Ungeduld des Herzens

von Stefan Zweig 
4,7 Sterne bei22 Bewertungen
Ungeduld des Herzens
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Barbara62s avatar

Ein psychologisches Meisterwerk, dessen Schicksalsverstrickungen mich bei jedem Wiederlesen tief bewegen.

C

Sehr intensiv geschrieben!

Alle 22 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Ungeduld des Herzens"

Auf einer Abendgesellschaft begegnen sie sich zum ersten Mal: der junge Leutnant
Anton Hofmiller und Edith, die Tochter eines reichen Gutsbesitzers. Mit seiner
Aufforderung zum Tanz begeht Hofmiller einen folgenschweren Fauxpas – denn
Edith ist gelähmt. Fortan leidet er unter einer schleichenden «Vergiftung durch Mitgefühl».
Immer tiefer verstrickt er sich in einen unlösbaren Gewissenskonflikt, hinund
hergerissen zwischen dem aufrichtigen Wunsch, zu helfen, dem Stolz darauf,
gebraucht zu werden – und der Angst vor der Verantwortung. Denn Edith will kein
Mitleid, sie will geliebt werden. Eindringlich schildert Stefan Zweig die schmerzliche
Sehnsucht eines vom Leben ausgeschlossenen Mädchens und die Not eines Mannes,
der in dem Bestreben, alles richtig zu machen, eine Tragödie auslöst.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783717523765
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:500 Seiten
Verlag:Manesse
Erscheinungsdatum:16.03.2015
Das aktuelle Hörbuch ist bei Der Audio Verlag, DAV erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    m4xwlls avatar
    m4xwllvor einem Jahr
    Unglaublich gefühlvoll

    Wenn ich Leuten ein Videospiel empfehlen müsste, das mich richtig begeistert hat, dann fallen mir immer The Witcher 3 oder Skyrim oder Ocarina of Time ein. "Ungeduld des Herzens" ist sozusagen mein literarisches Ocarina of Time, meine Vorstellung von einem Meisterwerk.

    Die Schachnovelle hatte ich bereits gelesen, neuer Zweig-Stoff musste her. Da fiel mir Ungeduld des Herzens ins Auge, der einzige Roman von Stefan Zweig. Und was für einer.

    Auf die Handlung werde ich nicht viel eingehen. Im Prinzip ist sie tragisch, aber nichts, was mich interessieren würde. Zweigs fantastischer Schreibstil macht für mich den Roman erst zu einem wahren Genuss. Der Hauptcharakter, hin und hergerissen zwischen schwierigen Gefühlen und Gewissensbissen, wird von ihm grandios in Szene gesetzt. Situationen und Gefühle, die man so kennt, nicht aber verbalisieren könnte, werden von Zweig pointiert in Worte gefasst. 

    Ungeduld des Herzens ist kein Wohlfühl-Roman, sondern meines Erachtens eine echte literarische Erfahrung, eine Achterbahn der Gefühle. Man fiebert mit den Charakteren mit, denn man sieht, wie jeder einzelne von ihnen ein unglaublich verletzliches Etwas ist. 

    Anbei noch meine Lieblingspassage, die die bereits erwähnten Punkte verdeutlicht: 

    "Oder macht das nur der Wein, der goldhelle, dann wieder blutdunkle und jetzt champagnerperlende Wein, den von rückwärts her die Diener mit ihren weißen Handschuhen aus silbernen Karaffen und breitbäuchigen Flaschen geradezu verschwenderisch einschenken? Wahrhaftig,der wackere Apotheker hat nicht geflunkert. Bei Kekesfalvas geht es zu wie bei Hof. Ich habe noch nie so gut gegessen, nie mir überhaupt träumen lassen, daß man so gut, so nobel, so üppig essen kann. Immer köstlichere und kostbarere Gerichte schweben auf unerschöpflichen Schüsseln heran; blaßblaue Fische, von Lattich gekrönt, mit Hummerscheiben umrahmt,schwimmen in goldenen Saucen, Kapaune reiten auf breiten Sätteln von geschichtetem Reis, Puddinge flammen in blau brennendem Rum, Eisbomben quellen farbig und süß auseinander, Früchte, die um die halbe Welt gereist sein müssen,küssen einander in silbernen Körben. Es nimmt kein Ende, kein Ende und zum Schluß noch ein wahrer Regenbogen von Schnäpsen, grün, rot, weiß, gelb, und spargeldicke Zigarren zu einem köstlichen Kaffee!"

