Stephan Thome Fliehkräfte

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Inhaltsangabe zu „Fliehkräfte“ von Stephan Thome

Frau, Kind, Karriere – Hartmut hat alles erreicht, was er immer wollte. Glücklich ist er dennoch nicht. Und als plötzlich eine Entscheidung ansteht, von der er meinte, sie sei längst getroffen, bricht er auf zu einer alles entscheidenden Reise. Hartmut Hainbach ist Ende fünfzig und hat alles erreicht, was er sich gewünscht hat: Er ist Professor für Philosophie und hat seine Traumfrau geheiratet, die er nach zwanzig Jahren Ehe immer noch liebt. Dennoch ist Hartmut nicht glücklich. Seine Frau ist nach Berlin gezogen, sodass aus der Ehe eine Wochenendbeziehung geworden ist, die gemeinsame Tochter hält die Eltern auf Distanz, der Reformfuror an den Universitäten nimmt Hartmut die Lust an der Arbeit. Als ihm überraschend das Angebot zu einem Berufswechsel gemacht wird, will er endlich Klarheit: über das Verhältnis zu seiner Tochter, über seine Ehe, über ein Leben, von dem er dachte, dass die wichtigen Entscheidungen längst getroffen sind.

Langatmig und dröge. "Hohe" Literatur im schlechtesten Sinne.

— ElyseoDaSilva
ElyseoDaSilva

Ein stiller, nachdenklicher Roman über das Leben, seine Grenzen und Möglichkeiten. Reine Poesie!

— leselea
leselea

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  • LovelyBooks Challenge Buchpreise 2017

    Widerfahrnis
    Ginevra

    Ginevra

    Challenge Buchpreise Liebe Lovelybookerinnen und Lovelybooker, lest auch Ihr gerne anspruchsvolle, womöglich sogar preisgekrönte Bücher? Interessiert Ihr Euch für die Long- und Shortlists diverser Buchpreise? Habt Ihr Lust, gemeinsam unterschiedliche Literatur- Preisträger kennenzulernen und sich hier darüber auszutauschen? Dann ist diese Challenge genau das Richtige für Dich! Hier die Regeln: Es gelten Bücher, die mindestens einmal auf einer Long- oder Shortlist für einen renommierten Buchpreis aufgetaucht sind, oder diesen sogar gewonnen haben.  Bei Preisen für das Gesamtwerk eines Künstlers/ einer Künstlerin gilt jedes Buch aus dem Gesamtwerk, auch nach der Preisverleihung erschienene Werke. Ganz wichtig: das Erscheinungsjahr ist dabei egal!  Hier werden einige Buchpreise vorgeschlagen, aber da es beinahe unzählige gibt, wird es Unterrubriken nach Genre geben. Es ist dabei egal, wieviele Bücher pro Liste gelesen werden. Wichtig ist in erster Linie der Austausch – und der Spass! Du darfst Dir ein persönliches Ziel setzen: 5, 10, 15 oder 20 Bücher! Wie funktioniert es praktisch? 1. Melde dich bitte mit einem Sammelbeitrag unter der entsprechenden Rubrik an! Der Sammelbeitrag wird in der Teilnehmerliste verlinkt, so dass Du ihn schnell wiederfindest. 2. Der Einstieg ist jederzeit möglich. Und du kannst dich natürlich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts. 3. Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und poste den link dazu in Deinem Sammelbeitrag. 4. Bitte beachten: Die Liste der Buchpreise erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, für alle weiteren Buchpreise gibt es die Rubrik „Sonstige“. 5. Anregungen findest Du u. a. auf folgenden links: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Literaturpreisen www.literaturpreisgewinner.de http://www.deutscher-buchpreis.de/ http://themanbookerprize.com/ http://academie-goncourt.fr/ http://www.norden.org/en/nordic-council/nordic-council-prizes/nordisk-raads-litteraturpris Hier noch ein interessanter link für verschiedene Krimipreise: http://www.das-syndikat.com/krimipreise.html Nimmst du die Herausforderung an?Ich freue mich auf viele Anmeldungen! TeilnehmerInnen (ist hier eigentlich auch ein Mann dabei??): Bellis-Perennisblack_horse Buchraettin Buecherwurm corsicana dia78 erinrosewell Ginevra Gruenente gst Gwendolina Harlequin Jary krimielse leselea lizzie123 marpije miss_mesmerized Orisha schokoloko29 Sikal StefanieFreigericht sursulapitschi wandablue Wedma

