Stephan Rossmann

 4.7 Sterne bei 17 Bewertungen

Lebenslauf von Stephan Rossmann

Geboren in Nürnberg, lebt der Autor heute in Leipzig. Hier und da ein Gedicht, gerne mal verreisen und wenn es sein muss joggt er um den Block. 2020 erschien der zweite Roman: "Joshua - Liebe Gottes".

Zwei einsame, orientierungslos durchs Leben treibende Suchende finden durch eine Wendung des Schicksals zueinander, erkennen ihr Talent, nutzen die gegebenen Chancen und machen sich auf den Weg. Einer von ihnen wird sein Glück finden, der andere die Wahrheit. Gemeinsam überwinden sie ihre Ängste, greifen nach den Sternen, sehen das Licht, um die Welt zu retten.  

Botschaft an meine Leser

Hallo Freunde, mein zweiter Roman steht in den Regalen "Joshua - die Liebe Gottes" Gerne mal reinlesen, hier oder bei amazon. 


Neue Bücher

Dingsbums: Klischee & Wirklichkeit

 (1)
Neu erschienen am 27.10.2020 als E-Book bei .

Alle Bücher von Stephan Rossmann

Cover des Buches Feier Abend : Grünschnabel und alte Hasen (ISBN: B071Y4S5BY)

Feier Abend : Grünschnabel und alte Hasen

 (3)
Erschienen am 18.04.2017
Cover des Buches Joshua - Die Arroganz Gottes (ISBN: 9798637359714)

Joshua - Die Arroganz Gottes

 (2)
Erschienen am 15.04.2020
Cover des Buches Dingsbums: Klischee & Wirklichkeit (ISBN: B08M4CM9QS)

Dingsbums: Klischee & Wirklichkeit

 (1)
Erschienen am 27.10.2020
Cover des Buches Engelhorn (ISBN: 9783745050554)

Engelhorn

 (0)
Erschienen am 19.11.2017

Neue Rezensionen zu Stephan Rossmann

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Rezension zu "Dingsbums: Klischee & Wirklichkeit" von Stephan Rossmann

Weisheiten und Gedichte
TerenceHornvor 3 Monaten

26 Gedichte, Zitate und Weisheiten über Sinn und Unsinn. Blick in die Zukunft. Futter für die Seele. Dingsbums erklärt die Welt.

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Rezension zu "Engelhorn: Die wunderbare Sinnlosigkeit der Jugend" von Stephan Rossmann

Die Welt im Drogenrausch
Loos_Diggervor 5 Monaten

Eine Geschichte der Jugend, hundertprozentig. Diesen Fatalismus hat man nur einmal im Leben. Die meisten irgendwann zwischen vierzehn und zwanzig. Einige bezahlen diese Eskapaden mit ihrer Gesundheit oder ihrem Leben, andere stecken es einfach weg, einmal dermaßen im Drogensumpf gesteckt zu haben.

Eine tolle Sprache hat der Autor und die Schilderungen sind trotz ihrer teilweisen Skurrilität glaubwürdig. Wenn man sich nicht daran stört, dass es eigentlich keine richtige Handlung gibt und mal Lust auf einen literarischen Drogenrausch hat, kann man dieses Buch empfehlen.

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Rezension zu "Engelhorn: Die wunderbare Sinnlosigkeit der Jugend" von Stephan Rossmann

Die Jugend um jeden Preis!
AcidRainvor 8 Monaten

Klappentext:

Die große Liebe, der erste Sex, ein kleiner Joint. Rossi erzählt nicht nur die Geschichte seines Lebens, sondern auch die der verruchten und begehrenswerten Lucia. Humorvoll berichtet er von einer legendären Feier im Tal der Gesetzlosen, einem verrückten Trip nach Amsterdam, von den Schicksalsschlägen des Erwachsenwerdens. Was er auch versucht, probiert oder sein lässt mit 17 ist er weiterhin Jungfrau. Rückendeckung erhält Rossi von seinem Freund Stoffel, der für seinen unersättlichen Appetit nach Leben Verständnis zeigt, einfach weil er noch verfressener ist. Schlitzohrige Rebellen, die geschickt zwischen unbändiger Abenteuerlust, furchtlosem Mut und unstillbarer Sehnsucht balancieren. 


