inmitten ihrer Verächtlichkeit ein ausgeprägtes Gefühl für Ehre und einen wunderbaren, wahrhaft bewundernswerten Sinn für die historische Größe ihrer Aufgabe. > Die Eroberung von Byzanz (Die Belagerung von Konstantinopel durch die Osmanen, 1453) Eine Nacht lang dauert die überschwängliche Freude der Belagerten. Immer regt ja die Nacht phantasievoll die Sinne und verwirrt die Hoffnung mit dem süßen Gift der Träume. […] Doch auch Mahomet ist ein Träumer, freilich ein Träumer jener anderen und viel selteneren Art, die es versteht, durch ihren Willen Träume in Wirklichkeit umzusetzen. > Georg Friedrich Händels Auferstehung (Phantasmagorische Erzählung über den Rausch Händels bei der Erschaffung seines bekanntesten Werkes, 1741) Noch einmal ist es zu Ende, noch einmal. Und er weiß oder meint es zu wissen, der ganz Verzweifelte: zu Ende für immerdar. Wozu, seufzt er auf, hat Gott mich auferstehen lasse aus meiner Krankheit, wenn die Menschen mich wieder begraben? Besser, ich wäre gestorben, statt, ein Schatten meiner selbst, im Kalten, im Leeren dieser Welt dahinzuschleichen. Und im Zorn murmelt er manchmal das Wort dessen, der am Kreuze hing: »Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?« > Das Genie der Nacht (Die Entstehung der späteren Französischen Nationalhymne, 1792) Immer jubelt die große Masse auf den Straßen und Plätzen bei einer Kriegserklärung, immer aber regen sich in solchen Augenblicken des Straßenjubels auch andere Stimmen, leisere, abseitige; auch die Angst, auch die Sorge wacht auf bei einer Kriegserklärung, nur dass sie heimlich in den Stuben flüstert oder mit blasser Lippe schweigt. > Die Weltminute zu Waterloo (Ein Fehlgang, der zu Napoleons Untergang führte, 1815) So furchtbar rächt sich die große Sekunde, sie, die selten in das Leben der Irdischen niedersteigt, an dem zu unrecht Gerufenen, der sie nicht zu nützen weiß. Alle bürgerlichen Tugenden, Vorsicht, Gehorsam, Eifer und Bedächtigkeit, sie alle schmelzen ohnmächtig in der Glut des großen Schicksalsaugenblicks, der immer nur den Genius fordert und zum dauernden Bildnis formt. Verächtlich stößt er dem Zaghaften zurück. > Die Marienbader Elegie (Die Folge Goethes letzter Liebe, welche ihn während der Kutschfahrt Goethes zwischen Karlsbad und Weimar zur Entstehung seines Altwerkes animierte, 1823) > Die Entdeckung Eldorados (Ein verhängnisvoller Spatenstich, der den Kalifornischen Goldrausch auslöste, 1848) > Heroischer Augenblick (Die geplante Hinrichtung Dostojewskis in Sankt Petersburg,1849) > Das erste Wort über den Ozean (Verlegung des ersten Transatlantischen Kabels, 1858) > Die Flucht zu Gott (Epilog zu Tolstois unvollendetem Drama Und das Licht scheinet in der Finsternis,1910) > Der Kampf um den Südpool (Zweig beschreibt Scotts tragisch gescheiterte Expedition, 1912) Als Letztes zittert die schon die erfrorenen Finger noch den Wunsch hin: »Schickt dies Tagebuch meiner Frau!« Aber dann streicht seine Hand in grausamer Gewissheit das Wort »meiner Frau« aus und schreibt darüber das furchtbare »meiner Witwe«. > Der versiegelte Zug (Reise Lenins, 1917) Da die Nachrichtenagenten nur auf die Leute achten, die viel reden, und nicht wissen, dass immer die einsamen Menschen die gefährlichsten sind für jede Revolutionierung der Welt, die viel lesen und lernen, so schreiben sie keine Berichte über den unbeachtlichen Mann, der bei einem Flickschuster wohnt. Zuletzt möchte ich noch erwähnen, dass Zweig sehr enthusiastisch schreibt, was sich besonders bei seiner Wahl der Superlativen widerspiegelt. Dennoch – oder gerade deswegen? - wirken die Geschichten sehr lebendig und ließen mich das Erzählte fiebernd nacherleben. Mit seinen gerade mal 222 Seiten bietet dieses Büchlein ein kurzweiliges Lesevergnügen, welches dank seiner Einteilung auch nach und nach gelesen werden kann. Ob die ausgewählten Miniaturen wahrlich so entscheidend waren... darüber lässt sich gewiss streiten. Dass Zweig jedoch auch denjenigen eine Stimme bzw. ein Gesicht verleiht, die heute weniger bekannt sind, gefiel mir am meisten. Schließlich profitiert ebenfalls unsere jetzige Welt nach wie vor von manchen Errungenschaften derjenigen, die Geschichte schrieben. Denn nur Ehrgeiz entzündet sich am Zufall des Erfolges und leichten Gelingens, nichts aber erhebt dermaßen herrlich das Herz als der Untergang eines Menschen im Kampfe gegen die unbesiegbare Übermacht des Geschickes, diese allezeit großartigste aller Tragödien, die manchmal ein Dichter und tausendmal das Leben gestaltet. Ja, Zweig war ein Kind seiner Zeit – somit steht stets ein europäischer Mann im Zentrum seines Buches. Außerdem tendiert Zweig manchmal dazu, zu beurteilen, welche historische Entscheidung „richtig“ oder „falsch“. Daran mag der eine oder andere Anstoß nehmen. Im Zuge unserer heutigen manchmal allzu weichgespülten „correctness“ fand ich dies jedoch recht erfrischend. Zumal Zweig meiner Meinung nach sachlich bleibt. Geschmäcker sind eben verschieden. Zusammenfassend (ja, ich komme endlich auf den Punkt) haben mir Zweigs „Schnappschüsse“, die manchmal erst auf den zweiten Blick bedeutend sind, gut gefallen und unterhalten. Seine Sprache - die man mögen muss, klaro – war wunderschön zu lesen. Die entscheidenden Faktoren, wie Willensstärke, Entscheidungskraft und Zufälle, leuchtete Zweig meiner Meinung nach anhand seiner Beispiele gut aus. Somit möchte ich dieses Buch jedem empfehlen, der Freude an poetischer Sprache und Interesse an historischen Begebenheiten hat, die etwas abseits vom allgemein Bekannten liegen. Aber nie lässt sich die eingeborene Kraft eines Werkes auf die Dauer verbergen oder verschließen. Ein Kunstwerk kann vergessen werden von der Zeit, es kann verboten werden und versargt, immer aber erzwingt sich das Elementare den Sieg über das Ephemere. PS: Wer einen guten fiktiv-historischen und weitaus ausführlichen Roman über Goethes letzte Liebe und die Entstehung seiner Elegie lesen möchte, demjenigen möchte ich Martin Walsers "Ein liebender Mann" ans Herz legen.