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  • Fliehkräfte

    Fliehkräfte
    schokoloko29

    schokoloko29

    12. March 2017 um 15:13

    Hartmut Hainbach kann eigentlich sehr zufrieden mit seinem Leben sein. Er hat seine Traumfrau geheiratet, arbeitet als Philosophie- Professor in der bonner Universität und hat eine Tochter, die jetzt in Hamburg und dann in Santiago studiert. Doch dies ändert sich als seine Frau beschließt, nach 20 Jahren Hausfrauen- Dasein, zu arbeiten; und zwar in Berlin. Die Ehe ist also wieder eine Wochenend- Beziehung mit vielen Telefonaten und Mißverständnissen. Er ist darüber sehr unglücklich. Er vermisst seine Frau und fühlt sich einsam.Dann bekommt er ein Job- Angebot in Berlin, was für ihn bedeutet, dass er seine Proffesur in Bonn aufgeben und das Haus in Bonn verkaufen muss. Also ein Neuanfang. Er ist so überfordert mit der Entscheidung, dass er mit seinem Auto quer durch Europa fährt. Er trifft seine alte Liebe Sandrine. Spricht mit einem alten Arbeitkollege, der seine Laufbahn in der bonner Uni aufgegeben hat und redet mit seiner Tochter über diese Option. Es ist also eine Abrechnung mit seinem Leben und seiner Ehe und er fragt sich, ob diese Ehe es wert ist alle Sicherheiten, die er hat aufzugeben, für diese Frau.Eigene Meinung:Für mich war das wieder ein ganz besonderes Buch. Der Autor besitzt eine ganz besondere Erzählstil. Er bringt diese ganz besondere Thematik ganz toll rüber. Leider war es für mich an einigen Stellen etwas langatmig. Trotzdem ein tolles Buch!

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  • Das bürgerliche Mittelstandsleben als Auslaufmodell?

    Fliehkräfte
    Corsicana

    Corsicana

    23. March 2015 um 14:25

    Stephan Thome hat mit seinem Roman "Fliehkräfte" ein Buch über ein recht typisches Leben im Mittelstand geschrieben. Der Protagonist   Hartmut Hainbach hat es aus recht kleinen Verhältnissen zu einer Professur für Philosophie in Bonn gebracht.   Sicherlich gab es noch andere Pläne für sein Leben: Dozent an einer amerikanischen Uni, ein Leben in Amerika mit einer französischen Freundin, eine Stelle in Berlin statt in der Bonner Provinz - aber wie das Leben so spielt - irgendwo gibt es immer Gegebenheiten und Weggabelungen - und dann läuft es irgendwie anders. Und eigentlich scheint es ein recht gutes Leben gewesen zu sein. Bis die Tochter zum Studium aus dem Haus geht und die Ehefrau beschließt, sich jetzt selbst zu verwirklichen und nach Jahren als Hausfrau eine Stelle in Berlin am Theater annimmt. Damit kommt der Protagonist nicht klar - und geht auf eine Reise nach Portugal, in das Geburtsland seiner Frau - was ihn zum Nachdenken über sein Leben bewegt. Dieses Nachdenken wird auf sehr kunstvolle Weise mit sehr vielen verschachtelten Rückblenden erzählt. Das verlangt dem Leser einiges ab und ist anspruchsvoll geschrieben - auch wenn es immer nur um alltägliche Dinge geht, die eigentlich jeder kennt.  Und das ist auch das Interessante am Buch: Eigentlich geht es um ganz normale Menschen. Menschen, die einmal viele Ideen und Ideale hatten - nun aber feststellen müssen, dass doch vieles anders gelaufen ist. Und dass einiges nicht mehr möglich ist. Und dass man vielleicht zwischendurch die Menschen um einen herum aus den Augen verloren hat - auch wenn sie im gleichen Haus lebten. Wie kann es sonst sein, dass die Hauptperson anscheinend nicht merkt, welche Geheimnisse die Tochter vor ihm verbirgt und welche Langweile und Frustration die Ehefrau durch ihr Leben als Hausfrau hatte? Im Grunde ein typisches Mittelstandsthema. Und vielleicht auch ein Abgesang auf die klassische Ehe mit Versorger und Hausfrau - und allen daraus entstehenden Problemen. Aber eigentlich wertet der Autor nicht - sondern beschreibt und seziert, erzählt einmal in der Rückblende und dann im Jetzt - und mal dadurch ein gutes Bild der deutschen bürgerlichen Mitte. Die sich zwar von den 68ern und den Grünen beeinflussen lässt - im Grunde genommen aber doch ein sehr spießiges Leben lebt. Interessant ist, dass Thome 2015 den Roman "Gegenspiel" veröffentlicht hat. Der die Situation aus der Sicht der Ehefrau zeigt. Gerade durch diese Darstellung wird deutlich, wie sehr Paare und Familien doch nebeneinander her statt miteinander leben können und wie recht selten doch die wirklichen Begegnungen miteinander sind. Daher: Ein Roman über einen gar nicht so sonderlich sympathischen Protagonisten. In dem jedoch jeder (leider?) einen Teil seines eigenes Umfeld entdecken kann. Geschrieben in einer sehr klaren und doch poetischen Sprache.  Für mich große Kunst.

