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Zusammenfassung:
Die Amerikanerin Curtis Sittenfeld, Jahrgang 1975, blickt in 12 Kurzgeschichten in die Gedanken und Rückblicke zumeist weiblicher und gut situierter Protagonisten.
Persönliche Meinung:
"Womöglich war das der größte greifbare Unterschied zwischen mir als Teenager und mir heute in den mittleren Jahren: dass ich früher randvoll von Gedanken, Meinungen und Sehnsüchten gewesen war, die ich im Verdacht hatte, seltsam, peinlich oder schlichtweg unsagbar zu sein, und deshalb für mich behielt. Mit den Jahren legte ich nicht diese Gedanken, Meinungen und Sehnsüchte ab; ich hörte nur auf, sie zu unterdrücken." (Seite 392)
Anspruchsvolle Lektüre, die subtil aber doch tiefgehend das Älterwerden thematisiert, findet sich nicht oft. Zumeist sind es Ratgeber oder an Humor überzogene Romane.
Im Vergleich dazu ist es eine Wohltat, wie unaufgeregt in diesen Geschichten reflektiert wird. Der Mangel an Dramatik in den Kurzgeschichten liegt jedoch nicht nur an der Entspanntheit, die mit dem Alter einhergeht, sondern auch am finanziellen und sozialen Status der Protagonistinnen und Protagonisten. Wirklich auszustehen hat da niemand etwas. Auch wenn ich die Geschichten interessant fand und das Buch gerne gelesen habe, fehlt mir der realistische Blick auf, na, ich sag mal, meine Schicht.
Ein Buch, das ich als Geschenkidee für lesende Frauen zwischen Ende 40 und Anfang 50 dennoch sehr empfehle, da es trotz meiner Kritik mit interessanten Geschichten und vielen schönen, leisen Momenten überzeugt.
Zum Abschluss ein Ausschnitt aus meiner Lieblingsszene:
"Mein Herz machte einen winzigen Sprung, ein Gefühl, das ich als Teenager ein paarmal pro Jahr gehabt hatte und dann mit zunehmendem Alter seltener, ein Gefühl, das in der wilden Hoffnung wurzelte, mein Leben könnte, wenn auch nur zeitweise, genauso sein, wie ich es mir wünschte." (Seite 394)







