Stendhal Über die Liebe

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Inhaltsangabe zu „Über die Liebe“ von Stendhal

'Finanzleute, grobe Genußmenschen, die jährlich hunderttausend Franken verdienen, mögen das aufgeschlagene Buch nur schleunigst wieder zuklappen, besonders wenn es sich um Bankiers, Fabrikanten und andere ehrbare Geschäftsleute, das heißt bloße nüchterne Verstandesmenschen handelt.' Geschrieben hat Stendhal diese radikal subjektive Theorie, diese Betrachtungen über Schönheit, Stolz und Schamhaftigkeit 'für vorbehaltlos leidenschaftlich Liebende'. Von einem unglücklich Liebenden verfasst, ist dies eines der furiosesten und raffiniertesten Bücher über die Liebe. Mit dem Werkbeitrag aus Kindlers Literatur Lexikon. Mit Daten zu Leben und Werk, exklusiv verfasst von der Redaktion der Zeitschrift für Literatur TEXT + KRITIK.

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  • Rezension zu "Über die Liebe" von Stendhal

    Über die Liebe

    claudia_reinert

    29. October 2012 um 01:12

    Es war kein Buch, das ich mit wachsender Spannung gelesen habe, kein Buch, das einen hineinzieht. Wer solch einen Prolog verbricht und erst von den Misserfolgen anfängt, dann es all denjenigen ohne Liebeskummer verbietet und dann den Hauptteil damit anfängt das komplexe Phänomen Liebe ohne weitere Erklärung in vier Varianten aufzuspalten (nur vier Stück, von denen sich zwei ziemlich ähnlich sehen) - der hat heute schlechte Karten. Aber eines muss man ihm lassen: Jetzt, wo ich mich dazu aufgerafft habe, über Seite 50 hinauszukommen, habe ich bis zum Ende weitergelesen. Kurz gesagt geht es im ersten Teil darum, wie Liebe entsteht, was sie fördert und was sie hindert (beispielsweise Schamgefühl, Stolz, Eifersucht). Der zweite Teil könnte auch eine empirische Studie über die Liebe in verschiedenen Ländern und unter verschiedenen Bedingungen (Erziehung der Frau, Ehrenkodizes) sein - wenn da mehr Empirie wäre. Kurzum: Ein essayistisches Sittengemälde des frühen 19. Jahrhunderts. Zeitlich befindet man sich ziemlich genau zwischen dem spanischen honra-System, in dem die Ehre der Frau auf der Unantastbarkeit ihres Rufs beruht, und dem Heute . Ich muss gestehen, ich war angenehm überrascht, Stendhals feuriges Plädoyer für mehr Bildung bei den Frauen zu lesen. Das könnte man heute ähnlich nochmal schreiben, auch wenn die Ausgangsbedingungen (glücklicherweise) andere geworden sind. Da sieht man über Äußerungen wie die, dass Frauen in 19 von 20 Fällen von Liebe träumen, oder dass in der Liebe der Mann angreift und die Frau verteidigt (das erinnert schon wieder an Spanien und an den Stierkampf ...) schonmal hinweg. Auch für die Ablehnung der Liebe auf den ersten Blick, die heute so romantisch verklärt wird, ziehe ich vor dem Autor den Hut. Als ich hingegen vom "Nervenfluidum" las, das bei den Männern beim Denken, bei den Frauen vom Herz verbraucht wird ... also, wütend ist kein Ausdruck. Anfang des 19. Jahrhunderts eben - und der Autor ein Mann. Die Liebe in den verschiedenen Nationen schien mir eher pauschalisierend, vor allem weil die Regierungsform in solch enger Korrelation zur Liebe stehen soll. Mir wäre nicht bekannt, dass mein Liebesleben von einem Regierungssystem beeinflusst worden wäre. Summa summarum war es spannend die Detailveränderungen in den Sitten und Gewohnheiten zu sehen - wo konnte man sich schon eine recht emanzipierte Haltung erlauben, wo ist man doch noch in der Vergangenheit verwurzelt. Auch der krasse Unterschied zwischen Laclos und ihm hat mich überrascht - auch wenn ich es mir bei einer post-revolutionären Schrift hätte denken können. Den Lesegenuss hebt der poetische Stil, der es bisweilen fast bis zur Sentenz bringt: "Ich sehe in unsern Büchern eine Art Lotterielose, sie haben wirklich nicht mehr Wert. Die Nachwelt, welche die einen vergißt und die anderen wieder druckt, wird erklären, welche Lose gewonnen haben." Ein treffendes Bild. Wenn es auch nicht ganz so oft auftritt wie in Graciáns Handorakel.

