Stephanie Bart Deutscher Meister

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Inhaltsangabe zu „Deutscher Meister“ von Stephanie Bart

Berlin, 9. Juni 1933: Johann Rukelie Trollmann ist ein talentierter, unkonventionell kämpfender Boxer und
charismatischer Publikumsliebling. Er steht im Kampf um die Deutsche Meisterschaft. Seinem Gegner ist er überlegen. Doch Trollmann ist Sinto. SA steht am Ring. Funktionäre und Presse tun alles, um seine Karriere zu zerstören und ihn endgültig auf die Bretter zu schicken.

Stephanie Barts Roman "Deutscher Meister" führt ins Innerste der nationalsozialistischen Machtentfaltung und an ihre Grenzen.

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  • Deutscher Meister

    Deutscher Meister

    leselea

    21. October 2017 um 11:35

    Für die einen ist er „der Zigeuner, der wilde Mann, der wilde Urenkel der wilden Puszta, der Braune, der Halbwilde, der weiße Neger, der seltsame Derwisch, der schwarze Wuschelkopf, der Abkömmling der Nomaden, der Zigan“ (S. 125). Für die meisten ist Johann Rukelie Trollmann einfach nur „Troll, Troll, Troll“, ein Zigeuner, meinetwegen, aber vor allem ein begnadeter und außergewöhnlicher Boxer, der es in ihren Augen verdient hat, endlich um die Deutsche Meisterschaft zu boxen. Im Zuge der Säuberungen im Verband Deutscher Faustkämpfer bekommt der Sinto paradoxerweise seine Chance: Da jüdische Boxer, Trainer und Promoter abgesetzt werden, darf Trollmann um den Titel „Deutscher Meister“ kämpfen. Doch die Zulassung zum Kampf bedeutet noch lange keine Unterstützung durch die gleichgeschalteten Funktionäre und Presse: Und so muss Rukelie nicht nur gegen seinen Gegner im Ring kämpfen, sondern auch gegen die jenseits  des Kampfplatzes… Im Ring hatte Trollmann die Geschichte auf seiner Seite, aber außerhalb der Seile bekämpfte ihn die Gegenwart, in der die Dümmeren sich aufmachten, über Schwächere zu siegen. (S. 265) Stephanie Bart stellt das historisch bezeugte Schicksal des Sinto-Boxers Johann Rukelie Trollmann in den Mittelpunkt ihres Romans Deutscher Meister und verdichtet es zu einer Geschichte, die – anhand des Boxsports und der Institution des Verbands Deutscher Faustkämpfer – die Methoden der Machtergreifung und der Gleichschaltung durch die Nazis aufzeigt und im Kontext analysiert. Dabei geht die Autorin in mehrerer Hinsicht eigene Wege: Zum einen ist ihr literarischer Held ein späteres Opfer des Porajmos', über den in der deutschsprachigen Literatur eher weniger geschrieben wird; zum anderen verengt sie ihre Geschichte fast gänzlich auf die Welt des Boxsports und damit auf eine Welt, die für einige Leser anspruchsvoller Belletristik wohl eher fremd sein mag (mich eingeschlossen!). Auch die Fokussierung auf nur wenige Monate im Jahr 1933 und damit das komplette Aussparen des Zweiten Weltkrieges und des Holocausts  erscheint eher ungewöhnlich: Bart konzentriert sich völlig auf den Anfang des grausamen Ende, auf die Gedankenwelt, die den Boden für die späteren menschenverachtenden Taten bildet und auf die Art und Weise, wie oppositionelle Stimmen stumm gemacht und zögernde Zweifler auf Linie gebracht wurden. Deutscher Meister weicht also schon auf inhaltlicher Ebene von dem ab, was man in den Regalen großer Buchhandlungen zum Thema Nationalsozialismus findet. Doch was den Roman eindeutig aus der Menge der Bücher mit ähnlicher Thematik hervorstechen lässt, ist sein eigenwilliger Stil: Bart erzählt das Schicksal Trollmanns sehr distanziert und nüchtern; Nähe zu ihren Figuren lässt sich kaum zu, verschanzt sie doch Protagonisten wie Antagonisten hinter Vokabular aus dem Boxsport und den Funktionen, die die einzelnen Charaktere in ihrem Roman einnehmen. Hinzu kommt, dass sie immer wieder auf eine collagenartige Erzählweise zurückgreift: Szenen gehen fließend ineinander über, Figuren streifen sich und setzen dadurch neu Schwerpunkte, Stimmen kommen zu Wort, die danach nie wieder erklingen. Ich gestehe, dass mich alle Punkte – die inhaltlichen, vor allem aber die stilistischen – am Anfang sehr auf Distanz gehalten haben und ich mich nach 50 Seiten schon darauf einstellte, mich durch den Rest des Romans zu quälen, um ihn dann schnellstmöglich zu vergessen. Doch überraschenderweise kam es anders, was ich eindeutig Barts erzählerischem Talent zuschreibe, dem man aber die Zeit geben muss, sich zu entfalten. Je mehr Seiten ich las, desto passender und reizvoller erschien mir der von ihr gewählte Stil: Er ermöglicht subtile Ironie, das Aufdecken der kruden Ideologie der Nationalsozialisten, die lächerlich wirkende Taten hervorrief. Die Erzählung als Collage zeichnet das bunte Panorama Berlins, das gleichermaßen von Überzeugungstäter und Oppositionellen, Gewinnern und Verlierern, Mitläufern und Widerständlern geprägt war. Der Roman gewinnt so ungemein an Tiefe und schafft es die spezielle Atmosphäre – vor allem die der Boxwelt – an den Leser zu bringen. Gerade letzteres stellt für mich Barts größte Leistung dar: Sie schafft es, ein Gefühl für das Boxen, seine Regeln, aber auch seine Bedeutung für Fans und Athleten zu transportieren – auch wenn die detaillierten Beschreibungen, zu denen sie sich öfters hinreißen lässt, sicherlich nur für wahre Sportbegeisterte ein Vergnügen ist. Deutscher Meister ist ein Buch, auf das man sich einlassen muss und das langsam vom Leser Besitzt ergreift, dann jedoch mit voller Wucht. Ein Roman, der zu einem außergewöhnlichen Schatz im Bücherregal werden kann – wenn man ihn denn lässt. Ich vergebe 4 Sterne und rufe dazu auf, sich diesem Roman, wie ein Boxer, mit Mut und Ausdauer zu stellen.

