Der große schwarze Vogel

von Stefanie Höfler 
4,3 Sterne bei6 Bewertungen
Der große schwarze Vogel
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Ich hätte mir gewünscht, dass die Geschichte etwas mehr Emotionen bietet.

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Trauerbewältigung als Jugendbuch-Thema — Sprachlich wunderschön und toll umgesetzt.

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Inhaltsangabe zu "Der große schwarze Vogel"

Der Tag, an dem Bens Mutter plötzlich und völlig unerwartet stirbt, ist ein strahlender Oktobertag. Ben erzählt von der ersten Zeit danach und wie er, sein Bruder Krümel und Pa damit klarkommen – oder eben nicht. Er erinnert sich an seine Ma mit den grünen Augen und den langen roten Haaren, die so gerne auf die höchsten Kastanienbäume kletterte. Mit einem Mal ist nichts mehr so, wie es war. Doch manchmal geht das Leben nicht nur irgendwie weiter, sondern es passieren neue, verwirrende und ganz wunderbare Dinge.
Eine Geschichte einer großen Erzählerin über das Unfassbare, von großer Intensität und Nähe, voller Trost und Zuversicht.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783407754332
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:182 Seiten
Verlag:Julius Beltz GmbH & Co. KG
Erscheinungsdatum:10.07.2018

Rezensionen und Bewertungen

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    NeriFeevor einem Monat
    Kurzmeinung: Ich hätte mir gewünscht, dass die Geschichte etwas mehr Emotionen bietet.
    Ein trauriges Thema und zuviel Distanz

    Der große schwarze Vogel ist eine Geschichte von Stefanie Höfler aus dem Jahr 2018. Das Jugendbuch ist im Beltz-Verlag erschienen. In der Geschichte geht es um den vierzehnjährigen Ben, der, ganz unerwartet, an einem strahlenden Oktobertag, seine Mutter verliert.

    Darum gehts

    Ben hat einen jüngeren Bruder, Karl, der aber von allen nur Krümel genannt wird. Weil der Vater in ein tiefes Loch fällt, wohnen die Brüder zunächst bei Tante Gerda. Während Krümel immer wieder weg läuft, der Vater die Jazzmusik seiner verstorbenen Frau hört und sein bester Freund Janus nicht recht mit ihm umzugehen weiß, geht Bens Leben irgendwie weiter. Und trotz großem Verlust und tiefem Schmerz, geschieht plötzlich auch Schönes.

    Die Aufmachung des Buches ist sehr farbenfroh gestaltet. Die Illustrationen zeigen Blätter verschiedener Bäume, die den Herbst ankündigen. So wird ein direkter Zusammenhang zum herbstlichen Tag hergestellt, an dem die Mutter stirbt und gleichzeitig auf ihre naturbezogene Persönlichkeit hingewiesen. Die Mutter liebte ausgiebige Waldspaziergänge und Pflanzen aller Art.

    Höfler erzählt die Geschichte fast lautlos, geradezu distanziert. Sie lässt wenig Raum für große Emotionen, scheint ihren Leser schonen zu wollen. Die Kapitel wechseln zwischen der Woche, in welcher Bens Mutter stirbt und seinen Erinnerungen an sie. Jeder der Protagonisten scheint für sich zu trauern und jeder tut dies auf seine ganz persönliche Art. Obwohl die Thematik selbst tiefe Trauer und großen Schmerz verspricht, ist es die Hoffnung und das Leben selbst, die Ben an das Gute denken lassen. Trauerbewältigung aus eigenem Antrieb und nach eigenem Ermessen gelingt hier auf sehr stille Weise.

    Es sind nicht ausschließlich die positiven Aspekte, die Ben bei dem Gedanken an seine Mutter verspürt. Er hat ganz genau ihre regelmäßigen, heftigen Wutausbrüche im Kopf, wenn er an sie denkt. Aber eben auch ihre Leidenschaft für Jazz-Musik und ihre tiefe Liebe für die Natur und ihre Familie, ihre roten Haare, die überall herum liegen und ihren großen Mund.

