Steinar Bragi Frauen

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Inhaltsangabe zu „Frauen“ von Steinar Bragi

Die junge Künstlerin Eva Einársdottir trifft sich in New York mit einem isländischen Banker, der ihr eine Förderung ihres nächsten Dokumentarfilms in Aussicht gestellt hat. Es geht ihr nicht gut. Beruflich nicht, und auch privat steht sie vor einem Scherbenhaufen: Hrafn, ihre große Liebe, hat sich von ihr abgewendet und ist zurück nach Island gegangen. Er ist mit dem plötzlichen Tod ihrer kleinen Tochter nicht fertig geworden. Und sie auch nicht. Sie betäubt sich mit Alkohol und Zigaretten und kann nur daran denken, Hrafn wieder zurückzuholen. Im Gespräch mit dem Banker erzählt sie mehr von sich, als sie will, und er bietet ihr an, sein verwaistes Luxusappartement in Reykjavik zu hüten. Ein Glücksfall. Aber als sie dort ist, hat Eva immer mehr das Gefühl, dass man sie in eine Falle gelockt hat. Dass sie das Objekt einer perfiden Inszenierung ist, in der die Grenzen zwischen Realität, Albtraum und Kunst zunehmend verschwimmen… Wie ein Thriller beginnt der Roman des jungen isländischen Autors Steinar Bragi und zeichnet das vielleicht radikalste Bild Islands vor der Finanzkrise – ein Land, in dem unter der Oberfläche des letzten Booms immer das Unheimliche, der Wahnsinn und das Grauen lauern.

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  • Rezension zu "Frauen" von Steinar Bragi

