Stephan Thome Gegenspiel

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Inhaltsangabe zu „Gegenspiel“ von Stephan Thome

Maria ist achtzehn und möchte raus aus Lissabon und raus aus Portugal. Mitte der Siebzigerjahre ist das Land politisch gespalten und bietet einer jungen Frau wenig Perspektiven. Maria aber will nicht heiraten und Kinder kriegen, sie will mehr vom Leben. Als das neue Jahrzehnt anbricht, geht sie nach Berlin, beginnt ein Studium und eine Beziehung mit einem rebellischen Theatermacher, die bald scheitert. Allen Plänen vom unabhängigen Leben zum Trotz, findet sich Maria schließlich als Ehefrau und Mutter in der nordrhein-westfälischen Provinz wieder und schaut ihrem Mann Hartmut beim Karrieremachen zu. Lang arrangiert sie sich mit den Verhältnissen, aber als die Tochter erwachsen und auf dem Sprung aus dem Haus ist, trifft Maria eine Entscheidung.
Lissabon nach der Nelkenrevolution, die Hausbesetzerszene in Westberlin, die deutsche Provinz vor und nach der Wende: Stephan Thome erzählt in markanten, spannungsreichen Szenen eine bekannte Geschichte neu und völlig anders. Gegenspiel ist ein berührender und manchmal verstörender Roman über Täuschung und Selbsttäuschung, über Aufbruch und Verantwortung, auch gegenüber dem eigenen Leben – ein Roman voller Empathie und psychologischer Raffinesse.

Die andere Seite der Geschichte: Atmosphärisch und erhellend, für sich allein stehend jedoch literarisch weniger überzeugend.

— leselea

Eine tolle Geschichte. Ich habe sie in sehr kurzer Zeit verschlungen!!

— schokoloko29

Ein intelligenter Roman über Träume und Hoffnungen, Selbsttäuschung und Verantwortung. Intensiv, anstrengend und gleichzeitig anregend.

— buchstabentraeumerin

Schöner Schreibstil, aber Marias Lebensgeschichte hat mich nicht immer erreicht!

— sommerlese

Vielleicht das falsche Buch für mich. Wenig unterhaltsam, zu kitschige und hochtrabende Dialoge und meiner Meinung nach sinnlose Handlung.

— TomTaler

Im Zusammenspiel mit dem Vorgängerroman "Fliehkräfte" interessant und spannend entwickelt, aber an sich gelesen leider etwas fad

— Ein LovelyBooks-Nutzer

Schön geschrieben, teilweise aber für meinen Geschmack ein wenig langatmig

— steffi290

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  • Die andere Seite der Geschichte

    Gegenspiel

    leselea

    26. November 2017 um 18:30

    Jede Geschichte hat zwei Seiten. Die erste hat Stephan Thome in seinem Roman Fliehkräfte erzählt. Sie berichtet vom Philosophieprofessor Hartmut Hainbach, der mit 60 Jahren aufgrund des Bologna-Prozesses an seinem Beruf als Philosophieprofessor und aufgrund der erzwungenen Wochenendbeziehung mit seiner Frau Maria an seiner Ehe zu zweifeln beginnt. In Gegenspiel (der Titel suggeriert es schon) erzählt er nun dieselbe Geschichte aus der Perspektive der Maria – und dadurch doch letztendlich eine ganz andere. Ähnlich wie in Fliehkräfte skizziert Thome auch in Gegenspiel die Geschichte eines ganzen Lebens. Er erzählt von Marias Jugend in Portugal nach der Nelkenrevolution; ihrer Flucht in ein neues, wilderes Leben in Westberlin, wo sie nicht nur mit der Hausbesetzerszene, sondern vor allem mit Falk Merlinger in Kontakt gerät; von den Anfängen des Familienlebens mit Hartmut und der gemeinsamen Tochter und von der Einsamkeit in der Bonner Provinz. Dabei geht der Autor – anders als im ersten Band – jedoch weniger systematisch, sondern assoziativer vor: Immer wieder springt er in Raum und Zeit hin und her und wirft den Leser unmittelbar in verschiedene Szenen. Dabei setzt sich einerseits Stück für Stück das Bild seiner Hauptfigur zusammen; andererseits – und das ist der Charakterisierung der Maria als sprunghafte, dabei zugleich phlegmatische, stets suchende und nie findende Figur geschuldet – erscheint seine Protagonistin bis zum Schluss fragmentarisch. Bisweilen hat man das Gefühl von drei verschiedenen Marias zu lesen (Portugal-Maria, Berlin-Maria, Bonn-Maria). Dies ist sicherlich vom Autor gewollt, führte bei mir aber bisweilen zu einigen Irritationen und zu der Tatsache, dass ich mit Maria bis zum Schluss nicht wirklich warm wurde. Sprachlich konnte mich das Buch im direkten Vergleich zum Vorgänger weniger überzeugen: Während Thome in Fliehkräfte mit poetischen Sätzen und anregenden philosophischen Gedanken punkten konnte, verliert sich Gegenspiel häufig in plattitüdenhaften Wendungen und einem recht konventionellen Schreibstil. Zweifellos lässt sich der Roman gut lesen und die Erzählung kommt atmosphärisch daher; sein schriftstellerisches Talent zeigt Thome in diesem Roman jedoch nicht. Insgesamt zieht Gegenspiel seine gesamte Stärke aus dem Umstand, eben genau das zu sein: ein Gegenspiel. Ich habe es sehr genossen, die bekannte Geschichte aus der anderen Perspektive zu entdecken, mich an alte Szenen zu erinnern und tatsächlich zwischendurch in beiden Büchern parallel zu blättern und die verschiedenen Deutungen, die die jeweiligen Protagonisten aus ein und derselben Situation ziehen, zu vergleichen. Im Zusammenspiel zeigt Thome die Schwierigkeiten zwischenmenschlicher Kommunikation und dass wir nie wirklich verstehen werden, was in einer anderen Person – sei sie uns auch so vertraut und von uns geliebt – vorgeht. Darüber hinaus fehlt es Gegenspiel jedoch an einer eigenen Geschichte: Die Story plätschert über 450 Seiten vor sich hin, dem zweiten Band fehlt eindeutig eine treibende Kraft wie dem „Roadmovie“ im ersten Teil. So hat man es zwar mit einer kurzweiligen und auch recht unterhaltsamen Erzählung zu tun, sie interessiert aber tatsächlich nur als Ergänzung zu Fliehkräfte und steht nur schlecht für sich selbst. Allen Lesern, die Fliehkräfte gelesen haben, empfehle ich auch die Lektüre von Gegenspiel, die tatsächlich an vielen Stellen sehr erhellend ist und vor allem das Ende – zumindest für mein Empfinden – in ein positiveres Licht taucht. Vom Lesen des Romans als eine eigene Geschichte über den unablässigen Emanzipationsversuch einer Frau rate ich hingegen ab: Hier bleibt der Roman aufgrund der Figurenzeichnung zu blass und wenig greifbar!

