Stephan Schuhmacher Zen

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Inhaltsangabe zu „Zen“ von Stephan Schuhmacher

'Zen' ist nicht die Abkürzung für 'Zuhören', 'Entspannen' und 'Nachdenken', wie es uns das Fernsehen suggerieren will: Zen ist eine regelhafte Schule des Buddhismus, ein Programm, das Leben zu bewältigen und sozial zu gestalten, ein Weg zur Erleuchtung, und zwar ein langer und schwieriger. Was ist jedoch ein Koan? Und was bedeutet der Ausruf 'Ho'? Und warum schlägt der Meister seinen Schüler, wenn jener nach dem Sinn des Lebens fragt? 'Diederichs kompakt' gibt die Antworten.

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  • Es gibt nichts, das zu übermitteln wäre. Oder doch?

    Zen
    R_Manthey

    R_Manthey

    25. June 2015 um 10:59

    Dieses unscheinbare kleine Büchlein erzählt und erläutert uns in lockerem Stil die Geschichte des Chan-Buddhismus von seiner Entstehung bis zu seiner Blütezeit. Deshalb müsste es eigentlich "Chan" heißen, aber dann würde es wahrscheinlich keiner kaufen. Für uns ist (das japanische) Zen der mystische Begriff, hinter dem wir Antworten auf uns quälende Fragen nach dem Sinn des Lebens, innerem Frieden und wahrem Glück vermuten. Niemand kann uns befriedigend erklären, was Zen eigentlich ist. Und wenn wir einem Zen-Meister unsere Sinn-Fragen stellen würden, dann erhielten wir wahrscheinlich gar keine oder verwirrende Antworten. Finden wir Antworten in diesem Buch? Natürlich nicht, denn schon Meister Huineng sprach: "Es gibt nichts, das zu übermitteln wäre. Es kommt nur auf die Einsicht in das eigene Wesen an." Aber wir können durch das Lesen und Überdenken des Textes eine Menge lernen. Zum Beispiel, was Chan-Buddhismus ist. Ziel aller Jünger dieser Schule ist die (plötzliche) Erleuchtung, das Loslösen vom "Jedermanns-Bewußtsein" mit seiner dualistischen Denkweise. Weiter kann man diesen Vorgang nicht erklären, denn wir befinden uns in einer paradoxen Lage. Das Loslösen von der Welt der einschränkenden Begriffe und Kategorien und das Verstehen, dass dies intellektuelle Erfindungen sind, die die Wirklichkeit nur sehr bedingt reflektieren, kann nicht durch eine Sprache erläutert werden, die auf der dualistischen (gegenüberstellenden) Sicht der Welt beruht. "Das Unnennbare ist das ewig Wirkliche. Das Benennen ist der Ursprung aller Einzeldinge.", schreibt Laotse im ersten Vers des Tao Te King. Und so kommt es, dass man auf dem Weg zur Erleuchtung sein will, das Ziel aber erst verstehen kann, wenn man es erreicht hat. Vielleicht macht das aber gerade die Attraktivität des Zen insbesondere für die Menschen des Westen aus. Man kann fröhlich in sein Zen hineinprojezieren, was man sich darunter vorstellt. Nach der hervorragend geschriebenen und ebenso gut kommentierten Geschichte des Chan-Buddhismus kommt der Autor im letzten Kapitel ("Nachspiel oder Zen im Westen") treffsicher auf genau diesen Punkt. Er schreibt: "So gibt es denn heute Business-Zen, Therapie-Zen, Krieger-Zen, Wellness-Zen, christliches Zen, sozial engagiertes Zen, Ökologie-Zen, feministisches Zen, Schwulen-Zen, Lesben-Zen, Street-Zen, Gefängnis-Zen, Konzentrationslager-Zen, Dies-und-Das-Zen und alle möglichen >Zen-Künste<. Nur das >Zen in der Kunst des Nasenbohrens< hat bisher noch niemand propagiert." Viele von uns verbinden Zen mit irgendwelchen Sekundärzielen, zum Beispiel "einer gute Sache" oder einem beruflichen oder privatem Ziel. Dazu schreibt der Autor: "Das Engagement für eine >gute Sache< kann sich ... zu einem der geschicktesten Schachzüge unseres gefährlichsten Gegners - unserer selbst - werden und uns erlauben, dem letzten, dem entscheidenden Opfer (nämlich uns selbst) aus dem Weg zu gehen, weil wir doch meinen, schon längst ein sooo spirituelles Leben zu führen." Ich habe durch dieses dünne Büchlein mehr gelernt als durch alle Zen-Bücher, die ich zuvor gelesen habe. Es ist eben wie mit der Erleuchtung - es trifft einen unerwartet und schon gar nicht da, wo wir es vermutet hatten.

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