Stephan Lamby

 4,5 Sterne bei 16 Bewertungen
Autor*in von Ernstfall und Entscheidungstage.

Lebenslauf

Stephan Lamby ist Dokumentarfilmer und Produzent sowie Buchautor. Er hat mit zahlreichen ARD-Dokumentationen das politische Deutschland abgebildet, darunter «Nervöse Republik», «Im Labyrinth der Macht», «Die Notregierung» und «Wege zur Macht». Er wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Deutschen Fernsehpreis, dem Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis, der Goldenen Kamera und als Journalist des Jahres 2018. Von ihm erschien bei C.H.Beck zuletzt der SPIEGEL-Bestseller «Im Wahn. Die amerikanische Katastrophe» (zus. mit Klaus Brinkbäumer, 2020).

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Stephan Lamby

Cover des Buches Im Wahn (ISBN: 9783406756399)

Im Wahn

 (11)
Erschienen am 17.11.2020
Cover des Buches Ernstfall (ISBN: 9783406807763)

Ernstfall

 (3)
Erschienen am 08.09.2023
Cover des Buches Entscheidungstage (ISBN: 9783406774331)

Entscheidungstage

 (1)
Erschienen am 04.02.2022
Cover des Buches Im Wahn (ISBN: 9783423350426)

Im Wahn

 (0)
Erschienen am 20.10.2021
Cover des Buches Im Wahn: Die amerikanische Katastrophe (ISBN: B08L3WVXYZ)

Im Wahn: Die amerikanische Katastrophe

 (1)
Erschienen am 20.10.2020

Neue Rezensionen zu Stephan Lamby

Cover des Buches Ernstfall (ISBN: 9783406807763)
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Rezension zu "Ernstfall" von Stephan Lamby

Krieg, Zeitenwende, Gaslieferungen
evaczykvor 8 Monaten

Der journalistische Schnellschuss der tagesaktuellen Berichterstattung ist Stephan Lambys Sache nicht.  Sein Buch "Ernstfall" befasst sich zwar mit einem sehr aktuellen Thema - das Krisenmanagement der Ampel-Koalition angesichts des Ukraine-Kriegs und die Auswirkungen des Konflikts auf das eigentlich geplante Reformprogramm. Doch der Dokumentarfilmer legt mit seinem fast 400 Seiten umfassenden Buch den langen Wurf vor. 

Das hat den Vorteil, dass er über Entwicklungen ganz anders reflektieren und sie über einen Zeitram von fast eineinhalb Jahren Beobachtungen einordnen und bewerten kann, als Journalisten, die für eine Tageszeitung von Tag zu Tag über Ereignisse bewerten und dabei natürlich keinen Blick in irgendeine Kristallkugel werfen können - so manche Bewertung eines Tages würde einige Monate später wegen des weiteren Verlaufs womöglich anders ausfallen. Für Lamby scheint es mitunter den Vorteil zu haben, eher mal ein Interview gewährt zu bekommen, in dem es dann um eine längere Perspektive geht als die ein Zitat des Tage benötigenden Kollegen.

Ausgesprochen detailreich, analytisch und nah dran an den Protagonisten im Zentrum der Macht beschreibt Lamby nicht nur das Vorgehen der Koalition von Bundeskanzler Olaf Scholz angesichts der Herausforderungen, die Zerreißproben, Eitelkeiten und Machtspiele, ungeliebte Kompromisse und Entscheidungen, die alles auf die Probe stellen, wofür manche Politiker einmal standen - etwa wenn es um Rüstungslieferungen oder längere Laufzeiten von Atomkraftwerken geht.

Informativ ist das allemal. Allerdings kann Lamby der Versuchung nicht widerstehen, die Gedankengänge und inneren Monologe, die Szenen von Ereignissen zu schildern, bei denen er schwerlich dabei gewesen sein dürfte - etwa, wenn ein Emmanuel Macron mit seinen Beratern scherzt oder Scholz Putin ins Gewissen redet. Das ist dann doch mehr schriftstellerische Freiheit als journalistische Recherche, möchte ich annehmen. Und auch das Nachdenken darüber, was denn wohl die Dorfbewohner unten am Boden denken, wenn sie hoch über sich am Himmel von Mali die Lichter der Berliner Regierungsmaschine sehen - nein, das ist dann doch ein bißchen zu viel eurozentrische Selbstverliebtheit. 