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  • Gegenspiel

    Gegenspiel

    schokoloko29

    03. June 2016 um 07:42

    Maria ist 18 Jahre alt wohnt in Lissabon und ist mit einem Jungen liiert, der sie bald heiraten möchte. Doch für Maria ist das zuwenig. Sie bricht aus. Sie geht nach Berlin und studiert dort. Sie verliebt sich in Falk, der in der Häuser- Besetzungsszene in Berlin - Kreuzberg zuhause ist. Im Laufe der Zeit werden sie ein Paar, doch die Beziehung zerbricht.Sie erwartet von Hartmut ein Kind und zieht mit ihm erst in die Nähe nach Dortmund, dann nach Bonn. Er macht Karriere in der Uni während sie gelangweilt zuhause bleibt und das Kind großzieht und den Haushalt schmeißt. Als ihre Tochter achtzehn Jahre alt wird entscheidet sie alleine nach Berlin zu gehen, um zu arbeiten.Es geht hier zum größtenteil um Maria und um die Ehe von Hartmut und Maria. Wie sie von ganz einfachen Verhältnissen in Lissabon nach Berlin geht. Doch es geht auch um das ewige, nie endene Thema: Kind oder Karriere oder beides????Sie entschied sich für zuerst Kind und dann Karriere. Doch darunter leidet ihre Ehe. Hartmut kommt mit dem alleinigen Umzug nach Berlin nicht klar und sie leidet mit.Außerdem ist es für mich wirklich auch ein Berlin- Buch. Es wird super die Stimmung von Berlin vor der Wende wiedergegeben.Mir hat das Buch sehr, sehr gut gefallen. Es ist sehr gut geschrieben und ich kann es nur jedem empfehlen.

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  • Ein Gegenstück zu Fliehkräfte - und ein Abgesang auf das Hausfrauenleben

    Gegenspiel

    Corsicana

    30. December 2015 um 11:22

    Im Roman "Fliehkräfte" hatte Stephan Thome das recht biedere Leben von Hartmut Hainbach beschrieben - oder besser seziert (?). Und in diesem Roman geht es um Maria, die Ehefrau von Hartmut. Und es wird im Endeffekt viel Gleiches erzählt - aber aus einer anderen Sicht. Und das ist doch sehr anders. Als Gegenstück eben - und am Ende sitzen Hartmut und Maria wieder an dem Strand in Portugal, an dem auch Fliehkräfte endet. Und Hartmut geht Schwimmen. Und man weiß wieder nicht, ob er aus dem Wasser wieder zurückkommt. Vorher wird in vielen Zeit-Ebenen und Rückblenden das Leben von Maria erzählt. Lassen die Jugendjahre von Maria in Portugal noch an Aufbruch und an ein außergewöhnliches Leben glauben - so wird ihr Leben doch zum Großteil im Mief der Provinz verlaufen. Vorher flieht Maria noch aus den beengten Verhältnissen in Portugal zum Studium ins Berlin der Hausbesetzer Ära. Und sie verliebt sich in einen aufstrebenden, intellektuell-chaotisch-anarchischen Theaterregisseur. Aber dann lernt sie Hartmut kennen und flieht vor der Gefühlskälte des Regisseurs in eine nur halb gewollte Beziehung und in eine ungewollte Schwangerschaft. Es folgen Wochenbettdepressionen und ein Leben als Hausfrau an der Seite eines immer mehr Karriere machenden Professors. Sie landet in Bonn, mit eigenem Haus und viel Langeweile.Und ihre Langweile und ihren Frust verarbeitet Maria nicht etwa kreativ in Form von Berufstätigkeit - Ehrenamt - Studium - Weiterbildung. Nein - sie schaut einfach stundenlang seichte Unterhaltungsfilme auf Video. Denn, wie Maria selbst treffend sagt, fehlen ihr Talent und Durchsetzungsvermögen, um aus ihrem Leben mehr zu machen Mir persönlich fiel es sehr schwer, mich mit Maria anzufreunden. Zu lethargisch und gleichzeitig anspruchsvoll war sie mir. Leiden auf hohem Niveau an Dingen, die ohne größere Probleme geändert oder angegangen hätten werden können. Nein, so richtig tolle Protagonisten sind weder Hartmut noch Maria, sie sind keine Idole und keine Vorbilder. Trotzdem oder gerade deswegen sind sie authentisch und realistisch und bilden sehr gut die Lage der Nation während der Bonner Republik ab. Und das Wichtigste: Stephan Thome beschreibt dies in einer klaren, gut beschreibenden Sprache und in einem klassisch-spröden Stil, der einfach zum Weiterlesen einlädt. Deshalb sind beide Bücher für mich gelungene Literatur.

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  • Rezension “Gegenspiel” von Stephan Thome