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    Barbara62s avatar
    Barbara62vor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Ein psychologisches Meisterwerk, dessen Schicksalsverstrickungen mich bei jedem Wiederlesen tief bewegen.
    Falsches Mitleid

    "Es gibt eben zweierlei Mitleid. Das eine, das schwachmütige und sentimentale, das eigentlich nur Ungeduld des Herzens ist, sich möglichst schnell freizumachen von der peinlichen Ergriffenheit vor einem fremden Unglück, jenes Mitleid, das gar nicht Mitleiden ist, sondern nur instinktive Abwehr des fremden Leidens von der eigenen Seele. Und das andere, das einzig zählt – das unsentimentale, aber schöpferische Mitleid, das weiß, was es will, und entschlossen ist, geduldig und mitduldend alles durchzustehen bis zum Letzten seiner Kraft und noch über dies Letzte hinaus.“

    Stefan Zweigs einziger Roman erschien erstmals 1939 und spielt während weniger Monate vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs in einer kleinen Garnisonsstadt an der österreichisch-ungarischen Grenze.

    Der junge Leutnant Hofmiller fordert bei einer Abendgesellschaft im Hause eines reichen, zum ungarischen Adeligen Lajos von Kekesfalva beförderten Juden dessen 17-jährige Tochter Edith zum Tanz auf, nicht wissend, dass diese gelähmt ist. Aus Scham über seine Ungeschicklichkeit flieht er überstürzt und versucht später, den Affront durch Blumen und Besuche wiedergutzumachen ohne zu bemerken, dass Edith sich längst in ihn verliebt hat. Die Tragödie nimmt ihren Lauf…

    Ein psychologisches Meisterwerk, dessen Schicksalsverstrickungen mich bei jedem Wiederlesen tief bewegen.

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    W
    WinfriedStanzickvor 3 Jahren
    Ein Klassiker in einer wunderbaren Manesseausgabe



    Ungeduld des Herzens ist Stefan Zweigs einziger Roman. 1939 entstanden, wird er hier in einer wunderbaren neuen Ausgabe bei Manesse wieder aufgelegt. Sein Titel weist auf das zentrale Thema der Erzählung hin, das falsche Mitleid, das dem anderen nicht hilft, sondern schadet. Der Roman spielt unmittelbar vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs im österreichisch-ungarischen Grenzgebiet.


    Der in einer kleinen ungarischen Garnisonsstadt stationierte Leutnant Anton Hofmiller erhält eine Einladung in das Schloss des ungarischen Magnaten Lajos von Kekesfalva. Dessen gelähmte Tochter Edith verliebt sich in den jungen Offizier, Hofmiller aber empfindet nur Mitleid für das »kranke Kind«. Aus Feigheit verschweigt er Edith seine wahren Gefühle, macht dem unheilbaren Mädchen Hoffnung auf eine baldige Genesung. Er versteigt sich sogar dazu, sich mit Edith zu verloben, verleugne sie aber in der Öffentlichkeit. Als Edith den Verrat Antons bemerkt, nimmt sie sich das Leben.

