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SmilingKatinka

vor 3 Jahren

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Wer verliebt ist, möchte das am Liebsten laut in die Welt hinausschreien. Wer zum ersten mal so richtig verliebt ist, tut dies auch meist.  Was aber, wenn einem die eigenen Gefühle das Leben kosten können? Was, wenn einem die Religion und die Gesellschaft vorschreiben, wie geliebt werden darf und das Entdecken der eigenen Homosexualität nicht nur Unsicherheit weckt, sondern sogar das Leben kosten kann? Wenn nicht nur die Religion, sondern auch die Familie zur Gefahr für das eigene Leben wird? Wenn man Schweigen muss, um leben und lieben zu dürfen?

 

„Lavat“ handelt genau von diesem Problem. Rashno, ein junger Iraner in Teheran, entdeckt, dass er schwul ist und weiß, dass allein diese Tatsache sein Todesurteil sein kann. Seine einzige Unterstützung ist Hamid, sein bester Freund, ebenfalls schwul, der ihm nicht nur hilft, seine Homosexualität zu akzeptieren, sondern mit dem ihn auch bald ein zartes Band der Liebe verbindet. Alles könnte so schön sein, wäre da nicht Rashnos religionsfanatische Familie und die ständige Angst vor dem Strang. Die Situation spitzt sich zu, als Rashno auf einer Familienfeier seiner zukünftigen Frau vorgestellt wird.

 

Stephan Klemann behandelt in „Lavat“ ein oft verschwiegenes doch höchst aktuelles Thema. Homosexuelle Beziehungen sind im Iran unter Todesstrafe verboten. Eine Tatsache, die man sich hier kaum vorstellen kann, weshalb sie nur zu gern unter den Tisch gekehrt wird. Stephan Klemann möchte dies mit „Lavat“ ändern. Einfühlsam und doch schonungslos führt er den Leser in die Welt Rashnos. Gerade in den Gewaltszenen wird zwar detailliert beschrieben, aber auf bluttriefende Szenen verzichtet, was den Leser davor bewahrt, vor der ganzen Grausamkeit sein Innerstes zu verschließen. Man leidet mit Rashno und ab einem gewissen Punkt lässt einen das beklemmende Gefühl nicht los.

 

Nach dem sehr brutalen Teil im Iran folgt ein weitaus harmonischerer Teil in Deutschland.  Auch wenn es nicht an Gewalt fehlt, so ging es mir hier doch ein wenig zu harmonisch, zu glatt und hindernislos. Doch das sei nach dem Martyrium im ersten Teil des Buches verziehen. Außerdem entschädigt einen dafür der schöne Schreibstil des Autors, der einen wirklich von der ersten Seite an fesselt.

 

Ein wirklich gutes Buch über ein sehr ernstes und aktuelles Thema, das leider viel zu oft totgeschwiegen wird.

Autor: Stephan Klemann
Buch: LAVAT
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