Rezension:

Die Geschichte wird uns aus der Sicht des Ich-Erzählers, Rossi, präsentiert. Sie fängt unvermittelt an und man ist direkt in dem Kopf eines 17-jährigen Teenagers. Dies bringt all die Vor- und Nachteile mit sich, die man sich denken kann. Rossi ist witzig, smart, optimistisch und erzählt mit trockenem Humor seine Erlebnisse. Situationskomik steht hier an erster Stelle und sorgt beim Leser wirklich für eine Menge Lacher. Gleichzeitig schießen ihm die Gedanken nur so durch den Kopf. Unterhält er sich gerade auf einer Feier mit einem Mädchen, auf das er steht, ist er im nächsten Absatz in Gedanken bei seiner Exfreundin und danach bei einer peinlichen Kindheitserinnerung. Einmal umgeblättert, beschreibt er wiederum die anschließende Beziehung mit dem Mädchen von der Party und wie sie nach zwei Wochen schon wieder zu Ende war. So oder so ähnlich.

Loben muss ich hier, dass der Autor es geradezu meisterhaft beherrscht, Rossis verrückte Gedanken darzustellen. Gerade am Anfang des Buches war ich aber etwas verwirrt, in welcher Timeline wir uns gerade befinden und was eigentlich gerade abgeht. Obwohl das wie gesagt für einen Teenager authentisch und irgendwie witzig wirkt, ist es mein einziger wirklicher Kritikpunkt an diesem Buch. Ab dem Zeitpunkt, wo Lucia Rossi den Kopf verdreht, läuft auch alles etwas geordneter ab. Zumindest auf die Erzählweise bezogen.

Jeder, den diese kleine Kritik nicht abschreckt, kann sich auf einen chaotischen Coming-of-Age-Roman freuen, der Liebe, Freundschaft, Sehnsucht und eine gehörige Portion Drogen behandelt. Die beschriebenen Szenen sind manchmal schön, manchmal abschreckend und eigentlich fast immer völlig abstrus und wahnsinnig komisch.

Das Buch macht Lust, jene Zeit zwischen Schule und Job noch einmal durchzuleben. Rossi, sein bester Kumpel Stoffel, die verruchte Lucia und die restlichen Verrückten scheinen sich auf einem Höhenflug zu befinden, der nicht enden will. Die Sage von Ikarus haben sie dabei aber wohl noch nie gehört. Die Jugend um jeden Preis auskosten? Ja, wirklich um jeden Preis.

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Gespräche aus der Community

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Wir sitzen bei Francesco auf der Terrasse, schlürfen Spaghetti, spülen unsere Rachen mit einem von Francesco empfohlenen Rotwein. Ein anregendes Tröpfchen, zugegeben, nur kapiere ich nicht, was ich an diesem Tisch verloren habe? Ein Fremdkörper, eine Anomalie, ein Sterblicher, der unverschämt lebendigen Rioja schlürft. Woher kommt dieses Glück? Bin ich Teil der Götterwelt, gehöre ich zum inneren Kreis? Womit verdiene ich ihre Gesellschaft? Mehr Wein, mehr Besinnungslosigkeit. So könnte es funktionieren. Und natürlich gebe ich mich gleichgültig, gelangweilt, heuchle Desinteresse. Lydia und Sara sind Teil des Olymps, ich bin ein Unberührbarer im Harem des Sultans. 

Wir sitzen also da rum. Joshua unterhält die Mädels, die Mädels Joshua, während ich sabbernd vor lauter Geilheit kein vernünftiges Wort herausbekomme. Meine Gesprächsteilnahme reduziert sich auf aktuelle Informationen rund ums Wetter.

„Morgen soll es sehr schön werden. 24 Grad und Sonnenschein …“

Lydia ignoriert mich. Derart weltliche Belange durchdringen ihren Schutzschirm nicht, prallen ab, fallen ungehört zu Boden. Sara nickt kurz, Joshua zuckt mit den Schultern, die Unterhaltung geht weiter.

„Seit zwei Wochen ernähre ich mich von Hasenfutter. Salat, Möhre, Apfel und Co., dieser Wahnsinn muss aufhören. Ein großes, saftiges Steak wird meinen Hüften guttun. Meinst du nicht auch, Samuel?“ 

Lydia sitzt mir gegenüber - praktisch nackt. Zwei Stofffetzen, die nun wirklich nicht als Kleidung durchgehen. Sie ist so begehrenswert, so arrogant, so übernatürlich. Ich schaffe es nicht ihr in die Augen zu sehen. Auf ihre Brüste will ich auch nicht starren. Nur, wie soll das gehen? Und warum spricht sie mich an?