    Frauen
    Tru1307

    Tru1307

    23. October 2011 um 16:29

    Zur Geschichte Evas Beziehung ist am Ende. Ihr Freund Hrafn hat sich von ihr getrennt und die gemeinsame Wohnung in New York Richtung Island verlassen. Als sich für Eva die Möglichkeit bietet reist sie ihm hinterher, um die Beziehung zu retten. Schnell merkt sie, dass in ihrer neuen Bleibe nichts so ist, wie es scheint. Eigentlich sollte sie für einen Banker die Wohnung hüten, nur ist das gar nicht notwendig. Das Luxusappartement verfügt über einen hervorragenden Service, doch Eva erfährt nach und nach von Nachbarn, was mit ihrer Vormieterin angeblich passiert sein soll. Gerade als sie beschließt auszuziehen, sind allerdings die Türen für sie verschlossen... Fazit Frauen war von Anfang an ein seltsamer Roman und ich habe einige Zeit gebraucht, bis ich erkannt habe, worum es eigentlich geht. Im ersten Teil des Romans beginnt es ganz harmlos. Eva erkundet die Umgebung ihrer neuen Wohnung, freut sich über den Luxus, freundet sich mit Nachbarn an und denkt an Hrafn. Man erfährt, dass er sich von ihr getrennt hat, weil sie ein Alkoholproblem hat. Nach und nach wird es auch immer deutlicher, dass er Recht hat. An dieser Stelle setzt der Autor das Problem einer Beziehung mit einem Alkoholiker sehr gut um. Man spürt die Verzweiflung von Hrafn und liest die Beteuerungen von Eva eher aus seiner Sicht, auch wenn der ganze Roman aus ihrer Sicht geschrieben ist. Mehr als einmal hat man ja schon gelesen, wie sie nicht vom Alkohol lassen kann und kann ihr deshalb die Beteuerungen nicht glauben. Vom Charakter her ist Eva erstmal viel zu vertrauensselig. Wer stellt einer ihm praktisch unbekannten Person schon kostenlos ein Luxusappartement zur Verfügung? Sie freundet sich, weil sie es nicht erträgt allein zu sein, mit zwei Nachbarinnen an und ist auch hier viel zu naiv, als sich die ersten Ungereimtheiten auftun. Als sie irgendwann darauf kommt, dass sie ihr Leben nicht in dem Appartement ändern kann ist es schon zu spät. Wenn man das symbolisch nimmt, kann man davon ausgehen, dass es nicht nur für einen Auszug aus dem Appartement zu spät war, sondern generell für einen kompletten Neuanfang. Der hätte in ihrer Vergangenheit stattfinden müssen, damit ihre Beziehung zu Hrafn noch eine Chance hat. Insgesamt war mir Eva nicht wirklich sympathisch bis zu dieser Stelle, weil sich viel zu sehr in ihrem Elend suhlt und den Alkohol die Kontrolle übernehmen lässt. Teil 2 des Romans verändert dann alles. Wo es vorher noch ruhig (Spaziergänge) und freundlich (Nachbarinnen) zuging, sind nun alle Wege in die Freiheit versperrt. Eva versucht verzweifelt aus ihrem Gefängnis auszubrechen und muss schließlich erkennen, dass es unmöglich ist. An diesem Zeitpunkt ist man sich als Leser noch nicht sicher, ob es der Realität oder dem Alkohol geschuldet ist, dass sie eingesperrt ist. Erst nach und nach wird klar, dass es wohl die Wirklichkeit ist. Nun wird einem Eva kurzzeitig doch noch sympathisch. Man leidet mit und kann nicht erwarten zu lesen, was als nächstes passiert. Im Endeffekt ist Teil 2 des Romans auch endlich die Geschichte, die ich bei dem Klappentext erwartet hatte. In diesem Teil wird auch nach und nach aufgelöst, was es mit der Situation auf sich hat. Tragisch ist an dieser Stelle, dass Eva auf Grund des Alkohols die Situation völlig falsch einschätzt und viel zu spät erkennt, dass alles eine Falle ist. Ihr wurde längere Zeit die Möglichkeit gegeben das Appartement zu verlassen und wenn sie genauer auf Andere und nicht nur auf ihr Elend geachtet hätte, wäre es ihr auch aufgefallen, dass sie besser so schnell wie möglich verschwinden sollte. Ich war überrascht, wie wenig der Klappentext dem Roman gerecht wird. Frauen ist nicht einfach nur ein Thriller und wird von mir auch nicht als solcher wahrgenommen. Obwohl Teil 2 der Geschichte sehr spannend ist, geht Frauen irgendwie tiefer und nach kurzer Zeit ist es nicht mehr wichtig, wer sie eingesperrt hat, sondern wie sie ihre Dämonen bekämpft. Auch einige Tage nach dem Lesen bewegt mich die Geschichte und ich denke über sie nach, denn Frauen ist zeitgleich voller Möglichkeiten, wie es hätte sein können. Hätte Hrafn sie zurückgenommen, hätte sie aufgehört zu trinken, bevor es zu spät war - das sind alles Gedanken, die mir durch den Kopf geschossen sind, als ich das Buch zugeklappt habe. Insgesamt ist Frauen also ein sehr lesenswerter Roman, in dem viel mehr steckt, als man auf dem ersten (Lese-)Blick erkennt.

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  • Rezension zu "Frauen" von Steinar Bragi

