Stendhal.

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Stendhal.Rot und Schwarz.Chronik des 19.Jahrhunderts.
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Rot und Schwarz.Chronik des 19.Jahrhunderts.

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Rezension zu "Rot und Schwarz.Chronik des 19.Jahrhunderts." von Stendhal.

Rezension zu "Rot und Schwarz.Chronik des 19.Jahrhunderts." von Stendhal.
Sokratesvor 8 Jahren

Einige vorangegangene Rezensionen beschreiben ein ähnliches Gefühl beim Lesen des Romans: Mit dem Protagonisten kann man - trotz seiner ungünstigen gesellschaftlichen Ausgangssituation - nicht recht Mitleid empfinden. Julien Sorel, Kind eines Zimmermanns aus der Provinz, kann aufgrund glücklicher Umstände die Familie und das Landleben verlassen, in die er nie recht hineingepasst hat. Er gilt als "lesender Sonderling", schmächtig, klein, blässlich. Zur Arbeit auf einem Landgut wenig geeignet, meist im Heu sitzend und lesend, für den Vater ständig ein Ärgernis. Zunächst kann er als Hauslehrer dem elterlichen Haushalt entfliehen. In die Ehe seiner Arbeitgeber bringt er Unruhe: die Ehefrau des Arbeitgebers, die Mutter seines Schülers, verliebt sich in den schmächtigen Julien; dieser jedoch nutzt lediglich ihre Ergebenheit aus, erwidert jedoch nicht ihre Gefühle. Und er kann gesellschaftlich aufsteigen: erhält einen Platz in einem Priesterseminar. Religiösität, Katholizismus entsprechen eigentlich nicht seiner Art, aber er nutzt die Stelle - sein ewiger Traum - um einen Rang in der Gesellschaft zu erreichen, der im größtmögliche Teilhabe ermöglicht. Als Anhänger der Traditionalisten mit absoluter Abneigung gegenüber den Ideen der Anhänger Napoleons scheint er bei den konservativen Kräften Frankreichs bestens aufgehoben; der Klerus eröffnet ihm die Chance gesellschaftlich-sozialen Aufstiegs.
Das Buch endet tragisch - insoweit absehbar. Julien scheitert mit seiner Hoffnung, gesellschaftlich aufzusteigen. Sein tragisches Ende nutzt er, um in einer flammenden Verteidigungsrede die herrschende Klasse zu kritisieren, die Mechanismen offen zu legen.
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Insgesamt zeichnet Stendhal kein positives Bild: hinsichtlich seines Protagonisten und der napoleonischen Zeit. Zu Beginn ist man geneigt, Julien milde zu bewerten, da er ja für seine Herkunft und seine Veranlagungen wenig kann. Nimmt man jedoch im Laufe des Buches teil an seinen Versuchen, sich aus blanken eigensüchtigen Motiven gesellschaftlich hochzuarbeiten, kann man wenig Mitleid mit ihm empfinden. Er weiß bestens die Instrumente seiner Zeit zu nutzen, um aus egoistisch-narzistischen Beweggründen eine günstige Position für sich zu erkämpfen (zu erschleichen?). Dass das Unterfangen zum Scheitern verurteilt ist, kann man spätestens nach 2/3 des Buches erahnen. Hinzu kommt eine, durch Stendhal bewusst so ausgearbeiteten, heucherlischen Atmosphäre: alle Protagonisten zeichnen sich durch einen offensichtlichen Dualismus zwischen dem, was sie offiziell sagen, und dem, was sie persönlich denken und meinen, aus. Die Janusköpfigkeit der Zeit wird offenbar, die insbesondere in Julien eine Personlisierung erfährt. Im Übrigen ist dies wohl auch eine klassische Charakteristika von Zeiten, in denen sich politische Systeme völlig wenden: das alte System (= das frz. Königreich) kollabiert, während die neuen Kräfte (= Napoleon) sich zu etablieren suchen. Anhänger des alten Systems, soweit sie von den neuen Machthabern noch nicht eliminiert wurden, passen sich den neuen Bedingungen an und entfalten hierbei eine unglaubliche Wandelbarkeit und Anpassungsfähigkeit. Der klassische Wendehals wird beschrieben, der in jeder Zeit dafür Sorge trägt, seine Schäfchen ins Trockene zu bringen. Dass das eine oder andere Einzelschicksal, welches es u.U. zu energisch angegangen hat, unter die Räder kommt, beweist die Person Julien Sorel bestens.