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    • 10
  • Wahrheiten spannend erzählt

    Sternstunden der Menschheit
    Vogelgrippe

    Vogelgrippe

    06. March 2014 um 17:28

    Das Buch von Stefan Zweig zeigt 14 historische Ereignisse und ihre Hintergründe etwas ausgeschmückt: Die Schlacht von Waterloo, die Entstehung der franz. Nationalhymne,.... Trotz des vielleicht, für den Einen oder Anderen, sehr trockenen Stoffs ist das Buch interessant und etwas geistreicher verfasst. An der einen oder anderen Stelle ist vielleicht etwas dazu gedichtet, aber für die, die gerne historische Romane oder "Miniaturen", wie er es nennt, lesen ist das Buch perfekt.

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  • Rezension zu "Sternstunden der Menschheit" von Stefan Zweig

    Sternstunden der Menschheit
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    14. July 2012 um 22:28

    Mit einem Gedicht über Dostojewskis Hinrichtung. Das ist dann aber der schwächste Beitrag. Alle andren Texte sind außerordentlich hochklassig, spannend und aufregend. Kann ich schlichtweg j e d e m empfehlen.

  • Rezension zu "Sternstunden der Menschheit" von Stefan Zweig

    Sternstunden der Menschheit
    Monsignore

    Monsignore

    17. March 2012 um 23:29

    Der sprachgewaltige Stefan Zweig hat in diesem Buch zu einem Zeitpunkt, als die Welt vor der Pforten der Barberei stand (und er selbst zum Opfer fiel), die Glanz- und Höhepunkte menschlicher Leistungen auf den Punkt gebracht. Ihm geht es um die kurzen, heftigen Augenblicke im Leben höchst unterschiedlicher Menschen, die Menschheitsgeschichte entschieden und gelenkt haben. Akribisch ausformuliert, geradezu in Spielszenen ausgebreitet, leuchten sie auf, diese Sternstunden. Ach, diese Form historischer Bücher ist eine hohe Kunst, die nur wenige beherrschten - heute ist mir keiner bekannt ...