    Frauen
    Volpina

    Volpina

    18. October 2011 um 22:43

    Eine isländische Anti-Helden-Saga, die im weitesten Sinne an die alten Tradition des Geschichten Erzählens anknüpft. Ruhelos streift Eva im ersten Teil des Buch durch Reykjavik. Jedesmal erfahren wir Ort und Sehenswürdigkeit, Strassen und Platz an dem sie vorbei kommt, so kann man die Stadt ein wenig kennen lernen oder eigene Erinnerungen hervorrufen. Aber für mich waren die langen Namen schwer zu lesen, die fremden Buchstaben und die ungewisse Aussprache brachte mich immer wieder ins Stocken. Später verwandelt sich Evas Leben immer mehr in einen Alptraum. Surreale Elemente werden wie selbstverständlich in das sonst realistische Buch eingebaut. Zum Beispiel wächste die Maske, in die sie gezwungen wird, um sie herum. War es erst nur eine kleine Delle in der Wand des Schlafzimmers, kann Eva bald schon den Abdruck ihren eigenen Körpers erkennen. Und dann scheint Eva sich in dem Körper einer anderen Frau zu befinden und muss mit ansehen, wie sich ihr Freund in diese verliebt. Die Grenze zur Realität beginnt zu verschwimmen. Die High Tech- Wohnung wird zu Evas Gefängnis, doch die halbherzigen Versuche zur Flucht bringen ihre eigene Hilflosigkeit nur noch stärker hervor. Mit genügend Alkohol lässt sich das alles ertragen, schließlich braucht sie sich um nichts mehr zu kümmern. So wirklich eigenständig ist eigentlich niemand in diesem Buch. Die Frauen sind alle durchweg fremdbestimmt und die Männer Ich-bezogende Gewalttäter oder sogar Vergewaltiger. Sogar Hrafn, Evas Exfreund, gehört dazu, auch wenn er auf dem ersten Blick nicht zu den frauenfeindlichen Männern in diesem Buch gehört. Doch sein Schweigen quält Eva und auch er hält sie damit gefangen. Sein ewiges nichtklärendes Wegstoßen ist ebenso zerstörerisch für Eva, wie der körperliche Missbrauch, vielleicht sogar noch schlimmer. Hier wird ein Bild von Island zeichnet, das so leer ist wie Eva. Ein Land im Alptraum der Hoffnungslosungkeit gefangen, dass den Eindruck vermittelt, dass die Isländer die Kraft für eigenes und vor allem moralisches Denken verloren haben. Nicht eine Person in diesem Buch ist ansatzweise sympathisch. Weder für Hrafn noch für Eva kann ich Mitleid aufbringen. Einzig für das kleine Mädchen, dass sowohl für die erbarmungslosen Zwecke des selbsternannten Künstlers Novak, als auch denen des Autoren Steinar Bragi herhalten muss, empfinde ich Bedauern. Nach dem Lesen des Buches wollte ich trotzig einer alten Dame über die Straße helfen. Vielleicht war das ja die Absicht des Autoren, als er das Buch so hoffnungslos und widerlich wie möglich schrieb. Leider fällt es mir schwer die Ansichten des Erzählers ganz vom Autor zu lösen. © wortsplitter (Simone Wilhelmy) ausführliche Rezension: http://wp.me/pN7E1-wY

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  • Rezension zu "Frauen" von Steinar Bragi

