Stephan Enter

 4.7 Sterne bei 3 Bewertungen
Autor von Im Griff: Roman, Spiel und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Stephan Enter

Im Griff: Roman

Im Griff: Roman

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Erschienen am 12.03.2013
Spiel

Spiel

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Erschienen am 09.03.2009
Im Griff

Im Griff

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Erschienen am 12.03.2013

Neue Rezensionen zu Stephan Enter

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W

Rezension zu "Im Griff: Roman" von Stephan Enter

Ein nachdenklicher und stellenweise philosophischer Roman über das Erinnern
WinfriedStanzickvor 6 Jahren

Stephan Enter gilt in den Niederlanden nicht erst seit seinem auch in Deutschland veröffentlichten Roman „Spiel“ als ein großer Schriftsteller, dessen Bücher sich gut verkaufen und immer ganz oben in den Bestsellerlisten landen. In dem 2009 erschienenen und bei uns leider sehr wenig beachteten „Spiel“  beschreibt ein 19 Jahre alter junger Mann namens Norbert, am Grab seiner Großmutter stehend, seine Erinnerungen an die Jahre mit ihr. Enter lässt dort Norbert an einer Stelle sagen:

"Als ich etwa zwölf war, wurde mir klar, dass dieser widerborstige, unmoderne Jargon meiner Großmutter mehr war als nur eine Eigentümlichkeit. Er war der Schlüssel zu ihrer Welt. Und weil ich mir keine Welt vorstellen konnte, zu der ich lieber gehörte, begann ich, mir ihre Sprache anzueignen."

 

Diese Suche nach dem, was die Vergangenheit mit den Menschen in der Gegenwart macht, wie Erlebtes und wie Prägungen ihr heutiges Leben bereichern oder auch behindern, diese Fragestellung und Thematik zieht sich auch durch Enters neuen Roman „Im Griff.“

 

Drei Männer und eine Frau, Paul, Vincent, Martin und Lotte sind, noch jung, in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts miteinander auf die norwegischen Lofoten gereist und haben dort den Sommer ihres Lebens erlebt. Eine große Liebe zu den Bergen, die wohl auch Stephan Enter teilt, sonst hätte er nicht diese großartigen Naturbeschreibungen schaffen können, verbindet die vier jungen Leute.

Bis ein dramatischer Zwischenfall bei diesem Kletterurlaub passiert …

 

Nun, zwei Jahrzehnte später sitzen die alten Studienfreunde Paul und Vincent im Zug, der sie von Brüssel nach Wales bringen soll, wo sie Martin und Lotte treffen wollen, die, inzwischen miteinander verheiratet, dort an der Küste leben. Im Rhythmus des fahrenden Zuges, der sich dem Ort der mit Spannung erwarteten Widerbegegnung nähert, entfaltet Stephan Enter die Erinnerungen der drei Männer, sich gegenseitig überlagernd und unterschiedlich. Langsam erfährt der Leser, was damals in diesem Sommer geschah, in dem sie im Angesicht der Erhabenheit der Berge und der atemberaubenden Schönheit der Natur jeder auf seine Art die glücklichsten Augenblicke ihres Lebens verbracht haben.

 

Sie freuen sich auf das Wiedersehen, doch je länger der Zug fährt, desto dringender sehen sie sich mit der Frage konfrontiert, was denn eigentlich in ihren jeweiligen Lebensentwürfen aus ihren damaligen Hoffnungen und Träumen geworden ist. Waren die Entscheidungen, die sie trafen, richtig?

 

Durch den Wechsel von Rückblenden und den Gesprächen im sich dem Zíel nähernden Zug werden die sich immer stärker entfaltenden Porträts der einzelnen Personen dichter und klarer. Gekonnt und mit einem schon aus „Spiel“ bekannten eigenen Stil erzählt Stephan Enter von der Kraft der Erinnerung und wie sie täuschen kann, vom Vergehen der Zeit und immer wieder von der großen Kraft der Liebe und der Freundschaft.

 

Ein nachdenklicher und stellenweise philosophischer Roman über das Erinnern.