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  • Leserunde zu "Über die Liebe" von Stendhal

    Über die Liebe

    rumble-bee

    Die Lovelybooks-Klassiker-Zeitreise geht in die nächste Runde! In Absprache mit dem Verlag wollen wir nunmehr bei unserer Zeitreise chronologisch vorgehen, und uns dem ältesten Buch auf unserem "Zeitstrahl" widmen: "Über die Liebe" von Stendhal. Es ist sicher nicht das erste Buch, das einem bei der Erwähnung des Namens "Stendhal" in den Sinn kommt. Bekannt wurde er vor allem durch seine Romane, wie "Rot und Schwarz" oder "Die Kartause von Parma". Nur wenige wissen heute noch, dass er eigentlich mit eher essayistischen Texten seine Karriere begonnen hat. Dazu zählt auch dieser Band, das 1822 erschienene "Über die Liebe".   Ich halte es für eine glückliche und spannende Idee, dass wir uns diesem Autor eher über Essays nähern, als über einen seiner Romane. Denn "Über die Liebe" ist sprachlich überraschend modern, geistreich, und sicher auch provokant. Stendhal, eigentlich Henri Beyle, war ein leidenschaftlicher Mensch, und hat sich zeit seines Lebens sehr von dieser Leidenschaft treiben lassen. Er war nie verheiratet, hatte aber (unglückliche) Liebschaften. In diesen Texten, welche die Liebe unter nahezu enzyklopädischen Gesichtspunkten "untersuchen", lernen wir einen Mann kennen, der von der Liebe, dem Leben, und vor allem den Frauen ganz bestimmte Ansichten hatte. All dies hat später Eingang in seine Romane gefunden. Informationen zu Henri Beyle, alias Stendhal, findet ihr auch hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Stendhal Wir suchen für diese Leserunde vor allem Leser, die mit der Textgattung des geistreichen Essays etwas anfangen können, und die bereit sind, sich auf eine vertiefte inhaltliche Diskussion einzulassen. Schließlich haben sich die Vorstellungen über die "schönste Nebensache der Welt" im Laufe der Zeit doch sehr geändert. Oder doch nicht...? Genau das wollen wir in hoffentlich vielen spannenden Gesprächen mit euch herausfinden. Um euch für diese Leserunde zu bewerben, bei der es wieder einmal 10 Freiexemplare  des Fischer-Verlages zu gewinnen gibt, beantwortet uns doch bitte folgende Frage: Welche klassischen Liebesromane kennt ihr? Welche Liebesgeschichten kommen euch als erstes in den Sinn? Und wie wird die Liebe dort beschrieben, soweit ihr euch erinnert? Die Bewerbungsfrist läuft bis einschließlich kommenden Sonntag. Am nächsten Montag werde ich dann die Gewinner bekanntgeben. Natürlich können auch Leser an der Leserunde teilnehmen, die sich das Buch selber besorgen!  Selbstverständlich wird die Leserunde auch wieder vom Verlag begleitet. Wir freuen uns auf die gemeinsame Zeit, und sagen hiermit: los geht's! Und übrigens: postet eure Bewerbung bitte unter dem richtigen Unterthema. Und schreibt dazu, ob ihr lieber eine Printausgabe oder ein E-Book haben möchtet.

