Stephan R. Meier

 2.6 Sterne bei 37 Bewertungen
Autor von NOW - Du bestimmst, wer überlebt., Carlos und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Stephan R. Meier

Stephan R. Meier, geboren 1958, hat in China, Frankreich, Italien, Spanien, Thailand und den USA gelebt, wo er jahrelang in der Tourismusbranche gearbeitet hat. Er ist Autor zweier biografischer Sachbücher, eines über den Terroristen Carlos, das andere über seinen Vater Richard Meier, der in den 70er Jahren Leiter des Bundesamts für Verfassungsschutz war. NOW ist Stephan R. Meiers erster Roman.

Quelle: Verlag / vlb

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Rezension zu "NOW - Du bestimmst, wer überlebt." von Stephan R. Meier

Abgrundschlecht
NinaCasementvor 3 Tagen

Achtung: S P O I L E R (sowohl Plot als auch Ende)

 

Plot / Spannung / Logik

 

Die Welt ist verschmutzt und überbevölkert, nur wenigen Superreichen geht es gut, alle anderen leben im Elend. Das ist schlecht. Dann übernimmt eine perfekte KI die Welt, sortiert die wertvollen Menschen aus und hinein in ein ideales Leben, der Rest vegetiert in einer zerstörten Restwelt vor sich hin oder wird gleich aktiv oder passiv umgebracht. Das ist gut.
Der Plot beginnt, dümpelt auf 350 von 421 Seiten in Rückblenden und mit endlosen Erklärungen herum, dann fertig. Nicht missverstehen, ich mag Details, ich mag Worldbuilding, aber hier wird einfach nur alles wieder und wieder durchgekaut, ohne Gnade mit dem Leser. Abwechselnd wird gezeigt, wie alle Menschen ohne KI zu monströsen, drogenabhängigen, prämittelalterlichen Kreaturen verkümmern. Und wie wundervoll die neue Welt ist, begonnen mit der Kleidungsauswahl. Spannung dementsprechend, zumal alle Charaktere derart üble Klischees sind, dass kein Mitgefühl aufkommt. Selbst Sharknado widersetzt sich der Logik nicht so konsequent wie Stephan R. Meier, das verdient eine gewisse Bewunderung. Auf wissenschaftliche Unsinnigkeiten, speziell Informatik, Genetik, Biologie, Geografie, Meteorologie [...], kann ich hier nicht näher eingehen, weil es schlicht den Rahmen sprengen würde. Derart viele Wissenschaften gleichzeitig zu beleidigen, ist schon fast eine eigene Kunst. Da lassen sich kaum zwei Seiten am Stück lesen ohne mehr als dezentes Fremdschämen Wer Ahnung hat, möchte weinend das Buch verlassen, wer keine hat ... eigentlich auch. Siehe „Recherche“.
 

Charaktere 

Der Hauptcharakter ist ein Psychopath, der keinerlei Sympathie weckt. Er nimmt Zeit seines Erwachsenenlebens an zahllosen Morden teil bzw. beobachtet sie, ohne dass ihm das ethische oder psychische Schwierigkeiten bereitet. Als er die Ermordung eines älteren Mannes nach einem Gespräch aussetzt, wird dies als besonders warmherzig dargestellt. Beim Töten eines Hasen wird jedoch ein schlechtes Gewissen beschrieben. Eine irgendwie kritische Auseinandersetzung mit Mord und sexueller Sklaverei findet nicht statt. Sein Vater, der die Selektion von Menschen gutheißt, wird als empfindsam dargestellt.
Bill, der Antagonist, bildet die Blaupause eines Bösewichts und ist daher schlicht langweilig.
Sunway, der weibliche Hauptcharakter, hat eigentlich keinen Charakter, sondern skizziert lediglich einen beliebigen feuchten Männertraum. Siehe „Frauenbild“.  