Lamby versteht es zudem,  die Berichte von Kanzler- oder Ministerreisen zu Gipfeln und Krisentreffen so darzustellen, als habe er dort exklusive Einblicke erhalten und habe nicht gemeinsam mit dem üblichen Medientross im üblichen Hintergrundgespräch gesessen zu haben. Das wirkt dann leider ein bißchen zu sehr nach Selbstvermarktung und Ego-Show und ist eigentlich ziemlich überflüssig.

In der aktuellen Berichterstattung, und gerade angesichts komplexer Umstände, gibt es ein beliebtes journalistisches Format - "was wir wissen - was wir (noch) nicht wissen". Dank der langen Vorbereitung und zeitlichen Dauer weiß Lamby deutlich mehr, hat er doch die Möglichkeit des Rückblicks. Ein Dokumentarfilmer kann mehr zeigen als ein Journalist, der sofort die News des Tages liefern muss. Insofern bringt "Ernstfall" auch manches in Erinnerung, dass Leser angesichts der ständig neuen Entwicklungen vielleicht schon wieder halb vergessen haben. Für politisch Interessierte ist es auf jeden Fall ein guter Einblick ins Innere der Berliner Republik. Interessant fand ich seine Überlegungen, wie die Generationszugehörigkeit der Regierungsmitglieder auch Entscheidungen und Haltungen beeinflusst - hier die einen, die den Kalten Krieg, das Wettrüsten und die Friedensbewegung bewusst erlebt haben, dort diejenigen, für die das alles schon sehr lange her ist.

Cover des Buches Im Wahn (ISBN: 9783406756399)
Gwhynwhyfars avatar

Rezension zu "Im Wahn" von Klaus Brinkbäumer

Macht der Medien
Gwhynwhyfarvor 3 Jahren

«Auf Jahre hinweg scheint die Lage ausweglos, weil die unterschiedlichen politischen Lager ihre diplomatischen Beziehungen abgebrochen haben. Die Kombattanten sind das Weiße Haus, Fox News, rechte Trolle und ultrakonservative Radiomoderatoren auf der einen, CNN, New York Times, Washington Post und progressive Blogger auf der anderen Seite. Apokalyptische Szenarien, wahnhafte Verdrehungen und permanente Attacken gegen den Feind bestimmen den politischen Alltag.»


Die deutschen Journalisten, Stephan Lamby und Klaus Brinkbäumer haben die Zeit des Trump-Wahlkampfes zur Wiederwahl genau beobachtet und analysiert. Sie gehen auch zurück zu Richard Nixon, ziehen Vergleiche – welche Macht hätte Nixon gehabt, hätte er die technischen Möglichkeiten gehabt? Es geht zurück zu Trumps Anfängen in Geschäft und Politik, zu seinem Werdegang. Letztendlich ist das Thema die gespaltene USA, daraus folgend die Auswirkungen für die Welt. «Polarisierung bedeutet in Amerika, dass zwei Hälften in diesem Land nicht mehr miteinander reden können». Es kommen eine Menge Menschen zu Wort, die die Journalisten interviewt haben. Bundesaußenminister Heiko Maas; Sebastian Gorka, ein amerikanischer Politikwissenschaftler, bis 25. August 2017 Deputy Assistant für das Executive Office of the President of the United States; Anthony Scaramucci, der ehemalige Kommunikationschef des Weißen Hauses; Jill Lepore, Harvard-Historikerin; Jim Acosta, Journalist der CNN; Susan Glasser von The New Yorker und viele andere.


«... das Geständnis aus dem Zentrum der Macht. ‹Wir machen das ständig›, sagte Mick Mulvaney. Der Stabschef im Weißen Haus des Präsidenten Donald Trump erklärte am 17. Oktober 2019 explizit und auf mehrfache Nachfrage, dass Trumps Regierung fast 400 Millionen Dollar zurückgehalten habe, damit die ukrainische Regierung Ermittlungen gegen Joe Biden, Trumps politischen Gegner, aufnehme. ‹Ja›, sagte er erneut auf die Frage, ob diese Darstellung stimme. Und: ‹Get over it›, kriegt euch wieder ein.»