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  • Verspätete männliche Midlife-Crisis.

    Fliehkräfte
    UteSeiberth

    UteSeiberth

    07. January 2015 um 18:16

    Hartmut Hainbach ist Ende fünfzig und überdenkt plötzlich sein bisheriges Leben.Er ist Professor für Philosophie, verheiratet und hat eine halbwüchsige Tochter.Die zunehmenden Querelen an der Uni nerven ihn und er möchte sich beruflich verändern.Seit seine Frau an einem Theater in Berlin arbeitet,seine Tochter auszieht,kommt er sich einsam und verlassen vor.Mit ehemaligen Kollegen spricht er meines Erachtens endlos über vergangene außereheliche Beziehungen,die mir dann einfach zu lang und zuviel wurden.Ich glaube,diese männliche Midlife-Crisis ist typisch für unsere heutige Gesellschaft, aber 100 bis 200 Seiten weniger wären mehr gewesen!

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  • Ein grundsolider Roman, der besonders durch seine Sprache berührt.

    Fliehkräfte
    leselea

    leselea

    07. June 2014 um 20:08

    Das ist es, was du tun musst, dich entscheiden und das Beste daraus machen. Nicht vorher wissen wollen, was du erst hinterher wissen kannst. Der Bonner Philosophieprofessor Hartmut Hainbach ist in seinem Leben angekommen: Er arbeitet nicht nur in seinem Traumberuf, sondern führt mit seiner großen Liebe auch ein harmonisches Familienleben. Doch seitdem seine Tochter flügge geworden ist und Hartmut und seine Frau Maria auf Grund von Marias Berufstätigkeit eine Wochenendbeziehung führen müssen, fühlt er sich einsam und unglücklich. Ein Angebot zu einem Berufswechsel bringt Hartmut dann vollends ins Wanken: Wollte er nicht immer Professor werden? Kann man mit über 60 Jahren überhaupt neu anfangen? Würde der neue Job wirklich seine Ehe retten? Sind sie überhaupt noch glücklich? Hätte es nicht anders kommen sollen? Um Antwort auf diese unzähligen Fragen zu finden, unternimmt Hartmut eine Reise. Er besucht seine Jugendfreundin in Paris, einen ehemaligen Arbeitskollegen in Südfrankreich, seine Tochter in Santiago und landet schließlich mit der ganzen Familie in Portugal. Diese Reise enthüllt nicht nur bislang unbekannte „Geheimnisse“ seiner Familienmitglieder, sondern zwingt Hartmut auch dazu, sich mit seinem Leben und seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen. Stephan Thome legt mit Fliehkräfte einen stillen und nachdenklichen Roman vor. In Einschüben und Rückblenden skizziert er die wichtigsten Eckpunkte in der Biographie seines Protagonisten. Während auf der Handlungsebene – abgesehen von der oben angesprochenen Reise – nicht viel passiert, nehmen Hartmuts Gedankengänge auf den nahezu 500 Seiten an Fahrt auf, schweifen ab, philosophieren, entwerfen Was-wäre-wenn-Szenarien und landen doch immer wieder im Hier und Jetzt. Die Sprache, in der dem Leser diese dabei präsentiert werden, ist dabei reine Poesie: Malerische und berührende Sätze lassen nicht nur die traumhafte Landschaft, durch die Hartmut reist, vorm inneren Auge des Lesers entstehen, sondern ziehen ihn auch in Hartmuts Kopf rein, sodass der Leser mitfühlt, mitdenkt und auf der gemeinsamen Reise mit dem Protagonist das Für und Wider abwägt. Der Roman regt den Leser zum Nachdenken an, ohne dabei aber aufdringlich zu werden und sich in zu großen philosophischen Fragen zu verstricken. Mit der Figur des Hartmut Hainbachs entwirft Thome dabei eine Figur, mit der man sich zwar nicht unbedingt identifizieren kann, dessen Geschichte aber mitten aus dem Alltag stammt und daher realistisch und nachvollziehbar wirkt. Das offene Ende ist dabei ein logischer und passender Abschluss für einen tollen Roman, der lediglich an einigen Stellen etwas kürzer hätte ausfallen können.

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  • Buch-Assoziationen - Bücher passend zu Substantiven, Adjektiven und Verben lesen!