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  • Rezension zu "Über die Liebe" von Stendhal

    Über die Liebe

    Norbert_Krueger

    Liebeskummer treibt bisweilen seltsame Blüten. Marie-Henri Beyle, genannt Stendhal etwa, trieb sie dazu, seine Überlegungen und Beobachtungen zur Liebe zu Papier zu bringen: Er hatte sich 1814 unsterblich in die Bankierstochter Mathilde Dembowski verliebt, eine selbstbewusste junge Frau, die zwar offiziell noch verheiratet war, aber seit vier Jahren von ihrem Mann getrennt lebte. Leider erwiderte sie diese Liebe nicht. Die Jahre der fortgesetzten Werbung und Ablehnung wurden zu Stendhals großem Trauma, das er ab dem Jahr 1819 versuchte, mit einem groß angelegten Essay über die Liebe, zu verarbeiten. Das Buch brachte ihm kein Glück. Stendhal selbst sagt, das Buch habe in ca. 20 Jahren „kaum hundert Leser“ gefunden. Immerhin vier Versuche machte er, mit neuen Ausgaben die Verbreitung zu fördern. Jedes Mal fügte er dem Werk eine neue Vorrede hinzu, mit der er das Desaster aus seiner Sicht zu erklären versuchte. Darin macht er sehr deutlich, dass dieses Buch nur für einen bestimmten Schlag Menschen überhaupt verständlich sein könne und der Rest der Leser sich notwendig zu Recht darüber aufrege. Das klingt nach Apologie, nach Selbstverteidigung, ein wenig peinlich nach Rechtfertigung. Und war wahrscheinlich wenig dazu angetan, neue Leser neugierig zu machen. Der Erfolg kam erst deutlich später, im Fin de Siècle. Der französische Philosoph, Historiker und Kritiker Hippolyte Taine entdeckte Stendhal neu. Er schätzte dessen unverfälschten, unprosaischen Stil, der ganz natürlich aufs Papier zu fließen schien und damit eine Frische und extreme Ehrlichkeit mit sich brachte, die für die Zeit neu war. Taine, der sich auch auf dem Gebiet der historischen Psychologie behauptete, rückte Stendhal so ins Zentrum einer Zeit, die ohnehin stark um sich selbst kreiste. Autoren wie Marcel Proust oder Maurice Barrès entdeckten ihn für sich. Ohnehin hatte Stendhal sich inzwischen durch seine Romane „Rot und Schwarz“ und „Die Kartause von Parma“ einen Namen gemacht, so dass nun auch sein Essay „Über die Liebe“ mit anderen Augen gesehen wurde. Die Begeisterung für Stendhal wirkt bis in die Gegenwart nach. Serge Gainsbourg zitierte Stendhal in „Anna“ ebenso wie Eric Rohmer in „Pauline am Strand“. Wobei es heute zumeist das Bild der Kristallisation ist, das sich mit Stendhal verbindet. Diesen Ausdruck hat Stendhal ursprünglich geprägt, und er ist anfangs stark dafür angefeindet worden. Es geht zurück auf das Bild vom „Salzburger Zweig“, das im Anhang an den Essay in dem vom Fischer TB Verlag jetzt neu veröffentlichten Band mit abgedruckt ist: „In den Salzbergwerken von Hallein bei Salzburg werfen die Bergleute in die verlassenen Gruben einen vom Winter entblätterten Baumzweig; zwei oder drei Monate später finden sie ihn durch die Einwirkung der salzhaltigen Wasser, die den Zweig tränken und dann im Versickern trocknen lassen, ganz bedeckt mit schimmernden Kristallisationen. [...] Man kann den ursprünglichen Zweig nicht mehr erkennen; es ist ein Kinderspielzeug, reizend anzusehen.