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  • Leserunde zu "Bücherwürmer und Leseratten" von Bettina Mähler

    Bücherwürmer und Leseratten

    ChattysBuecherblog

    Wie Ihr aus dem Titel entnehmen könnt, treffen sich hier die Bücherwürmer und Leseratten. Und zwar zum gemeinsamen SUB-Abbau. Oft stehen wir vor dem Regal und fragen uns, welches Buch wir als nächstes lesen sollen.  Hier kommt die Lösung. Wir lesen einfach nach einem Monatsmotto. Das Ganze funktioniert so: Ich gebe jeweils zum Monatsanfang ein neues Motto bekannt (siehe Unterthema) und dann heißt es: ran an die Bücher...ran an den SUB. Viel Spaß!

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    • 1210
  • Sein Kampf

    Deutscher Meister

    Fornika

    05. September 2016 um 13:26

    1933 ist für Deutschland ein Jahr der Veränderungen. Die Nazis säubern peu à peu die deutschen Lande und machen dabei auch nicht vor den deutschen Sportverbänden halt, sind sie doch Aushängeschild der gesunden, arischen Überrasse. Blöd nur, dass damit ganze Verbandsstrukturen zusammenfallen und mittelmäßige Sportler plötzlich mangels Gegner ganz oben auf dem Siegertreppchen stehen. Auf den Boxsport hat man besonders ein Auge geworfen, wird dieser doch vom Führer besonders favorisiert. Doch ausgerechnet hier greifen die neuen Regelungen noch nicht richtig, steht doch plötzlich ein Sinti im Kampf um den Titel des deutschen Meisters. Johann Rukelie Trollmann muss nicht nur gegen seinen unmittelbaren Gegner kämpfen, sondern auch gegen die sich zuziehenden Schlingen der braunen Suppe.  An Stephanie Barts Geschichte fand ich die Thematik eigentlich ganz ansprechend, jedoch hat mich ihr Erzählstil leider so überhaupt nicht überzeugt. Viel zu distanziert und emotionslos (manchmal auch recht zäh) erzählt sie Trollmanns Geschichte und die Geschichte des Boxsportes. Trotz allerlei historischer Hintergründe konnte sie mir nicht wirklich nahebringen was es mit Trollmann auf sich hatte. Der agiert leider sehr pappkameradenlastig, kommt dem Leser nicht wirklich nahe und ist zudem auch noch recht unsympathisch dargestellt. Seine Rolle in diesem Buch ist eine sehr tragische, trotzdem werden nur sehr wenige Gefühle transportiert. Die nationalsozialistische Idiotie wird recht gut dargestellt, so manche Handlungsweise der Verbandsmitglieder zeigen wie absurd doch viele der Regeln waren. Trotz des ernsten Hintergrundes konnte mich Barts Buch nicht recht mitnehmen, sodass der Vorsatz diesem Sportler ein würdiges Denkmal zu setzen meiner Meinung nach doch an der Umsetzung gescheitert ist.