    Gegenspiel

    buchstabentraeumerin

    13. September 2015 um 09:07

    “Gegenspiel” ist die Geschichte von Träumen, Hoffnungen und Enttäuschungen, von Selbsttäuschung, Selbsthass, Zweifeln und Liebe. Es ist die Geschichte einer Frau, die aufbrechen möchte, von einem anderen Leben träumt – jedoch ohne eine genaue Vorstellung davon zu haben. So strebt Maria in ihrer Heimat Portugal Ziele an, die eigentlich gar nicht ihre sind, sie lebt in der Berliner Hausbesetzerszene, ohne sich dort wohl zu fühlen, sie wird Mutter und Ehefrau, ohne dass es sie erfüllt, und lebt im beschaulichen Bonn, ohne dort sein zu wollen. Doch auch ein später, erneuter Aufbruch nach Berlin bringt nicht die erhoffte Zufriedenheit. Dieses “ohne” macht einen Großteil der Geschichte aus. “Ich bin hier, weil ich es will”, sagt sie sich immer wieder. Doch Maria ist niemals wirklich glücklich und zufrieden, ganz gleich, was sie tut. Das Buch beginnt mit einem Streit zwischen Maria und ihrem Mann. Angesichts dieses massiven Gefühlsausbruchs fühlt man als Leser zunächst ziemlich orientierungslos. Auch die folgenden rasch aufeinanderfolgenden Zeit- und Ortswechsel tragen ihr Übriges dazu bei. Die Geschichte von Maria fügt sich wie ein Puzzle Stück für Stück zusammen. Das Lesen ist bisweilen anstrengend, da Stephan Thome genaue Beobachtungen anstellt und die Dialoge ausgefeilt hat, bis in jedem Wort Bedeutung steckt. Hat man sich daran gewöhnt, ist die Lektüre aber durchaus anregend – auch wenn man Maria, so wie ich, nicht unbedingt mag. Maria wirkt arrogant und ehrgeizig, gleichzeitig ist sie aber sehr naiv und romantisch. Sie ist direkt, unfreundlich, ehrgeizig und provoziert gerne. Sie bleibt für mich unnahbar. Dadurch hat Thome allerdings erreicht, dass ich mich noch intensiver mit Maria, ihren Beweggründen und Motiven, auseinandergesetzt habe. Eine spannende Erfahrung: Ich bin tief in die jeweiligen Szenen eingetaucht und blieb gleichzeitig ein Außenseiter, ein Fremder – und fühlte mich letztendlich ebenso wie Maria. Die Empfindung, im eigenen Leben nicht den richtigen Platz gefunden zu haben, verstärkt sich zunehmend. “Warum versuchst du ein Leben zu führen, für das du nicht gemacht bist?” fragen Freunde. “Du gehörst zu den Menschen, die umso unberechenbarer handeln, je weniger Möglichkeiten sie haben. […] In Wirklichkeit ist es der Freiheitsdrang der Orientierungslosen”, sagen sie. Gelegentlich verleiht auch sie selbst ihren Zweifeln Worte: “Manchmal staunt sie, wie viel Zeit im Leben sie mit Tagträumen vertan hat, mit Täuschungsmanövern, deren erstes Opfer sie selbst war. […] Kompromisse, Umwege, Sackgassen – sie hat sich gesagt, das gehöre zum Leben dazu, aber vielleicht gehörte es zu ihrem Leben, weil ihr für einen konsequenten Weg die Entschlossenheit fehlte.” “Gegenspiel” ist die Geschichte einer Frau, die nach vielen Jahren der Selbsttäuschung zu sich selbst findet. Es ist die Geschichte einer Ehe zwischen zwei sehr verschiedenen Menschen. Und es ist eine Geschichte über die Erkenntnis, dass jedes Menschenleben mehr als ein Mal beginnt. Es ist kein Buch, das unbedingt Lesevergnügen bereitet. Dazu ist es zu verstörend, verwirrend und anstrengend. Aber es ist eines, das man eigentlich zwei Mal lesen muss, um jede präzise Beobachtung von Thome wertschätzen zu können.

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  • Das Leben als Selbstverwirklichung

    Gegenspiel

    sommerlese

    18. June 2015 um 19:57

    Der Roman "*Gegenspiel*" von "*Stephan Thome*" erreichte mich dankenswerterweise als Rezensionsexemplar aus dem "*Suhrkamp Verlag*". Die Nelkenrevolution ist vorüber als die Portugiesin Maria Ende nach Berlin zieht und dort ein Studium beginnt. Es ist die Zeit der Hausbesetzerszene in Kreuzberg, eine Zeit mit Joints und philosophischen Betrachtungen des Lebens. Auch Maria versucht, ihren selbstbestimmten Weg zu gehen, möchte unabhängig sein und verliebt sich in den Theaterregisseur Falk. Bis sie schließlich eine Vernunftehe mit Hartmut, einem Philosophieprofessor, eingeht. Sie ziehen in die nordrhein – westfälische Provinz, bekommen eine Tochter und Maria bekommt Depressionen. Dies ist nicht das Leben, das sie sich vorgestellt hatte. Als die Tochter erwachsen ist und auszieht, beginnt Maria erneut, ihrem Leben einen selbstbestimmten Weg zu geben. Sie geht nach Berlin und arbeitet mit Falk am Theater. Die Ehekrise ist eingeläutet und Maria besinnt sich auf ihr bisheriges Leben. Ist das die Parodie ihrer Träume? Dieser Roman zeugt von einem wunderbaren Schreibstil Stephan Thomes und enthält viele philosophische Gedankengänge und Gespräche, die nach der Selbstverwirklichung im Leben fragen und die Möglichkeiten dafür am Leben Marias verdeutlichen. Es gibt viele Schlüssel-Szenen, die ihren Aufbruch, ihre Verstörtheit und ihr Aufbegehren gegen ihr Familienleben aufzeigen. Ihre Suche nach den gelebten Träumen wird spürbar. Das berührt und zeigt eine große Empathie mit dieser Protagonistin. Richtig sympathisch wird sie mir allerdings nicht, zu sehr ist sie mit sich selbst beschäftigt und gibt gern die Verantwortung für ihre Tochter, die relativ ungewollt beschrieben wird, aus der Hand. Ihr Fremdgehen und ihre beinah lieblos geführten Affairen scheint sie als Ausweg aus ihrer Situation zu sehen und hofft scheinbar dadurch auf ein erfülltes Leben. Was ihr allerdings fehlt ist eine ordentliche Portion Selbstvertrauen, Zufriedenheit und Angekommensein im Leben. Ihr fehlendes Berufsleben macht ihr in dieser Rolle als Frau und Mutter zu schaffen und auch mit Hartmut redet sie nicht über ihre Wünsche. Daher versucht sie einen Neustart als die Tochter auszieht. Aber was will sie wirklich? Wie haben sich diese Wünsche und Sehnsüchte des Lebens gewandelt? Hat sie den Mut, ohne die Gefährten ihres Lebens, einen neuen Weg zu beschreiten?     In diesem Buch wird häufig die Zeitebene gewechselt, die Gegenwart und Rückblicke in Marias Jugend werden etwas ungeordnet gemischt. Diese Übergänge haben mich anfangs verwirrt, später konnte ich sie vom Kontext her einordnen. Hier hätte ich mir eine einsichtigere Lösung gewünscht.    Dieses Buch setzt ein Zeichen für Lebensträume und ihre Verwirklichung auch unter Einbeziehung der Wünsche anderer Mitmenschen. Denn man lebt nie nur allein, auch die Partner haben Wünsche und die Verantwortung für das eigene Leben zieht immer auch die Verantwortung für andere nach sich. Ein nachdenklich machender Roman, der das Leben, die Freiheit des Einzelnen und die Gemeinschaft hinterfragt. Einige Längen haben mir das Lesen und Geniessen jedoch erschwert.  