“ Letztlich dürfte es sich bei der Kristallisation um nichts anderes handeln als das, was Jahre später von Freud als Projektion bezeichnet wurde. Stendhal betont immer wieder, dass gerade in der Abwesenheit des Liebesobjekts diese Kristallisation sich vollzieht; d.h., dass unser Gegenüber für uns mit Wert überzogen wird, nicht durch seinen wahren Charakter, sondern durch die Eigenschaften, die wir ihm in Abwesenheit andichten. Brecht hat das im „Herrn K.“ einmal so ausgedrückt: „Wenn ich einen Menschen liebe, mache ich einen Entwurf von ihm und sorge, dass er ihm ähnlich wird.“ - „Wer, der Entwurf?“ - „Nein“, sagte Herr K., „Der Mensch.“ Im ersten Band seines zweibändigen Werks widmet sich Stendhal sehr ausführlich dieser Kristallisation, wenn auch aus seiner damaligen, sehr praxisorientierten Sicht, deskriptiv. Er versucht die Phänomene der Liebe, von ihrer Entstehung über die Intimität bis hin zu Eifersucht und Streitliebe, zu kategorisieren. Das war damals gerade Mode. Wissenschaftlich zu arbeiten bedeutete zu seiner Zeit in erster Linie, die Dinge, die man in der Natur entdeckte, zu klassifizieren. Und so beginnt auch Stendhal damit, vier Arten der Liebe voneinander zu trennen und gegeneinander abzugrenzen: die leidenschaftliche, die galante, die sinnliche und die Liebe aus Eitelkeit. Der zweite Band enthält hingegen eher regionale Beobachtungen, ist aber ansonsten deutlich weniger strukturiert. Besonders erwähnenswert hier die Gegenüberstellung von Don Juan und Werther in Kapitel 59, allein weil er hier die Liebe des gelangweilten Draufgängers gegen die eigene Erfahrung mit seiner Méthilde setzt, ohne sie namentlich zu erwähnen. Seine Solidarität mit dem schmachtenden Werther ist unübersehbar. Es ist die „Seligkeit eines Schülers, der ein Trauerspiel schreibt, nur tausendmal stärker.“ Auf die Frage, wie aus einer Verliebtheit eine reife, langjährige Liebe werden kann, hat allerdings auch Stendhal keine Antwort. „Über die Liebe“ ist zum schnellen Genuss völlig ungeeignet. Meine Versuche, den Text zunächst einmal komplett zu lesen, um mich dann en détail noch einmal näher mit den einzelnen Abschnitten zu beschäftigen, ist grandios gescheitert. Wir leben deutlich in einer Zeit nach Freud. Unser Bild der Liebe ist anders geprägt. So war ich bei jedem Absatz, den ich las, versucht, das eben Gelesene zu übersetzen und mit eigenen Erfahrungen zu füllen. Dazu kommt, dass Stendhal sehr belesen war. Ständig zitiert er Zeitgenossen und frühere Autoren, wobei ihm Andeutungen offensichtlich häufig genügten, um ein bestimmtes Bild entstehen zu lassen. Um aber wirklich zu erfassen, was Stendhal da von sich gibt, wäre eine begleitende Lektüre eben dieser Autoren unerlässlich. So ist der Band „Über die Liebe“ eher Einstiegstor in eine Zeitreise, als ein Werk, das für sich stehend dem Phänomen Liebe gerecht würde. Lesenswert allein schon, um der Idee der Kristallisation mehr Zeit zu widmen, ansonsten aber eher Ausgangspunkt für eine eigene Suche, noch völlig unbefleckt von Psychoanalyse, Hirnforschung und ähnlichen Disziplinen, die heute für das Verständnis der Attraktion eine zentrale Rolle spielen. Wer einen historischen Überblick gewinnen will, kommt mit Stendhal weit, sollte aber unbedingt Zeit einplanen und die Lust, eben nicht nur ihn, sondern eine ganze Bibliothek an Autoren kennenzulernen, die sich mit diesem Phänomen auseinandergesetzt haben.