    Zum Ende hin wird die Autorin etwas lauter, hält aber den ruhigen Ton. Für meinen Geschmack hätte die Erzählung mehr Tiefgang, mehr Emotionen vertragen können. Stefanie Höfler versucht den Tod eines nahen Angehörigen als Literaturthema für junge Menschen zu enttabuisieren, läuft aber Gefahr, aufgrund großer Distanz zur Trauer genau das zu verfehlen. Insgesamt ist es eine sehr schöne Geschichte, sofern diese Formulierung, in Anbetracht der Thematik erlaubt ist. Die Charaktere sind sympathisch, ihre Handlungen jedoch oft zu starr. Der leise Ton kann für betroffene Jugendliche aber durchaus der richtige sein.

    Ich danke dem Beltz-Verlag.

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    killmonotonys avatar
    killmonotonyvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Trauerbewältigung als Jugendbuch-Thema — Sprachlich wunderschön und toll umgesetzt.
    Rezension: Der große schwarze Vogel

    Trauerbewältigung als Jugendbuch-Thema — Sprachlich wunderschön und toll umgesetzt.

    Dieses Buch sprach mich sofort mit seinem Klappentext an. Außerdem ist “Der große schwarze Vogel” von Stefanie Höfler ja schon ein Eyecatcher. Das Buch ist geschmückt mit Federn und Blättern in herbstlichen Farben. Wer das Buch erst einmal gelesen hat, versteht direkt den Zusammenhang: Bens Mutter liebt die Natur, den Wald, alle Pflanzen und Tiere. Mit ihrer Familie macht sie wöchentliche, ausgedehnte Spaziergänge durch den örtlichen Wald und setzt sich für die Umwelt ein. Sie ist zwar aufbrausend und oft auch wütend, aber ihre Wut verfliegt immer schnell. Dann ist sie wieder die tollste Mutter, die es für Ben und seinen kleinen Bruder Krümel (eigentlich Karl) geben kann. Bis sie eines Tages stirbt. Die kleine Familie muss nun lernen, wie man mit diesem Riss, der mitten durch einen durch geht, lebt. Alles erinnert noch an sie, alles riecht noch nach ihr und überall liegen ihre langen, roten, lockigen Haare. Bens Vater kommt mit dem plötzlichen Verlust überhaupt nicht zurecht, igelt sich in seiner Trauer ein und scheint dabei völlig zu vergessen, dass er noch zwei Kinder hat. Während Ben und Krümel erstmal bei ihrer Tante wohnen, versuchen die beiden Brüder, das Beste aus der Situation zu machen und dafür sorgen sie erst einmal dafür, dass das Begräbnis ihrer Mutter gerecht wird.

    "Mas Todestag war ein strahlender Oktobertag. Wenn in einer Geschichte jemand stirbt, dann meistens an einem Regentag. Oder an einem nebelverhangenen Tag, an dem kein Sonnenstrahl die Wolkendecke durchdringt. Das passt besser zum Tod, unterstreicht die düstere Stimmung."

    Berührend und mit einer sehr feinen Sprache erzählt Stefanie Höfler uns die Geschichte von Ben, Krümel und ihrem Vater und wie sie mit dem Tod ihrer Mutter bzw. Ehefrau umgehen. Dabei wird kapitelweise gewechselt zwischen Jetztzeit und Vergangenheit, wir erfahren in Rückblicken Bens von einzelnen Momenten, Augenblicken und Szenen aus der Zeit, als seine Mutter noch am Leben war. Ben glorifiziert seine Mutter in seinen Rückschauen niemals, überlegt sich nicht, was er hätte anders machen können, er betrachtet die Dinge, wie sie waren und wie sie sind. In der Schule kämpft Ben mit den Blicken der anderen, und plötzlich steht ihm nicht mehr nur sein bester Freund zur Seite, sondern auch ein Mädchen, das vorher keine zwei Worte mit ihm gewechselt hat. Ben findet heraus, dass auch sie — oder vielmehr ihr Bruder — dem Tod bereits begegnet ist. Dieses Band schweißt die beiden immer mehr zusammen und es entsteht eine Freundschaft, die vielleicht auch zu etwas mehr werden könnte.

