Stephan Marks Warum folgten sie Hitler?

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Inhaltsangabe zu „Warum folgten sie Hitler?“ von Stephan Marks

Warum begeisterten sich Millionen von Menschen für Adolf Hitler? Wieso konnten sie sich so verführen lassen? Alles nur Vergangenheit? Durch Interviews mit ehemaligen HJ-Funktionären, SS-Offizieren und NSDAP-Mitgliedern - 24 Männer und 19 Frauen - zeigt Stephan Marks, dass der Nationalsozialismus seine Anhänger begeisterte, indem er ihre Gefühle ansprach, sich ihre emotionale Bedürftigkeit zunutze machte - nicht ihren Verstand. Vor allem Schamgefühle, Kriegstraumata, psychische Abhängigkeiten wurden und könnten auch heute genauso instrumentalisiert werden, so die erschreckende Botschaft des Buches.

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  • Rezension zu "Warum folgten sie Hitler?" von Stephan Marks

    Warum folgten sie Hitler?

    michael_lehmann-pape

    07. November 2011 um 14:18

    Zum psychologischen Verständnis Auch im 66. Jahr nach Ende des zweiten Weltkrieges ist die Erinnerung an das Dagewesene bedeutsam, um einerseits diesen massiven Einschnitt der Weltgeschichte nicht vergessen zu lassen und, vor allem, zum anderen aber auch aus den Geschehnissen für die Gegenwart und damit auch für die Zukunft zu lernen. An jener Schnittstelle des Lernens setzt Stephan Marks mit seine, nun in 2. Auflage, erschienen Buch hervorragend an und bietet unter der thematischen Setzung des Nationalsozialismus durchaus generelle und daher auch für die Gegenwart zentral bedeutsame Einblicke und Einlassungen Regeln und Erkenntnisse über die innerpsychischen Regeln und Gesetzmäßigkeiten einer Form von „Nachfolge“ oder „Hingabe“ in größeren Systemen. Mit dem Untertitel „Die Psychologie des Nationalsozialismus“ gibt Marks den Weg vor, den er detailliert und sorgfältig recherchiert im Buch nachzeichnet. Ein tatsächlich gewichtiger Beitrag zum „tieferen Verständnis“ des Nationalsozialismus, wie ihn sich Merks selbst Aufgabe mit auf den Weg gibt. Ein „tieferes Verständnis“, dass durchaus auch in heutigen Tagen notwendig erarbeitet werden muss, um einer langjährigen und immer noch nicht befriedigend gelösten „Hilflosigkeit des Antifaschismus“ zu begegnen. Zu diesem Zwecke enthält das Buch zu einem gewichtigen Teil auch (und gerade) Interviews mit Ehemaligen Nationalsozialisten, anhand derer Merks lebensnah und kompetent seine Auswertungen vornimmt. Erkenntnisse, die Marks auch anhand seiner grundlegenden These auswertet, im Nationalsozialismus eine „Zustimmungsdiktatur“ zu verstehen (ein von Frank Bojahr geprägter Begriff) und somit geradezu die gesamte Basis des dritten Reiches aus der Faszination und Hingabe der Masse der Deutschen heraus zu verstehen. In sechs Kapiteln erläutert Marks sodann dezidiert, was jene „tragende Zustimmung“ hervorgerufen hat. Zunächst die Erweckung eines „magischen“ Bewusstseins mitsamt einer einhergehenden „Geheimnisträgerschaft“ und „heiliger Scheu“, mythische Elemente, die tiefere Schichten der Menschen ansprachen, deren „Lust zur Regression“ verstärkten. Formen von „hypnotischer Trance“ macht Merks im Weiteren aus mit Folgen von Passivität, verzerrter Realitätswahrnehmung, und ebenfalls Förderung der Regression unter „Verwirrung der Aufmerksamkeit und Fesseln der Aufmerksamkeit“, Momente, die Hitler intensiv trainierte und einstudierte. Unter weitern Punkte wie „Schamabwehr“, „Narzissmus“, „Traumata früherer Generationen“ und „Abhängigkeit“ entfaltet sich ein breiter Blick auf jene Komponenten und Anknüpfungspunkte der geschickten Inszenierungen und Propagandatechniken, die zur bekannten Form von „Massenbegeisterung“ immer wieder führten und diese verfestigten. Im Gesamten ergibt sich das Bild eines „regressiv und magischen“ Bewusstseinszustandes mit Beigaben einer „hypnotischen Trance“ mit hoher psychosozialer Dynamik und dem Versprechen, Defizite (u.a. narzistischer Natur) seiner Anhänger zu füllen. Nicht um eine kühl-kognitive Überzeugung ging es dem Nationalsozialismus, sondern um eine „emotionale Einbindung“ (ein Ziel, das bestens erreicht wurde). Wichtig sind im Buch nun aber vor allem die Auswirkungen, die Marks im Zuge seiner Ergebnisse für die gegenwärtige Aufarbeitung des Nationalsozialismus zieht. Neben die Daten und Fakten und neben die Würdigung der Opfer gehört nun eben ein tiefes Verständnis für die psychosoziale Dynamik der Bewegung, für die Marks ein „Erinnern und Durcharbeiten“ fordert (und zu diesem einige mögliche Orientierungspunkte im Buch auch gibt). Stephan Marks legt mit seinem Buch eine (überfällige und ) wichtige Gesamtbetrachtung der psychischen Dynamik des Nationalsozialismus vor, die er fundiert darstellt und überzeugend herleitet. Als Erkenntnis bleibt, dass das eigentliche Verstehen jener „Zustimmungsdiktatur“ und der inneren Adaptionsflächen der „Zustimmer“ noch eines Gutteils an Aufarbeitung bedarf. Eine Aufarbeitung, auf deren Weg Marks klare und nutzbare Wegzeichen mit diesem Buch gesetzt hat.

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