 

Recherche 

Kritiken, in denen die vielen „Fachausdrücke“ oder gar die „gute Recherche“ erwähnt werden, irritieren mich. Der gesamte Roman strotzt vor Fehlern, von lapidaren Alltagsgegebenheiten bis hin zu ernsthaftem Fachwissen. Beispiele:
- Da legt der halb Verhungerte seine Lederstiefel wochenlang in Pflanzenöl ein, um sie „dicht und widerstandsfähig“ zu machen.
- Nachdem sehr, sehr ausführlich beschrieben wurde, dass der größte Feind der Mensch ist, schleicht sich der Protagonist an ein Lager in der Wildnis an „bewacht von Hunden, die anscheinend nicht auf Menschen reagierten.“ - klingt in einem Land voller Plünderer sehr realistisch.
- Der Protagonist findet mal eben in einem nahegelegenen Gasthof sämtliches Geschirr uns Werkzeug, das ein Mensch benötigt – nachdem drei Jahrzehnte Plünderung beschrieben werden. Als sein Gleiter plötzlich nicht mehr funktioniert und die Kommunikation ausfällt, realisiert er innerhalb von Minuten, dass sein bis dahin unverdächtiger Ziehvater, der ihm seit 30 Jahren die Familie ersetzt, eigentlich schrecklich ist und ihn umbringen will. Er findet sich augenblicklich mit der Situation ab, die alles auf den Kopf stellt, was er jemals wusste. Findet innerhalb derselben Minuten eine Lösung sowie eine Hecke zum Hineinrollen und dann einen sehr großen Quarzstein, der praktischerweise herumliegt, um ihn vor Infrarotkameras abzuschirmen. Auch dann verzweifelt er nicht etwa, sondern macht sich ohne zu zögern auf in die Wildnis, das neue Lebensziel schon im Blick.
- Beim Separieren der Menschen verzichtet der Autor natürlich auf die ungeliebten Gewehre und Eisenbahnwaggons. Stattdessen reicht eine Nachricht via App, man solle doch bitte alles stehen, liegen und sein Zuhause verlassen, um sich an einem beliebigen Punkt einzufinden. Ein Meteoriteneinschlag. Es können eben nicht alle evakuieren – für Skeptiker. Wer würde da nicht umgehend Freunde, Familie und Nachbarn wortlos ver- und dem Einschlag überlassen?

 

Stil / Sprache / Lektorat 

Die Sprache fällt vor allem durch ihren oberflächlichen und pathetischen Stil auf, wenn es um emotionale Szenen geht. In allen anderen ist sie schlicht langweilig. Persönlich mag ich lange Sätze, andere Leser wären von sieben Zeilen vielleicht leicht abgestoßen.
Satzbau und Rechtschreibung sind auffällig verkorkst. Wortwiederholungen finden sich am laufenden Band.
„Spark war ein genauer Beobachter und spürte hin und wieder vage Zweifel, was Bill betraf und die an seinem unbedingten Vertrauen zu ihm nagten, doch bisher hatte er sämtliche Kanten von Bills Persönlichkeit mit dessen Alter und Biografie abgetan.“
„Die Menschen saßen in den Kaffees,“ [sic] Nasse Angelegenheit.
„Geschickt federte er die stampfenden Bewegungen der Tender ab, glich das Rollen des Bootes aus, wenn sie einem treibenden Gegenstand ausweichen musste oder stampfend höhere Wellen frontal durchschnitt.“ Da ist es schon fast nebensächlich, dass das Boot ohnehin nicht stampfen kann. Denn dank der mehrseitigen Beschreibung der Jacht wissen wir, dass diese ausschließlich mit Solar-, Wind- und Wasserenergie angetrieben wird.
„Blauzahn-Methode“ (Ja, es ist Bluetooth gemeint!)
 

Menschen- / Weltbild 

Während die zuvor genannten Faktoren noch irgendwie amüsant sein können, hört an diesem Punkt der Spaß eindeutig auf. Denn was mir in anderen Kritiken deutlich fehlt, ist die Beschäftigung mit dem völlig verqueren und vor allem faschistoiden Weltbild, das in diesem Machwerk transportiert wird. Da ist von schlechten Genen, Selektion, notwendiger Auslese und dem Überlebensrecht lediglich der Besten und Stärksten die Rede – überwiegend wörtlich. Wer nicht gut genug ist, muss aussortiert werden, anders ist ein Überleben der Menschheit nicht möglich. Oder anders ausgedrückt: Hier wird Eugenik in Reinform präsentiert. Das allein kann durchaus ein Bestandteil von Dystopien sein. Das Problem ist, dass es hier Teil einer Utopie ist. Es gibt keinerlei Distanzierung zu dieser Idee, weder seitens des Erzählers noch seiner Protagonisten. Eugenische und andere selektive Praktiken, inklusive gezielter Vernichtung, werden durchweg als notwendig beschrieben.
Als Problem wird lediglich das Einmischen des Protagonisten „Bill“ beschrieben, erst dann wandelt sich die zuvor perfekte Welt. „ Aber es waren keine Feiern mehr, auf denen die Menschen in heiterer Atmosphäre, umrahmt von Musik und Schauspiel, ihre besondere Begabung, ihre außergewöhnlichen Talente und sportlichen Fähigkeiten zum Besten gaben.“ Stattdessen Orgien mit „sexuellen Praktiken“ (huch!) und Gewalt. Wohlgemerkt ist hier mit „die Menschen“ lediglich die Elite gemeint, deren Glück auf Massenvernichtung und Zwangsprostitution basiert.  

