Das Setting war mega cool und originell. Der Luxuszug Mirelle wird detailliert und unfassbar modern aufgezogen. Die Vorstellungskraft, um die Details unserer technischen Möglichkeiten und welchen Luxus man sich davon erfüllen könnte, fand ich faszinierend. Da wäre ich gerne mal Gast (ohne den Mörder an Bord).
Die vielen Beschreibungen haben mich manchmal aber auch herausgerissen, genauso wie die vielen Charakternamen. Natürlich war es realistisch – immerhin trifft sich eine ganze Klasse – aber ich habe dadurch ein paar Startschwierigkeiten gehabt.
Gelesen wird aus der Perspektive von Lara und Aaròn. Sie fand ich sehr meinungsstark und ehrgeizig. Laras Dialoge sprühen vor Witz, Sarkasmus und versprechen einen gelungenen Schlagabtausch. Diesen geht er unfassbar gerne ein.
Die Zwei fordern sich regelmäßig gegenseitig heraus und da sprühen schnell die Funken. Es hat sich angefühlt, als würde man sich kleine Elektroschocks abholen, wenn man die Seiten berührt, weil die Zwei aufeinandertreffen. So ist es zunächst leidenschaftlicher Ehrgeiz gegeneinander, aber auch eine Anziehungskraft, die sich in starkes Knistern hochschaukelt. Man kann sich auf viele Chili-Schoten gefasst machen, das Spice-Level hier ist explizit.
Zunächst bietet der Plot eher eine Mischung aus Nostalgie oder Abneigung unter den ehemaligen Schülern. Sie stehen mit beiden Beinen im Leben, haben sich unterschiedlich entwickelt und jeder hat unterschiedlich in Erinnerungen geschwelt. Ihr Klassentreffen wurden richtig authentisch eingearbeitet. Wobei es auch so viele versteckte Geheimnisse, Verstrickungen, Lügen und vergangene Fehler gab. Die zu erkunden und teilweise aufzudecken, hat für einiges an Spannungslevel gesorgt.
Je näher man dem Ende kommt, desto mehr schimmert der Thrill im Plot durch. Gerade auf den letzten Seiten konnte ich das Buch kaum noch aus der Hand legen. Ich wollte unbedingt alle Auflösungen herausfinden. Mich hat die Autorin auf viele Fährten und letztendlich aufs falsche Gleis geführt.
Es war eine gelungene Auflösung, logisch gesehen richtig stimmig und doch hat mir der Aha!-Moment gefehlt. Da gab es einfach noch andere Verdächtige bzw. Motive, die mich als Auflösung mehr vom Hocker gehauen hätten.
Fazit:
Ich habe ein wenig gebraucht, um ins Geschehen zu kommen. Insbesondere mit den detaillierten Settingsbeschreibungen und Charakternamen musste ich erst zurecht kommen. Doch wenn man sich darauf einlässt wird man mit einem originellen Schauplatz belohnt, das durch Lügen, Geheimnissen und unheimlichen Geschehnissen, zunehmend beklemmend wird. Die beiden Hauptfiguren entwickeln durch ihren Schlagabtausch eine knisternde Dynamik und sorgen nehmen dem Thrill ebenfalls für Spannung.
Am Ende wartete in meinen Augen eine stimmige Auflösung, auf die ich nicht gekommen wäre. Dennoch hat mir der überraschende Aha-Moment gefehlt, der mich vom Hocker haut.