Sten Nadolny Weitlings Sommerfrische

(34)

Lovelybooks Bewertung

  • 30 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 1 Leser
  • 9 Rezensionen
(15)
(12)
(5)
(2)
(0)

Inhaltsangabe zu „Weitlings Sommerfrische“ von Sten Nadolny

Als der angesehene Richter Wilhelm Weitling in einem Chiemseesturm mit seinem Segelboot kentert, kommt er gerade so mit dem Leben davon. Doch das Unglück versetzt ihn zurück in die eigene Jugend. Für den verblüfften Weitling wird dieses Abenteuer zur philosophischen Zeitreise – und hat unerwartete Auswirkungen auf seinen scheinbar vorgezeichneten Lebenslauf.

Musste nach 50 Seiten abbrechen - langatmig, passiv und wenig spannend. Schade um die Romanidee!

— Carigos

Eine sehr interessante Reise, losgelöst vom alternden Körper, jetzt als Geistwesen, in die längst vergangene Jugend.

— Horst_Berger

Eine philosophische, lesenswerte Zeitreise voller ironischer Bemerkungen.

— Poesiesoso

Stöbern in Romane

Zartbitter ist das Glück

Wunderschöne Geschichte über eine Alters-WG auf den Fidschi-Inseln und die Sorgen des Alltags

jutscha

Das Floß der Medusa

Ein Trommelfeuer grässlicher, schockierender und monströser Szenen - eine verstörende Allegorie auf die Menschennatur.

parden

Underground Railroad

Thema ist immer noch aktuell, Realität und Sinnbild sind brilliant verwoben, wodurch das Buch lange nachklingt.

Talathiel

Die Lichter von Paris

Ein Roman über Oma und Enkelin die ihr Leben ändern, nur mit 75 Jahren Zeitunterschied ...

MissNorge

Die Melodie meines Lebens

Dieses Buch hinterlässt ein nachdenkliches aber auch fröhliches Schmunzeln.

Susas_Leseecke

Die Insel der Freundschaft

Ein ruhiges Buch

Marie1971

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Sommerfrische mit Sturm und Besuch

    Weitlings Sommerfrische

    Bellastella

    19. July 2016 um 10:01

    Das Cover finde ich sehr schön. Und dann hat mich „Weitlings Sommerfrische“ zuallerest deshalb angesprochen, weil ich, wie Weitling auch, in Chieming aufgewachsen bin und mich deshalb an all den Orts- und Personenbeschreibungen und manchen bayerischen Ausdrücken erfreut habe, die im Buch vorkommen. Manche Ausdrücke , wie „arschlings“ für „rückwärts“ waren mir entfallen gewesen, und ich mußte lachen, als sie mir hier wieder begegneten. Aber insgesamt hat der junge Willy ein völlig anderes Leben geführt als ich, ich hätte ihn damals sehr beneidet um seine aufgeschlossenen,  intellektuellen Eltern, den Zugang zu Büchern, das Haus am See... Die Zeitreise des alten Richters als Beobachter zurück in seine Jugend finde ich sehr interessant und gut zu lesen. Der philosophische Anteil, wie im Klappentext angekündigt, erschließt sich mir allerdings nicht oder kaum. Aber vielleicht deshalb, weil ich das Buch in der „Sommerfrische“ gelesen habe. Die Idee einer Parallelexistenz finde ich sehr interessant und witzig, und in diesem Fall ist das zweite Leben ja sogar noch etwas schöner, wie beruhigend. Was ich nicht mag, das sind die weisen, alten Männer, also erst der Großvater, dann Weitling selber. Allerdings sind diese nicht soo unerträglich alterweise und klug wie, ich glaube, er hieß Alberto in „Sofies Welt“, sondern liebenswürdiger, weltfremd, verwirrt , humorvoll. Insgesamt hat mir das Buch, das mal ernst, mal humorvoll dahinläuft, sehr gut gefallen.