    Die Verratenen
    Daniliesing

    Daniliesing

    Hallo ihr Lieben, gerade hatte ich spontan eine Idee und vielleicht haben ja ein paar Lust dabei mitzumachen! In diesem Thema soll in jeder Woche ein anderes Wort im Mittelpunkt stehen. Dieses Wort kann eigentlich jeder Art sein, egal ob Substantiv, Adjektiv, Verb, Farbe etc. - dabei ist nur wichtig, dass man dazu gut etwas assoziieren kann. Für die erste Woche, die am 3. Mai startet, gebe ich als Wort "Muster" vor. Wenn ihr Lust und Zeit habt, dann könnt ihr in dieser Woche ein Buch beginnen, das hierzu passt. Wie ihr das Wort "Muster" für euch interpretiert, bleibt euch dabei natürlich überlassen. Hat das Cover vielleicht ein bestimmtes Muster oder handelt eine Figur im Buch nach einem bestimmten Muster? Das vorgegebene Thema soll einfach als Anregung dienen, sich vielleicht mal ein passendes Buch vom Stapel ungelesener Bücher (= SuB) zu schnappen! Natürlich soll es viele verschiedene Wörter für Buch-Assoziationen geben - genauer gesagt für jede Woche eins! Wer hier gern mitmachen möchte, kann also direkt auch ein Wort vorschlagen. Die vorgeschlagenen Wörter würde ich einfach in der Reihenfolge eurer Anmeldungen oben für die einzelnen Wochen eintragen. Wer mitmachen möchte, muss das selbstverständlich nicht in jeder Woche tun, sondern ganz so, wie man Spaß daran hat. Wenn ihr euch über die Bücher, die ihr gerade zu einem bestimmten Assoziations-Wort lest, austauschen möchtet, dann tut das bitte immer im zugehörigen Unterthema oben. Einfach auf das Thema klicken und dort eure Beiträge schreiben :-) Falls ihr Fragen und Ideen habt, richte ich dafür auch ein extra Thema ein. Nun wünsche ich uns ganz viel Spaß!

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  • Rezension zu "Fliehkräfte" von Stephan Thome

    Fliehkräfte
    Marena

    Marena

    19. February 2013 um 15:11

    Hat mir sehr gut gefallen. Im letzten Teil des Buches hat er meiner Meinung nach "bissele geschludert"

  • Rezension zu "Fliehkräfte" von Stephan Thome

    Fliehkräfte
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    10. October 2012 um 16:08

    In seinem neuen, wieder für den Deutschen Buchpreis nominierten Roman „Fliehkräfte“ erzählt der in Biedenkopf in Hessen geborene Stephan Thome von einem Philosophieprofessor, dessen Leben und dessen Ehe aus den Fugen geraten sind, und der, seiner Vergangenheit nachdenkend und seiner Zukunft entgegenpilgernd, versucht, den „Fliehkräften“, die ihn und sein Leben auseinanderzureißen drohen, Einhalt zu gebieten. Wie schon die Hauptperson in Thomes gefeierten Debütroman „Grenzgang“ stammt auch Professor Hartmut Hainbach aus der oberhessischen Heimatstadt von Thome, die hier wie dort Bergenstadt heißt. Hartmut Hainbach ist Ende fünfzig, seine Tochter ist erwachsen geworden, und lebt in Santiago de Compostela mit einer Freundin zusammen. Gegen Ende des Buches wird sie ihren Vater über die wahre Natur dieser Freundschaft aufklären. Hartmuts Frau Maria stammt aus Portugal, wo die Familie über viele Jahre jeden Sommer verbracht hat. Doch seit zwei Jahren hat sie die gemeinsame Wohnung in Bonn verlassen, wo Hartmut Hainbach seit vielen Jahren eine Philosophieprofessur innehat. Sie lebt in Berlin und arbeitet dort als Assistentin und auch zeitweise Geliebte eines außergewöhnlichen Theaterregisseurs. Unglücklich über diesen Zustand, versuchte Hartmut Hainbach bislang vergeblich sich beruflich zu verändern. Da kommt ihm ein Angebot des Eigentümers eines wissenschaftlichen Verlags in Berlin gerade recht, wo er das philosophische Programm ambitioniert betreuen soll. Hartmut Hainbach weiß nicht, wie er sich entscheiden soll, nicht zum ersten Mal in seinem Leben. Er fragt sich, ob seine Frau überhaupt möchte, dass er nach Berlin kommt. Kann er aus seinem Vertrag an der Uni Bonn heraus? Wird er nicht erhebliche Teile seines Pensionsanspruchs verlieren? Das sind nur wenige der Hunderten von Fragen, die Stephan Thome seinen Protagonisten in diesem Roman immer wieder stellt. Fragen, die manches Mal keine Antwort finden und im Raum stehen bleiben. Hartmut Hainbach hält die unklaren Lebensverhältnisse nicht mehr aus. Er setzt sich in sein Auto, verlässt Bonn und bricht zu so etwas wie einer Pilgerreise auf, bei der ihm und dem Leser sein ganzes bisheriges Leben vor Augen geführt wird. In Paris trifft er seine erste große Liebe wieder, in Südfrankreich besucht er einen ehemaligen Bonner Kollegen, der vor Jahren schon der Uni aus Frust über den unsäglichen „Bologna-Prozess“ den Rücken gekehrt hat und am neuen Ort ein Weinlokal betreibt. Überall dort erhofft er sich Antworten und wird doch immer nur mit neuen Fragen konfrontiert. Wie auf einem echten Pilgerweg eben. Schon hier und erst recht auf seiner Weiterfahrt nach Portugal zu den Verwandten seiner Frau und seiner Tochter wird nicht nur ihm, sondern auch dem Leser deutlich, dass das Leben eines Menschen mehrere Anfänge hat, dass es aus Abschnitten besteht, die jeweils ihren eigenen Beginn, ihr eigenes Ende und ihren eigenen Sinn haben, auch wenn der sich nicht immer sofort und oft erst unter Schmerzen erschließt. Sehr geschickt wechselt Stephan Thome die Zeitebenen und lässt seinen Protagonisten immer klarer werden, ohne dass er gleich die Antwort auf seine Fragen wüsste. Aber er macht sich immer weniger selbst etwas vor, lässt seine Verzweiflung zu und kommt so langsam sich selbst und in der Folge dann auch den Menschen, die er liebt, wieder näher. Immer mit der Maxime: „Manchmal ist es besser, einen falschen Schritt zu tun, statt grübelnd auf der Stelle zu treten.“ Es sind solche Weisheiten und die schon erwähnten unzähligen Fragen, mit denen Thome nicht nur seine Hauptfigur auf einen neuen Weg bringt, sondern auch den Leser, wenn der nur kritisch genug die Parallelen zu seinem eigenen Leben spürt, erheblich ins Nachdenken bringt. Was kann Literatur mehr leisten? Ein großer, empfehlenswerter Roman, der zu Recht die Nominierung für den Dt. Buchpreis verdient hat, auch wenn ihm das dieser Tage manche Kritiker absprechen.

