Stephan Orth Opas Eisberg

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Inhaltsangabe zu „Opas Eisberg“ von Stephan Orth

Im Sommer 1912 gelingt einer kleinen Schweizer Expedition die Durchquerung und Vermessung des grönländischen Inlandeises. Unter den Teilnehmern: ein junger deutscher Architekt, der die Pionierleistung ebenso akribisch wie geistreich festhält. 100 Jahre später fällt das Tagebuch in die Hände seines Enkels Stephan Orth, der seinen abenteuerlustigen Großvater nie kennengelernt hat. Nach der Lektüre steht für ihn fest: Es ist an der Zeit, das Versäumnis nachzuholen – und wenn er dafür selbst eine Expedition wagen muss, die an die Grenzen seiner Kraft geht…
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  • An Opas Leistung gescheitert

    Opas Eisberg
    R_Manthey

    R_Manthey

    29. July 2015 um 13:35

    Menschen können sich gewöhnlich nicht in eine Zeit zurückversetzen, die sie nie erlebt haben. Und obendrein fällt es ihnen schwer, sich des unterschwelligen Überlegenheitsgefühls bewusst zu werden, mit denen sie der Vergangenheit, ihren technischen Standards und dem damaligen Erkenntnisstand begegnen. Umso interessanter wird dies, wenn man an einstmals vollbrachten Leistungen selbst mehr oder weniger kläglich scheitert. Stephan Orth ist dies widerfahren. Er nahm 2012 an einer Grönlandexpedition teil, bei der versucht wurde, eine hundert Jahre zuvor erfolgreiche West-Ost-Querung der Insel nachzuvollziehen. Diesmal sollte es zuerst in die andere Richtung gehen. Wirklich vergleichen kann man solche Expeditionen natürlich nicht mehr. Auch wenn sich die klimatischen und topografischen Bedingungen nicht wesentlich geändert haben, so machen Satellitentelefone, GPS, die Verfügbarkeit von Hubschraubern, die schnelle An- und Abreise und viele andere Vorzüge die ganze Unternehmung ungefährlicher und erleichtern vieles. Gescheitert sind Orth und seine drei Kollegen an den modernen Kunststoffschlitten, die die Belastungen nicht aushielten und brachen. Doch das steht in diesem Buch nicht im Mittelpunkt. Zu den vier Mitgliedern der Expedition von 1912 gehörte Orths Großvater, den er allerdings nie kennenlernte. Dafür fand er jedoch dessen Tagebuch und konnte dadurch beide Reisen gut miteinander vergleichen. Sein Buch orientiert sich abgesehen von einigen anderen Episoden im Wesentlichen an der Gegenüberstellung der beiden Expeditionen. Als besonders spannend erweist sich das allerdings nicht, neue Erkenntnisse findet man kaum, und auch der Vergleich gelingt Orth nicht besonders überzeugend. Nachdem Opas Tagebuch zitiert wird, beschreibt Orth die eigenen Erlebnisse. Er vermag es nicht sehr gut, sich in die Lage und das Denken seines Vorfahren hineinzuversetzen. Natürlich kann man ihm das nicht zum Vorwurf machen. Doch ein intensiverer und empathischerer Versuch, sich in die Zeit und die Geisteshaltung seines Großvaters zu begeben, hätte dem Buch gut getan. So bleibt es eine Mischung aus Familiengeschichte und Reisebericht, die beide nicht besonders mitreißen. Und irgendwie bin ich das Gefühl nicht losgeworden, dass Orth aus den verschiedensten Gründen nicht den letzten Respekt vor dem Menschen besitzt, der sein Großvater war, auch wenn er das geschickt zu überspielen vermag.

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