    Mehr
  • Bootsunglück auf dem Chiemsee

    Weitlings Sommerfrische

    Minje

    10. January 2016 um 17:42

    "Weitlings Sommerfrische" von Sten Nadolny erschien 2012 im Piper Verlag. Inhalt Das Buch spielt am Chiemsee. Wilhelm Weitling hat dort ein Boot und möchte segeln. Er erinnert sich an früher. 1958 hatte er ein Bootsunglück. Was wird diesmal passieren? Meinung Cover ist gut gelungen und die Rückseite macht Lust auf mehr. Das erste Kapitel ist spannend, es ist gut geschrieben (Stil, Sprache) und man ist gespannt, wie sich die Geschichte entwickelt. Die Rückblende ist ziemlich lang. Der Leser wartet auf Rückführung in die Realität. Er möchte wissen, was mit dem realen Wilhelm ist. Ist er bewusstlos? Verstorben? Was ist mit ihm? Der Leser wird für meinen Geschmack zu lange im Unklaren gelassen. Und dann? Was danach kommt, ist nur noch verwirrend. Wilhelm hat also ein anderes Leben gehabt. Aha. Doch warum tauchen dann immer Hinweise dafür auf, dass das erste Leben real war? Also, ich habe mich wirklich bemüht, das zu verstehen, aber für meine Begriffe ist das einfach zu verwirrend, zu unlogisch. Ich bin gerne bereit mitzudenken. Macht ja auch Spaß, wenn man eine Logik erkennt. Die war jedoch nicht da. Außerdem: Auf der Rückseite wird geschrieben von einer philosophischen Zeitreise. Ich hätte nun erwartet, dass Weitling vielleicht Sokrates oder Plato begegnet und Gespräche mit ihnen führt. Das war leider nicht der Fall. Insofern hat die Buchrückseite zu viel versprochen, eine falsche Erwartungshaltung geweckt. Weitling hat nur nachgedacht. Über seine Vergangenheit. Philosophen hat er nicht getroffen. Fazit Ich wollte nicht voreingenommen sein und wollte Nadolny noch eine Chance geben. Leider war auch dieses Buch eine Enttäuschung.

    Mehr
  • Rezension zu "Weitlings Sommerfrische" von Sten Nadolny

    Weitlings Sommerfrische

    serendipity3012

    Altes neues Leben Wilhelm Weitling, Richter a.D., lebt ein zufriedenes Leben in Berlin und am Chiemsee. Eines Tages hat er einen Unfall beim Segeln und findet sich plötzlich im Jahr 1958 wieder. Er begleitet nun sein junges, sechzehnjähriges Ich als Geist auf Schritt und Tritt. Weitling weiß nicht, was passiert ist, ob und wann er in seine Gegenwart und sein altes Leben zurückkehren kann, warum er in die Vergangenheit katapultiert wurde. So erzählt Weitling uns Lesern davon, was der junge Willy so tut, und dabei sieht er viele Ereignisse noch einmal aus einer neuen Perspektive. Über sein junges Ich urteilt er scharf, aber auch milde und mit der Lebenserfahrung des fast 70-jährigen Mannes. Berührend sind vor allem die Begegnungen mit seinen Eltern und speziell mit dem Großvater, den der junge Weitling sehr geliebt hat. „Weitlings Sommerfrische“ von Sten Nadolny ist ein unterhaltsamer, kluger Roman über einen Mann, der die Chance bekommt, gegen Ende seines Lebens noch einmal in seine eigene Vergangenheit zu reisen. Das Wissen, das der alte Weitling über all die Menschen und Geschehnisse hat, flicht er immer wieder ein: der Protagonist ist zuweilen wie der allwissende Erzähler seiner eigenen Jugend. Ein schöner Gedanke, den der Autor hier weitergesponnen hat: wer würde es Weitling nicht gern gleichtun und sein junges Alter Ego besuchen, es von außen betrachten, sich selbst und sein späteres Leben besser verstehen? Auch Weitling stellt sich die Frage, wie aus dem jungen Willy der alte Richter Weitling geworden ist. Er muss aber feststellen, dass einige Ereignisse sich anders zutragen, als er sie in Erinnerung hat… Sten Nadolnys „Weitlings Sommerfrische“ hat alles, was ein guter Roman braucht: einen überzeugend gezeichneten Protagonisten, der sich als Identikationsfigur eignet und eine interessante Geschichte, die klug und kurzweilig erzählt ist.

    Mehr
    • 2
  • Was wäre, wenn man zurück in die eigene Jugend reisen könnte?

