„Will man die heute erkennbaren Aushärtungen einer ostdeutschen Teilgesellschaft verstehen, muss man sich vergegenwärtigen, dass die deutsche Einheit eine Mesalliance zweier recht ungleicher Partner war.“ Stefan Mau seziert die deutsche Gesellschaft, um zu zeigen, warum sich alte und neue Bundesländer bis heute in vielen Aspekten unterscheiden.
Auch mehr als drei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung dauern die Diskussionen über Unterschiede zwischen Ost und West an – und werden durch aktuelle Wahlergebnisse immer wieder neu befeuert. Eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Thema erscheint daher besonders relevant.
Tatsächlich bringt der Autor Punkte zutage, die inzwischen gerne verdrängt werden und für die Debatte wichtig sind. Allerdings neigt Mau stellenweise dazu, über andere Autor:innen oder ganze Bevölkerungsgruppen zu urteilen, was seine sonst analytische Haltung untergräbt und mich an seiner wissenschaftlichen Distanz zweifeln lässt.
Was mich beim Hören neben den komplexen Wortkonstruktionen störte, waren die wiederholten Verweise auf spätere Kapitel („dazu später mehr“), die für mich keinen Mehrwert boten. Der Sprecher hingegen vermittelt den anspruchsvollen Text klar und verständlich. Für ein wirklich gelungenes Werk hätte ich mir etwas mehr Sachlichkeit – und vielleicht auch mehr Raum für die komplexen Zusammenhänge – gewünscht.