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  • Rezension zu "Über die Liebe" von Stendhal

    Über die Liebe

    TheRavenking

    08. October 2012 um 22:57

    Dieses Buch erklärt einfach, vernünftig, sozusagen mathematisch die verschiedenen aufeinander folgenden Gefühle, deren Gesamtheit die Leidenschaft der Liebe heißt. - verspricht der Autor im Vorwort. Eine Gebrauchsanleitung zum menschlichen Herzen ist Über Die Liebe allerdings keineswegs. Statt simpler Formeln und einer nüchternen Grafik bekommt man zahlreiche Anekdoten, schwärmerische Berichte über Verliebte. Stendhal möchte der Liebe auf den Grund gehen, ihre Entstehung ergründen, untersuchen wie sie sich bei den verschiedenen Geschlechtern äußert. Zu seiner Zeit war das vermutlich etwas Neues, hatten sich damals ja weder Psychologie noch die Naturwissenschaften eingehend mit diesem Thema beschäftigt. Allerdings ist seine Herangehensweise etwas konfus. Das Buch ist Essay, philosophische Abhandlung, Anekdotensammlung und Ratgeber in einem. Oft hatte ich das Gefühl, als hätte er einfach alles, was ihm gerade in den Sinn kam in das Buch hineingepackt, auch wenn es nicht immer viel mit dem zentralen Thema zu tun hatte. Dadurch liest sich das Werk eher wie ein Tagebuch oder die Rohfassung eines Manuskripts, bei dem nie ein Lektorat durchgeführt wurde, nun weiß ich nicht, ob es den Beruf des Lektors damals überhaupt schon gegeben hat, aber in diesem Fall hätte man doch das eine oder andere streichen bzw. verkürzen können. Eine leichte Lektüre war Über Die Liebe nicht unbedingt, die unzähligen Namen des damaligen öffentlichen Lebens, die Stendhal erwähnt und die er als Beispiele immer wieder heranzieht waren mir als moderner Leser zum Großteil unbekannt (einige der historischen Gestalten wie z.B. Madame De Polignac, Marie Antoinettes verschwendungssüchtige Freundin, lassen sich aber leichter identifizieren). Außerdem zitiert Stendhal häufig andere Autoren und scheut sich nicht ganze Passagen aus dem Tagebuch eines Freundes zu übernehmen. So war ich mir manchmal nicht ganz sicher, was nun von ihm selbst stammt und was er sich nur aus anderen Quellen geborgt hat. Besonders zäh wurde es, als er über die Ehegewohnheiten der verschiedenen europäischen Völker berichtete, dass die Deutschen besonders treu sein sollen, brachte mich schon etwas zum schmunzeln und ist heute sicher nicht mehr aktuell. Das Bild des angreifenden, aggressiven Mannes und der scheuen sich verteidigenden Frau, das er zeichnet gehört sicher auch der Vergangenheit an, einiges an dem Buch ist aber durchaus heute noch aktuell. Mir fällt es gerade selber etwas schwer meine Gedanken zu ordnen, Über Die Liebe enthält einige wirklich interessante philosophische Gedanken, aber es ist wirklich nur Lesern zu empfehlen, die zumindest ein wenig mit der (Kultur-)Geschichte des frühen 19. Jahrhunderts vertraut sind. Immerhin, Stendhal wäre sicherlich geschmeichelt, wenn er wüsste, dass sein Buch noch im 21. Jahrhundert Gegenstand von Diskussionen ist.

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  • Rezension zu "Über die Liebe" von Stendhal