    Weitlings Sommerfrische

    Tintenelfe

    25. June 2013 um 16:46

    Wilhelm Weitling, achtundsechzigjähriger Pensionär und Richter a.D., zurückgekehrt an den Ort seiner Kindheit am Chiemsee, kentert mit seinem Boot während eines plötzlich aufziehenden Sturmes. Das Unglück katapultiert ihn Jahre zurück in seine Jugend, und er erlebt die Tage und Wochen nach einem vergangenen Segelunglück als sechzehnjähriger Junge erneut. Doch kleine, scheinbar unbedeutende Ereignisse sind anders als in seiner Erinnerung. Kritisch, aber auch verständnisvoll entdeckt er sich selbst als Jugendlichen und beginnt zu hinterfragen, was im Leben vorgezeichnet ist und welche Einflüsse ein Leben formen können. Wird er in sein altes Leben zu seiner geliebten Frau zurückkehren können? „Sicher ist, dass ich im Leben ein paar grundlegende Dinge nie begriffen habe, und ich weiß nicht einmal, welche.“ Mit diesem Satz beginnt „Weitlings Sommerfrische“ und Wilhelm Weitling legt den Zettel, auf den er diese Erkenntnis geschrieben hat, unter eine Bodenfliese – zur Wiedervorlage. Denn noch ist ihm nicht ganz klar, was dieser Gedanke eigentlich von ihm will. Genauso erging es mir zunächst mit dem Buch. Sten Nadolny erzählt in ruhiger, geradezu malerischer Weise vom Leben am Chiemsee, von bairischen Eigenarten und Redewendungen, vom geruhsamen Leben eines pensionierten Richters, der an seinem eigenen Buch arbeitet und manchmal ein wenig wehmütig an seine Jugend zurückdenkt. Doch mit dem Erkenntnisgewinn Weitlings ändert sich auch der Blick auf die Geschichte, die zwar nie wirklich spannend wird oder an Fahrt aufnimmt, aber dennoch zu fesseln versteht. Das Buch ist zunächst aus der auktorialen Perspektive geschrieben, solange bis Weitling als Geist in seiner Jugend erscheint. Der Wechsel zum Ich-Erzähler kennzeichnet die Zeitreise, auf die Weitling sich begibt. Die Zeitreise, vom Großvater auch als „Sommerfrische“ bezeichnet, wirkt anfangs wie zusammengesuchte Erinnerungen und zeichnet ein Bild der 50er Jahre. Erst später fügen sich Details zu einem Ganzen und finden ihren Platz in der gut konstruierten Geschichte. “Weitlings Sommerfrische” ist ein autobiographisch gefärbter Roman, der den Einfluss von Familie und die Frage nach der eigenen Identität betrachtet. Besonders interessant fand ich die Parallelen bzw. Umkehrungen im Leben Nadolnys, mit denen der Autor in seinem Roman spielt. So sehr mich das Buch beim Lesen manchmal verwirrt, manchmal sogar angesichts der ausschweifenden Erinnerungen an die Schulzeit und Lehrer mitsamt ihrer Spitznamen gelangweilt hat, umso interessanter lässt es sich mit zeitlicher Entfernung betrachten. Ein Buch, das zum Nachdenken anregt und dem “Was wäre gewesen, wenn…”-Spiel neues Gedankenfutter bietet. © Tintenelfe www.tintenhain.de

    Mehr
  • Rezension zu "Weitlings Sommerfrische" von Sten Nadolny

    Weitlings Sommerfrische

    Geisterhoernchen

    02. January 2013 um 18:29

    Für all jene die am Chiemsee aufgewachsen sind, bekommt der Roman eine wunderbare Dimension um Kindheit und Behütetsein.

  • Rezension zu "Weitlings Sommerfrische" von Sten Nadolny

    Weitlings Sommerfrische

    UteSeiberth

    19. August 2012 um 18:12

    Ich habe schon lange nicht mehr so ein liebenswürdiges und anrührendes Buch über das Altern und den Tod gelesen,das voll von Weiheiten ,Witz und Ironie ist!Der 68-jährige ehemalige Jurist Weitling möchte in seinem Elternhaus am Chiemsee eines Tages nochmals sein altes Segelboot ausprobieren und gerät in einen Sturm,der das B oot zum Kentern bringt.Er verliert dabei sein Bewußtsein und sieht sich plötzlich als "Geist" seine Kindheit und Jugend am Chiemsee betrachten.Er wird gerettet kommt aber ganz schwer wieder in seinen Alltag zurück,er hat große Gedächtnislücken und er hat das Gefühl eigentlich 2 Leben zu leben,die nicht immer zusammenzupassen scheinen.Er beginnt plötzlich sein Leben anders zu sehen und hat dann nach seiner Rettung das Gefühl, dass es wohl doch so etwas wie einen Gott geben müsse,auch wenn er ihn bisher verweigert hatte.Das ist so liebe- und verständnisvoll erzählt bis zu seinem Tod,ich wurde davon unglaublich angesprochen!