    Frauen
    BuechermonsterBlog

    BuechermonsterBlog

    04. October 2011 um 22:09

    Zum Roman: Eva Einársdottir ist gerade aus New York nach Island zurückgekehrt und zieht in ein luxuriöses Appartment in Reykjavik ein. Dieses gehört nicht ihr selbst, sondern einem in Amerika lebenden Banker namens Emil Thórsson. Wie man später erfährt finanziert Thórsson Evas nächsten Dokumentarfilm und stellt ihr die Wohnung vorübergehend zur Verfügung. Bezahlen muss sie dafür nichts, sie soll lediglich nach den Pflanzen gucken und sich um die Katze kümmern. Als die Künstlerin jedoch ihre Wohnung im obersten Stock eines modernen Hochhauses betritt, ist sie zunächst verwirrt. Grünzeug gibt es dort nämlich überhaupt nicht, und auch eine Katze sucht sie vergebens. Doch nicht nur das kommt ihr merkwürdig vor. Im Fernsehen findet sie einen Kanal, der das Bild einer Überwachungskamera zeigt. Diese zeigt die Lobby des Hauses und nachts bietet der Portier den Bewohnern sogar eine kleine Showeinlage, indem er vor laufenden Kameras masturbiert. Am meisten beunruhigt Eva jedoch eine Maske im Schlafzimmer, eine Art Vertiefung in der Wand genau über dem Kopfende des Bettes. Bei ihren ersten Erkundungen des Gebäudes trifft sie auf eine ihrer Nachbarinnen, eine ältere Frau namens Bergthóra. Diese kennt keinerlei Hemmungen und lädt sich direkt zu Eva in die Wohnung ein. Die junge Frau ist sich nicht sicher, ob sie sich über die Gesellschaft der Alten freuen soll oder ob sie das Verhalten Bergthóras zu aufdringlich findet. Irgendwie ist ihr die Nachbarin nicht geheuer, zudem erfährt sie in den gemeinsamen Gesprächen weitere beunruhigende Dinge. Offenbar lebte vor Eva eine andere junge Frau in der Luxuswohnung, die sich aber vor kurzem das Leben genommen hat. Dabei hatte der New Yorker Banker ihr noch erzählt, die Vormieterin wäre lediglich für längere Zeit verreist. Eva fühlt sich in dem Appartment schnell einsam und sehnt sich nach ihrem Freund Hrafn, der ebenfalls von Amerika nach Island zurückgekehrt ist. Die beiden stecken jedoch gerade in einer Beziehungspause und Hrafn reagiert kaum auf Evas Anrufe. Ihrem Freund ist vor allem ihr übermäßiger Alkoholkonsum auf Dauer zu viel geworden, außerdem müssen beide noch ein traumatisches Erlebnis verarbeiten. Ihr gemeinsames Kind ist nämlich einen plötzlichen Kindstod gestorben. Dies ist mehr oder weniger die Handlung der ersten Romanhälfte. Es passiert nicht wirklich viel, man begleitet die Hauptfigur lediglich in den ersten Tagen nach ihrem Einzug und erfährt nach und nach mehr über ihre nicht besonders erfreuliche Vergangenheit. Spannung wird hier nur sehr unterschwellig erzeugt, denn schnell wird klar, dass mit der Luxuswohnung irgendetwas nicht stimmt. Als Eva dann auch noch mit Porno-E-Mails belästigt und von einem geheimnisvollen Mann verfolgt wird, sollte dies auch dem letzten klargeworden sein. So richtig beunruhigt ist die Protagonistin aber nicht, denn diese kämpft viel mehr mit sich selbst. Ihre Beziehung zu Hrafn macht ihr schwer zu schaffen und auch der Alkohol ist weiterhin sehr verlockend. Auch wenn hier für einen Thriller deutlich zu wenig Spannung aufgebaut wird – atmosphärisch ist das Ganze schon. Sowohl die kahle und wenig möblierte Wohnung als auch die Stadt Reykjavik selbst wirken kalt und unfreundlich. Zusammen mit Evas Einsamkeit ergibt das eine ziemlich düstere und unwirtliche Grundstimmung. In der Mitte der Geschichte gibt es dann jedoch plötzlich einen Bruch. Eva lässt sich völlig gehen, was in einer durchzechten Nacht endet. Die Künstlerin hat