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  • Rezension zu "Sternstunden der Menschheit, Fünf historische Miniaturen [von Stefan Zweig]; Insel-Bücherei Nr. 165," von Stefan Zweig

    Sternstunden der Menschheit
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    23. April 2011 um 20:20

    In "fünf historischen Miniaturen" erzählt Zweig von besonderen Stationen der Geschichte: Wir erfahren, warum Napoleon bei Waterloo geschlagen wurde; was Goethe zur Marienbader Elegie inspirierte; die wirklich spannende und kaum fassbare Geschichte der Entdeckung Eldorados; Fjodor Dostojewskis Begnadigung in letzter Sekunde; und von der traurigen Wende der Südpolexpedition Kapitän Scotts. Fesselnd erzählt bringt uns Zweig das Ausmaß nahe, das das Schicksal, wie er es nennt, nehmen kann. Dabei wird dem Leser aber nicht die Was-wäre-wenn-Frage zu sehr auseinandergesetzt, sondern der Text an sich beantwortet die Frage, wie es zu dem tatsächlichen Verlauf kam, oder gekommen sein könnte. Dabei wirkt Stefan Zweigs Stil überhaupt nicht wie der eines ursprünglich 1927 erschienen Buches, man fühlt sich in allen Miniaturen in die beschriebene Zeit zurückversetzt. Zweig schreibt sehr gut lesbar, spannend, analytisch, auch manchmal schwärmerisch. Die Konfrontation Dostojewskis mit seiner Sterblichkeit ist sogar in Gedichtform abgefasst, die aber sehr gut dessen Erlebnis und Empfinden im Angesicht des Todes und seines Wandels durch die Begnadigung verbildlicht. Eine kurzweilige, aber sehr lehrreiche Lektüre!

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  • Rezension zu "Sternstunden der Menschheit" von Stefan Zweig

    Sternstunden der Menschheit
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    27. March 2011 um 12:50