    Als Roman bezeichnet, ist „Ungeduld des Herzens“ aber eher eine sehr lange Novelle, in der Zweig seinen Protagonisten seine Gefühle bis in die kleinsten Details beschreiben lässt, so wie er das in vielen seiner anderen Novellen auch getan hat. Gleichzeitig ist es eine Hommage an das habsburgischen Kaiserreich, dem Zweig im Exil nachtrauerte und dessen Untergang er nicht verwinden konnte. Zweig nahm sich 1942 in Brasilien das Leben.

     

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 10 Jahren
    Rezension zu "Ungeduld des Herzens, Sonderausgabe" von Stefan Zweig

    Süß wie eine Sachertorte, doch gleichermaßen eindringlich spannend und beklemmend, sowie von psychologischem Scharfsinn und philosophischer Tiefe gezeichnet: Stefan Zweigs einzig zu Ende geführter Roman „Ungeduld des Herzens“.

    Dreh- und Angelpunkt des Romans ist der Fauxpas eines jungen Soldaten, der bei einem Empfang Edith, die Tochter des adeligen Gastgebers, zum Tanz auffordert, ohne zu wissen, dass sie gelähmt ist. Die Situation eskaliert. Nicht nur die junge Edith erleidet einen Gefühlszusammenbruch, die Peinlichkeit treibt den Soldaten in die Flucht. Der nächste Tag glättet die Wogen, man findet sich wieder im Schloss zusammen. Mitleid bemächtigt sich des Herzens des Soldaten, er besucht die Gelähmte nun täglich, eine Freundschaft nimmt ihren Anfang. Er steigert sich förmlich in die Fürsorge, kostet den erhebenden Rausch des Helfens, zusätzlich angeregt durch die Dankbarkeit des Vaters und das Zureden des behandelnden Arztes, letzten Endes maßlos aus. Denn die Situation eskaliert aufs Neue, als Edith sich in ihn verliebt. Eine Liebe, die er nicht erwidern kann.

    Rauschhafte Gefühle, die an Wahn grenzen, das ist ein Motiv, welches sich im Werk von Stefan Zweig vielfach findet. Es ist augenscheinlich, dass Zweig besonders viel an Menschen lag, die so stark empfinden, dass es an Ohnmacht, Überwältigung und mitunter gar Tobsucht grenzt. Man sieht dies auch an den Schriftstellern, derer er sich in seinen großartigen Essays annahm: Hölderlin, Kleist und Nietzsche, behandelt in „Der Kampf mit dem Dämonen“, aber auch beispielsweise Balzac, der zwar mancher Orte als Dutzendautor verpönt, doch auch eine ganz ausgeprägte Gefühlswelt besaß (so trieb im Einst der Tod seiner Protagonistin die Tränen in die Augen – ihm misslang das Aufwachen aus den eigen geschaffenen Welten ) und nicht zuletzt Dostojewski, der ganz unzweifelhaft unter Dämonen und rauschartigen Gefühlen litt. Woher kam diese Leidenschaft Zweigs? Sah er diese Züge in sich selbst? Oder war es vielleicht ein Fehlen solcher rauschhaften Gefühle, die jene Neugier begründete?

    Man reduziert Zweig oft auf seinen Stil. Auch wenn dies ungerechtfertigt ist, leuchtet doch ein, wie eine solche Annahme entstehen kann: Denn er war ein unglaublich begnadeter Sprachzauberer, geradezu artistisch meisterte er die Disziplin überlebensgroße Bilder zu zeichnen, die man taumelnd und staunend durchlebt. Ist das Kitsch? Mitnichten. Der Unterbau seiner Geschichten ist oft profund, der Scharfsinn seiner Betrachtungen steht denen von Arthur Schnitzler in nichts nach. Nie belässt er es bei der Oberfläche, seine wahre Leidenschaft ist es nicht, parfümierte Postkartenmotive vorzuzeigen, sondern tief in die Gedanken- und Gefühlswelt seiner Figuren einzudringen, ihr Innerstes nach Außen zu kehren. Jedoch nie belehrend, eher empathisch und neugierig.