    Über die Liebe

    Zauberberggast

    08. October 2012 um 12:15

    „Über die Liebe“ ist der ambitionierte Versuch des Schriftstellers Henri Beyle alias Stendhal ein Thema, das alle Menschen eminent betrifft und beschäftigt in all seinen Facetten zu behandeln. In seinen Essays geht es ihm zunächst darum die Liebe in ihren psychologischen Aspekten zu betrachten, es geht um die verschiedenen Arten der Liebe, ihre Anfänge und Voraussetzungen, ihre unterschiedlichen Gesichter und Ausprägungen. Was bewirkt Schönheit für die Liebe? Ist sie so etwas wie eine Visitenkarte bei Frauen, bestimmt sie deren Marktwert? Wie unterschiedlich lieben Männer und Frauen? Gibt es Liebe auf den ersten Blick und wie wichtig ist Intimität für das Zusammensein, was bedeutet Eifersucht, kann einer mehr lieben als der andere? Diese Fragen sind wahrscheinlich so alt wie die Liebe selbst, aber vor dem Hintergrund des 19. Jahrhunderts, in dem die romantische Liebe erst richtig Einzug in die Breite der Gesellschaft hält, man nicht mehr nur Konvenienzehen eingehen will, sondern sich bewusst für ein Individuum entscheiden kann, das nicht mehr aus gesellschaftlichem Interesse gewählt wird - in diese Zeit gehören die Essays von Stendhal. Man muss das Buch also vor dem Hintergrund seiner Entstehungszeit (1822 ist das Buch erschienen, 1826, 1834 und 1842 verfasste der Autor neue Vorreden dazu) betrachten, auch wenn viele Aussagen und Fragen die er stellt allgemeingültig und zeitlos sind. Natürlich ist auch das zweite Buch in Hinblick auf den Horizont der Zeit zu lesen, in der Stendhal es geschrieben hat. Dort geht es um die Ausprägungen und Charakteristika der Liebe in den verschiedenen Nationen, immer wieder gespickt mit Entlehnungen aus Memoiren anderer oder den eigenen Erfahrungen. Interessant sind auch noch die zum Schluss angefügten Fragmente, die teilweise aphoristisch kurz, teilweise auch eine halbe bis ganze Seite lang sind. Es sind die von Stendhal aufgefundenen Notizen, die er sich zum Thema gemacht hatte und sonst nirgendwo unterbringen konnte. Was mir sehr gefallen hat an diesem – ja man kann es schon sagen – Sachbuch über die Liebe ist die teilweise sehr ironische Sicht der Dinge, die Stendhal zu Tage treten lässt. Aussagen wie: „Sehr oft ist es das beste, ohne eine Miene zu verziehen, abzuwarten, bis der Nebenbuhler durch seine eignen Torheiten dem geliebten Wesen fade geworden ist.“, S. 191), augenzwinkernde Selbstironie („Aber da mir der Himmel die schriftstellerische Begabung versagt hat…“, S. 71) oder Seitenhiebe auf literarische Bestseller der Zeit (wie z.B. „Seit langer Zeit habe ich nicht mehr Richardsons langweilige Clarissa gelesen;“, S. 90) und gesellschaftliche Moden („Dreiviertel aller Liebesbriefchen in Wien wie in London sind französisch geschrieben oder voll Anspielungen und auch Zitaten auf Französisch und Gott weiß was für ein Französisch.“, S. 156) haben beim Lesen dieser nicht ganz einfach zu verdauenden Traktate ein Lächeln auf meine Lippen gezaubert. Stendhal hat in einer seiner Vorreden von 1834 geschrieben dass dies ein Buch für „nur für hundert Leser“ sei. Ich kann ihm da nur rechtgeben, denn anstatt theoretisch über die Liebe zu lesen ist es für mich persönlich ein größeres Vergnügnen Stendhals Romane an die Hand zu nehmen. Dennoch: das Buch hat als historische Betrachtung des Phänomens „Liebe“ durchaus seine Berechtigung und wenn man sich aus soziologischem Interesse damit beschäftigt ist es in jedem Fall eine Lektüre wert. Dem „normalen“ Leser allerdings würde ich eher Stendhals „Rot und Schwarz“ empfehlen, damit er seine theoretischen Ansichten zu Liebe und Macht, Kirche und Staat literarisch verpackt genießen kann („Die Karatuse von Parma“ ist wohl noch geeigneter, den Roman habe ich allerdings selbst noch nicht gelesen). Ich möchte noch etwas zur Ausgabe des Fischer-Verlags sagen, die dieser freundlicherweise für die Lovelybooks-Leserunde, bei der ich mich auch bedanken möchte, zur Verfügung gestellt hat. Ich finde die Ausgabe editorisch wirklich gut, die zahlreichen Extras wie das ausführliche „Inhaltsverzeichnis“, die „Daten zu Leben und Werk“ und vor allem der Beitrag aus dem Kindler’schen Literaturlexikon sind dem Leser, der stärker in die Materie eintauchen möchte ein hilfreiches Kompendium. An der verwendeten Übersetzung von Franz Hessel aus dem Jahr 1921 habe ich ebenfalls nichts auszusetzen, ich finde sie trifft den Ton, allerdings könnte man angesichts des Alters der Übersetzung mal an eine neue denken.