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  • Maria`s Geschichte

    Gegenspiel

    czytelniczka73

    17. June 2015 um 19:28

    "In einer Ehe redet man nicht über das Wichtige.Man redet einfach über alles Mögliche.So überzeugt man sich davon,dass das worüber nicht geredet wird,auch nicht wichtig sein kann."     Inhalt: "Maria ist achtzehn und möchte raus aus Lissabon und raus aus Portugal. Mitte der Siebzigerjahre ist das Land politisch gespalten und bietet einer jungen Frau wenig Perspektiven. Maria aber will nicht heiraten und Kinder kriegen, sie will mehr vom Leben. Als das neue Jahrzehnt anbricht, geht sie nach Berlin, beginnt ein Studium und eine Beziehung mit einem rebellischen Theatermacher, die bald scheitert. Allen Plänen vom unabhängigen Leben zum Trotz, findet sich Maria schließlich als Ehefrau und Mutter in der nordrhein-westfälischen Provinz wieder und schaut ihrem Mann Hartmut beim Karrieremachen zu. Lang arrangiert sie sich mit den Verhältnissen, aber als die Tochter erwachsen und auf dem Sprung aus dem Haus ist, trifft Maria eine Entscheidung. Lissabon nach der Nelkenrevolution, die Hausbesetzerszene in Westberlin, die deutsche Provinz vor und nach der Wende"   Meinung: Sie sind 20 Jahre verheiratet und kennen sich immer noch nicht...Während Hartmut mit dem Leben das sie führen eigentlich zufrieden ist,fühlt sich Maria ausgebeutet und um ihre Träume betrogen und versucht endlich mit 50 ihren Weg zu gehen. Ein sehr interessanter und kritischer Bild einer Ehe in der viel geredet,aber nicht wirklich mit einander gesprochen wird.So sehr mich das Thema angesprochen hat,so wenig hat mich die Ausführung glücklich gemacht.Ich fand das Buch wirklich schwer zum lesen.Erstmals fand ich die Sprache zu hochgetrieben und so "intellektuell",dass es leicht bizarr wirkte.Zweitens die verschiedenen Etapen aus Maria`s Leben,in sich durchaus fesselnd,aber nicht unbedingt chronologisch erzählt,waren für mich wie Puzzelstücke aus denen man doch kein Bild zusammenbauen kann und ich konnte der Geschichte nur schwer folgen.Mein größtes Problem aber war die Maria selbst.Mit dieser Figur bin ich überhaupt nicht warm geworden.Sehr egozentrisch,sieht sich selbst sehr gerne als Opfer der Umstände,obwohl es Maria`s eigene Entscheidungen sind,mit denen sie letztendlich leben muss.Und was mich am meisten geärgert hat Maria hat unterschiedliche Maßstäbe für sich und ihre Mitmenschen,sie erwartet sehr viel Verständnis von anderen,aber selbst macht sie sich nicht so viel Mühe.Ich glaube es liegt vor allem an der unsympathischen Protagonistin,dass ich mit dem Roman nicht klar gekommen bin.   Fazit: Kein schlechter Ansatz,interessante Thematik,aber hinterlässt bei mir einen Faden Eindruck.  

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  • Die andere Seite der Geschichte

    Gegenspiel

    Buecherschmaus

    Diese Geschichte wurde schon einmal erzählt.  Es ist die Geschichte einer in die Jahre gekommenen Ehe. Keine wirklich unglückliche Ehe, da ist noch viel Zuneigung zwischen dem Philosophieprofessor Hartmut Hainbach und seiner Frau Maria, aber die einzige Tochter Philippa ist ausgezogen, Maria möchte jetzt, nach vielen Jahren als Hausfrau und Mutter in der rheinischen Provinz, noch einmal, wohl ein letztes Mal, eine Chance ergreifen und als Assistentin des berühmten Theaterregisseurs Falk Merlinger in Berlin arbeiten, der bürgerlichen Enge von Haus und Garten entfliehen.  Eine Wochenend-Ehe also.  Wie sehr Hartmut damit hadert, hat man bereits in Stephan Thomes vorhergehendem Roman "Fliehkräfte" lesen können.  Dort galt es ein Jobangebot aus einem Berliner Verlag zu überdenken, das die Aufgabe seiner Professur, aber auch ein Zusammenleben mit seiner Frau bedeuten würde. Aber auch ein Nachdenken über die gesamte Situation, ja über sein ganzes Leben. Ungewohnt spontan brach Hartmut dazu mit dem Auto auf, Richtung Portugal, Stationen bei alten Freunden, Zwischenstopp Santiago de Compostela, wo Philippa mit ihrer Freundin Urlaub machte. Nun erfahren wir von Marias Zeit, die sie bei einem Theater-Projekt verbrachte, lernen ihre Sicht kennen, tauchen rückblickend in ihre Vergangenheit, die Kindheit und Jugend in Portugal, die Studentenjahre in Berlin, die unverhoffte Schwangerschaft, die Kindbettdepression und das schwierige Eheleben neben dem vielbeschäftigten Hartmut ein.  Stephan Thome schildert das alles gewohnt sensibel, psychologisch genau und lässt sich dafür viel Zeit. Angenehm viel Zeit.  Ganz tief taucht er ein in einen Alltag, der trotz aller Besonderheiten sehr vertraut wirkt und sehr realitätsgesättigt. Er lotet seine Figuren sehr genau aus.  In vielen Kritiken wurde erwähnt, wie gut er sich in eine weibliche Psyche einzufühlen vermag. Trotzdem kommt mir das "Gegenspiel" nicht annähernd so nah wie seinerzeit "Fliehkräfte". Vielleicht ist es doch diese weibliche Sicht, die mich nicht restlos überzeugt, vielleicht ist es auch nur Marias unsteter, eher schwieriger Charakter, oder es ist die Form der Roadnovel, die in "Fliehkräfte" mehr überzeugt hat.  Auch die  Verschränkung von Gegenwartebene und Rückblicken gelingt nicht ganz so souverän und kunstvoll wie im Vorgänger.  Trotzdem ist "Gegenspiel" ein gutes, lesenwertes Buch und ein großartiges Experiment, nicht nur zwei verschiedene Sichtweisen darzustellen, sondern die gleiche Geschichte bei allen Überschneidungen jeweils ganz anders zu erzählen und dabei dem Kernpunkt aller menschlicher Beziehungen ein Stück näher zu kommen. Nämlich dass bei aller Nähe immer auch ein Missverstehen, ein Fehldeuten des Gegenüber eine Rolle spielt. Dass man auch dem geliebtesten Menschen nie ganz in den Kopf und in die Seele schauen kann, dass Gleiches ganz unterschiedlich bewertet und wahrgenommen wird.  So bleiben auch Thomes Figuren immer ein wenig uneindeutig, so genau sie auch beleuchtet werden.  "Gegenspiel" endet schließlich an genau dem gleichen Punkt wie "Fliehkräfte", am Strand von Marias Heimat Portugal. Und auch jetzt hätte man gerne erfahren, dass Hartmut wohlbehalten aus dem Wasser kommt.  