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Rezension zu "Spiel" von Stephan Enter

Ich habe dieses Buch von der ersten Seite an geliebt
WinfriedStanzickvor 6 Jahren

Der vorliegende Roman des jungen Niederländers Stephan Enter ist der erste von ihm, der ins Deutsche übersetzt wurde. Seine beiden ersten Bücher wurden in Holland von der Kritik sehr positiv aufgenommen und er gilt als einer der hoffnungsvollsten jungen niederländischen Autoren der Gegenwart.

Der Roman besteht aus zwei Hauptteilen, wobei ich vermute, dass der zweite Teil mit dem Titel "Scrabble", der auch den Buchtitel "Spiel" inspirierte, von Enter zuerst geschrieben wurde. Darin beschreibt der mittlerweile 19 Jahre alt gewordene Norbert, am Grab seiner Großmutter stehend, seine Erinnerungen an die Jahre mit ihr. Seit Norbert 10 Jahre alt war, hat ihn die Großmutter in jedem Sommer mit dem Zug mit in die Schweiz genommen, wo er in ihrem Haus in den Bergen wunderschöne Urlaube mit vielen Wanderungen verbringt, die er sein Leben lang nicht vergessen wird. Über die ganze Zeit spielt die Großmutter immer wieder mit Norbert Scrabble. Sie nimmt ihn ernst dabei, spielt ehrgeizig und über lange Jahre ist ihr Punktevorsprung am Ende des Spiels groß. Doch irgendwann schmilzt er zusammen und als Norbert dann zum ersten Mal gegen sie gewinnt, spürt er, dass er erwachsen geworden ist. Da ist auch dann die Zeit reif, dass die Großmutter ihr großes Geheimnis lüftet, das sich um Norberts Großvater rankt.

Norbert ist fasziniert von der Welt und der Sprache, in der die Großmutter lebt: "Als ich etwa zwölf war, wurde mir klar, dass dieser widerborstige, unmoderne Jargon meiner Großmutter mehr war als nur eine Eigentümlichkeit. Er war der Schlüssel zu ihrer Welt. Und weil ich mir keine Welt vorstellen konnte, zu der ich lieber gehörte, begann ich, mir ihre Sprache anzueignen."

Diese gemeinsamen Sommerurlaube stehen in scharfem Kontrast zu dem Leben davor und danach. Diese Erfahrungen Norberts werden in wechselnden Erzählperspektiven auf den ersten 180 Seiten des Buches erzählt. Es beginnt mit den Erfahrungen einer Jungenclique in der Grundschule, zu der Norbert gehört, einer Zeit, in der die sozialen Unterschiede zwischen den Buben sich noch nicht bemerkbar machen. Sie leben in ihrer Indianerwelt und erkunden ihre Umgebung. Dann erfolgt nicht nur der Wechsel Norberts ins Gymnasium, sondern mit der Pubertät erschließt sich für ihn noch eine weitere Welt. Die Welt der Bücher, die Annäherung an das andere Geschlecht, die Auseinandersetzung mit der streng calvinistisch-protestantischen Religion, der er in Pfarrer Overduijn begegnet und von der er sich aufrecht und mutig distanziert.
Von der Großmutter ist in diesem Teil des Buches nur selten die Rede und die Urlaube werden gar nicht erwähnt, sodass am Ende der Eindruck eines fast geteilten Jugendlebens entsteht. Doch es wird auch deutlich, dass Norbert ohne die Erfahrungen und die Prägungen durch die von seiner Mutter übrigens gemiedene Großmutter niemals so aufrecht und gut durch seine Pubertät gekommen wäre.

Ohne die Großmutter wäre er ein anderer Mensch geworden und dies wird ihm von ihr bleiben ein Leben lang. Als er im letzten Absatz des Buches am Grab der Großmutter steht, "wie ich mich räuspere und anfange, etwas Persönliches über meine Großmutter zu sagen," da wird er in meiner Phantasie genau das beschreiben.

Mit einer sehr einfühlsamen und poetischen Sprache voller Kraft, die zeigt, wie sehr der Autor seine eigene Jugend reflektiert hat, beschreibt Enter eine Etappe eines Lebens von großer Intensität.
Ich habe dieses Buch von der ersten Seite an geliebt; es hat mich an die eigene Kindheit und Jugend versetzt. Gerne würde ich mehr von diesem Autor kennen lernen. Gerade ist sein neues Buch „Im Griff“ erschienen.

 

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