    Mehr
  • Rezension zu "Weitlings Sommerfrische" von Sten Nadolny

    Weitlings Sommerfrische

    Gospelsinger

    09. July 2012 um 03:13

    Wer von uns hat sich nicht schon einmal gewünscht, mit den Erfahrungen von heute in die eigene Jugend zurückgehen und alles viel besser und richtiger machen zu können? Der Richter a.D. Wilhelm Weitling bekommt diesen Wunsch unfreiwillig erfüllt, als er bei einem Segeltörn auf dem Chiemsee verunglückt. Statt im Krankenhaus wacht er an den Körper seines 16jährigen Ichs gekettet wieder auf, als Geist, der sich nur vom jugendlichen Willy lösen kann, wenn dieser schläft. Monatelang begleitet Weitling sich selbst als Halbwüchsigen und bemerkt dabei, dass sich gegenüber seinen Erinnerungen kleine Änderungen einstellen. Er bekommt es mit der Angst zu tun, ist es doch nicht sicher, dass er in seine Zeit zurückkehren kann und seine geliebte Astrid wiedersieht. Als Weitling entdeckt, dass sein dementer Großvater ihn hören und mit ihm reden kann, erfährt er, dass eine Zeitreise, wie er sie gerade erlebt, vom Großvater Sommerfrische genannt, sehr häufig vorkommt, und was man tun kann, um in sein erwachsenes Ich zurückzukehren. Das gelingt Weitling, aber er muss feststellen, dass die vermeintlich kleinen Abweichungen in der Vergangenheit weit größere Abweichungen in der Gegenwart verursacht haben. Dieser Roman ist ein wunderbares Buch, das man nicht so schnell vergisst und das man sicherlich auch noch mindestens ein weiteres Mal lesen wird, denn es steckt voller kluger Gedanken, philosophischer Betrachtungen und literarischer Bezüge. Das Buch ist hervorragend geschrieben und spielt gekonnt mit der Idee eines Paralleluniversums und der Möglichkeit, Zeitreisen durchzuführen. Dadurch eröffnet sich eine ganz andere Betrachtung der durchlebten Lebensabschnitte und der getroffenen Entscheidungen, die den weiteren Lebensweg bestimmen.

    Mehr
  • Rezension zu "Weitlings Sommerfrische" von Sten Nadolny

    Weitlings Sommerfrische

    michael_lehmann-pape

    20. June 2012 um 12:13

    Ein sprachlicher Genuss Es ist bei jedem neuen Buch Nadolnys immer wieder ein Genuss, allein schon die ersten Zeilen zu lesen und sich wieder hinein zu versetzen in diese ruhige, breite Sprache, diese hohe Qualität, mit der Nadolny detailreich und in Teilen kleinteilig Orte, Situationen, Personen, Erlebnisse beschreibt und sich dennoch nie in der Breite der Darstellung oder der „nur“ in der Schönheit der Worte verliert. Wenige andere Autoren verstehen es wie Nadolny, ihren Personen in so ruhiger Art Leben einzuhauchen. Und dies zudem mit durchweg bildkräftigen Beschreibungen des „Drumherums“. „Hellhörig war das Haus wie eine Fregatte bei Flaute, und im Sturm ächze und knarrte es zu Gotterbarmen“. Jenes alte Haus, in dem Willy Weitling seine Ruhephasen verbringt, sein „Haus am See“, am Chiemsee. Das er von Kindheit an kennt und das einen wundervollen Ausgleich für ihn zu seinem alltäglichen Leben in Berlin bildet. Willy Weitling, Richter a.D. und immer noch ein „irgendwie“ Suchender nach sich selbst. An diesem Ort der vielen Erinnerungen, wo der Wunsch schon einmal sich meldet, noch einmal die damalige Zeit der Kindheit und des Heranwachsens mit zu begleiten, gerät Weitling auf seinem Segelschiff in ein heraufziehendes Gewitter, wird augenscheinlich vom Blitz getroffen und findet sein 68jähriges, bewusstes Ich urplötzlich wieder im Körper seines jugendlichen Lebens. Beobachtend, ohne, dass er eingreifen könnte, ohne diesen Körper (zunächst zumindest) kontrollieren und lenken zu können. Eine ganz andere Zeitreise beginnt, in deren Verlauf der Weitling feststellen muss, dass sich erst Kleinigkeiten verändern und dann doch auch die großen Linien seines Lebens in Gefahr geraten. Könnte es sein, dass sich die Geschichte, Entwicklungen nicht wiederholen? Könnte es gar sein, dass er seine geliebte Frau nie kennenlernen wird in dieser „neuen“ Version des Lebensverlaufes? Jene Frau, die ihm inneren Halt gibt? „Er hatte mindestens dreißig Jahre gebraucht, um das zu begreifen (dass sie ihn liebt, wie er ist)“ denn seit mindestens 60Jahren liebte er sich selbst keineswegs so, wie er war.“ Die Weisheit des Alters, die sich plötzlich verbindet mit den „Sturm und Drang Jahren“, den inneren Unsicherheiten des Aufwachsens und einer ganz anderen, distanzierten Betrachtung der nahestehenden Personen. Allein, wie Nadolny seinen alten Weitling einen Blick auf seine Eltern werfen lässt, ist ein inhaltliches und sprachliches Erlebnis. Nicht mehr gefiltert durch die Sicht aus des Jugendlichen Sicht in allzu engen Beziehungen sieht Weitling diese geliebten Menschen objektiver, ruhiger, differenzierter, wie auch die Verhältnisse in anderes Licht getaucht werden. Und wie sich allmählich eben auch Beunruhigung breit macht über den möglichen nun anderen Verlauf seines Lebens. „Was würde ich tun, wenn ich noch einmal auf Anfang gestellt werde mit dem Wissen von heute“, ist die leitende Frage dieses Romans, die Nadolny von allen Seiten her beleuchtet. Das Buch bildet dabei einen intensiven, anrührenden, tiefen Blick auf das Leben selbst, auf die menschlichen Entwicklungen, die vielen Sackgassen, die großen Unsicherheiten, die oft ein Leben lang begleiten und dies in einer ebenso intensiven und hochwertigen, ruhigen Sprache, die immer auf den Punkt kommt und nie etwas von all dem Unterschlägt, was jenen Punkt jeweils umkreist und begleitet. Ein (wieder einmal) wundervolles Buch.