 

Im Klappentext steht: «Die amerikanische Demokratie galt einstmals als unzerstörbar. Sie hat die Sklaverei und den Bürgerkrieg überlebt, den Vietnamkrieg, die Kuba-Krise und Watergate. Heute befinden sich die Vereinigten Staaten mitten in einem neuen Bürgerkrieg ...» Komisch. Ich habe mich zeitlebens gefragt, ob die USA nicht eine Pseudo-Demokratie sind. Ein Land, das eine Verfassung mit Menschenrechten schreibt, dabei die Ureinwohner systematisch umbringt, sich Slaven aus Afrika hält – gut, die Sklaverei wurde abgeschafft. Aber noch zu meiner Kindheit hatten Schwarze juristisch weit weniger Rechte als Weiße! Zu meiner Kindheit wurden Martin Luther King und Malcolm X abgeknallt, zwei schwarze Bürgerrechtler. Sacco und Vanzetti, zwei Gewerkschaftler, wurden nach einem fingierten Prozess 1927 zum Tode verurteilt, um sie loszuwerden, erst im Jahr 1977 durch den Gouverneur von Massachusetts Michael Dukakis rehabilitiert. Nichtweiße haben in den USA heute auf dem Papier gleiche Rechte, faktisch werden sie weiterhin diskriminiert. Ein Sozialdemokrat gilt in weiten Teilen der USA bis heute als Kommunist, was gleich Feind bedeutet. Die Wahlgesetze verschärfen sich Jahr um Jahr – mal ganz davon ab, dass diese aus den Zeiten des Wilden Westens stammen und nicht mehr in die heutige Zeit passen – es werden Nichtweiße und arme Menschen in ihrem Wahrecht systematisch immer weiter ausgegrenzt. Die sozialen Gesetze und das Finanzsystem sind für Reiche gestrickt. Die USA hat sich ständig in andere Länder eingemischt, deren Regierungen ihnen nicht passten, geholfen, Präsidenten zu stürzen und Militärs finanziert. 


«Es gibt einen Spruch, der Präsident Franklin D. Roosevelt zugeschrieben wird. In den dreißiger Jahren soll er über den nicaraguanischen Diktator Somoza gesagt haben: ‹Er ist ein Hurensohn. Aber er ist unser Hurensohn.» 


Als Beispiel Allende in Chile – und das Massaker, das durch Pinochet an Sozialisten angerichtet wurde: US-Botschaftler sollten chilenische Kongressabgeordnete bestechen, 250.000 Dollar standen zur Verfügung, um Salvador Allende nicht zum Präsidenten zu wählen. Doch das klappte nicht. Ein CIA-Killerkommando entführte dann General Schneider, der dummerweise dabei verletzt wurde und verstarb. Das allerdings stützte ebenfalls Allendes Macht, der Chiles Unabhängigkeit von den USA anstrebte. Nun folgten eine Menge Aktionen durch die CIA in Chile, die die Wirtschaft ins Wanken brachten, 8 Mio. Doller standen zur Verfügung um Unruhe zu stiften – Allende blieb im Sattel. Das Militär wurde nun unterstützt und ihnen wurde seitens der USA Zusammenarbeit zugesagt. General Pinochet stürmt den Präsidentenpalast, Allende wurde erschossen (von wem auch immer). Dann folgte die Machtübernahme durch die Junta, die ein wahres Massaker durchführte: Sozialisten flohen nach Europa – zehntausende Linke pferchte die Militärjunta in Fußballstadien, folterten die Menschen bestialisch – später gab es Massenexekutionen, die Leichen wurden heimlich in versteckten Massengräbern verscharrt. Die Verfolgung der Allendeanhänger hätten Nixon und Kissinger verhindern könnten! Henry Kissinger versucht, sich heutzutage herauszureden, und Alexander Haig sagt noch heute, dass daran nichts Unredliches war: «Er war ja ein Linker.» (Allende) Das Interview mit Kissinger ist sehr interessant in diesem Buch. «Die CIA destabilisierte aus reinem Machtkalkül demokratische Regierungen und lieferte Geld und Waffen an Diktatoren und Drogenkartelle.» Lateinamerika leidet bis heute darunter. Es folgte der Nahe Osten, der heute total destabilisiert ist. Deshalb frage ich mich stets, was jemals an den USA rein demokratisch war? 