 

Frauenbild 

Wer vom Weltbild noch nicht hinreichend abgeschreckt ist, darf sich hier mit einem Frauenbild verlustieren, gegen das 50er-Jahre-Eheratgeber revolutionär anmuten. Es existieren zwei weibliche Protagonistinnen, die erste ist Tylors Mom. Bevor wir uns hier missverstehen: Einen eigenen Namen hat sie nicht, wurde wohl für nicht notwendig befunden. Der Erzählstrang folgt ihr über hundert Seiten immer mal wieder, dann ist sie tot, wieso, erfährt der Leser nicht, ist auch egal.
Und dann ist da ihre Tochter Sunway. Sie führt ein Leben bei einem nicht näher beschriebenen Clan, wird gelegentlich vergewaltigt, dann zwecks Genmaterial und aufgrund ihres selbstverständlich unfassbar guten Aussehens vom Team des Protagonisten entführt. Sodann beginnt ihr Leben als „Flame“, dem hübschen Wort für Zwangsprostituierte, wobei sich der Autor jede, auch passive, Kritik daran spart. Auch Sunway findet das offensichtlich ganz in Ordnung und freut sich auf ihr neues Leben mit ihrem Herrn, äh, Mann. Sodann wird sie dem Protagonisten zugeführt, in den sie sich praktischerweise auf Anhieb verliebt, sodass sie „zum ersten Mal in ihrem Leben freiwillig Sex“ hat, der selbstredend prima ist. Gleich beim ersten der sieben Treffen wird sie schwanger, wobei man das selbst im siebten Monat „quasi nicht sieht“ – würde wohl nicht ins Bild passen. Erwähnte ich, dass sie hervorragend Tango tanzt? Und selbstverständlich in Tränen ausbricht beim Gedanken, ihren Schönling zu verlieren.
Zack, Kind zwangsentfernt, Frau in der Wildnis ausgesetzt, ab zum Clan. Heldenhafter Protagonist sucht und findet sie, nachdem er selbst monatelang in der Wildnis überlebt hat (er, der sich bis dahin noch nie im Leben auch nur selbst die Zähne geputzt hat!). Und das Folgende bitte auf der Zunge zergehen lassen:
Sie hatte ihn erst angegriffen, auf ihn eingeschlagen und ihm das Gesicht zerkratzt, hatte sich wie eine wütende Raubkatze auf ihn gestürzt, bis es ihm gerade so gelungen war, sie zu bändigen und ihr alles zu erklären. Sie glaubte ihm und hatte ihm verziehen und kehrte zu ihm zurück.
Und um der Frage vorzugreifen: Ich habe hier nichts ausgelassen oder geändert. (Doch, im Original steht  „Raublatze“, aber mal ab davon.)
Reststory, Systemzerstörung und was sonst noch plotrelevant ist, wird in den übrigen 12 Seiten flott geklärt und dann ... brauchte ich ehrlich gesagt Schnaps, um DAS zu verdauen.

 

Fazit 

Bei „NOW – Du bestimmst wer überlebt“ handelt es sich keinesfalls um einen Thriller. Stattdessen erwartet den Leser eine langwierige, wissenschaftlich und psychologisch abwegige und ethisch zutiefst bedenkliche Sprachkatastrophe.