    In diesem Jugendbuch lernt die Familie, mit dem Tod umzugehen und zu heilen. Die Konstellation hat mich leicht an “Trauer ist das Ding mit den Federn” erinnert, das ich neulich erst gelesen habe. Und dennoch sind die beiden Bücher sehr unterschiedlich. Zumal Ben und seiner Familie keine riesige Krähe bei der Trauerbewältigung hilft; das schaffen die drei auf ihre Art ganz allein. Und darum ist “Der große schwarze Vogel” auch keine “Fantasie”-Geschichte, sondern eine, die genauso überall auf der Welt passieren kann (und auch passiert).

    Die vollständige Rezension findet ihr auf meinem Blog: https://killmonotony.de/rezension/stefanie-hoefler-der-grosse-schwarze-vogel

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    Nadezhdavor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Gutes Buch zu einer schwierigen Thematik
    Gutes Buch zu einer schwierigen Thematik

    Ich bin aufgrund der Thematik und des wunderschönen farbenfrohen Covers auf dieses Buch aufmerksam geworden und habe es gern gelesen. Dennoch hinterlässt es mich ein wenig zwiegespalten.

     

    Es ist mir wichtig, dass es Bücher gibt, in denen die Thematik vom Tod eines Elternteils so explizit, detailliert und ungeschönt aufgegriffen wird.  Durch die vielen Perspektivwechsel erlebt man ebenso das unmittelbare Geschehen an den Tagen um den Tod der Mutter herum, was ganz minutiös erzählt wird, wie auch Rückblicke auf Erlebnisse mit der Mutter sowie dann im letzten Drittel des Buches einige gut gewählte Vorausblicke auf das neue, veränderte Leben ohne die Mutter. Atmosphärisch ist das immer gut beschrieben. In den Rückblenden finden sich schöne Eindrücke und Momentaufnahmen aus dem Leben eines Kindes und mit zum Alter passenden Reflexionen. Dabei kommt auch das nicht immer einfache Wesen der Mutter zum Vorschein, die als eine Frau mit Ecken und Kanten dargestellt wird. Wunderschön fand ich die Beschreibungen vom Wald und von den Pflanzen, auch wenn einige Fragen im Detail aufgeworfen wurden: Unreife Kastanien pflücken, die nach nichts riechen? Salbeigrüne Augen? Aber das sei mal dahingestellt…

     

    Als eher unrealistisch habe ich die Gefasstheit der Erwachsenen nach dem plötzlichen Tod der Mutter wahrgenommen, dieses sofortige Sich-Verabschieden, auch die entsprechende nüchterne Aufforderung an die Kinder. Das ging mir viel zu schnell. Hier fehlten mir die Phasen der Fassungslosigkeit, des Nicht-Annehmen-Wollens des Geschehenen, der unmittelbare Schmerz... Dass die Leute gleich so sachlich reagieren und sich verabschieden, erschien mir nicht glaubwürdig, zumal der Vater ja auch anschließend dermaßen in seinem Schmerz versinkt, dass er seine Kinder wochenlang überhaupt nicht mehr wahrnimmt. Ich möchte das nicht weiter beurteilen, hätte aber erwartet, dass die natürlichen Elterninstinkte einen eher dazu bringen, in so einer Situation enger mit den Kindern zusammenzurücken und, bei allem eigenen Schmerz, den Kindern auch ein wenig beizustehen. Insgesamt kamen mir persönlich die in der Beschreibung aufgeführten Themen "Trost und Zuversicht" im Buch zu kurz.

