Stephan Jacobs Angebot freundlicher Übernahme

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Inhaltsangabe zu „Angebot freundlicher Übernahme“ von Stephan Jacobs

Was war, was wird Das war nun also dieses: kein Teil des Paradieses, auch nichts vom halbwegs guten. Wir mussten ganz schön bluten, und reichlich Haare lassen. Jetzt wollen wir uns fassen, an unsern licht Schöpfen, und zwei, drei Flaschen köpfen. Dann ziehn wir, Stumpf um Stumpf, heraus aus diesem Sumpf: nämlich uns. Gleich wird es merklich wärmer: Seht her, man zündet Schwärmer für uns, die sieghaft Karten. Voran, da liegt ein Garten, mit Rosen und Reseden, mit Obst und Wein für jeden, und Fraun mit bloßen Füßen, die wollen uns begrüßen und Gastgeschenke geben. So ist das Leben eben: nämlich unstet. Doch sind das wirklich Frauen, die derart finster schauen? Sie tragen Bärte, Hosen, und reiten auf den Rosen. Doch gibt es wirklich Blumen von solcherart Volumen, dass drauf zwei Männer sitzen und zehn bis zwölf Haubitzen daneben lieben können? Wie, wenn sie Raum gewönnen: nämlich stetig Gott ja, sie kommen näher! Je näher, desto jäher durchschneiden ihre Schreie die stark geschwächte Reihe der unsern. Jetzt wird’s dringend. Geschwind, wir ziehen singend durch jenes hohe Tor. Geschafft – den Riegel vor! Der Feind kreischt noch was Mieses. Das war nun also dieses: nämlich knapp. Gedichte? Eine angenehme Bedeutung des Wortes „Gedicht“ findet sich in Redensarten wie: „Dies Bier ist ein Gedicht“. Genau hier knüpft Steffen Jacobs an: Seine Gedichte sind ein Gedicht. Eben nicht der Hohe Ton, die Tiefe Sicht, keine weihevolle Bewisperung und Bewaberung unscharfer Unendlichkeitsvisionen. Nicht George, Borchardt, Celan sind die Ahnen; sondern Brecht, Rühmkorf, Bernstein, noch eher W.H.Auden und Philip Larkin, den Formulierer alltäglicher Wahrhaftigkeit, der das Übliche, Gewöhnliche, ihn Umgebende, ihm Bekannte zum Thema seiner Lyrik machte. Auch Steffen Jacob greift gern tradierte Formen auf, benutzt durchgängig die vielfältigen Formen von Reim und Rhythmus, von Assonanzen und Alliterationen, die er mit Modernität einsetzt und damit immer beides bleibt: kunstvoll und verständlich. Aller Schwer- und Fernverkehr liegt ihm fern. Er ist der Meistersinger des Nah- und Nächstverkehrs: Er singt von unser aller Liebesnot und Lebenspein, von den Zumutungen durch öffentlicher Gestalten, den Wonnen der Gewöhnlichkeit und den Tröstungen durch Zungenkuss, Trunk, Kunst und Komik. „Steffen Jacobs ist ein Lyriker für Leser. Er zeigt uns, dass Gedichte, die nicht langweilen, gleichwohl analytische Kraft und intellektuellen Tiefgang haben können, Er ist der Autor, der uns den Alltag des Abenteuers vorführt – also was wir alle erfahren könnten: das Abenteuer einer wachen, zeitgenössischen Existenz. Dem Schmerz und der Misere des Alltags begegnen Witz, Ironie und Heiterkeit – Jacobs findet sie in der Vielfalt der Sprache und den alten und neuen Formen der Poesie, die er so präzise wie locken handhabt.“ Harald Hartung, Peter Härtling, Klaus Ulrich Bielefeld, Begründung der Jury zum Kunstpreis Berlin, Förderungspreis Literatur „Das ist ja die hohe Kunst der Lyrik: Dass sie etwas Tiefes, Erschütterndes keineswegs tief und erschütternd sagen muss, dass sie, im Gegenteil, Nietzsches Devise ‚Oberflächlich – aus Tiefe‘ auf wunderbare Weise umsetzten kann in ein kleines Remedium, das uns anstelle der Lebenswehmut ein Grinsen ins Gesicht treibt. Dass wir Deutschen uns mit jener raffinierten Form von Oberflächlichkeit traditionellerweise schwerer anfreunden als beispielsweise die Franzosen, ist seit Jahrhunderten angeblich ein fester Bestandteil unseres Nationalcharakters. Vielleicht haben noch immer viel zu wenig Autoren vom Schlage eines Steffen Jacobs. Und viel zu wenig Gedichte von Art seines ‚Was war, was wird‘“. Matthias Politycki im NDR

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