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Rezension zu "NOW - Du bestimmst, wer überlebt." von Stephan R. Meier

Leider ein Reinfall
trollchenvor 2 Jahren

NOW, du bestimmst, wer überlebt
Herausgeber ist der Penguin Verlag (9. Januar 2017) und das Buch hat 432 Seiten.
Kurzinhalt: Ein Mann streunt durch dichte Wälder, immer auf der Flucht vor herannahenden Drohnen, die seinen Tod bedeuten können. Sein Name ist Spark. Noch vor Kurzem wurde sein Leben von dem intelligenten Algorithmus NOW geregelt, und Spark hatte alles: Gesundheit, Sex, Nahrung. Doch dann entdeckte er, was hinter dem Tod seines Vaters steckt. Wie gefährlich die Allmacht NOWs ist. Und dass die Frau, die er liebt, verstoßen wurde – dorthin, wo jeden Tag das nackte Überleben auf dem Spiel steht. Damit beginnt Sparks Kampf. Für die Zukunft der Welt. Für die Liebe seines Lebens.
Meine Meinung: Ich habe schon zwei Bücher des Autors gelesen, aber diesmal bin enttäuscht worden, denn ich habe das Buch abgebrochen. Denn ich wußte nicht, wo die Story hingehen soll. Am Anfang habe ich noch sehr interessiert gelesen, aber bis zur 100. Seite ging es fast nur um viele Sachen, wie es in der neuen Welt NOW so zugeht. Aber leider wurden viele Sachen gar nicht erklärt und die meisten Sätze strotzen nur so von Fremdwörtern. Da war es für mich als Leser sehr schwierig, dies alles zu verstehen. Ich habe dann gedacht, als es um seine Liebe ging, dass es besser wird mit dem Lesen, dies war auch für das Kapitel gut. Aber als es dann um Sparks Vater ging, kam ich auch wieder kaum mit. Das Lesen war sehr schwierig und ich habe es dann aufgegeben.
Mein Fazit: leider abgebrochen, für mich war der Schreibstil und die vielen Fremdwörter sehr schwer zu lesen. Und wenn ich jeden Satz nochmal durchlesen muss, dann macht das Lesen keinen Spass. Ich vergebe 2 Punkte. Für mich ein Reinfall.

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Rezension zu "NOW - Du bestimmst, wer überlebt." von Stephan R. Meier

NOW - Du bestimmst, wer überlebt.
angeltearzvor 3 Jahren

Der Klappentext hat mich extrem angezogen. Ich bin ein totaler Computernerd. Wenn es also darum geht, dass mit Hilfe von Computern die Weltherrschaft an sich gerissen wird oder irgendwas anderes passiert, dann bin ich dabei. Wenn dann das Ganze noch in einen Thriller gepackt wird, dann ist es noch mehr meins. Ich muss hier allerdings sagen, dass es wirklich unglaublich computerlastig ist. Es werden sehr viele Fachausdrücke genutzt, mit denen vielleicht nicht jeder was anfangen kann. Das macht das Lesen sehr schwer. Ich hatte damit allerdings keine Probleme und fand das unheimlich interessant.
Okay, der Klappentext kann wirklich anders interpretiert werden. Das war ein großer Knackpunkt in anderen Rezensionen. Allerdings finde ich es nicht dramatisch. Man kann nicht viel von dem Buch verraten, wenn man nicht spoilern will. Deswegen finde ich den Klappentext ganz gut.
Ich finde den Schreibstil vom Autor sehr gut. Er ist schonungslos ehrlich. Beim Lesen habe ich den Eindruck, dass er Partei ergreift. Es gibt Absätze, die sehr negativ über die Menschheit rüberkommen. Ob das so gewollt ist und er nur zum Nachdenken anregen will, stelle ich jetzt in den Raum.
Es passieren Dinge in diesem Buch, die definitiv zum Nachdenken anregen. Was würde bei einem kompletten „Black Out“ passieren?! Irgendwie hat es mich sehr zum Nachdenken angeregt. „Now“ hat Ansätze, die ich nachvollziehen kann. Ob das dann alles wirklich so machbar ist, kann ich schlecht einschätzen.
Beim Lesen muss man auch sehr auf die Zeitsprüngen aufpassen. Die Kapitel sind nicht sehr lang und bei jedem neuen Kapitel wird in eine andere Zeit gesprungen. Macht das Lesen nicht einfach, aber ich fand es jetzt nicht schlimm. Da viele Charaktere auftauchen, muss man auch hier etwas aufpassen, dass man die nicht durcheinander bekommt.
Mir hat es Spaß gemacht das Buch zu lesen. Deswegen eine dicke Empfehlung von mir.
Das Cover: Das Cover finde ich ja schon cool. Aber für das Thema hätte ich ein anderes Cover ausgewählt. Es passt nicht so ganz. Fazit: Das Buch regt zum Nachdenken an. Ein sehr guter Schreibstil vom Autor, allerdings mit vielen Fachausdrücken aus dem Computerbereich.

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