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    • 2
  • Szenen einer Ehe

    Gegenspiel

    bookscout

    21. April 2015 um 21:00

    Maria und Hartmut sind ein ungleiches Paar: sie die temperamentvolle Portugiesin mit einer Vorliebe für subversives Theater, er der stille Philosophie-Professor mit Tendenz zur Verkopfung. Als die beiden sich im Westberlin der wilden 80er kennenlernen, lebt Maria gerade mit dem umstürzlerischen Theatermacher Falk in einer Hausbesetzer-WG, während Hartmut eigentlich mit der Mitbewohnerin von Marias bester Freundin Ana liiert ist. Entgegen aller Widrigkeiten siegt die Liebe und die beiden Intellektuellen werden ein Paar, das bald ungewollt ein Kind erwartet. Die Schwangerschaft fördert nicht nur quälende Erinnerungen an verdrängte Jugendsünden aus Portugal zutage, sie stürzt Maria nach der Geburt ihrer Tochter Philippa zudem in eine für beide Ehepartner lähmende Kindbettdepression. Jahre später steht die Ehe erneut auf dem Spiel, als Maria – die jahrelang für Hartmut auf ihre Karriere verzichtet hat – nach Philippas Auszug aus ihrem goldenen Hausfrauen-Käfig ausbricht und Falks Ruf an sein Berliner Theater folgt. Mit Maria hat Stephan Thome eine widersprüchliche, labile und sicherlich narzisstisch veranlagte Protagonistin geschaffen, die – von Selbstzweifeln gequält – immer wieder in Selbsthass verfällt, den sie in Folge auf ihr Umfeld projiziert. So recht weiß sie nicht, was anfangen mit ihrem Leben, scheint es, auch mit 40 Jahren nicht. Ihr Mann erdrückt sie mit seiner Fürsorge, Heim und Familie nehmen ihr die Luft zum Atmen – sie heiße nach wie vor Pereira, nicht Hainbach, bekräftigt sie wiederholt. Psychologisch hochspannend sind sie zweifelsohne, die mal leisen, mal lauten Zwischentöne menschlicher Beziehungen an der Kippe zum Destruktiven. Thome gelingt es wunderbar, das Irrationale und Ungeplante einzufangen, jene Seiten an uns, für die wir uns uneingestanden schämen und sie deswegen tunlichst vor anderen verbergen. Interessant ist auch der Ansatz, die gleiche Geschichte einmal aus ihrer ("Gegenspiel") und einmal aus seiner Sicht ("Fliehkräfte") zu erzählen. Nichtsdestotrotz wurde ich mit Maria nicht ganz warm, konnte mich nicht in sie hineinfühlen – vielleicht weil sie sich selbst nicht spürt. Auf mich wirkte sie wie ein Blatt im Wind, das sich heute dieser, morgen jener Strömung hingibt und sich am Ende mit großen Augen fragt, warum es in gerade diesem Winkel der Erde gelandet ist, mit dem Gefühl, das Leben sei ungenutzt vorbeigeflossen. Wo sind sie hin die großen Träume und hehren Ziele der Jugend? Bei mehr als einer Gelegenheit hätte ich Maria am liebsten geschüttelt, sie auf ihrem Weg zu sich selbst an der Hand genommen und vorangetrieben, sie gezwungen, sich aus der eigenverschuldeten Opferrolle zu befreien. "Du bist hier, weil du es möchtest" – das muss man sich eben nicht nur vorsagen, sondern es auch leben.

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  • Die LovelyBooks Themenchallenge 2015

