Lauter. Ja. Immer. Doch manchmal geht es nicht mehr laut. Da passiert etwas, was das Laute verstummen lässt. Und meist kommt es noch schlimmer. Und das Laute verschwindet. Und man braucht Zeit, um das Laute in sich wieder zu wecken. So passiert es auch Leon, dem Hauptcharakter in dem Buch „Lauter“ von Stephan Roiss. Stephan Roiss, ein österreichischer Autor schaut auf traumatische Entwicklungen und schafft es mich zu überzeugen mit seinem Blick auf Leon. Wer meinen Account kennt, weiß männliche Autoren dringen nicht immer zu mir durch. Gerade im deutschsprachigen Bereich habe ich da so meine Befindlichkeiten, oft erscheinen deutschsprachige Autoren und hier vor allem die Männer für mich eher unterkühlt. Sie beschreiben ihre Thematiken, aber das Beschriebene dringt nicht in mich ein, zu mir durch. Ich fühle mich nicht erreicht und vor allem nicht berührt. Dies ist bei Stephan Roiss anders. Und das hat mir sehr gefallen. Nun ist dieses Gefühl in mir nicht durch gefühlsüberfrachtetes Schreiben entstanden. Bitte nicht! Das wäre dann das andere Extrem, mit dem man mich ebenso verjagen kann. Und das sehr schnell! Nein. Die Figur Leon nimmt mich durch die gefühlte Ausweglosigkeit gefangen, in der Leon steckt, durch die Liebe und Verbundenheit zur Musik und durch dieses Aufbrechen, dieses Versuchen, dieses Probieren, diese Aktion. Ja, da versucht jemand selbstständig herauszukommen aus dem sich plötzlich geöffneten Loch. Die Ausweglosigkeit, nun hier muss ich wohl nichts sagen, irgendwie zieht mich da etwas an. Die Liebe zur Musik, die kenne ich und hier besonders der Punk, der nicht mein hauptsächliches Genre ist, der aber den dunklen Klängen nahesteht. Hier spricht mich aber der Underdog an. Jemand, der dem Punk frönt, könnte ein Underdog sein, er könnte, er muss dies nicht, ist klar, das wird auch nicht explizit im Buch thematisiert, sitzt aber dennoch in meinem Kopf. Der dritte Punkt, der mich an Leon fasziniert, ist seine Kraft, aus seinem Drama herauskommen zu wollen. Gut, dies impliziert wieder ein Können. Nicht jeder traumatisierte Mensch kann das, hat die Kraft für ein Gegensteuern, man kann diese Kraft aber irgendwann finden. Vielleicht (Sicher) mit Hilfe. Aber das geht. Das darf man nur nicht vergessen. Den Glauben an sich selbst. Nun ist dieser Glauben an sich selbst bei Leon nicht unbedingt zu finden. Er stromert einfach herum, nutzt dass, was sich ihm bietet und gewinnt über diese Aktion Einblicke auf sich. Und das zu erleben, literarisch, hat Spaß gemacht. Nun ist diese Geschichte ja schon als kurzer Umriss schön zu lesen. Die Art, in der das Buch geschrieben ist, ist hier aber auch noch zu erwähnen. Denn diese Schreibe wertet die Geschichte noch deutlich auf. Intensiv, poetisch, sinnlich, ungewöhnlich, verträumt, dunkel, kraftvoll, diese Worte passen für mich auf diesen Text von Stephan Roiss. Ein Text, der sich über die Aktion der Hauptfigur in mein Herz bohrt. Ein Text, der mich ins Nachdenken bringt, der mich sinnieren lässt und dies über eine männliche Figur. Nicht schlecht Herr Roiss. Das habe ich vielleicht gebraucht, vielleicht musste dies sein, um auch in mir etwas ordnen zu können. Ich empfehle dieses Buch sehr und bin beeindruckt! ❤
Stephan Roiss
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
Alle Bücher von Stephan Roiss
Triceratops
Lauter
Gramding
Die letzte Fahrt der Hoppetossa
Neue Rezensionen zu Stephan Roiss
Schon Stephan Roiss letzten Roman Triceratops habe ich mit Begeisterung gelesen. In "Lauter" folgen wir dem Protagonisten Leon, dessen Krebserkrankung einen Wendepunkt darstellt. In einer Reise quer nach Venedig und später quer durch Italien beschäftigt er sich mit Meditation, mit Erinnerungen, mit seiner verstorbenen Mutter und mit seinem Vater.
Stephan Roiss hat hier einen sehr dichten Roman vorgelegt, beschreibt bildhaft die Szenerie und das Innenleben des Protagonisten. Ein außergewöhnlicher Roman, den ich nur empfehlen kann.
