Stendhal. Rot und Schwarz.Chronik des 19.Jahrhunderts.

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Inhaltsangabe zu „Rot und Schwarz.Chronik des 19.Jahrhunderts.“ von Stendhal.

Gesellschaftsroman des 19. Jahrhunderts, schöne Sprache, aber anstrengend zu lesen.

— hurenkind
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  • Rezension zu "Rot und Schwarz.Chronik des 19.Jahrhunderts." von Stendhal.

    Rot und Schwarz.Chronik des 19.Jahrhunderts.

    Sokrates

    15. December 2010 um 09:34

    Einige vorangegangene Rezensionen beschreiben ein ähnliches Gefühl beim Lesen des Romans: Mit dem Protagonisten kann man - trotz seiner ungünstigen gesellschaftlichen Ausgangssituation - nicht recht Mitleid empfinden. Julien Sorel, Kind eines Zimmermanns aus der Provinz, kann aufgrund glücklicher Umstände die Familie und das Landleben verlassen, in die er nie recht hineingepasst hat. Er gilt als "lesender Sonderling", schmächtig, klein, blässlich. Zur Arbeit auf einem Landgut wenig geeignet, meist im Heu sitzend und lesend, für den Vater ständig ein Ärgernis. Zunächst kann er als Hauslehrer dem elterlichen Haushalt entfliehen. In die Ehe seiner Arbeitgeber bringt er Unruhe: die Ehefrau des Arbeitgebers, die Mutter seines Schülers, verliebt sich in den schmächtigen Julien; dieser jedoch nutzt lediglich ihre Ergebenheit aus, erwidert jedoch nicht ihre Gefühle. Und er kann gesellschaftlich aufsteigen: erhält einen Platz in einem Priesterseminar. Religiösität, Katholizismus entsprechen eigentlich nicht seiner Art, aber er nutzt die Stelle - sein ewiger Traum - um einen Rang in der Gesellschaft zu erreichen, der im größtmögliche Teilhabe ermöglicht. Als Anhänger der Traditionalisten mit absoluter Abneigung gegenüber den Ideen der Anhänger Napoleons scheint er bei den konservativen Kräften Frankreichs bestens aufgehoben; der Klerus eröffnet ihm die Chance gesellschaftlich-sozialen Aufstiegs. Das Buch endet tragisch - insoweit absehbar. Julien scheitert mit seiner Hoffnung, gesellschaftlich aufzusteigen. Sein tragisches Ende nutzt er, um in einer flammenden Verteidigungsrede die herrschende Klasse zu kritisieren, die Mechanismen offen zu legen. ---------- Insgesamt zeichnet Stendhal kein positives Bild: hinsichtlich seines Protagonisten und der napoleonischen Zeit. Zu Beginn ist man geneigt, Julien milde zu bewerten, da er ja für seine Herkunft und seine Veranlagungen wenig kann. Nimmt man jedoch im Laufe des Buches teil an seinen Versuchen, sich aus blanken eigensüchtigen Motiven gesellschaftlich hochzuarbeiten, kann man wenig Mitleid mit ihm empfinden. Er weiß bestens die Instrumente seiner Zeit zu nutzen, um aus egoistisch-narzistischen Beweggründen eine günstige Position für sich zu erkämpfen (zu erschleichen?). Dass das Unterfangen zum Scheitern verurteilt ist, kann man spätestens nach 2/3 des Buches erahnen. Hinzu kommt eine, durch Stendhal bewusst so ausgearbeiteten, heucherlischen Atmosphäre: alle Protagonisten zeichnen sich durch einen offensichtlichen Dualismus zwischen dem, was sie offiziell sagen, und dem, was sie persönlich denken und meinen, aus. Die Janusköpfigkeit der Zeit wird offenbar, die insbesondere in Julien eine Personlisierung erfährt. Im Übrigen ist dies wohl auch eine klassische Charakteristika von Zeiten, in denen sich politische Systeme völlig wenden: das alte System (= das frz. Königreich) kollabiert, während die neuen Kräfte (= Napoleon) sich zu etablieren suchen. Anhänger des alten Systems, soweit sie von den neuen Machthabern noch nicht eliminiert wurden, passen sich den neuen Bedingungen an und entfalten hierbei eine unglaubliche Wandelbarkeit und Anpassungsfähigkeit. Der klassische Wendehals wird beschrieben, der in jeder Zeit dafür Sorge trägt, seine Schäfchen ins Trockene zu bringen. Dass das eine oder andere Einzelschicksal, welches es u.U. zu energisch angegangen hat, unter die Räder kommt, beweist die Person Julien Sorel bestens. Ein überaus empfehlenswerter Roman, für den man aber historische Kenntnisse über die damalige Zeit in Frankreich in Grundzügen besitzen sollte, um Charaktere und Verhalten zu verstehen. Im Übrigen halte ich den Roman für Literatur, für die man erst "reif" werden muss, also lesbar nicht in jeder Lebenslage, zu jedem Lebensalter.

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