„Manchmal beunruhigte mich die Tatsache, dass ich mit meiner Arbeit bei Seabird deren Umweltpolitik unterstützte. Wie sollte ich zukünftigen Generationen erklären, warum ich meine Lebenszeit der Vernichtung unseres Planeten gewidmet hatte? Die Angestellte in mir honorierte diesen Gedanken lediglich mit einem passiven Schulterzucken, immerhin würde es auch ohne mich Kreuzfahrten geben.“
Auch wenn sich über die letzte Aussage mit Sicherheit diskutieren lässt, bringt dieser Gedankengang der Protagonistin von „Seabird“ zum Ausdruck, was viele Menschen ob der zunehmenden Klimakrise in solchen Jobs denken müssen. Man schiebt den unangenehmen Gedanken immer wieder zur Seite und rechtfertigt sich damit, dass man ja schließlich auch sein Geld irgendwie verdienen muss. Umso erfreulicher, dass ein so humorvolles Buch, das sich ideal als Urlaubslektüre anbietet, dennoch immer wieder auf Umweltschutz und Klimakrise verweist und so den Leser oder die Leserin – die oder der vielleicht selbst gerade am Strand von Rhodos liegt und dorthin mehrere Kilometer erst mit dem Auto und dann mit dem Flugzeug hingereist ist, – darauf hinweist, sich selbst öfters mal an die eigene Nase zu fassen. Doch nicht nur die Klimaverschmutzung, den so Riesenkreuzfahrtschiffe wie AIDA oder auch die Seabird im Buch verursachen, wird mit sarkastischer und pointierter Sprache kritisiert. Auch die kapitalistische Kluft, die zwischen der schönen Scheinwelt der Tourist:innen und der anstrengenden Arbeitswelt des Kreuzschiffspersonals liegt, bekommt ihr Fett weg. Und zwar allein dadurch, dass wir das Reisen auf so einem Riesentonner aus der Perspektive zweier Mitarbtier:innen kennenlernen: Maya und Joseph. Dass Maya noch wie nebenher eine queere Liebe an Bord erlebt und nicht nur das männliche Personal seine/ ihre Sexualität an Bord frei auslebt, ist ein weiterer großer Vorteil dieses Romans – nicht zuletzt, da alles mit einer Selbstverständlichkeit geschildert wird, von der frau sich nur wünschen kann, dass sie irgendwann auch in unserer Gesellschaft so gelebt wird.