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  • Rezension zu "Über die Liebe" von Stendhal

    Über die Liebe

    irishlady

    07. October 2012 um 10:29

    Über die Liebe von Stendhal ist eine philosophische Schrift über die Liebe, ihre Entstehung und wie sie unterschiedlich gelebt wird; zwischen Frauen und Männern oder innerhalb verschiedener Nationen. Stendhal führt unterschiedliche Begriffe ein, zb. den Begriff der Kristallisation, um die Liebe wissenschaftlich-theoretisch zu analysieren. Seine Ansichten versucht Stendhal zu unterstützen, indem er Beispiele nennt und so seine Thesen darlegt. Einige seiner Ansichten sind veraltet, einige Dinge treffen jedoch auch immer noch heute zu und zeigen, dass Stendhal in manchen Sachen moderner gedacht hatte als seine Zeit. Besonders interessiert hat mich seine Meinung über die Liebe in den unterschiedlichen Nationen, aber auch wie er den Begriff der Intimität oder der Schönheit auslegt. Zusätzlich erhält der Leser Zusatzinformationen über Stendhal und über das Werk, die der Verlag in seiner Neuauflage ergänzt hat. Die Beispiele, die Stendhal anführt, um seine Theorien zu stärken, waren teilweise zu langatmig und sind Beispiele aus Stendhals Jahrhundert und den vorherigen, sodass man als Leser selten etwas damit anfangen konnte. Es ist ein interessantes Werk, dem man sich für eine längere Zeit wahrscheinlich widmen muss und eher für Leser geeignet ist, die sich philosophisch-wissenschaftlich-theoretisch mit dem Thema der Liebe auseinandersetzen wollen.

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  • Rezension zu "Über die Liebe" von Stendhal

    Über die Liebe

    claudiaausgrone

    04. October 2012 um 23:12

    Ich möchte mich hier eher an einem persönlichen Fazit versuchen, denn einer Rezension. Stendhal versucht, sich selbst die Liebe zu erklären und führt uns LeserInnen damit in eine philosophische, häufig amüsante Essay-Sammlung. Seine Gedanken sind subjektiv und doch überrascht uns Stendhal damit, dass seine genauen Beobachtungen oder Lektüren teils erstaunliche psychologische Allgemeinheit zulassen. Ich habe an diesem Buch den Humor und die Ironie genossen und die Sprache (wenn sie nicht zu manieriert war, aber das sei dem Zeitgeist gezollt). Oft habe ich gedacht, ja! genau wie heute noch. Dann wieder habe ich gemerkt, gerade in den Geschlechterrollen, dass sich doch Gott sei Dank etwas verändert hat. Sehr interessant fand ich seine Vorstellung, wie die Liebe entsteht, die "Kristallisation", als die er diesen Vorgang sieht. Ich möchte jedem, der sich für das Phänomen der Liebe interessiert, dieses Buch ans Herz legen. Aber wie Stendhal schon selber sagt: "Obwohl es von der Liebe handelt, ist dies kleine Buch kein Roman und vor allem nicht kurzweilig wie ein Roman." Wer immer wieder gerne ein paar Seiten lesen mag, ist gut bedient, wer sich einen Reißer erhofft, wird enttäuscht. So geistreich manche Passage ist, wird der Lesefluss durch zahlreiche Fußnoten gebremst, in denen der sehr belesene Autor zitiert oder in denen Erlebnisse und Anekdoten von Zeitgenossen etc. eingeflochten werden. Auch gibt es immer wieder kleine thematische Wiederholungen, die dem Autor auch bewusst sind, wie er in der Einleitung zu den Fragmenten zugibt. Lesen, schmunzeln, staunen...mit Muße!