Ich mache mir sehr oft Gedanken darüber, warum ein Autor einen Titel wählt; schließlich ist es meistens das erste, was der Leser mitbekommt und daher sollte es eine bestimmte Bedeutung haben, die der Leser spätestens am Ende der Geschichte erkennen sollte.
Wir sagten Mutter, dass wir sie lieben. Es war nicht wahr. Wir wollten nichts sagen, sie nicht berühren, nicht alleine mit ihr sein.
Ein Triceratops ist ein Dinosaurier mit 3 Hörnern und einer "Nackenkrause" als Panzer. Trotz des furchteinflößenden Aussehens war es ein Pflanzenfresser und man weiß nicht, ob es Herden- oder Einzeltiere waren, so wie es im Buch erklärt wird. Ich habe mich gefragt, warum man gerade den Triceratops genommen hat und keinen Sauropoden oder sogar einen Tyrannosaurier. Ich selbst habe als Kind allerdings auch den Triceratops am meisten geliebt, er wirkte so stark und gab Halt.
Der Hauptcharakter, ein Junge, der während der knapp 200 Seiten zum Teenager heranwächst, sieht sich selbst als ein Triceratops, vielleicht auch aus den oben genannten Eigenschaften. Die schuppige Haut des Jungen am Hals oder wie er immer wieder Hörner zeichnet oder sich vorstellt, dass welche wachsen oder wie er sich als letzten Überlebenden sieht in einer Welt, wo er nirgendwo hingehört. Ein Panzer, der ihn beschützen soll, anstelle einer Familie, die nur Zerstörung verursacht. Hörner, die ihm Kraft und Mut geben sollten, aber nie wirklich nützlich sind. Natürlich beherrscht so ein Tier keine menschlichen Fähigkeiten wie das Sprechen oder soziale Anpassungsfähigkeit; die Geschichte fängt nämlich schon damit an, dass der Junge sich einfach in allem fremd und distanziert fühlt, zum Beispiel wie er nicht Mama, sondern Mutter sagt. Und diese Fremdartigkeit zieht sich durch bis zum Ende hin.
"Wenn ich die Augen schließe", sagte sie zu ihrer Sitznachbarin, "kann ich die Wellen noch fühlen."
Wir schlossen die Augen. Stimmt doch gar nicht.
Die Geschichte schafft es nur mit wenigen Worten und Sätzen die Gefühlslage des Jungen zu vermitteln, und geht dabei nicht konkret auf die inneren Emotionen des Jungen ein. Eher sehen wir aus den Augen des Jungen -aus einer sicheren Distanz- wie die Welt sich auf ihn stürzt, vieles abverlangt, aber niemals das gibt, was der Junge bräuchte: Liebe, Zuneigung und Aufmerksamkeit. Man muss als Leser viel Arbeit leisten um die Geschichte zusammenzusetzen wie ein Puzzle, aber gerade das fand ich sehr spannend. Es war ein kurzes, aber sehr starkes Buch, was zwar nicht unbedingt ein Lächeln auf meinem Gesicht gezaubert hat, aber trotzdem kraftvoll war, sodass es einen großen Eindruck hinterlassen hat.
Unsere Schwester schnitt uns das Wort ab: "Alles ist gut."
"Nichts ist gut", hörten wir uns sagen.
** Dieses Buch wurde mir über NetGalley als E-Book zur Verfügung gestellt **
Gespräche aus der Community
LovelyBooks lädt auch im Jahr 2020 zu spannenden Challenges ein.
Und auf euch warten tolle Gewinne.
Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist natürlich 2020 wieder dabei!
Liest du gerne Bücher mit Niveau?
Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.
15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2020 bis 31.12.2020 lesen.
Es gelten nur Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.
Auch Neuauflagen – 2020 erschienen - von Klassikern.
Die Regeln:
Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an.
Einstieg ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts.
Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein.
Es gelten nur Bücher (Achtung: keine Hörbücher, keine Bildergeschichten, keine Graphic Novels), die an diesem Beitrag angehängt sind!
Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Nimmst du die Herausforderung an?
Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2020 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.
Natürlich mit den passenden Büchern zum Thema.
Ich freue mich auf viele Anmeldungen!
Teilnehmer:

Das Romandebüt von Stephan Roiss, nominiert für den Deutschen Buchpreis!
Ein kleiner Junge malt Monster in seine Schulhefte und spricht von sich selbst als Wir. Seine Mutter schluckt Neuroleptika, sein bibeltreuer Vater kocht nur Frankfurter und seine Schwester bewegt sich wie ein Geist durchs Haus.
Bewirb dich um eines von zehn Rezensionsexemplaren!
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