„Ähm, ja, bei diesen Temperaturen. Ich denke, ich werde mich für die Brüste entscheiden.“

Weiß der Teufel warum ich so was sage. Dieser hinterhältige Dämon spielt mit meinem Verstand, führt ihn hinters Licht, lässt mich hilflos zurück. Dumm gelaufen, mehr gäbe es dazu nicht zu sagen, hätte ich meine Freunde nicht zum Lachen gebracht. Verlegen nehme ich die Speisekarte, halte sie mir vors Gesicht und tue so, als sei ich nicht da. Der Trick funktionierte als Kind ganz gut. Francesco nimmt die Bestellung auf, nickt zufrieden und verschwindet in der Küche. 30 Minuten später watschelt ein Rudel Kellner mit unserem Essen an. Keine Überraschungen, Basics. Zweimal Roastbeef für die Jungs, zweimal Rinderfilet für die Mädels. Wir lassen es uns schmecken.

Die weiteren Gespräche verlaufen stockend, irgendwie kommt keine Stimmung auf, bis Sara tatsächlich ein kleiner Rülpser entweicht und wir nach kurzem Schweigen herzhaft lachen.

„Sara sagt wenig, aber wenn dann passt alles“, kommentiert Joshua dieses ungezwungene Luft ablassen, hebt sein Glas, bringt den obligatorischen Spruch. 

„Auf den Weltfrieden!“ 

Wir stoßen an, trinken leer, Lydia bestellt eine weitere Flasche Rotwein.

„Ich weiß gar nicht, wem ich noch vertrauen kann. Religionen, Umweltorganisationen, Wirtschaftsbosse und Medien verfolgen eigene Ziele, verschleiern die Wahrheit; die Politiker sowieso. Sportlern schenke ich keinen Glauben, mit all ihrer Korruption, Doping und noch mehr Geld“, beklagt Sara die aktuelle Situation.

„Hört euch mal an, was Joshua zu sagen hat. Er wird uns aus der Finsternis leiten“, melde ich mich spontan zu Wort.

„Joshua würde ich in jede Finsternis folgen“, flüstert Sara leise vor sich hin und erschrickt über ihre ungewollte Offenheit. 

„Wer würde das nicht? Schaut ihn euch an, er ist ein Engel“, fügt sie hastig hinzu.

„Ein verkleideter Teufel“, kontere ich. Ein wenig sarkastisch, zugegeben, fange mich aber gleich wieder und diene unserer Mission.

„Joshua wird eine Botschaft des Lichts verbreiten, eine neue Ordnung.“

Was labere ich da eigentlich? Die Mädels wissen doch noch gar nicht, um was es geht. 

„Ich bin ja der Meinung, Joshuas Fähigkeiten entfalten sich gerade dann, wenn das Licht aus ist“, erwidert Lydia, mit selbstzufriedenem Blick in Richtung Sara. Unmissverständlich untermauert sie ihren Anspruch auf den besten Happen.

„Wir zahlen unsere Steuern, engagieren uns im Ehrenamt, gehen wählen. Und was bekommen wir zurück? Freude? Trost? Sicherheit? Vertrauen? Ein Wir-Gefühl? Die Politik unseres Landes gibt uns einen Arbeitsplatz, verwaltet die Bürokratie. Glücklich machen sie uns nicht. Was wir wollen ist ein neuer Optimismus, eine Stimmung, eine Ära vergleichbar mit der in den frühen 60er Jahren. Eine weltweite Liebe, die in den Lebensmodellen der Hippies gipfelte und mit ihnen unterging. Die Menschen suchten nach glückseligen Ideen, neuen Göttern, anbetungswürdigen Führer. Sie wollten frei sein, sich selbst verwirklichen, vorzugsweise unter zu Zuhilfenahme von halluzinogenen Drogen. Ihre Propheten waren Schamanen, Gurus, die unterschiedlichsten Heilversprecher, die letztlich ein noch größeres Abhängigkeitsverhältnis schufen als die etablierten Religionen. Komischerweise erkannten gerade die Intelligentesten ihrer Zeit diesen Widerspruch nicht und verfielen reihenweise geld- oder machtgierigen Scharlatanen. Diese Fehler korrigieren wir, verbessern die guten Ansätze, stärken die Gleichberechtigung“, überrascht uns Joshua mit seiner Sicht auf die Dinge. Er scheint seine Mission tatsächlich ernst zu nehmen.