    „Ungeduld des Herzens“ ist, so poetisch schön dieser Roman auch erzählt sein mag, eine aufreibende Erfahrung (das Weiterblättern nahm bei mir stellenweise fiebrige Züge an). Es sind gerade jene Momente des Wahnhaften, in der die Stärken des Werkes liegen. Man möchte regelrecht in den metaphysischen Raum greifen und die Protagonisten halten, beschwichtigen, zurechtweisen, umarmen, ohrfeigen. Die Tragik unerfüllter Liebe treibt ihre Knospen gerade dort, wo Motivationen vorliegen, die eine Maskerade evozieren, also das Leid der Unglücklichen ins Unermessliche steigern. Allzu geradlinig fällt die Geschichte jedoch nicht aus, versteht es Zweig doch brillant, durch eingeschobene Lebenslaufminiaturen geschickt die Weichen umzustellen (Paradigmen par excellence), somit ein neues Licht auf Handlungen werfen, die vormals noch eindeutig anders motiviert erschienen.

    Neigt man als Leser wie ich dazu, Unterstreichungen vorzunehmen, tut man gut daran, den Stift erst gar nicht aus der Hand zu legen, denn neben dem formvollendeten Stil und den überschäumend schönen Bildern sind es vor allem die Aphorismen, die dieses Werk auszeichnen („Nur was die Seele mit mitfühlenden Augen leibhaftig gesehen, vermag sie wahrhaft zu erschüttern.“; „Immer ergibt gerade das Gegensätzliche, sofern es sich richtig ergänzt, die vollendetste Harmonie, und oft erweist sich das scheinbar Überraschendste als das Natürlichste.“; „Nur haben starke Glückszustände wie alles Rauschhafte zugleich etwas Betäubendes; immer lässt intensives Genießen des Augenblicks das Vergangene vergessen.“ u.s.w.).

    Zuletzt ist auch der Selbstmord ein zentrales Thema des Romans. Selbsttötung als Zeichen des Protests, oder entstanden aus scheinbar unüberwindlichen Hindernissen – manchmal auch beides zugleich. Die Behandlung des „einzig wirklich ernsthaften philosophischen Problems“ (Camus) ist gerade auch deshalb von Interesse, da Stefan Zweig ebenfalls freiwillig aus dem Leben ging (angesichts dem Zerfall seiner Welt, verantwortet durch die braunen Bestien des Nazi Regimes). „Ungeduld des Herzens“ ist also nicht nur eine weitere Ergänzung des brillanten Gesamtwerks aus Novellen, Essays, Biographien, Reiseberichten, Briefen und Miniaturen, sondern bietet auch Gelegenheit, dem Menschen, der uns solch wundervolle Zeilen hinterließ, näher zu kommen.

    „Die Sterne glänzten, und mir war, als glänzten sie mich zärtlich an. Der Wind strich sordiniert über die verlöschenden Felder, dunklen Brodems voll, und mir war, als sänge er zu mir. Jener reine Überschwang kam über mich, da alles gut und begeisternd scheint, die Welt und die Menschen, da man jeden Baum umarmen möchte und über sein Holz hinstreichen wie über eine geliebte Haut.“ Stefan Zweig, Ungeduld des Herzens

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    wallenstein2005s avatar
    wallenstein2005vor 10 Jahren
    Rezension zu "Ungeduld des Herzens" von Stefan Zweig

    auch super

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    CompletelyRiddikulusvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Sehr intensiv geschrieben!
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    JoBerlins avatar
    JoBerlinvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Dieser große Roman zeigt Stefan Zweigs ganze Schaffens- und Formulierungskraft. Spannend, ergreifend, wundervoll.
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    MaraWinters avatar
    MaraWintervor 3 Jahren
    Kurzmeinung: fesselnd, ergreifend, tragisch
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    FlorianTietgens avatar
    FlorianTietgen
    L
    LreHvor 6 Monaten

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