     

    Höchst seltsam und fragwürdig fand ich gegen Ende die Szene mit dem Pfarrer. Wer nicht zur Kirche ging, braucht keine christliche Bestattung, es muss also überhaupt kein Pfarrer ins Spiel kommen, wenn man das nicht will. Wenn man es will, findet ein Trauergespräch statt, in dem die Pfarrerin oder der Pfarrer etwas über die verstorbene Person erzählt bekommen, falls sie sie nicht persönlich gekannt haben. PfarrerInnen geben also in den Traueransprachen in der Regel genau das wieder, was man ihnen selbst über das Leben und den Charakter der Verstorbenen erzählt hat. Daher verstehe ich diese seltsame Szene mit der angeblich nicht zutreffenden Beschreibung der Verstorbenen und dem darauf folgenden Wutausbruch des Vaters nicht und ärgere mich über dieses unsachgemäße Pfarrer-Bashing.

     

    Insgesamt finde ich, dass das Buch v.a. durch die gelungenen Perspektivwechsel sehr gut gemacht ist, aber es konnte mich emotional nicht so packen, dass ich im Geschehen richtig „drin“ gewesen wäre – ich habe von außen distanziert auf die Handlung geblickt und mitgedacht, aber nicht wirklich mitgefühlt. Ob das an mir selbst lag, weil ich eventuell diese Handlung gar nicht so nah an mich herankommen lassen wollte, oder am Buch, kann ich nicht eindeutig bestimmen. Ich müsste zum Vergleich andere Bücher mit dieser Thematik zeitnah lesen, das habe ich aber momentan nicht vor.

     

    Ich kann das Buch also mit gewissen Einschränkungen empfehlen.

     

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    Lales avatar
    Lalevor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Ein Buch, das eine bewegende und zum Nachdenken anregende Geschichte erzählt, aus der sich sicher jeder etwas mitnehmen kann.
    Eine bewegende Geschichte

    Inhalt:

    Ben ist 14 Jahre alt, als seine Mutter unerwartet stirbt. Nun sind er, sein Bruder Krümel und ihr Papa alleine - keiner, der auf Kastanienbäume klettert, lustig und lebendig ist oder es nicht für nötig hält, staub zusaugen. 
    Nichts ist mehr, wie es war. Krümel läuft weg, sein Papa ertrinkt in seinem eigenen Elend und plötzlich ist es Ben, der sich um alles kümmert. 

    Eine Geschichte vom Leben nach dem Verlust eines geliebten Menschen.


    Meine Meinung:

    Ehrlich, bewegend und zum Nachdenken anregend - eine zeitlose Geschichte, aus der sich jeder etwas mitnehmen kann.

    Ben erinnert sich an seine Ma, wie sie auf Kastanienbäume geklettert ist, nicht staub gesaugt hat und ihre Anfälle hatte. Sie war launisch, lebensfroh und lebendig - bis sie eines Nachts plötzlich starb.
    Danach sind Ben Krümel und sein Pa auf sich alleine gestellt. Während Pa alleine in der Wohnung sitzt und weint, läuft Krümel. Seine Tante kümmert sich um die Beerdigung und nun ist es an Ben, auf seine Familie aufzupassen und sie zusammenzuhalten. 
    Plötzlich ist er nicht mehr der unauffällige und stille Junge in der Klasse, er wird von allen angestarrt, keiner weiß mehr, wie er mit ihm umgehen soll. Selbst Ben weiß nicht, was er tun soll. Alles was er will, ist wieder Halt zu finden.

    Zuerst einmal möchte ich mich beim Beltz & Gelberg Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars bedanken, ich freue mich sehr, für euch rezensieren zu dürfen!

    Die Geschichte wird durchgängig aus der Sicht des 14-jährigen Ben erzählt und beginnt direkt mit dem Todestag der Mutter, sodass man als Leser direkt in die Handlung hinein kommt. Offen, mit allen Fakten und Gedanken erzählt Ben, wie sich das Leben für ihn und seine Familie verändert. Zwischendurch gibt es Rückblicke, in denen der Leser Einblicke auf die "2 Gesichter" - wie Ben sie nennt - der Mutter erhält. 