«Der Bundesstaat New York hat 19 Millionen Einwanderer, Kalifornien fast 40 Millionen. ...  Der Bundesstaat Wyoming hat 575.000 Einwohner, North Dakota 762.000. Nicht jedes Klischee stimmt, und immer gibt es Ausnahmen, doch in diesem amerikanischen Landesinnern wird republikanisch gewählt, mehrheitlich. Das verursacht eine dreifache Ungerechtigkeit: 50 Bundesstaaten schicken jeweils zwei Senatoren nach Washington, D.C.; es gibt keine Abstufung nach Größe der Staaten. Eine Stimme aus Wyoming hat also, umgerechnet auf die Einwohnerzahl, 69 Mal so viel Gewicht wie eine Stimme aus Kalifornien. 30 Senatoren aus bevölkerungsreichen Staaten wie New York oder Kalifornien stehen für 70 Prozent der Bevölkerung, und umgekehrt: 70 Senatoren, die weites, einsames Land vertreten, stehen für nur 30 Prozent der Bevölkerung. Dieser windschief aufgestellte Senat ernennt nun Richter auf Lebenszeit, hat Budgethoheit, er ist so mächtig wie wichtig. Ist das noch Demokratie?»


Die Autoren sagen, für Republikaner existiert der Klimawandel nicht, Migration ist lebensbedrohlich für Amerikaner (und wo kommen die Amerikaner her?), Steuern sind sozialistisches Gedankengut (damit die Faulen nicht arbeiten müssen), Abtreibung muss gesetzlich verboten werden, jeder Amerikaner hat das Recht auf Waffen im Haus, CNN und The New Yorker lügen. Jetzt mal ehrlich – was ist daran neu? Ich kenne die USA nicht anders. Gut, der Ton ist schärfer und es gibt heute noch mehr Lügen  – aber grundsätzlich ist das nicht neu. Das Wahlrecht ist so alt wie der Wilde Westen, dazu gehört auch das «Electoral College» bei der Präsidentenwahl, bei dem jeder Bundesstaat Wahlleute stellt, die den Präsidenten wählen. Natürlich sind auch hier die Staaten im Landesinnern bevorteilt, weil es auch hier nicht nach Einwohnerzahl geht. Das alles erklären die Autoren, um zu erläutern, wie Trump Präsident werden konnte. Denn eins ist neu: Dieser Präsident brachte in seinen ersten 1267 Amtstagen 20.055 Lügen und Unwahrheiten auf den Tisch, statistisch 16 pro Tag, die alle von der Washington Post gelistet sind. Aber nicht nur das, der gesamte Stab machte hierbei mit und Trump-Regierung schaffte sich eine eigene Wahrheit. Das ist wirklich neu in der amerikanischen Geschichte. 


«Die andere Partei wurde zum ‹Feind›, deren Politiker wurden ‹Verräter› und ‹Verbrecher›, die ‹unser Land nicht lieben›, und Präsident Bill Clinton sollte in einer Art politischer Treibjagd erlegt werden.»


Newton Leroy «Newt» Gingrich, ein Republikaner der von 1979 bis 1999 als Kongressabgeordneter des Bundesstaates Georgia und von 1995 bis 1999 als Sprecher des Repräsentantenhauses agierte, wird als Schlüsselfigur der amerikanischen Geschichte angeführt, weil er die Zusammenarbeit im Kongress mit den Demokraten beendete. Es gab plötzlich kein Verhandeln mehr, massive Feindbilder gegen die Demokraten wurden aufgebaut. Ein aggressiver, rauer Ton wurde angeschlagen und erstmals Medien zum Zweck eingesetzt. Ob jemand lügt, interessiert nicht – Hauptsche, man trifft den Gegner hart. George W. Bush: «Wir sind ein Imperium. Wenn wir handeln, erzeugen wir unsere eigene Wirklichkeit.» Genauso ging Trump mit der Coronakrise um. Ein Virus, das nicht schlimm ist, leicht zu handeln. 