    Das Schloss der Träumenden Bücher

    Daniliesing

    Ihr lest gern Bücher aus den verschiedensten Genres? Ihr sucht nach einer Leseherausforderung für 2015? Dann seid ihr hier genau richtig! Der Ablauf ist ganz einfach: Bei der Themen-Challenge geht es darum, passend zu 40 vorgegebenen Themen mindestens 20, 30 oder 40 Bücher aus 20, 30 oder 40 unterschiedlichen Themen zu lesen. Ihr könnt euch selbst als Ziel stecken, ob es 20, 30 oder 40 Bücher werden sollen. Bitte gebt dieses Ziel bei der Anmeldung mit an. Bitte sammelt alle eure gelesenen Bücher mit den passenden Themen in einem einzelnen Beitrag, den ich oben in einer Teilnehmerliste bei eurem Namen verlinken werde. Schickt mir dazu eine Nachricht mit dem Link zu eurem Sammelbeitrag! Wenn ihr ein Thema erfüllt habt, schreibt in diesem Sammelbeitrag, mit welchem Buch ihr das geschafft habt und postet einen Link zu eurer Rezension oder aber verfasst eine Kurzmeinung auf der Buchseite und teilt dann den Link zur Lesestatus-Seite, auf der auch die Kurzmeinung zu finden ist, mit uns. Diese Challenge läuft vom 1.1.2015 bis 31.12.2015. Alle Bücher, die in diesem Zeitraum und passend zu den Themen gelesen wurden, zählen. Es zählen Bücher aus allen Genres und mit allen Erscheinungsjahren, sofern sie die Themen erfüllen. Sie dürfen gern vom SuB (= Stapel ungelesener Bücher) oder neu gekauft, geschenkt bekommen oder geliehen sein. Man kann jederzeit noch in die Challenge einsteigen und auch passende Bücher zählen, die man zuvor im Jahr 2015 gelesen hat. Zu diesen Themen wollen wir passende Bücher lesen: Für jedes Thema gibt es ein extra Unterthema, in dem ihr euch über eure gelesenen oder eventuell dazu geplanten Bücher austauschen könnt. Ein Buch, in dem es um Bücher, Literatur und / oder das Lesen geht. Ein Buch, dessen Cover hauptsächlich (am besten ausschließlich) Schwarz und Weiß ist. Ein Buch, dessen Titel aus genau 2 Wörtern besteht. Ein Buch mit einer durchschnittlichen Bewertung von 3 oder weniger Sternen auf LovelyBooks. (Das Buch muss mindestens 3 Bewertungen haben, es gilt der Zeitpunkt, zu dem du zu lesen beginnst.) Ein Buch von einem Bestsellerautor, von dem du selbst noch nie etwas gelesen hast. Ein Buch, das gedruckt bisher ausschließlich als Hardcover erschienen ist. Ein Buch, das in Asien, Südamerika oder Afrika spielt. Ein Buch mit mehr als 650 Seiten. Ein Buch mit einer jungen und einer älteren Hauptfigur, mindestens 40 Jahre Altersunterschied. Ein Buch, zu dem es auf LovelyBooks noch keine Rezension sowie keine Kurzmeinung gibt. (Es zählt der Zeitpunkt des Lesebeginns.) Ein Buch mit einen elektrischen Gegenstand auf dem Cover. Ein Buch, in dessen Buchtitel gegenteilige Wörter / Dinge genannt werden. Ein Buch von einem Autor, der bisher ausschließlich dieses eine Buch veröffentlicht hat. Ein Buch, das durch seinen Titel & sein Cover auf eine ganz bestimmte Jahreszeit hindeutet. Ein Buch, in dem mindestens 3 unterschiedliche fantastische Wesen vorkommen. Ein Buch das, egal ob im Original oder in der Übersetzung, einen Literaturpreis gewonnen hat. (Bitte den Namen des Preises mit angeben.) Ein kunterbuntes Buch. Ein Buch, dessen Buchtitel eine Aufforderung ist. Ein Buch, bei dem die Initialen des Autors 2 aufeinanderfolgenden Buchstaben im Alphabet entsprechen. Ein Buch, das erstmalig 2015 in dieser Sprache erschienen ist. Ein Buch, das du geschenkt bekommen hast. (Bitte verrate auch von wem und zu welchem Anlass.) Ein Buch, in dem ein Tier von großer Bedeutung ist. Ein Buch mit Streifen auf dem Cover. Ein Buch, das eine Buchreihe abschließt. Ein Buch, das kein Roman ist. Ein Buch, das in einem Verlag erschienen ist, dessen Verlagsname mit dem selben Buchstaben beginnt oder endet wie dein Vor- oder Nickname. Bitte den Vornamen ggf. mit angeben ;) Ein Buch, in dessen Titel das Wort "Liebe" vorkommt. Eines der 5 Bücher, die schon am längsten ungelesen in deinem Regal stehen. (Falls du es weißt, verrate doch, wie lange du es schon besitzt.) Ein Buch, das für dich ein außergewöhnlich schönes Buchcover hat. Ein Buch, das verfilmt wurde oder sicher verfilmt wird. Ein illustriertes Buch. Es sollten richtige Zeichnungen und nicht nur Verzierungen am Seitenrand sein. Ein Buch, das zuerst auf Deutsch erschienen ist und ins Englische übersetzt wurde. Ein Buch, dessen Autor bereits verstorben ist. Ein Buch, das einen Monat im Buchtitel hat. Bitte lies das Buch auch in dem Monat, der im Titel vorkommt. Ein Buch, in dem es um Musik geht. Ein Buch, von dem du dachtest, du würdest es niemals lesen, weil es z.B. nicht deinen Lieblingsgenres entspricht. Ein Buch mit Blumen / Blüten auf dem Cover. Ein Buch, das eine Krankheit oder Behinderung thematisiert. (Bitte gab auch an welche!) Ein blutiges Buch. Ein Buch, in dessen Titel mindestens ein Wort aus einer anderen Sprache vorkommt. (Es darf nicht im deutschen Duden stehen.) Ich wünsche uns allen ganz viel Spaß & ich bin gespannt, welche Themen sich am leichtesten und welche als am schwierigsten heraustellen! Wer ist dabei? Ein paar zusätzliche Informationen: * Bezieht euch bei der Zuordnung des Buches zu einem der Themen immer auf die Ausgabe des Buches, die ihr selbst besitzt! * Sprache, Format etc. sind egal - auch Hörbücher gelten, außer es ist für das Thema von Bedeutung * Man kann diese Challenge mit anderen kombinieren, also auch Bücher hierfür und gleichzeitig für andere Challenges zählen. * Die Zuordnung der Bücher zu bestimmten Themen kann auch nachträglich noch geändert werden. * Wichtig ist, dass man das Buch 2015 beendet. Wann man es angefangen hat, ist egal. * Falls Bücher, die eine ISBN haben, noch bei LovelyBooks fehlen, geht in eure Bibliothek und sucht es oben unter "Bücher hinzufügen". Dort wählt ihr für deutschsprachige Bücher die Suche bei Amazon.de aus, für fremdsprachige alternativ Amazon.co.uk oder .com Die Challenge wird im Januar 2016 ausgewertet! Wer vorher sein Jahresziel erreicht hat, kann mir eine kurze Nachricht schreiben. 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  • Reden... in zwei Sprachen

    Gegenspiel

    Ginevra

    15. February 2015 um 19:47

    Maria Antonia Perreira zieht zum Studium in den 1990ern nach West- Berlin. Sie lässt in Portugal ihre katholische Familie zurück. Einige belastende Erfahrungen mit Männern liegen hinter ihr. In Berlin lernt sie den ebenso talentierten wie egozentrischen Theaterregisseur Falk kennen, der sich nur zögernd auf eine Beziehung mit ihr einlässt, und Maria nur wenig Gefühl entgegenbringt. Seine wahre Leidenschaft gilt dem Theater und Heiner Müller, dessentwegen er Berlin schließlich verlässt. Maria bleibt alleine zurück und geht eine Beziehung mit dem scheinbar gefühlvolleren und empathischeren Philosophiedozenten Hartmut ein, obwohl ihr sein Name schon zu hart ist - was ihre Zweifel an der Beziehung spiegelt. Bald wird sie schwanger, obwohl sie sich innerlich noch gar nicht dazu bereit fühlt. Nach der Geburt ihrer Tochter stürzt sie in eine Wochenbettdepression und beginnt, ihr geordnetes Leben zu hinterfragen, ändert jedoch nicht viel. Jahre später zieht sie nach Berlin zurück, um endlich eine sinnvolle Arbeit auszuüben - am experimentellen Theater von Falk. Die Ehe mit Hartmut gerät immer mehr in die Schieflage... Stephan Thome, geb. 1972 in Hessen, studierte Philosophie, Religionswissenschaften und Sinologie und forschte im Bereich der klassischen chinesischen Philosphie (Konfuzianismus etc.). Sein Debüt- Roman "Grenzgang" erhielt 2009 den aspekte-Literaturpreis; die "Fliehkräfte" standen auf der Shortlist zum Deutschen Buchpreis 2014. Aus dem Vorgängerroman "Fliehkräfte" kennen wir diese Geschichte einer ganz normalen westeuropäischen Durchschnittsehe bereits - aus der Sicht des Ehemanns Hartmut. Thomes Erzählstil gefällt mir persönlich sehr gut: verschiedene Zeitebenen werden gekonnt ineinander verwoben, dabei gerät der Leser immer tiefer in die Gedanken- und Gefühlswelt der jeweiligen Hauptperson. Die Person Hartmuts erscheint im Roman "Gegenspiel" aus einer ganz neuen Perspektive, der seiner Frau, die jedoch bei den "Fliehkräften" für mich seltsam blass blieb. Beim "Gegenspiel" erschütterte mich, wie farblos widerum Hartmut blieb! Beide Ehepartner scheinen viel zu sehr um sich selbst zu kreiseln, um den anderen wirklich wahrzunehmen: jeder liebt nur "eine Fiktion" des anderen, das idealisierte oder pathologisierte Bild. Objektiv finde ich diesen Roman wirklich genial - die erzählerische Perfektion und die tiefen Erkenntnisse über Beziehungen... aber trotzdem konnten mich die Figuren nicht richtig berühren. Hartmut und Maria kamen mir beide sehr verkopft und narzisstisch vor, ich hatte mir von Maria etwas mehr Emotionen und Temperament erhofft. Das Lesen wurde mir zwischendurch dadurch erschwert. Wesentlich interessanter fand ich die beiden Nebenfiguren Falk und Filippa, so dass ich auf eine Fortsetzung der Geschichte hoffe - aus Filippas Perspektive, oder mit Falk als Hautperson! Fazit: ein intellektueller und tiefgründiger Roman, der zum Nachdenken über die eigenen Beziehungen anregt. 4 von 5 Sternen!