„Du bist so ein schlaues Köpfchen.“ 

Stürmisch fällt Lydia Joshua um den Hals und gibt ihm einen übertrieben sinnlichen Kuss, mit Zunge und allen Extras. 

„Ihr seid übrigens herzlich eingeladen! Wir treffen uns am Donnerstag, bei uns in der Bude. Zum Diskutieren über Gott und die Welt“, informiere ich unsere ersten Empfänger der Botschaft.

„Ihr kommt auf Ideen.“ 

Sara schaut mich erstaunt an, nippt am Wein, findet mich zum ersten Mal interessant.

„Joshua hatte eine Eingebung, eine Erleuchtung. Bestimmt erzählte er euch schon davon.“

„Mir nicht“, empört sich Sara.

„Mir schon“, freut sich Lydia.

„Ist ja auch noch total frisch“ versuche ich zu schlichten. 


Joshua - Die Arroganz Gottes

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Mein Hausarzt, Nächstenliebe und giftspuckende Vorzimmerdrachen  Ich war entschlossen meinen Hausarzt zu konsultieren, den Weißen unter den Göttern. Ein kleiner Umweg, mehr auch nicht, parkte ich den Admiral direkt vorm Eingang seiner Praxis in der Fußgängerzone. So viel Fürst muss sein. Ich stolzierte in seine Kathedrale, ignorierte souverän die weißgekleidete Dienerschaft und marschierte zielstrebig in den reichverzierten Thronsaal. Ein kurzes „Servus!“ musste reichen. „Das ist doch abnormal, dass ich unter der Liebe zu meinen Mitmenschen leide! Einer wie ich, der zu Höherem berufen ist!“, regte ich mich auf, machte staatsmännische Gesten und lief im Kreis. Mein Hausarzt blieb ruhig und sagte vorerst nichts. Geschickt wartete er ab. „Wer ist denn jetzt verrückt? Ich oder die? Die oder ich?“, legte ich nach. Gierig nach einer Diagnose, mit anschließender Therapie. Ich brauchte das komplette Programm. Der weiße Gott glotze interessiert, eventuell wegen meiner Aufdringlichkeit, vielleicht weil er Arzt war und schlau genug, den Ernst der Lage zu erkennen. Souverän beruhigte der Herr Doktor die giftspuckenden Vorzimmerdrachen, die im Türrahmen Position bezogen. Verwöhnte Biester, die vor Wut kochten, bereit mir einen tödlichen Cocktail zu spritzen. Ruhig und sachlich beförderte er die Aufregung nach draußen. „Alles in Ordnung!“, versicherte er dem aufgebrachten Personal mit beschwichtigenden Gesten. Nachdem dies geklärt war, widmete er seine Aufmerksamkeit der Beantwortung meiner Fragen. „Rossi! Ich muss dir sagen, so was ist durchaus üblich.“ Mit genau der überheblichen Fresse, die ich so an ihm schätzte, begann er seinen Vortrag. „Verdammt, die nutzen meine Liebe aus. Sowas ist doch pervers! Oder etwa nicht? Wer autorisiert so was?“, unterbrach ich den weißen Gott. Mein Arzt blieb ganz der Alte. Sobald die Lage kompliziert wurde, veranstaltete er nichtssagende Gesten und starrte zu einem imaginären Punkt, irgendwo hinter meinem Rücken. „Nächstenliebe!“, kam aus seinem verfaulten Maul gefallen. Ein Schlagwort, ausnahmsweise nicht Latein und der Laie soll wissen, um was es geht. Musste ich mich mit Krankheiten auskennen? „Was ist das jetzt wieder für ein Rotz - Nächstenliebe?“ Ich benötigte Hilfe und der kam mit seiner Ich-weiß-was-was-du-nicht-weißt-Fassade, die ihm irgendwann das Genick bricht. Einer der Mordwerkzeuge offen rumliegen lässt, sollte vorsichtiger hantieren und sich weniger in Selbstzufriedenheit suhlen. So oder so kostete mich sein Getue schier unmenschliche Überwindung. Liebend gern hätte ich ihm eine der Spitzen direkt ins Auge gejagt. Da hatte ich irgendwie Bock drauf. „Du leidest unter Nächstenliebe!“, antwortete er, knapp vor der Hinrichtung. „Aha“, sagte ich. „Nächstenliebe wurde dir in die Wiege gelegt. Dafür gibt es kein Medikament, Therapie oder Kur, die ich verschreiben könnte. In diesem speziellen Fall musst du dir selbst helfen. Du glaubst … Nein! Du bist der festen Überzeugung, du hättest eine Verpflichtung gegenüber jedem, der sich in dein Leben drängt. Du hilfst diesen Menschen und tust alles für sie. Du opferst dich, so gut du kannst, bis sie dich verlassen, wenn sie selbst stark genug sind. Kraft saugend, leben sie von deiner Energie, bis nur noch ein ausgedrückter Schwamm übrigbleibt“, sagte der Onkel Doktor, mit einer ungewohnt besorgten und väterlichen Stimme. Der alte Mann glotzte mich an, als wäre er mein Vater. „Du leidest an Nächstenliebe! Eine ernüchternde Diagnose, aber so verhält sich diese Krankheit. Anfangs versuchst du den Schwachen zu helfen, verschwendest irrsinnig viel Zeit und Energie, nur um festzustellen, dass du selbst zum Schwächling wurdest. Ein Teufelskreis, aus dem sich nur die wenigsten befreien.“ Schlimme Diagnose und wahrscheinlich meinte es der Mann nur gut mit mir. „Verdammt nochmal! Was kann ich machen?“, bat ich um Rat, den er großzügig verteilte. „Ruhe! Du brauchst Ruhe! Ich schreib dich vier Wochen krank.“ 

