Stephan Abarbanell

 4.2 Sterne bei 44 Bewertungen
Autor von Morgenland.

Lebenslauf von Stephan Abarbanell

Stephan Abarbanell wurde 1957 in Braunschweig geboren und wuchs in Hamburg auf. Er studierte Religion und Rhetorik in Hamburg und Berkeley (USA). Abarbanell ist Kulturchef des rbb. Sein Debütroman "Morgenland" ist 2015 bei Blessing erschienen. Mit seiner Frau lebt er in Berlin.

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Stephan AbarbanellMorgenland
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Morgenland
Morgenland
 (44)
Erschienen am 13.02.2017

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StefanieFreigerichts avatar

Rezension zu "Morgenland" von Stephan Abarbanell

1946, Palästina und Deutschland, eine Spurensuche zwischen Literatur, Krimi und Historienroman
StefanieFreigerichtvor einem Jahr

Fast inhaliert habe ich dieses Buch über die Zeit, als sowohl die Nachfolgestaaten des Deutschen Reichs als auch Israel noch vor der Gründung standen; man kann es lesen als historischen Roman, gar historischen Krimi, spannend genug finde ich es allemal, ein wenig Liebesgeschichte kommt dazu (nein, KEIN Kitschroman), ein Hauch Agentengeschichte und viel Hintergrundwissen.

Lilya Wasserfall erhält einen Auftrag: sie soll von Palästina aus nach Deutschland, jetzt, 1946, und recherchieren zu dem vermeintlich in der Zeit des Nationalsozialismus umgekommenen älteren Bruder eines knapp vorher ausgewanderten Schriftstellers. Der hat das Gefühl, dass da etwas nicht stimmen kann an der ihm aufgetischten Geschichte: Warum teilen ihm ausgerechnet die Briten, die im Land verhassten Mandatsträger, die die Einwanderung von Holocaust-Überlebenden zu verhindern trachten, den Tod seines Bruders mit? Und was hat es mit dem seltsamen Lesezeichen auf sich, das ihm zusammen mit einem Buch aus der früheren Bibliothek seines Bruders zugespielt wurde?

Lilya wurde in Palästina geboren, beide Eltern hatten bereits 1920 von Posen aus die Alyah gemacht, die Rückkehr aus der Diaspora ins Gelobte Land, als Anhänger von Herzls politischem Zionismus, die Tochter selbst ist in der Hagana, von der sie diesen Auftrag erhält, der paramilitärischen Untergrundorganisation während des britischen Mandats (man KANN das Buch auch lesen, ohne hier jeweils nachzuschlagen, doch es empfehlen sich ohne entsprechende Kenntnisse schon vielleicht knappe 10 Minuten Wikipedia, nichts Wildes). Ihre Recherche führt sie nach Großbritannien und quer durch Deutschland. Während sie über den sie faszinierenden David Guggenheim Einblick erhält in die noch weit nach Kriegsende schwierige Lage der überlebenden Juden in Europa, fühlt sie sich zunehmend verfolgt. Noch ahnt sie nicht, welche Konsequenzen sich durch ihre Ermittlungen auch für sie ergeben werden…

Das Buch lässt sich flott weglesen, ich habe fleißig mit ermittelt und fand es spannend (nein, bitte, KEIN moderner Thriller oder ähnliches), es gab hinlänglich viel zum Nachschlagen und Lernen (mit dringend fälligem Folgebuch), ich mochte das Personal und es gab häufig eine angenehm leise Ironie in den Sätzen, so beim Konzert "...eine Gitarre mit Strom habe ich noch nie zuvor gehört. ich weiß allerdings nicht, ob dieses Experiment eine Zukunft hat. Sie ist so laut." S. 237 Die leichte Schwäche ist bei dem etwas „glatten“ Ende und den doch durchgängig eher  unterstützenden Begegnungen Lilyas (wobei sie zugegeben natürlich  weniger bei früheren Nazis ermittelt, sondern bei überlebenden Juden, Hilfsorganisationen etc.). Definitiv eine Leseempfehlung!

Folgebuch:
Leon Uris: „Exodus“ über die Gründung des Staates Israel, die Hagana, die Irgun, die Briten in Palästina. Es ist wirklich viele Jahre her, dass mir eine Freundin das geliehen hat, ich muss es dringend wieder lesen. Auch die Verfilmung mit Paul Newman ist toll, ich meine, man hat nur aus der Abtreibung o.ä. eine Fehlgeburt gemacht?! Irgendetwas war da wohl aus „politscher Korrektheit“…

Brigitte Glasers „Bühlerhöhe“ wäre ein Tipp für wenig später in der Zeit der jungen Bundesrepublik, etwas stärker in Richtung des Krimis tendierend, um einen zu der Zeit heruntergespielten Attentatsversuch auf Adenauer und was die Staatsgründung Israels damit zu tun haben könnte, mit wesentlich mehr zur deutschen Zivilbevölkerung, von Gewinnlern über Opfer über Unbelehrbare.