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  • Rezension zu "Fliehkräfte" von Stephan Thome

    Fliehkräfte
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    27. September 2012 um 10:58

    Noch einmal ganz anders? „Jetzt wird die Welt um ihn herum nur still, und er ist glücklich“. Eine Stille, die der Hauptfigur des neuen Romans von Stephan Thome, dem auf die 60 zugehenden Philosophieprofessor Hartmut Heimbach aus Bonn, an sich nur selten gegeben ist. Und in seiner konkreten Situation jetzt sehr weit entfernt scheint. An seinen Karrierewünschen zwar nicht gescheitert, aber am „falschen Ort“. In Bonn wollte er eigentlich nicht jahrzehntelang Professor sein, eher in Berlin. Und scheiterte knapp davor, wie in so manchem anderem im Leben. Aus einfachen Verhältnissen stammend, mit einem schwierigen Verhältnis zum Vater von früh an belastet, wusste er zwar immer, wo er „irgendwie“ im Äußeren hin will. Aber innere Ruhe? Höchstens äußere Formen des gleichförmigen Lebens kennt er. Was nun auch in Unordnung gerät. Denn seine Frau hat eine Stelle in Berlin angenommen. Im vorgerückten Alter somit ein Strohwitwer. Mit einem Angebot. Auch er könnte in Berlin neu beginnen. Als Verlagsangestellter Geht das? Ein so großer Einschnitt? Und lohnt sich das überhaupt noch, auch für die Ehe? Wenn da doch nicht immer so eine Art Filter wäre, die ihn sich selbst, seine Emotionen, seine eigene Persönlichkeit oft nur wie durch Watte spüren lassen würde. Und doch spürt er immer wieder die innere Angst, an sich, an seinem „eigentlichen“ Leben vorbeizuleben. Wie die Großmutter, die verbittert jahrzehntelang in der hessischen Provinz nur aus dem Fenster schaute. Aber was ist sein Leben? Für ihn, der das geschliffene Wort und den geschärften Blick für die Schwächen der anderen wie eine Schutzwand zu nutzen bestens versteht? Dem aber Empathie schwierig ist, auch sich selbst gegenüber. Aber ist er gescheitert? An vielem durchaus, was das äußere und innere Erleben mit den Seinen angeht. „Insgeheim hofft er darauf, dass jemand die Inszenierung beendet“. Dieser Satz in einer konkreten Situation scheint das eigentliche Programm, die eigentliche Hoffnung und Aufgabe für ihn zu sein. Wie ein Thema über das Buch könnte man diesen Satz verstehen. Und Stephan Thome schickt seinen Professor auf eine Reise, innerhalb derer seine „Inszenierungen“ überprüft werden. Und nicht nur seine. Bei seiner ersten Liebe in Paris. Bei seinem wohl einzigen ehemaligen „Freund“ am Atlantik. Im Gespräch mit seiner Tochter, in dem so manche „Inszenierungen“ von alleine zusammenbrechen. Immer wieder in Satzfetzen mit seiner Frau (auch deren Scheitern ist ein Thema im Buch) und, das bleibt nicht aus, wenn die Gedanken schweifen, in vielen Rückblicken, Eindrücken, Reflektionen des Verhältnisses zu seiner Familie. Nicht einfach ist das, was Thome da an Desillusionierung, an innerem Scheitern, an konkreten Vorhaltungen in den Raum setzt, in seinem Resümees eines äußerlich bürgerlich erfolgreichen Lebens mit zu wenig innerer Füllung und Kontakt zu sich selbst. Und doch wird es Momente geben, an denen „es still wird und er glücklich ist“. „Man ist nie zu alt, sich zu verändern, oder? Ich meine echte, grundsätzliche Veränderung“. „Nein, theoretisch nicht“. Aber praktisch? Das ist die Frage des Autors, die sich durch diese sprachlich ganz hervorragend erzählte Geschichte zieht. In einer Sprache, die den Leser unmerklich und immer mehr hinein nimmt in eine innere Lebens-Tristesse, aber auch in ganz langsame Erkenntnisse und kleine innere Befreiungen. In guter Weise widersteht Thome dem, beim Beruf seiner Hauptfigur naheliegenden Impuls einer philosophischen Betrachtung. Auch der Beruf ist eher Quelle der Bedrängung. Ein Lebensstil eben, der eher der Angst und nicht den eigenen Sehnsüchten geschuldet ist. Was der Professor schmerzlich erkennen muss in jenen Szenen, in denen klar wird, warum seine Frau den Schritt nach Berlin gegangen ist. Und wie wenig er oft von den engsten Menschen um ihn herum wirklich verstanden, auch nur gesehen hat. Da hilft auch nicht der (ebenfalls scheiternde) Versuch, in den Armen einer anderen kurzfristige Entlastung zu finden. Stephan Thome gelingt es, in unprätentiöser, fast nüchterner Form die „Fliehkräfte“ des Lebens seiner (jeder und jede für sich gelungenen) Protagonisten präzise aufzuzeigen und dem Leser emotional nahezubringen. Ob und wieweit sich diese Fliehkräfte „beruhigen“ oder „in Einklang“ bringen lassen, darf in Momenten als gelungen betrachtet werden, auf die große Strecke eines Lebens aber eher nicht. Scheitern ist Teil dieses „Zerrens der Kräfte“, die immer wieder den gemächlichen Lebensfluss der Gewohnheiten durchbrechen werden. Ein intensives und nachhallendes Buch menschlicher Entwicklung, des Suchens des eigenen Inneren (in jedem Alter) und des Scheiterns des Versuches eines rein äußerlichen, klassisch bürgerlichen Lebens.