    Mehr
  • Rezension zu "Weitlings Sommerfrische" von Sten Nadolny

    Weitlings Sommerfrische

    WinfriedStanzick

    11. June 2012 um 16:09

    Achtundsechzig Jahre ist er alt, der Protagonist in Sten Nadolnys neuem Roman, auf den seine Leser viele Jahre warten mussten, Genauso alt wie Nadolny in dem Jahr war, als er dieses Buch schrieb. Ob darin auch persönliche Erfahrungen mit eingeflossen sind, weiß ich nicht. Ich vermute es aber. Es wird auch für ihn von großem Reiz gewesen sein, zusammen mit seiner Hauptfigur auf eine Zeitreise zu gehen. Denn diesen zuletzt von mir bei Audrey Niffeneggers „Die Frau des Zeitreisenden“ genossenen literarischen Topos ergreift Nadolny, um seine Hauptfigur sein Leben Revue passieren zu lassen. Wilhelm Weitling ist Richter a.D. und lebt in Berlin. Der Chiemsee war für ihn (so wie für Nadolny) sein ganzes Leben ein gern besuchter Ort, wo er auch in seinem Ruhestand sich oft aufhält. Als er eines Tages trotz deutlicher Zeichen, die auf ein Unwetter hindeuten, mit einem kleinen, auf dem Chiemsee häufig genutzten Boot hinausfährt, gerät er in einen Sturm und kommt nicht mehr rechtzeitig ans Ufer zurück. Er verunglückt schwer, wird aber gerettet. Doch in genau diesem Moment sieht er sich 50 Jahre in seinem Leben zurückversetzt, als der jugendliche Willy mit einem ähnlichen Boot einen ähnlichen Unfall hatte. Nach dem ersten Schock über diese von seinem Großvater so genannte „Sommerfrische“ ( der hatte in seiner Jugend einmal ähnliches erlebt) begleitet der pensionierte Richter sein jugendliches Alter Ego auf den weiteren Stationen seines Lebens. Neugierig staunt er, aber er versucht auch immer wieder, ohne ihn jemals wirklich zu erreichen, ihn scharf zu kritisieren. Und immer klarer stellt sich ihm die Frage: wer war er damals? Wie ist aus ihm der pensionierte Richter geworden, der er heute ist? Ist er das überhaupt, oder hat er nicht ein ganz anderes Leben geführt? Wird er jemals zu seiner alten Existenz zurückfinden, seine Frau wieder treffen? Und was geschieht mit seinem Glauben, zu dem er zuletzt zurückgefunden hatte? Es ist eine wunderbare und sprachlich perfekte philosophische Lebensreise, voller literarischer, kulturhistorischer und theologischer Anspielungen. Ein Buch über die Bedeutung von Erinnerung und darüber, wie wir uns bis ins Alter mit unserer jeweiligen Geschichte immer wieder neu erfinden (müssen).

    Mehr
  • Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach!

    Hol dir mehr von LovelyBooks