einen totalen Filmriss und kann sich am Morgen danach an nichts erinnern. Offensichtlich ist in der Nacht jedoch ziemlich viel schiefgelaufen, denn ihr (Ex-)Freund berichtet ihr wütend von merkwürdigen Anrufen und SMS, in denen Eva damit gedroht hat, sich das Leben zu nehmen. Ab diesem Moment verliert die Künstlerin völlig die Kontrolle und muss kurz darauf feststellen, dass sie die Wohnung nicht mehr verlassen kann. Irgendjemand hat sie in dem Appartment eingesperrt und zwingt sie fortan zu abartigen Sexualpraktiken. Ein nicht enden wollender Albtraum beginnt… Von diesem Moment an geht es mit dem Eva und dem Roman rapide bergab. War die erste Hälfte noch relativ gelungen, ist der zweite Teil nur noch abstrus und abstoßend. Es kommt zu körperlichen und seelischen Vergewaltigung übelster Sorte, die meiner Meinung nach die Grenze des Erträglichen übersteigen. Als dann noch ein wehrloses Kind in die perversen Spiele hineingezogen wird, musste ich mich schon überwinden, das Buch nicht angewidert zur Seite zu legen. Fast noch schlimmer als die Schilderung der Grausamkeiten finde ich die Darstellung der Hauptfigur und ihre Reaktion auf die Demütigungen. Offenbar findet sie den Missbrauch gar nicht so schlimm. Zwar wehrt sie sich anfangs noch, nach einer ersten Bestrafung wegen Zuwiderhandelns ist sie jedoch völlig willenlos und gefügig. Und da ihre Peiniger ja auch immer schön die Wohnung putzen und aufräumen sowie für abwechslungsreiche Ernährung sorgen, lässt sich die Situation ja aushalten (so kommen die Aussagen und Überlegungen der Hauptfigur zumindest rüber). Ich finde es fast schon unglaublich, was hier vom Autor für ein Frauenbild erzeugt wird. Dies gipfelt dann in der Figur des Künstlers Joseph Novak, der mit seiner Kunst regelmäßig für Aufregung und Diskussionsstoff sorgt. Dazu tragen vor allem Aussagen bei wie „wenn ein Mann eine Frau vergewaltigt, weist er sie nur darauf hin, wo sie in der Gesellschaft wirklich steht“ oder „Für jede Frau die ins Parlament einzieht […] werden tausende Pornofilme produziert, in welchen Frauen wieder auf ihren Platz getellt werden, ohne Macht, unterwürfig und gedemütigt“. Gekrönt wird das Ganze dann von einer völlig konfusen beziehungsweise nicht vorhandenen Auflösung, welche eigentlich eine Frechheit ist. Was der Autor damit aussagen möchte, weiß wohl nur Steinar Bragi selbst. Das was er sich da am Ende zusammenschreibt, geht über die Bezeichnung „surreal“ weit hinaus und ergibt in meinen Augen einfach keinen Sinn. Vielleicht bin ich aber auch nicht gebildet genug, um hinter die intellektuelle Aussage dieses Romans zu kommen… Mein Fazit: „Frauen“ von Steinar Bragi besteht eigentlich aus zwei Hälften. Teil 1 ist relativ ruhig mit einer eher unterschwelligen Bedrohung, dafür aber durchaus atmosphärisch und unterhaltsam. Ab der Mitte wird es jedoch abartig, abstoßend und menschen- bzw. vor allem frauenverachtend. Hier wird meiner Meinung nach eindeutig eine Grenze überschritten. Zudem ist mir das Ende und damit die Aussage des Romans völlig schleierhaft und für mich persönlich nicht nachvollziehbar und sinnfrei. Das ist schade, vor allem weil Bragis Schreibstil an sich eigentlich recht angenehm ist und man das Buch recht flüssig lesen kann. Allerdings möchte ich auch darauf hinweisen, dass „Frauen“ bei den „professionellen“ Kritikern durchaus positiv aufgenommen und für diverse Preise nominiert wurde. Vielleicht stehe ich mit meiner Meinung also auch mehr oder weniger alleine da. Ich kann das Buch jedenfalls leider nicht weiterempfehlen. Meine Wertung: 3/10