«Der Erfolg Donald Trumps ist indirekt auf die Neuausrichtung des AM-Radios zurückzuführen.» 


Der Medienwissenschaftler Brian Rosenwald ist der Meinung, dass die riesige Konkurrenz der Radiosender Trump bei der Wahl geholfen hat, auch das wird von den Autoren erklärt. In den ländlichen Gebieten sind diese Radiosender extrem konservativ in ihrer Ausrichtung und oft das einzige, was man empfangen kann. Die Medien haben sich konzentriert. «Von 1970 bis 2016 sind 500 Zeitungen eingestellt worden.» Eine neutrale Presse, die Lügen und ethische Verstöße aufzeigt, wird immer weniger gelesen. Unterhaltung und News vermischen sich. Ein pöbelnder Trump hat eben einen hohen Unterhaltungswert. Und wenn der Präsident etwas sagt, dann muss dies stimmen. Die Medien berichten darüber, ohne Fakten zu checken: Der Präsident hat gesprochen. Für Trump sind alle geisteskrank, deren Handeln ihm nicht passt: «crazy Democrats, Thunberg als geisteskrankes Kind, Nancy Pelosi ist eine sehr kranke Person, diese Leute sind alle krank.» Und dieser Frame funktioniert, je mehr er ihn wiederholt. Ein Kapitel in diesem Buch behandelt die Coronakrise, einen Virus, den Trump schlicht ignorierte. Der gewaltsame Tod des Afroamerikaners George Floyd wird angesprochen und das Problem von Rassismus. Nur leider kommt hier kein Schwarzer zu Wort – Schade. Auch Frauen haben in diesem Sachbuch nicht viel zu sagen. Kritisiert wird der alte weiße Mann – aber wer schreibt hier – und wie schreiben die beiden Journalisten? Das ist für mich hochinteressant. Warum kommen hier kaum Frauen zu Wort und warum nur weiße Männer? Alles, was hier beschrieben ist, in Interviews gesagt wird, ist eigentlich bekannt. Doch wenn man das es komprimiert noch einmal vor Augen hat, kribbelt es auf der Haut. Und man ist beruhigt, dass Joe Biden am Ruder ist. Trump ist Geschichte – hoffentlich. Ein interessantes Sachbuch über amerikanische Geschichte, die Trump Ära, den Medienkrieg in den USA und die gesellschaftliche Spaltung.



Klaus Brinkbäumer ging 2007 als Korrespondent des SPIEGEL nach New York. Von 2015 bis 2018 war er Chefredakteur des SPIEGEL. Er gewann u.a. den Egon-Erwin-Kisch-Preis, den Henri-Nannen-Preis und wurde 2016 Chefredakteur des Jahres. Seit 2018 schreibt er für DIE ZEIT und den Tagesspiegel. Zu seinen Büchern zählen «Der Traum vom Leben - Eine afrikanische Odyssee», «Nachruf auf Amerika» und «Das kluge, lustige, gesunde, ungebremste, glückliche, sehr lange Leben» (zusammen mit Samiha Shafy). Brinkbäumer lebt in New York.


Stephan Lamby ist Fernsehautor und Produzent und war als freier Journalist in New York tätig. Er hat mit zahlreichen ARD-Dokumentationen das politische Deutschland abgebildet, darunter «Nervöse Republik», «Im Labyrinth der Macht», «Die Notregierung». Er wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Deutschen Fernsehpreis, der Goldmedaille der New York Festivals, der Goldenen Kamera und als Journalist des Jahres 2018. Ein Teil seiner Familie lebt in Amerika.

https://literaturblog-sabine-ibing.blogspot.com/p/im-wahn-von-klaus-brinkbaumer-und.html



Cover des Buches Im Wahn (ISBN: 9783406756399)
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Rezension zu "Im Wahn" von Klaus Brinkbäumer

Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten – Aktuell, investigativ und erschütternd
Seehase1977vor 3 Jahren