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LolaWriters avatar

Rezension zu "Morgenland" von Stephan Abarbanell

Auf der Suche nach der Wahrheit
LolaWritervor einem Jahr

In dem Roman ,,Morgenland“ von Stephan Abarbanell spielt die junge Lilya Wasserfall die Hauptrolle. Sie ist 1946 in Palästina gegen die britische Mandatsmacht tätig und hofft darauf, bei der nächsten Sabotageaktion eingesetzt zu werden. Stattdessen erhält sie den Auftrag, im Nachkriegsdeutschland nach dem angeblich toten, jüdischen Wissenschaftler Raphael Lind zu suchen, dessen Bruder davon überzeugt ist, dass er noch lebt. Also begibt sie sich auf eine lange Reise. Erst London, Camp Föhrenwald und das Offenbach Archival Depot, dann das zerstörte Berlin und schließlich Bergen-Belsen. Lilyas anfänglicher Widerwille verwandelt sich rasch in Neugierde, vor allem, als sie bemerkt, dass sie selbst von einem nicht gerade ungefährlichen Unbekannten verfolgt wird, wie sie am eigenen Leib erfahren muss. Schnell stellt sie fest, dass an der Sache wohl doch mehr dran ist, als sie auf den ersten Blick dachte. Aber sie ist auch nicht völlig alleine, denn auf ihrer Suche schließt sie immer wieder neue Freundschaften und begegnet Leuten, die ihr bei ihrer Mission helfen.
Ein Buch, das man kaum wieder aus der Hand legen kann, wenn man sich einmal an der Geschichte festgebissen hat, voller nicht ganz unerwarteter, aber teils auch überraschender Wendungen und mit einer eigenwilligen Protagonistin, die einen Auftrag zu erfüllen hat. Es ist kein Thriller oder Krimi, bei dem man die ganze Zeit vor Spannung zittert, sondern eine Erzählung zum Schmökern, in die man stundenlang eintauchen kann. Allerdings behandelt es ein ernstes Thema, die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, aus der Sicht einer jungen Palästinenserin geschildert. Eine Geschichte mit ihrem ganz eigenen Charme, die für Geschichtsliebhaber und Fans der ,,Bücherdiebin“ wohl kaum zu umgehen sein wird.
Ein rundum gelungenes Buch mit einem fließenden Schreibstil und interessanten Gesprächen zwischen den Charakteren, das ich jederzeit wieder lesen würde.

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Yolandes avatar

Rezension zu "Morgenland" von Stephan Abarbanell

Interessant und lehrreich
Yolandevor 2 Jahren

Inhalt (Klappentext):Palästina 1946: Lilya Wasserfall, politische Aktivistin im Widerstand gegen die britische Mandatsmacht, bekommt den Auftrag, im zerstörten Nachkriegsdeutschland nach einem verschollenen Wissenschaftler zu suchen - die Briten behaupten er sei tot, doch sein Bruder in Jerusalem hat Hinweise darauf, dass er noch lebt. Kaum in Europa angekommen, merkt Lilya, dass ihr nicht nur der britische Geheimdienst auf den Fersen ist, sondern auch ein mysteriöser Verfolger, der unbedingt verhindern will, dass sie ihren Auftrag erfüllt.Ich muss zugeben, dass ich bisher wenig bis gar keine Ahnung über die politischen Situation in Palästina nach dem 2. Weltkrieg hatte. Es war interessant zu erfahren, wie groß der Widerstand gegen das englische Protektorat war. Auch über die Lebenssituation der überlebenden Juden in Europa wusste ich so gut wie nichts. Das Schulwissen endet mit der Befreiung der Konzentrationslager durch die Alliierten. Somit war dieses Buch für mich fast so etwas wie ein Bildungsroman, aufgepeppt mit einer "kleinen" Spionagegeschichte.
Der Schreibstil ist klar und flüssig und die Geschichte interessant. Allerdings lief mir vieles immer ein bisschen zu glatt und die Protagonistin traf bei ihren Recherchen immer punktgenau auf diejenige Person, die eine Beziehung zu dem Vermissten hatte und ihr entscheidend weiterhelfen konnte. Somit kam nie so richtig Spannung auf. Das tut dem Lesevergnügen aber keinen Abbruch.
Fazit: Ein lehrreiches Buch mit interessanter Geschichte. Ich gebe 4 Sterne.

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