    Das Geheimnis des künstlerischen Schaffens "Wer stark fühlt, beobachtet wenig, alle Glücklichen sind schlechte Psychologen. Nur der Beunruhigte spannt alle Sinne zu äußerster Schärfe, Instinkt der Gefahr macht ihn klug über seine natürliche Klugheit hinaus.” Stefan Zweig Stefan Zweig war ein bescheidener Mensch. Damit meine ich nicht seinen Lebensstil, sondern die Art, wie er schrieb. Seine Werke kommen ohne Pomp und Prunk aus. Selten benutze er lange Schachtelsätze, in denen ein Komma das nächste jagt, und er feiert sich auch nicht selber darin. Im Leben war Zweig fast scheu und eben bescheiden im zwischenmenschlichen Umgang und so sind auch seine Werke meist gehalten. Sie sind fast schon schlicht geschrieben - zumindest mögen sie in der Form so erscheinen. Beginnt man jedoch, sie zu lesen, offenbaren sie eine atemberaubende Pracht. Stefan Zweig war ein Beobachter. Seine Faszination galt der menschlichen Seele. Ich kenne keinen Autor, der derartig genau beobachten und erfassen konnte, was selbst in kleinsten Gesten verborgen liegt. Immer war es die Psyche der Menschen, die ihn magisch angezogen hat, und oft agieren seine Figuren in Ausnahmesituationen, denn meist sind sie es, die Charaktere deutlicher hervortreten lassen. Zweig scheint nichts verborgen zu bleiben, aber nie zieht er die Figuren brutal aus, sondern er begleitet sie und erzählt oft ganz zart von ihnen. Stefan Zweig ist ein Literat für jedermann. Damit meine ich, dass es leicht ist, ihn zu lesen. Er versteckt seinen Genius nicht hinter dicken Türen aus Bildung, Stolz oder Eitelkeit. Er war bescheiden und ihn durchdrang eine Form von Demut. Seine Werke strahlen in schlichter Eleganz und sie sind dabei ganz rein und zart. Es wird mir nicht gelingen, seine Wirkung auf mich hier so wiederzugeben, wie ich es tun müsste, denn mir fehlt dazu die Fähigkeit. Zweig formuliert exakt, ohne dabei wissenschaftlich zu sein. Im Gegenteil: Er arbeitet sich so nahe an seine Figuren heran, dass er mit ihnen zusammenwächst. Er fühlt mit. Er leidet mit - hofft mit. Ich sage mal unbescheiden, dass ich schon viel gelesen habe, aber wirklich niemals war ich so beeindruckt, wie bei Stefan Zweig. Seine Werke sind zeitlos und seine Feder bescheiden und doch atemberaubend elegant. Zweig bringt uns seine Figuren so nahe, dass es fast wehtun kann. Dieser Schmerz aber wird oft getragen von der Zartheit und Anmut seiner Sprache, die uns mithoffen lässt - mitfühlen - mitleben. Ich übertreibe nicht, wenn ich dem Leser, der Zweig nicht kennt, prophezeie, dass er weder seine Art zu schreiben vergessen wird, noch die Geschichte der beschriebenen Figur, wenn er begonnen hat, ihn zu lesen. Ich glaube, Zweigs Geheimnis liegt in seinem Wesen. Einerseits verfügte er über die Gabe, genau hinsehen zu können und seine Beobachtungen in wundervolle Worte zu kleiden, und andererseits war er in einer Art bescheiden, die hinreißend ist. Er war tief von Nächstenliebe durchdrungen und ein brennender Verfechter eines humanen Miteinander. Er wusste um die Abgründe menschlichen Daseins und die oft vergeblichen Versuche, sich ihnen zu entziehen - und doch war es immer sein Streben nach Harmonie und Liebe, die ihn antrieb. Stefan Zweigs Werk drehte sich um 2 Säulen. Zum einen waren dies Biografien historischer Persönlichkeiten. Es wäre ein Fehler, zu denken, dass diese trocken seien und wenig Freude beim Lesen versprechen könnten. Zweig rankt sich um die Figuren, die er beschreibt. Es war weniger sein Ziel, Daten zu sammeln und wiederzugeben, sondern er interessierte sich für das Wesen der Person. Zweig wächst fast in die Figur hinein. Es ist atemberaubend, dies mitzuerleben. Immer war es sein Bestreben, herauszuarbeiten, wie ein Mensch im Innersten fühlt und denkt. Seine Biografien zu lesen ist ungeheuer spannend. Sie saugen den Leser regelrecht an die Person heran. Man lernt Menschen kennen wie Balzac, Maria Stuart, Maria Antoinette, Casanova, Tolstoi, Dostojewski, Freud, Magellan, Erasmus von Rotterdam, Hölderlin, Kleist, Nietzsche und Joseph Fouché. Fein geschrieben und spannend erzählt bringt Zweig dem Leser die Person in einer Art nahe, wie ich sie so nirgendwo sonst fand. Den zweite großen Bereich in Zweigs Werk nehmen Erzählungen und Novellen ein. Er schrieb nur zwei Romane. Seine Kurzgeschichten sind - jede für sich - Filetstücke erzählerischer Kunst. Meist treffen wir in ihnen auf Personen in ungewöhnlichen Situationen und oft ist auch eine gewisse Tragik dabei. Unvergessen z.B. wird mir der kleine Edgar bleiben, der in “brennendes Geheimnis” mit seiner Mutter in den Urlaub fährt und dort einen Baron kennenlernt, der sich ihm zuwendet, um die Mutter zu gewinnen. Edgar glaubt, seinen ersten Freund aus der Welt der Erwachsenen gefunden zu haben und steht lichterloh in Flammen. Nachdem es dem Baron gelang, die Brücke zur Mutter zu schlagen, bleibt der Junge als nun überlflüssig und unerwünscht zurück und versucht, das Desinteresse und die neue Abneigung des Mannes zu begreifen. Er wird hin und her geworfen zwischen Verzweiflung, Zorn und Erkenntnis. Unvergessen auch die Szene aus “Vierundzwanzig Stunden aus dem Leben einer Frau” in der Zweig einen Spieler beschreibt, der beim Roulette sein letztes Geld verspielt. Auf mehreren Seiten beschreibt Zweig dort alleine das Spiel der Finger dieser tragischen Figur, die nicht weniger als ihr Leben eingesetzt hat. Dies mitzuerleben wird der Leser nicht mehr vergessen. Weithin bekannt ist auch Zweigs “Schachnovelle” - Wer sie las, vergisst sie niemals wieder. Ich könnte zu jeder Erzählung Zweigs seitenlange Lobeshymnen schreiben. Alle sind sie wunderbar. Wer erinnert sich nicht an die Novelle “Angst”, in der eine Frau ihren Mann betrügt und wie ein gehetztes Tier versucht, der Offenbarung, die durch Erpressung droht, zu entgehen. Fast ist es, als teile man ihr Fieber beim lesen schmerzlich. In “Das Geheimnis des künstlerischen Schaffens” versucht Zweig, hinter den Akt der künstlerischen Betätigung zu leuchten. Er arbeitet heraus, was dort eigentlich geschieht. Warum malt ein Maler und was passiert, wenn ein Autor beginnt, Gefühle und Gedanken in Worten niederzuschreiben? Zweig rankt sich in diesem Werk tatsächlich um nicht weniger, als das Geheimnis des künstlerischen Schaffens. In bin nicht talentiert genug, wiederzugeben, wie ungeheuer genau, liebevoll und fast magisch Stefan Zweig hier vorgeht. Er vergleicht z.B. das Schaffen Beethovens mit Mozarts, indem er ihre Handschriften vergleicht. Er liest im Schwung ihrer Feder ihr Wesen heraus und überträgt das in ihr Werk - Ein wunderbares Buch. Stefan Zweig ist ein Meister der deutschsprachigen Literatur. Ein Virtuose der Wortwahl und ein ganz großes Herz. Keine seiner Figur wird vergessen werden können, so man sie kennengelernt hat und seine Geschichten wirken lange nach - bei mir teilweise auf Jahre. An Zweigs Sprache kann man sich laben wie an einer Tränke und sein Einfühlungsvermögen ist ein Vorbild an Nächstenliebe und tiefer Klugheit. Seine Bescheidenheit lässt ihn schlichte Worte wählen - Ihre tiefe Genauigkeit jedoch überwältigt den Leser. Atemberaubend sind sie - voller Anmut, Kraft und Unvergänglichkeit. Wer Zweig noch nicht kennengelernt hat, kann sich auf wunderbare Lesestunden freuen. Stefan Zweig verändert den Leser nachhaltig - er schenkt ihm neue innere Gärten - das kann ich versprechen. Hier zwei erste Empfehlungen: Beides sind Sammlungen seiner Erzählungen….. Verwirrung der Gefühle ISBN: 3-569-25790-5 Buchmendel ISBN: 3-569-11416-0