Nach vier Jahren einer fatalen Präsidentschaft sind die USA eine wütende, nur noch im Hass vereinte Nation – und erleben in der gegenwärtigen Weltkrise eine multiple Katastrophe. Der ehemalige Chefredakteur des SPIEGEL Klaus Brinkbäumer und der preisgekrönte Dokumentarfilmer Stephan Lamby berichten von den zahlreichen Fronten. Ihr Buch ist eine investigative Reportage über ein zerfallendes Land, das seinen Kompass und seine Wahrheiten verloren hat (Quelle: Klappentext)

Meine Meinung:

Am 6. Januar 2021 verfolgt die ganze Welt, wie die amerikanische Demokratie, durch den Angriff von wütenden Trump-Anhängern auf das Kapitol, in ihren Grundfesten erschüttert wird. Ein beispielloses Ergebnis einer fatalen und gefährlichen Präsidentschaft. Bereits im Juni 2019 begannen die Autoren Klaus Brinkbäumer und Stephan Lamby ihre Recherchen. In ihrem Buch „Im Wahn: Die amerikanische Katastrophe“ schildern sie das wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Fiasko, in der die USA stecken. Ein investigatives, spannendes wie erschütterndes Werk über das Land der – leider in jeglicher Hinsicht - unbegrenzten Möglichkeiten.

Egal ob Sklaverei, Vietnamkrieg oder Watergate die USA haben bereits mehrere dunkle Krisen standhaft überlebt und überwunden. Die Demokratie des Landes galt als robust und beständig. Doch heute ist Amerika tief gespalten, nicht nur die politischen Lager der Demokraten und Republikaner, vor allem auch die Bevölkerung. Sie alle werden geführt von einem narzisstischen Präsidenten, dem Macht über alles geht, der Verlieren nicht akzeptieren kann und will und der um sein politisches Überleben kämpft und dafür zu allem bereit ist. 

Die Recherchen zu diesem Buch begannen, als Donald Trump seine Kampagne für die Wiederwahl eröffnete. Im Mittelpunkt steht ganz klar die Präsidentschaft von Donald Trump und seinen Mitkämpfern, die nicht nur im Weißen Haus, in der republikanischen Partei, sondern auch beim Sender FoxNews zu finden sind. Nicht nur Trump schürt mit seiner Rhetorik die Gewalt im Land. Vor allem die Berichterstattung von ultrakonservativen Moderatorinnen und Moderatoren, mit ihren Attacken und Verdrehungen der Wahrheit feuert die aufgeheizte Stimmung weiter an. Sogenannte „Fake News“ verbreiten nach Meinung des Präsidenten und seiner Anhänger jedoch nur die andere Seite der Medienwelt, wie z.B. CNN, New York Times etc.

Natürlich nimmt auch die Corona-Pandemie einen wichtigen Part ein. Die Ausbreitung des Virus, die das Land ebenfalls schwer trifft, ebenso wie der gewaltsame Tod von George Floyd, der bei einem Polizeieinsatz ums Leben kam und dadurch landesweit Black Live Matter-Demonstrationen ausgelöst hat. Doch die Autoren blicken auch zurück in Vergangenheit der USA, beleuchten u.a. die Amtszeit von Nixon, die Watergate-Affäre und einige andere, unglaubliche Machenschaften aus dieser Zeit. 

Man muss schon am Ball bleiben, konzentriert lesen, damit man alles versteht, vor allem die vielen unterschiedlichen Personen, die im Buch genannt werden, sind nicht einfach zu behalten und zuzuordnen.

Die Recherche der beiden Autoren endet im August 2020, ca. drei Monate vor den Präsidentschaftswahlen am 3. November. Am Ende Ihrer Ausführungen legen sie einen 10-Punkte-Rettngsplan für Amerika vor. Es bleibt zu hoffen, dass Amerika wieder zusammenfindet und innerlich geheilt werden kann. Ein langer und äußerst schwieriger Weg für den neu gewählten Präsidenten Joe Biden.

Mein Fazit:

Ein wirklich interessantes, detailreiches und spannendes politisches Sachbuch das gut erklärt, wie Amerika zu Trumps Amerika werden konnte und das erschütternde und beunruhigende Tatsachen offenbart. Lesenswert!

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