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  • Rezension zu "Fliehkräfte" von Stephan Thome

    Fliehkräfte
    FriediM

    FriediM

    21. September 2012 um 19:11

    Mit Stephan Thomes Roman “Fliehkräfte”, welcher diesen Monat erschienen ist, gelingt es dem Suhrkamp Verlag ein drittes Buch in die Shortlist des Deutschen Buchpreises 2012 zu bringen. Die Geschichte um den Philosophieprofessor Hartmut Hainbach skizziert in erster Linie ein Erlebnis, was in der Romanwelt mit Sicherheit nicht neu ist, dem Autor gelingt es jedoch zweierlei Reisen des Protagonisten in einer einzigen zu verbinden. Wenn man in seinem Leben alles erreicht hat und plötzlich vor einer großen Entscheidung steht, fällt diese einem sicherlich nicht leicht. Hartmut Hainbach ist zwar verheiratet, führt jedoch seit einiger Zeit eine immer distanzierter werdende Fernbeziehung zu seiner Frau – er doziert in Bonn, sie schauspielert in Berlin. Mit seiner Stelle als Dozent ist er eigentlich sehr zufrieden, seine Tochter Philippa studiert in Hamburg und absolviert derzeit einen Sprachkurs im spanischen Santiago de Compostela. Hartmut steht vor der Wahl – soll er das gemeinsame Haus verkaufen und seiner Frau Maria zuliebe einen schlechter bezahlten Job in Berlin annehmen oder sie lieber doch verlassen? Um seine Entscheidung zu treffen reist er von Bonn über Paris bis in die spanische Pilgerstätte in der seine Tochter derzeit lebt, um sich nicht nur über seine Entscheidung klar zu werden, sondern auch sein nicht ganz perfektes Leben noch einmal Revue passieren zu lassen. Die eigentliche Reise dient Hartmut im Prinzip nur als Mittel zum Zweck, denn gerade dadurch, dass er Personen und Orte aus vergangenen Zeiten wiedertrifft fühlt er sich an seine Erlebnisse zurückerinnert, ganz gleich ob es sich um die mit seiner Frau handelt, die Bekanntschaft eines alten Freundes der nun in Frankreich lebt oder die eigene französische Exfreundin die er in Amerika kennengelernt hat handelt. Gerade dadurch, dass die Geschichte um den Philosophen zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit hin und her pendelt, liegt die volle Konzentration des Lesers bei Hartmut, der uns in seiner Gedankenwelt beinahe sein gesamtes Leben präsentiert, womit sich auch ganz klar immer die Frage stellt ob er seine portugiesische Ehefrau noch liebt oder noch lieben kann, und vor allem ob er sich für ein weiteres gemeinsames Leben für sie entscheiden kann. Im Grunde geht es immer um die Familie, und so ist es kein Wunder, dass Hartmut sich für eine spontane Reise zu seiner Tochter entscheidet – die ebenfalls mit einer Überraschung auf ihn wartet. Der Protagonist dieses Romans hat vieles mit dem Autor gemeinsam, denn beide haben Philosophie in Berlin studiert und stammen aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf, Thome weiß also ganz genau wovon er schreibt, denn beide Orte spielen auch im Roman eine kleine Rolle. Mit seinem aktuellen Werk “Fliehkräfte” ist es der zweite Versuch den Deutschen Buchpreis zu gewinnen, denn mit seinem Roman “Grenzgang” war er bereits 2009 in der Shortlist vertreten. Gute Voraussetzungen, denn sein neuer Roman gefällt wirklich ausgesprochen gut, auch wenn die Handlung einer Reise in die Vergangenheit nicht gerade neu ist. Mit vielen Denkansätzen und Impressionen versehen liest sich “Fliehkräfte” wie eine würdige Hommage an das unvollkommene Leben, konstruiert mit einer Reise, ähnlich wie selbst Hemmingway sie in “Über den Fluss und durch die Wälder” konzipiert hat. Ob der Finalist Thome den Deutschen Buchpreis 2012 gewinnt, wird sich am 8. Oktober herausstellen, man darf also gespannt sein. Mehr auf meinem Blog: vitrinenglas.wordpress.com

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  • Rezension zu "Fliehkräfte" von Stephan Thome