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  • Rezension zu "Frauen" von Steinar Bragi

    Frauen
    martina_turbanisch

    martina_turbanisch

    27. September 2011 um 16:17

    Eva Einarsdóttir ist eigentlich völlig am Ende – ihre Beziehung mit Hrafn scheint gescheitert, ihr gemeinsames Kind starb am plötzlichen Kindstod, sie trinkt zuviel und auch beruflich klappt nichts wirklich. Auf der Suche nach Sponsoren für einen Dokumentarfilm den sie drehen möchte trifft sie auf Emil Thórsson, einem Bankier, der ihr anbietet kostenlos sein Appartment in Reykjavík zu nutzen und Eva nimmt dieses Angebot an. Schließlich lebt Hrafn, ihre große Liebe, auch dort und sie hofft ihn noch einmal umstimmen zu können. Bereits bei der Wohnungsbesichtigung mit dem zwielichtigen Anwalt Thórssons beschleicht sie ein merkwürdiges Gefühl, trotzdem bleibt sie und bezieht das Luxusappartment. Eva fühlt sich trotz der Luxusaustattung ihrer neuen Wohnung unwohl, sie fühlt sich zunehmend bedroht und beobachtet – trotzdem bleibt sie. Jeder in diesem Hochhaus benimmt sich seltsam und ihr geschehen merkwürdige Dinge, die sie nicht steuern kann. Selbst Hrafn scheint von den Eskapaden, an die sie sich selber kaum erinnern kann, zu wissen und trennt sich endgültig von ihr. Irgendwann stellt sie fest, dass sie das Appartment auch gar nicht mehr verlassen könnte, selbst wenn sie wollte – sie ist nämlich eingesperrt. Von da beginnt ein Horrortrip aus psychischer und körperlicher Folter, dem sie hilflos ausgeliefert ist ohne zu wissen ob oder wann dieser Alptraum enden wird. Mein Fazit Es fällt mir ein bisschen schwer zu diesem Buch ein Fazit zu schreiben oder das Buch zu bewerten, aber ich versuche es. Laut Beschreibung zeichnet dieses Buch ein Bild, wenn auch ein sehr radikales Bild, Islands vor der Finanzkrise und ist eine Kritik am zügellosen Kapitalismus. Vielleicht habe ich irgendwas nicht wirklich verstanden, aber abgesehen davon, dass der Besitzer dieses Appartments Bankier ist sehe ich da so gar keinen Zusammenhang zu diesen Themen. Das der allgemeine Umgangston innerhalb der Gesellschaft rauer geworden ist, ist sicherlich kein isländisches Phänomen – was allerdings sexuelle, sadistische Gewaltexzesse mit der Finanzkrise Islands zu tun haben sollen hat sich mir nicht erschlossen und ich weigere mich auch, dies als zwangsläufige Folge einer geldgierigen Oberschicht zu sehen. Meine Hoffnung am Ende des Buches befriedigende Lösung oder Erklärung zu finden hat sich leider nicht erfüllt, eher im Gegenteil. Nachdem zuletzt auch ein Kind in die ( natürlich rein fiktiven ) perversen Spiele eingebunden wurde, war dann so ziemlich meine Schmerzgrenze erreicht. Die angebotene, halbe Auflösung rund um den ( hoffentlich auch rein fiktiven ) Aktionskünstler Joseph Novak und sein verzerrtes Frauenbild fand ich ebenfalls mindestens genauso an Haaren herbeigezogen wie die Tatsache, das eine erwachsene Frau nicht nach den ersten sehr unerklärlichen Ereignissen aus dieser Nummer verschwindet oder das ein gesamtes, immerhin 16stöckiges Haus, irgendwie in die ganze Sache verwickelt sein müsste. Es tut mir wirklich leid, aber trotz des an sich angenehmen Schreibstils den Steinar Bragi hat, hat mir dieses Buch überhaupt nicht gefallen. Hätte ich dieses Buch, z. B. aufgrund die Beschreibung auf der Buchhülle, meiner Mutter geschenkt ..nein, darüber denke ich lieber nicht nach :-) Auch meiner 18jährigen Tochter würde ich dieses Buch nicht weitergeben, denn ich denke die darin geschilderten Praktiken würden sie, aller Aufklärung zum Trotz, sehr verstören.

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