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  • Einer will nicht hören, was der andere sich nicht zu sagen traut

    Gegenspiel

    WinfriedStanzick

    21. January 2015 um 09:30

        Wenn man den neuen Roman von Stephan Thome zur Hand nimmt und sich noch gut an seinen letzten mit dem Titel „Fliehkräfte“ erinnert, da kommt einem eine literarische Parallele in den Sinn. Und zwar die beiden Bücher von Rachel Joyce, die zunächst in „Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry“ von einem Mann erzählt, der sich auf den Weg zu seiner ehemaligen nun im Sterben liegenden Kollegin macht und einige Jahre später mit „Der nie abgeschickte Liebesbrief an Harold Fry“ eben diese Kollegin Quennie ihre Version der Geschichte und ihr Leben erzählen lässt. Die Sätze, mit denen ich damals den Inhalt von Thomes „Fliehkräfte“ beschrieb, können sozusagen eins zu eins für das neue Buch „Gegenspiel“ übernommen werden:       In seinem neuen Roman erzählt der in Biedenkopf in Hessen geborene Stephan Thome von einem Philosophieprofessor, dessen Leben und dessen Ehe aus den Fugen geraten sind, und der, seiner Vergangenheit nachdenkend und seiner Zukunft entgegenpilgernd, versucht, den „Fliehkräften“, die ihn und sein Leben auseinanderzureißen drohen, Einhalt zu gebieten. Wie schon die Hauptperson in Thomes gefeierten Debütroman „Grenzgang“ stammt auch Professor Hartmut Hainbach aus der oberhessischen Heimatstadt von Thome, die hier wie dort Bergenstadt heißt. Hartmut Hainbach ist Ende fünfzig, seine Tochter ist erwachsen geworden, und lebt in Santiago de Compostela mit einer Freundin zusammen. Gegen Ende des Buches wird sie ihren Vater über die wahre Natur dieser Freundschaft aufklären. Hartmuts Frau Maria stammt aus Portugal, wo die Familie über viele Jahre jeden Sommer verbracht hat. Doch seit zwei Jahren hat sie die gemeinsame Wohnung in Bonn verlassen, wo Hartmut Hainbach seit vielen Jahren eine Philosophieprofessur innehat. Sie lebt in Berlin und arbeitet dort als Assistentin und auch zeitweise Geliebte eines außergewöhnlichen Theaterregisseurs. Unglücklich über diesen Zustand, versuchte Hartmut Hainbach bislang vergeblich sich beruflich zu verändern. Da kommt ihm ein Angebot des Eigentümers eines wissenschaftlichen Verlags in Berlin gerade recht, wo er das philosophische Programm ambitioniert betreuen soll. Hartmut Hainbach weiß nicht, wie er sich entscheiden soll, nicht zum ersten Mal in seinem Leben. Er fragt sich, ob seine Frau überhaupt möchte, dass er nach Berlin kommt. Kann er aus seinem Vertrag an der Uni Bonn heraus? Wird er nicht erhebliche Teile seines Pensionsanspruchs verlieren? Das sind nur wenige der Hunderten von Fragen, die Stephan Thome seinen Protagonisten in diesem Roman immer wieder stellt. Fragen, die manches Mal keine Antwort finden und im Raum stehen bleiben. Hartmut Hainbach hält die unklaren Lebensverhältnisse nicht mehr aus. Er setzt sich in sein Auto, verlässt Bonn und bricht zu so etwas wie einer Pilgerreise auf, bei der ihm und dem Leser sein ganzes bisheriges Leben vor Augen geführt wird. In Paris trifft er seine erste große Liebe wieder, in Südfrankreich besucht er einen ehemaligen Bonner Kollegen, der vor Jahren schon der Uni aus Frust über den unsäglichen „Bologna-Prozess“ den Rücken gekehrt hat und am neuen Ort ein Weinlokal betreibt. Überall dort erhofft er sich Antworten und wird doch immer nur mit neuen Fragen konfrontiert. Wie auf einem echten Pilgerweg eben. Schon hier und erst recht auf seiner Weiterfahrt nach Portugal zu den Verwandten seiner Frau und seiner Tochter wird nicht nur ihm, sondern auch dem Leser deutlich, dass das Leben eines Menschen mehrere Anfänge hat, dass es aus Abschnitten besteht, die jeweils ihren eigenen Beginn, ihr eigenes Ende und ihren eigenen Sinn haben, auch wenn der sich nicht immer sofort und oft erst unter Schmerzen erschließt. Sehr geschickt wechselt Stephan Thome die Zeitebenen und lässt seinen Protagonisten immer klarer werden, ohne dass er gleich die Antwort auf seine Fragen wüsste. Aber er macht sich immer weniger selbst etwas vor, lässt seine Verzweiflung zu und kommt so langsam sich selbst und in der Folge dann auch den Menschen, die er liebt, wieder näher. Immer mit der Maxime: „Manchmal ist es besser, einen falschen Schritt zu tun, statt grübelnd auf der Stelle zu treten.“ Soweit die Häutung von Hartmut Hainbach. Wie seine Frau, die aus Portugal stammende Maria, das alles erlebt, blieb in „Fliehkräfte“ eher dunkel bis unterbelichtet. Doch nun kommt sie als „Gegenspiel“  mit ihrer Lebensgeschichte zu Wort, die sich spannt von ihrer Jugend im Portugal kurz nach der Nelkenrevolution bis zu ihrem Wechsel von Bonn  nach Berlin als Assistentin eben jenes exaltierten Regisseurs, den sie als Studentin in Berlin schon kannte und liebte, bevor sie Hartmut kennenlernte. Wir erfahren von ihren Träumen und Sehnsüchten, von ihren Problemen als junge Mutter und von ihrer immer weiter wachsenden Unzufriedenheit mit einer Schattenexistenz als Professorenfrau, die sich der Berufungspolitik der Universitäten mit ihrem Privatleben und ihrem Wohnort über eine lange Zeit unterordnet.   Stephan Thome führt seine Leser in wechselnden zeitlichen Ebenen nicht nur in das nachrevolutionäre Portugal, sondern auch in die Hausbesetzerszene in Berlin in den achtziger Jahren, ins alternative Theatermilieu und in die deutsche Provinz vor und nach der Wende, sondern er lässt sie mit überraschender Sensibilität auch für seine weibliche Protagonistin teilhaben an Marias Entwicklungsprozess, ihrem Drang nach Freiheit, der unter dem Druck von sie einengenden Verhältnissen sie irgendwann ausbrechen lässt aus einer Ehe und Beziehung, in der sie sich selbst verloren hat.   „Gegenspiel“ ist mehr noch als die Version der Geschichte der Hainbachs ins „Fliehkräfte“ ein stellenweise verstörender, aber auch durchweg berührender Roman über Täuschung und Selbsttäuschung, über Lebenslügen und den Aufbruch daraus, und immer wieder geht es um Verantwortung, nicht nur für den Partner, sondern für das eigene Leben.  Und es wird am Ende darum gehen, wie echte Übernahme von Verantwortung für das eigene Leben die einzige Möglichkeit ist, die einsturzgefährdete Brücke zum geliebten, aber entfremdeten Partner  neu zu begehen. „Gemeinsame Lebenslügen sind komplizierte Gebilde“, schreibt Thome an einer Stelle,  „aber das zugrundeliegenden Prinzip ist simpel: einer will nicht hören, was der andere sich nicht zu sagen traut.“