    Fliehkräfte
    HeikeG

    HeikeG

    10. September 2012 um 09:36

    "Ich will nur sichergehen, dass wir es sind, die unser Leben bestimmen. Nicht die Umstände" oder Der Mythos des Gegebenen . "Ein katholischer Priester, ein protestantischer Pfarrer und ein jüdischer Rabbi diskutieren die Frage, wann menschliches Leben beginnt. Der katholische Priester zögert keine Sekunde und sagt: Mit der Zeugung. Menschliches Leben beginnt mit der Zeugung. Der Protestant überlegt einen Augenblick, dann kommt er zu dem Schluss: Nein, menschliches Leben beginnt erst mit der Geburt. Schließlich schauen beide den Rabbi an, der ziemlich lange überlegt und den Kopf hin und her bewegt, bevor er antwortet. Menschliches Leben beginnt, wenn die Kinder aus dem Haus sind." Dieser Witz nimmt in Stephan Thomes neuem Roman eine besondere Rolle ein, bildet er doch auf karikaturistische Art und Weise das Rahmengerüst des für den Deutschen Buchpreis 2012 nominierten Werkes. . Die Tochter von Hartmut Hainbach, einem Philosophieprofessor Ende fünfzig und seiner zehn Jahre jüngeren portugiesischen Frau Maria, ist flügge geworden und in die weite Welt entflogen. Auch Maria wohnt nicht mehr im gemeinsamen Haus in Bonn. Sie arbeitet als rechte Hand eines exzentrischen Theaterregisseurs in Berlin. "Eine Wochenendehe führen heißt im Diskontinuum leben und verlangt nach schneller Auffassung und Anpassung. (...) Ihn haben die vergangenen zwei Jahre gelehrt, dass Liebe ein schwaches Argument sein kann. Schwächer als einsame Nächte, die Frustration über ihr abgeschaltetes Handy oder das merkwürdige Gefühl beim Betreten von Marias Wohnung." Dieser Umstand führt zunehmend zu Spannungen im Seelenleben des Philosophen, der mehr und mehr mit dem Gefühl lebt, "seiner Frau hinterherzusehen". Sich in beruflichen Stress und Einsamkeit ergebend, merkte er lange Zeit gar nicht "wie groß sein Verlangen geworden war, selbst vorauszufahren." Erste Veränderungsgedanken durchziehen ihn. Soll er das Angebot eines Freundes annehmen und ebenfalls in Berlin beruflich einsteigen? "Was an einem Leben sind die veränderbaren Teile? Wo fängt man an?" Doch schon bald stellen sich erste Zweifel ein. Will seine Frau dies überhaupt? Ist sie wirklich nur der Arbeit wegen nach Berlin gezogen? Nach einigen Zwischenfällen hat Hainbach das dringende Bedürfnis, einfach mal raus zu müssen. Spontan setzt er sich ins Auto und fährt los: quer durch Südwesteuropa nach Portugal, zur Verwandtschaft seiner Frau. . Gerade unlängst lief ein britischer Rentner 1000 Meilen in seinem breit angepriesenen Werk literarisch ins Leere. Nun versucht sich also auch noch Stephan Thome, der es 2009 mit seinem achtungsvollen Debütwerk "Grenzgang" auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises schaffte, an einer Pilgerreise? Doch dem deutschen Autor gelingt es auf wunderbare Art und Weise alle Klischees gekonnt zu umfahren. Thome erzählt in seinem raffiniert konstruierten Roman, der gekonnt durch die Zeiten springt, dass menschliches Leben nicht nur ein Mal beginnt, da es aus Phasen besteht, die alle ihren eigenen Beginn haben. In wechselnden Kapiteln und feingliedrigen Episoden mit viel Tiefenschärfe, in einfachen Sätzen, knappen Dialogen und feinfühlig