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  • Rezension zu "Über die Liebe" von Stendhal

    Über die Liebe

    Buchina

    27. September 2012 um 15:43

    Der Fischerverlag hat den Klassiker „Über die Liebe“ neu aufgelegt mit einem ansprechenden Cover, was vielleicht neue Leser, so wie mich, neugierig macht. Sein Werk einzuordnen fällt mir schwer. Es wird als Essaysammlung benannt, gleichzeitig hat es viele autobiographische Züge, dass es fast tagebuchartig wirkt. Stendhal möchte mit seinem Werk die Liebe untersuchen, nicht als naturwissenschaftliche Abhandlung, sondern auf philosophischem Weg. Ausführlich beschreibt er das Entstehen von Liebe und führt dabei den Begriff der „Kristallisation“ ein. Ein für mich in diesem Zusammenhang völlig neuer Begriff, aber sehr treffend. Für Stendhal gibt es verschiedene Phasen, die fast immer gleich sind und bei jedem Verliebtseinprozess auftreten. Darin sehe ich auch das große Problem von Stendhals Werk. Die Liebe ist oft so unterschiedlich, dass man sie meines Erachtens kaum in bestimmt Phasen einteilen kann und sie dann auch nicht nach den Gesetzmäßigkeiten abläuft. Das Buch hat einige amüsante Passagen z.B. „Über die Liebe in verschiedenen Nationen“ oder „Über die Eifersucht“. Viele seiner Erkenntnisse konnte ich nicht ganz ernst nehmen, sie wirkten auch oft zu konstruiert. Mir fällt es aber sehr schwer das Werk im Ganzen zu beurteilen. Denn im Allgemeinen mag ich philosophische Bücher nicht so sehr. Auch bei Stendhals Werk fiel es mir sehr schwer seine Gedanken nachzuvollziehen, deswegen gebe ich 3 gute Sterne. Für Philosophiebegeisterte ein Muss, für alle anderen schwere Kost.

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  • Rezension zu "Über die Liebe" von Stendhal

    Über die Liebe

    Literatur

    13. September 2012 um 16:41

    „Über die Liebe“ von Stendhal ist eine philosophisch-wissenschaftlichen Betrachtung über die Liebe aus dem 19. Jahrhundert und muss vor diesem historischen und sozialen Kontext gelesen werden. Stendhal nähert sich in seiner subjektiven Theorie einer Definition der Liebe an, thematisiert die Entstehung der Liebe verbunden mit seinem innovativen Begriff der Kristallisation, die Unterschiede zwischen Mann und Frau, die Eifersucht und diskutiert internationale Besonderheiten. Interessant finde ich, dass er logische Überlegungen hinsichtlich der Liebe erarbeiten möchte, da die Liebe meines Erachtens nicht auf mathematische Formeln oder auf eine einzige Theorie reduziert werden kann, sondern ein besonderes unbeschreibliches Phänomen bleibt. Stendhals Ansätze fand ich interessant, einerseits in manchen Punkten unzeitgemäß und überholt im Sinne eines historischen Abbildes seiner Zeit, andererseits zeitlos und immer noch modern im Sinne einer die Zeiten überdauernden Charakteristik der Liebe. Das Layout im Rahmen der Fischer Klassik-Reihe gefällt mir ausgesprochen gut, bereits das Titelbild hat mein Interesse geweckt und auch die Innengestaltung wirkt sehr professionell und durchdacht, die zusätzlichen Informationen ergänzen das Gesamtkonzept. Der Fischer Klassiker „Über die Liebe“ richtet sich an Leser, die sich für Philosophie interessieren und sich intensiv und mit Muße diesem außergewöhnlichen und bedeutenden Werk widmen möchten.

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