Engelhorn - Die wunderbare Sinnlosigkeit der Jugend


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Ich betrete Dr. Asklepios Reich und blicke auf einen frustrierten Menschen, der zusammengesunken vor einem Bildschirm verendet. Ich spreche ihn an.

„Guten Tag, ich möchte zu Dr. Asklepios.“

Der Mensch blickt aus leblosen Augen zu mir auf, fällt jedoch gleich wieder in sich zusammen, stirbt weiter vor sich hin. Ein intimer Moment, den ich eigentlich nicht stören möchte.

„Sind sie krank?“ werde ich gefragt, total überraschend. Der Mensch blickt mich an, mit einer unerträglichen Mischung aus verlogenem Selbstmitleid und unterdrücktem Hass. Ein schwer zu ertragender Anblick.

„Todkrank! Melden Sie mich bitte Dr. Asklepios.“

„Haben Sie einen Termin?“

„Braucht der Tod einen Termin?“ frag ich und hab auch schon die Schnauze voll. Meine Geduld ist aufgebraucht. Ich überlasse den Menschen seinem Schicksal, marschier schnurstracks ins Behandlungszimmer von Dr. Asklepios, ohne anzuklopfen, versteht sich.

„Vier Wochen!“ leg ich ohne Umschweife los. Zeit ist Geld bei Dr. Asklepios, zumindest wertvoller als Gesundheit, soweit habe ich sein System verstanden. Der gewinnorientierte Mediziner füllt sogleich den vor sich liegenden gelben Zettel aus, gibt sich hochkonzentriert und unterschreibt staatsmännisch. Eine Formalität, die so ziemlich genau 30 Sekunden in Anspruch nimmt. Dr. Asklepios reißt die Durchschläge ab, legt einen in ein Fach und überreicht mir vier Wochen Freiheit. Der weiße Gott gönnt mir gar einen kurzen Moment, erinnert sich seines Berufs und scannt fachmännisch meine Pupillen. Augenblicklich weiß er Bescheid über meinen gesundheitlichen, psychischen und seelischen Zustand.

„So schlimm?“

„Ich bin am Ende, richtig tief unten. Einen Scheiß fließe ich durchs Leben und schon gar nicht als reißender Fluss. Ich bin ein ausgetrocknetes Sumpfloch, das den Geiern als Jauchegrube dient“, heul ich Dr. Asklepios die Ohren voll, lauf im Zimmer auf und ab, kurz vor der Krise. Tief Luft holend setz ich mich auf einen Stuhl.