herausgearbeiteten Charakterstudien lässt er den Leser an dem festgefahrenen Leben von Hartmut Hainbach teilhaben, das dieser mehr und mehr reflektiert und analysiert. Meilensteine aus der Vergangenheit fungieren auf seiner Reise erneut als Kreuzungspunkte oder Weggabelungen. Er besucht seine erste große Liebe Sandrine in Paris und einen ehemaligen Kollegen in Südfrankreich. Aber auch völlig Fremde wie die holländische Marijke, die ihrem Verlobten davongelaufen ist und Hainbach eine Strecke des Weges begleitet, tragen zu direkten oder subtilen Anstößen bei. Durch diese Energiezufuhr beschleunigt sich sein Gedankenfluss und erzeugt durch seine Höhen und Tiefen ungeahnte Fliehkräfte. Genau wie bei einer Fahrt in der Achterbahn wirken sie im Tal mit doppelter Schwere und einem Gefühl extremer Bleiernheit. Geht es bergauf, kehrt sich ihre Wirkung um. Auf dem "Gipfel" ziehen sie ihn für einen kurzen Moment gen Himmel und ein schwereloses Gefühl stellt sich ein. . "Fliehkräfte" ist ein fragendes Buch. "Kann man einen Ort vermissen, an den man nicht zurück will? (...) Kann man sich an einen Ort sehnen, an dem nie gewesen ist?" Gibt es so etwas wie den Sog des Unvorstellbaren? Gehört ein Risiko einzugehen zum Leben dazu und lohnt es auch dann, wenn es schiefgeht? Kann sich Hainbach ein Leben ohne seine Frau vorstellen? "Zu was schließlich summieren sich Momente? (...) Eines kann der Fall sein oder nicht der Fall sein und alles Übrige gleich bleiben. (...) Konnte es das wirklich, oder war es im Gegenteil so, dass alles anders wurde, wenn eins sich änderte?" Ist diese Fahrt letztendlich vielleicht auch nur ein Weglaufen vor sich selbst? Und was ist eigentlich die geheime Triebfeder des Lebens, dessen Impulsgeber? "Worin besteht dieses nicht fassbare, sich ständig wandelnde Etwas, das die Gestalt von Liebe und Ehrgeiz, von Sehnsucht wie von Lust annehmen kann, und das beinahe alles zu können scheint außer einem: aufhören." Die Antworten serviert Stephan Thome allerdings nicht in bissfertigen Häppchen, übersichtlich angerichtet auf einem Tablett. Die muss sein Protagonist, als auch der Leser, individuell finden. Eines ist jedoch klar: "Manchmal ist es besser, den falschen Schritt zu tun, statt grübelnd auf der Stelle zu treten." . Fazit: Ein Satz aus seinem Erstling "Grenzgang" umreißt auch die Grundstruktur des neuen Romans von Stephan Thome: "Das hier mag der Anfang oder das Ende sein, der Aufbruch oder das Ziel. Aber alles passiert, wenn es passiert, zum ersten Mal. (...) Was es allenfalls gibt, sind Kreuzungen in Raum und Zeit, und wenn man dort steht, sieht man einen Moment lang alles: die Wege, die man gegangen ist, die anderen, die man hätte gehen können, und die ganz anderen, an die man nie gedacht hat." Trotz eines melancholisch-stillen Grundtons gelingt dem Autor ein fesselnder und vor allem realistisch-präziser, vertrauter und äußerst reflektierender Blick in das Innere sowie die seelischen Verfassungen seiner Personen und letztendlich auch ins eigene Ich. Das Buch bewegt sich souverän "auf dem schmalen Grat zwischen Resignation und Euphorie", unaufgeregt und sensibel, authentisch und nachhaltig. Ein wirklich lesenswerter Roman.

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