    Zunächst eher unpersönlich, wie als stiller Beobachter von außen, lernt man den Protagonisten Ben kennen. Später stellt er sich genauer vor und teilt dem Leser seine Gedanken und das Gefühlschaos in ihm, mit. Die Darstellung seines Zwiespaltes, einerseits die Liebe zu seiner toten Ma, die aber andererseits nicht immer ein gutes Vorbild war - sowie das Aufzeigen ihrer positiven, aber auch weniger guten Seiten, finde ich sehr gelungen und zeigt, dass ein Mensch nie nur gut oder schlecht ist. Einzig mit Lina konnte ich mich nicht so richtig anfreunden, ich fand sie etwas widersprüchlich.

    Die Entwicklung der Handlung beschreibt die anfängliche Verwirrung und das Nicht-Wahrhaben-wollen der Ereignisse und die damit verbundenen Veränderungen, sowie die sich einstellende Verzweiflung bis hin zur Resignation und dann langsam, aber sicher, die schlussendliche Akzeptanz. Die Autorin zeigt ebenso das Verhalten des Umfeldes - das allseits geweckte Interesse, aber die Unbefangenheit, auf Ben und seine Familie zu zugehen. 

    Der einfache und flüssige Schreibstil der Autorin ist klar und somit gut verständlich. Auf überflüssige Details wurde verzichtet, sodass die Bewältigung der Ereignisse und die damit verbundenen Gefühle im Vordergrund stehen.


    Fazit:
    Ein Buch, das eine bewegende und zum Nachdenken anregende Geschichte erzählt, aus der sich sicher jeder etwas mitnehmen kann.
    Der klar verständliche Schreibstil ist besonders gut geeignet für bereits junge Leser, aber ebenso gut für Erwachsene. 

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    Alinescotvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Richtig gut, aber auch sehr intensiv
    So leise wie ein Flügelschlag

    Das Buch gehört zwar in die Kategorie "Jugenbuch", trotzdem ist es vom Thema her richtig schwere Kost. Dieser Roman hat mir sehr zu schaffen gemacht. Nicht, weil es irgendwie schlecht gewesen wäre, im Gegenteil, das Buch ist richtig gut, aber es ist auch verdammt intensiv. Bens Geschichte rührte mich zu Tränen.

    Zum Glück sind die Kapitel recht kurz gehalten, so hatte ich Zeit zwischendurch mal durchzuatmen. Die Kapitel sind abwechselnd in drei Zeitebenen erzählt. Einmal Bens Erinnerungen an seine Mutter vor ihrem Tod. Dann gibt es Kapitel, die von der Zeit nach der Beerdigung handeln, als wieder so etwas wie Normalität in Bens Familie einkehrt.. Und dann gibt es natürlich auch noch die Kapitel im Jetzt, die Mutter liegt im Schlafzimmer auf den Boden und nichts wird wieder so sein wie vorher. Dieser Teil handelt von Bens Fassungslosigkeit, seiner Hilflosigkeit und dann dem Begreifen, der grenzenlosen Traurigkeit des Vaters die irgendwann in sowas wie Wut umschlägt, von der Beerdigung. Und von Bens kleinem Bruder, der auf seine ganz eigene Art mit dem Tod umgeht. Es ist immer Ben der erzählt, und es ist fast wie ein Tagebuch geschrieben was es dadurch unheimlich persönlich macht. Zu gerne hätte ich ihn in die Arme geschlossen um ihn zu trösten. Weil Bens Geschichte so ran geht, bin ich aber auch froh dass das Buch nicht allzu dick ist. Seltsamerweise wirkt das Buch gerade durch seine Traurigkeit irgendwo auch Lebensbejahend. Es hinterlässt nach der Lektüre kein Gefühl von Verlust.

    Zitat
    "Der Tod ist wie ein Flügelschlag, hatte Ma einmal gesagt. Sie liebte solche Sprüche. Wie der Flügelschlag von einem großen schwarzen Vogel, der vorbeifliegt, und sein Schatten fällt kurz auf den, der zufällig darunter sitzt, und etwas länger auf diejenigen, die vielleicht gerade drum herum sind. Als hätte sie es geahnt, oder?"
    Aus "Der große schwarze Vogel" von Stefanie Höfler

    Und dann merkt Ben plötzlich, wie er von allen Seiten anders behandelt wird, dass er sich alles erlauben könnte, dass er die sprichwörtliche "Extrawurst" kriegt.
    Ben wird bei seiner Trauer von seinem besten Freund Janus unterstützt. Und dann lernt Ben noch Lina kennen, die "Expertin für den Tod", wie sie von sich selbst behauptet. Beide gehen in Bens Klasse.
    Dieses kleine Buch ist wirklich etwas ganz besonderes. Ich bin froh darüber, dass ich es lesen durfte. Ich bin aber auch froh, dass ich jetzt meine Tränen trocknen kann, um etwas anderes, unwichtigeres zu lesen.