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  • Eine alte Geschichte ganz neu

    Gegenspiel

    serendipity3012

    13. January 2015 um 17:42

    Eine alte Geschichte ganz neu Hartmut und Maria sind seit zwanzig Jahren verheiratet. Sie ist Ende 40 und gebürtige Portugiesin, er zehn Jahre älter. Maria hat lange beruflich zurückgesteckt und sich um die gemeinsame Tochter gekümmert, aber seit zwei Jahren arbeitet sie an einem Theater in Berlin. Die Fernbeziehung funktioniert eher schlecht als recht, Hartmut lässt seine Frau bei jeder Gelegenheit spüren, dass er ihr den Wegzug übel nimmt. Maria fragt sich immer stärker, ob sie dieses neue Leben wirklich glücklich macht. Macht sie sich vielleicht doch etwas vor? Der Plot mag begeisterten Lesern von Stephan Thome bekannt vorkommen: Sein neuer Roman „Gegenspiel“ erzählt eine Geschichte, die wir schon zu kennen glauben – bis wir feststellen müssen, dass wir sie eigentlich mit jeder gelesenen Seite weniger kennen bzw. weniger durchschauen. Thomes letzter Roman „Fliehkräfte“ erzählte von Hartmuts Leben, von seiner Beziehung zu Maria, die er nur selten sah und die er vermisste, von dem Angebot aus Berlin, dort in einem Verlag zu arbeiten und der schwierigen Entscheidung, den Zweifeln, ob er dafür seinen sicheren Professorenposten wirklich aufgeben wollte. Wer nun aber glaubt, er bekäme hier nur das Gleiche noch einmal leicht abgewandelt serviert, der irrt. „Gegenspiel“ erzählt die Geschehnisse um Hartmut und Maria noch einmal ganz neu. Ein ums andere Mal wünschte sich die Leserin, den früheren Roman noch präsenter zu haben, um Hartmuts Sicht der Perspektive Marias bis ins Kleinste gegenüberstellen zu können, zumal es Begebenheiten gibt, die im früheren Roman schon detailliert Thema waren und die nun neu erzählt werden. Nötig ist dies aber nicht. Marias Geschichte liest sich genauso packend, wie es schon bei Hartmuts der Fall war. Thome beschäftigt sich nicht nur mit der Gegenwart. Immer wieder springt er vor und zurück in Marias Leben, so zu ihrer Jugend in Portugal – Maria wollte unbedingt von dort weg – dann kam das Studium in Berlin und ihre Zeit in der Hausbesetzerszene. Hier die Beziehung zu einem Theaterregisseur, der sie schlecht behandelte und nicht an sich heranließ, bevor sie Hartmut kennenlernte, schnell schwanger wurde, heiratete und nach und nach ihre Wünsche an ihr Leben zunächst zurückstellte und dann fast aufgab. Wie Thome es bewerkstelligt, einzelne Stationen aus Marias Leben nur nach und nach zu beschreiben, bzw. immer auch Neues zu enthüllen, wo man schon nicht mehr damit rechnete; wie er in der Verschachtelung der Zeitebenen in seinem Roman nicht den Überblick verliert, sondern dem Leser alles nur häppchenweise und daher umso fesselnder serviert, das ist meisterhaft gemacht. Man liest und staunt. Noch beeindruckender, wie er die Beziehung Marias und Hartmuts immer wieder neu beleuchtet. Beider Wünsche und Sehnsüchte, der Unterschied zwischen dem, was man sagt und dem, was man nur denkt. Beide sind in der Lage, sich und die Beziehung immer wieder neu zu analysieren, aber dann sind sie wieder verwirrt, gekränkt, können nicht aus ihrer Haut. „Du wirst es nicht hören wollen, aber in einer Ehe redet man nicht über das Wichtige. Man redet einfach, über alles Mögliche. So überzeugt man sich davon, dass das, worüber nicht geredet wird, auch nicht wichtig sein kann.“ (S. 402) „Gegenspiel“ zeigt dem Leser all die Facetten Marias, die er in „Fliehkräfte“ nicht gesehen hat. Vor allem die Rückblenden erklären Vieles. Und Thome schafft es, seine weibliche Hauptfigur realistisch darzustellen. So geht es also um die eigenen Wünsche, die man irgendwann mal an sein Leben hatte und darum, was das Leben dann mit diesen Wünschen und mit einem selbst macht. Es geht um Beziehungen und um Liebe. Übrigens auch um die zwischen Eltern und ihren Kindern. „Das ist es doch, was Geheimnisse tun, die man voreinander hat: Sie führen dazu, dass der Andere eine Fiktion liebt. Nicht, wer man wirklich ist.“ – „Vorausgesetzt, das gibt es. Wer man wirklich ist.“ (S. 403) Es fällt nicht schwer, sich in „Gegenspiel“ an der einen oder anderen Stelle wiederzufinden. Und selbst wenn nicht, dann liest man immer noch einen gekonnt komponierten Roman um eine Frau und ihr Leben, um die Frage, wie sie zu dem wurde, was sie ist. Um Wünsche und das, was aus ihnen wird. Darum, diese Wünsche auch immer mal neu zu betrachten und zu schauen, ob sie noch gelten. Noch gelten sollen. Um den Mut, sie in die Tat umzusetzen und zu riskieren, dass man scheitern könnte. P.S.: „Ein Kirschbaum im Winter“, sagte Oliver und zeigte auf das Buch in ihrer Hand. „Was verbirgt sich dahinter?“ – „Die deutsche Neigung zur eigenwilligen Übersetzung von Buchtiteln.“ (S. 268) Dem ist nichts hinzuzufügen.

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