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  • Rezension zu "Sternstunden der Menschheit" von Stefan Zweig

    Sternstunden der Menschheit
    michella propella

    michella propella

    13. February 2011 um 17:44

    zweig schafft es tote geschichtsereignisse mit leben, mit dialogen, mit emotionen zu füllen. ob wettlauf um die entdeckung des nordpols, die schlacht bei waterloo oder dostojewski vor seiner erschießung: er füllt die wichtigsten minuten dieser menschen, in denen sie die (meist) fatalen entscheidungen ihres lebens trafen mit dialogen, mit schrift, mit leben und bringt sie uns näher als es der nachdruck eines überlieferten dokuments je gekonnt hätte. absolut lesenswert!!!

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  • Rezension zu "Sternstunden der Menschheit" von Stefan Zweig

    Sternstunden der Menschheit
    matze9889

    matze9889

    15. June 2008 um 14:44

    Tja, wer hätte gedacht, dass die Erschaffung der französischen Nationalhymne guten Lesestoff bereit hält ....

  • Rezension zu "Sternstunden der Menschheit" von Stefan Zweig

    Sternstunden der Menschheit
    katermurr

    katermurr

    09. May 2008 um 18:30

    Verschiedene Themen - die Entstehung der Marseillaise, die Verlegung des ersten Übersee-Kabels uam. - werden meisterlich und spannend bis unterhaltsam erzählt.

  • Rezension zu "Sternstunden der Menschheit" von Stefan Zweig

    Sternstunden der Menschheit
    Sascha1994

    Sascha1994

    05. April 2008 um 13:03

    Entscheidende Minuten der Weltgeschichten - geschrieben in inspirierter Sprache - zeugen von Helden und Tyrannen.