Ein überaus empfehlenswerter Roman, für den man aber historische Kenntnisse über die damalige Zeit in Frankreich in Grundzügen besitzen sollte, um Charaktere und Verhalten zu verstehen. Im Übrigen halte ich den Roman für Literatur, für die man erst "reif" werden muss, also lesbar nicht in jeder Lebenslage, zu jedem Lebensalter.

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Die Lovelybooks-Klassiker-Zeitreise geht in die nächste Runde! In Absprache mit dem Verlag wollen wir nunmehr bei unserer Zeitreise chronologisch vorgehen, und uns dem ältesten Buch auf unserem "Zeitstrahl" widmen: "Über die Liebe" von Stendhal.

Es ist sicher nicht das erste Buch, das einem bei der Erwähnung des Namens "Stendhal" in den Sinn kommt. Bekannt wurde er vor allem durch seine Romane, wie "Rot und Schwarz" oder "Die Kartause von Parma". Nur wenige wissen heute noch, dass er eigentlich mit eher essayistischen Texten seine Karriere begonnen hat. Dazu zählt auch dieser Band, das 1822 erschienene "Über die Liebe".  

Ich halte es für eine glückliche und spannende Idee, dass wir uns diesem Autor eher über Essays nähern, als über einen seiner Romane. Denn "Über die Liebe" ist sprachlich überraschend modern, geistreich, und sicher auch provokant. Stendhal, eigentlich Henri Beyle, war ein leidenschaftlicher Mensch, und hat sich zeit seines Lebens sehr von dieser Leidenschaft treiben lassen. Er war nie verheiratet, hatte aber (unglückliche) Liebschaften. In diesen Texten, welche die Liebe unter nahezu enzyklopädischen Gesichtspunkten "untersuchen", lernen wir einen Mann kennen, der von der Liebe, dem Leben, und vor allem den Frauen ganz bestimmte Ansichten hatte. All dies hat später Eingang in seine Romane gefunden. Informationen zu Henri Beyle, alias Stendhal, findet ihr auch hier:

http://de.wikipedia.org/wiki/Stendhal

Wir suchen für diese Leserunde vor allem Leser, die mit der Textgattung des geistreichen Essays etwas anfangen können, und die bereit sind, sich auf eine vertiefte inhaltliche Diskussion einzulassen. Schließlich haben sich die Vorstellungen über die "schönste Nebensache der Welt" im Laufe der Zeit doch sehr geändert. Oder doch nicht...? Genau das wollen wir in hoffentlich vielen spannenden Gesprächen mit euch herausfinden.

Um euch für diese Leserunde zu bewerben, bei der es wieder einmal 10 Freiexemplare  des Fischer-Verlages zu gewinnen gibt, beantwortet uns doch bitte folgende Frage: Welche klassischen Liebesromane kennt ihr? Welche Liebesgeschichten kommen euch als erstes in den Sinn? Und wie wird die Liebe dort beschrieben, soweit ihr euch erinnert? Die Bewerbungsfrist läuft bis einschließlich kommenden Sonntag. Am nächsten Montag werde ich dann die Gewinner bekanntgeben. Natürlich können auch Leser an der Leserunde teilnehmen, die sich das Buch selber besorgen! 

Selbstverständlich wird die Leserunde auch wieder vom Verlag begleitet. Wir freuen uns auf die gemeinsame Zeit, und sagen hiermit: los geht's!

Und übrigens: postet eure Bewerbung bitte unter dem richtigen Unterthema. Und schreibt dazu, ob ihr lieber eine Printausgabe oder ein E-Book haben möchtet.
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