„Außer Liebelei nichts gewesen. Ich steh mit leeren Händen da, schnorr mich durchs Leben. Niemand der mir sagt, was ich tun soll. Ein Reiseführer, irgendwas in der Art.“

Dr. Asklepios lächelt beruhigend, nickt verständig und verfällt in seine alte Macke. Sobald es hart auf hart kommt, glotzt er schwachsinnig an die Decke, als ob hinter den Rigipsplatten ein übersinnliches Wesen haust, von dem er Eingebungen zugeflüstert bekommt. Ich lass ihn gewähren, sitz rum und warte angespannt, während Dr. Asklepios mit dem höheren Wesen kommuniziert, bescheuerte Grimassen zieht und vor sich hin grummelt. Unweigerlich kommt mir der Gedanke, mein Therapeut gehört selbst in Behandlung. Andererseits, warum sollen Wahnsinnige nicht Verrückte behandeln? Ich warte eine unerträgliche Ewigkeit bis Dr. Asklepios erleuchtet genug erscheint mir zu antworten.

„Joshua! Du hast dein Vertrauen verloren, zweifelst und bist vom rechten Weg abgekommen. Die Verlockungen des Lebens schwächten deinen Willen ...“

Pla, pla, pla … seit einer Viertelstunde steht mein Empfang auf Durchzug, kein Ende in Sicht. Dr. Asklepios quatscht in Endlosschleife, hirnloses Zeug übrigens und deutet gelegentlich mit dem Zeigefinger zu besagter Decke. Es geht dem Ende zu, denk ich mir. Sag aber nichts und lass ihn weiter sinnieren.

„… gleichwohl hast du erkannt, dass du auf falschen Pfaden unterwegs bist. Konntest dich aber nicht entschließen, den rechten Weg zu gehen.“

„Weg? Was für ein Weg?“ unterbreche ich Dr. Asklepios geistigen Auswurf. Ich bin verzweifelt und der erfreut sich an seinem Gelaber. Da kann ich gleich einen Geistlichen befragen. 

„Rechts, links, geradeaus oder einfach stehen bleiben? Ich hab keine Ahnung! Und jetzt kommst du mir mit den rechten Weg gehen“, lass ich meinem Frust freien Lauf. In meiner Hoffnungslosigkeit glotz ich gar hoch, zu der ominösen Decke, zu diesem übersinnlichen Wesen. Offensichtlich versteckt sich hinter der Rigipsplatte mehr Kompetenz als hinterm Schreibtisch. Die Lauscher gespitzt, lausche ich und lausche - das höhere Wesen antwortet nicht. Notgedrungen wende ich mich wieder an Dr. Asklepios.

„Wie auch immer, ich brauch vier Wochen.“

Dr. Asklepios glotzt mich missbilligend an. Wahrscheinlich ist er beleidigt, weil ich seinem Gelaber nicht die gewünschte Aufmerksamkeit schenke. Nur, warum sollte ich das tun? Die Möglichkeiten, die ein menschliches Gehirn bietet sind doch arg beschränkt.

„Also, was hast du? Was soll ich als Diagnose schreiben?“ kriegt er gerade noch die Kurve und beweist damit, dass er ein Profi ist.

„Das Übliche: restlos ausgebrannt, die Bude steht in Flammen. Burnout.“

Mein Hausarzt versteht gar nichts mehr, glotzt mich nur mitleidig, fast zornig an.

„Burnout? Du hast nie Feuer gefangen.“ 

Will sich Dr. Asklepios tatsächlich als Psychologe aufspielen oder ist er komplett übergeschnappt? So kenne ich ihn gar nicht.

„Häng dich mal rein! Geh volles Risiko!“ kommt mir der Onkel Doktor, als hätte er sich geradeben eine Überdosis gesunden Menschenverstand direkt ins Gehirn gespritzt.

„Ich komm nicht klar, ums Verrecken nicht“, reg ich mich über meinen und seinen Dilettantismus auf. So hatte ich mir den Termin nicht vorgestellt. Eine unkomplizierte Aktion, dachte ich. Stattdessen werde ich auseinandergenommen, in meine seelischen Einzelteile zerlegt.

„Ganz ruhig! Du machst nichts falsch, aber auch nichts richtig. Was dir fehlt, ist ein Ziel, ein Lebensinhalt“, diagnostiziert der Deckenflüsterer. 

Weiterlesen:

Joshua - Die Arroganz Gottes


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Zusätzliche Informationen

Stephan Rossmann wurde am 03. Juli 1988 in Nürnberg (Deutschland) geboren.

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