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    klaudia96s avatar
    klaudia96vor 3 Monaten
    Auf den Schwingen der Trauer ...

    Inhalt

    An einem warmen Oktobertag stirbt Bens Mutter - und lässt ihn allein mit seinem Vater, seiner Tante und seinem Bruder Krümel zurück. Und mit einer Welt, in die Ben plötzlich nicht mehr reinzupassen scheint, in der Trauer so anders funktioniert, als er sie spürt. Während Ben zwischen den Erinnerungen an seine Mutter und seinem Leben feststeckt, wird ihm klar, dass der Weg der Trauer steiniger ist als jeder andere ...

    Meine Bewertung

    "Der große schwarze Vogel" ist so ein typisches Buch, das ich fast nicht zur Hand genommen hätte, weil es eigentlich nicht zu meinem typischen Lesestil passt. Aber das Cover und die Beschreibung haben mich schließlich doch genügend gelockt, um mir anzusehen, was es wohl damit auf sich hat. Und ich bin sehr froh darüber, sonst hätte ich ein Buch verpasst, das mich wirklich tief berühren konnte.

    Stefanie Höfler schreibt in "Der große schwarze Vogel" über die Trauer, den Verlust und deren unterschiedliche Arten der Bewältigung. Mich hat dieses Thema vor allem durch die Sichtweise Bens berührt, der zum Todeszeitpunkt seiner Mutter selbst erst an der Schwelle zur Pubertät steht. Eigentlich bräuchte er gerade beide Elternteile, die ihm erklären, was los ist, wieso sich die Welt für ihn verändert. Doch seine Mutter kann es nicht mehr und sein Vater zerbricht an ihrem Tod. So wird Ben unweigerlich zum Beschützer seines kleinen Bruders Krümel, während er selbst nach einem Halt sucht.

    Was mir hier sehr gut gefallen hat, waren die verschiedenen Perspektiven der Zeit, die genutzt wurden. Immer wieder gibt es Flashbacks zu der Zeit, in der Bens Mutter noch lebte. Das zeigt auch auf, wie sehr man dazu neigt, Menschen nach ihrem Tod zu glorifizieren - denn ein Engel war sie nicht unbedingt. Aber das macht den Zustand des Vermissens nicht einfacher, und diesen inneren Zwiespalt fand ich extrem gut rausgearbeitet. Auch das junge Mädchen aus seiner Klasse, das Ben aufzeigt, dass der Tod überall herrscht und viele Facetten haben kann, war gut eingebracht und man konnte sich mit allen Charakteren überraschend schnell identifizieren.

    Stefanie Höflers Schreibstil ist einfach und präzise, transportiert aber dadurch genau die richtigen, rohen Gefühle, die ich mit dem Tod und der Trauer verbinde. Man kann auf jeden Fall gut mitfühlen und verstehen, was Ben durchmacht, was seine ganze Familie zum Leiden bringt - und wie unterschiedlich sie damit umgehen. Auch die Lebensfreude, die dennoch da hindurchstrahlt, war für meinen Geschmack gut eingesetzt und hat dem Buch Realitätsnähe gegeben.

    Alles in allem war "Der große schwarze Vogel" ein Buch, das mich tief bewegt und zum Nachdenken angeregt hat. Trauer und Verlust muss jeder mal durchstehen - die Frage ist nur, wie man damit umgeht. Bens Geschichte war daher sehr interessant zu lesen und ich kann sie auch jüngeren Lesern ab 12 Jahren empfehlen.

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