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  • Keinen Titel für den Besten

    Deutscher Meister

    AnneMF

    20. May 2016 um 16:50

    Johann Trollman ist ein talentierter Boxer, er ist Sinti im Volksmund auch Zigeuner genannt. Im Juni 1933 tritt er gegen den Deutschen Witt im Ring an. Es geht um die deutsche Meisterschaft im Boxen. Zeitgleich boxt Schmeling in New York um den WM Titel und verliert. Trollmann trat an, er musste siegen. Er gewinnt den Kampf über 15 Runden. Die Funktionäre können ihm den Sieg nicht verweigern, sie geben ihm allerdings nicht den Titel. Trollmann Sieger nach 12 Runden, aber kein Meistertitel. Und kein Kranz. Er muss noch einmal gegen einen anderen deutschen Faustkämpfer antreten. Diesen gewinnt er auch.Im Boxsport wurde schon immer betrogen. Boxen unter dem Nazi Regime war nicht einfach. Man verlangte das Siegen der arischen Rasse. Nur das zählte. Es ging um die nationale Ehre beim Boxen. Jeder Treffer in der Boxrunde am Körper des Gegners sei ein Treffer für den Führer. Zigeuner haben sich zu beugen.Die Methoden des Boxtrainings wurden so detailliert erzählt und über viele Seiten hingezogen, dass hat mich etwas geärgert. Die 15 Runden des Kampfes sind meiner Meinung nach auch zu sehr in die Länge gezogen worden. Man muss natürlich auch die Seiten füllen, ich finde es allerdings überflüssig jede Linke so ausführlich zu beschreiben. Der Schreibstil gefiel mir gut, die Autorin hat eine erstaunliche Sachkenntnis der damaligen Zeit.Ich musste einige Male stoppen und nachdenken.Die Sache mit dem KZ zum Ende im Epilog berührte mich schon sehr. Zur Wehrmacht einziehen und kämpfen dafür war er gut, aber nicht für den Titel eines deutschen Meisters.

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  • Deutscher Meister

    Deutscher Meister

    RobinBook

    Autorin: Stephanie Bart Titel: Deutscher Meister Weder hatte ich von Johann Rukelie Trollmann jemals zuvor etwas gehört oder gelesen, noch wusste ich, dass "Sinto" Singular von "Sinti" ist. Dass Letztere ebenso wie die Roma im sog. "Dritten Reich" verfolgt wurden,  war mir hingegen bekannt.                                „Dass Trollmann ein "Sinti" war, lässt die Schwierig“keiten einer Boxerkarriere im Berlin der Dreissiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts erahnen. Das Buch hat mich gleichzeitig sehr gut unterhalten und sehr betroffen gemacht. Es behandelt eine tatsächlich stattgefunden habende Geschichte. Trollmann lebte wirklich, durfte aber keinen Erfolg haben. Er wurde 1944 im KZ Neuengamme erschlagen.

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    • 2
  • Deutscher Meister

    Deutscher Meister

    Bella5

    Ersteindruck: Es geht um einen Boxer, der in der 'Herrenmenschen' - Denke der NS -Zeit quasi seine Daseinsberechtigung verloren hat, denn er ist Sinto und nach damaliger perverser Denkart daher "nicht arisch". Es ist sehr wichtig, dass solche Bücher nach wie vor publiziert werden, und dass man nicht denkt - was geht mich das an, ist 50 Jahre her. So gestrig ist das Ganze leider nicht, man denke nur an den aktuellen NSU-Prozeß gegen B. Zschäpe. Da die wenigsten Menschen Sachbücher lesen, ist dieser Roman besonders dazu angetan, einen Denkanstoß zu liefern und die Schicksale der Menschen, die plötzlich und grundlos zu "Untermenschen" gemacht wurden, im öffentlichen Bewusstsein zu halten. Den realen und nicht nur den literarischen Wert von "Deutscher Meister" kann man nicht hoch genug ansetzen. Verlagsinfo: ' Berlin, 9. Juni 1933: Johann Rukelie Trollmann ist ein talentierter, unkonventionell kämpfender Boxer und charismatischer Publikumsliebling. Er steht im Kampf um die Deutsche Meisterschaft. Seinem Gegner ist er überlegen. Doch Trollmann ist Sinto. SA steht am Ring. Funktionäre und Presse tun alles, um seine Karriere zu zerstören und ihn endgültig auf die Bretter zu schicken. Stephanie Barts Roman Deutscher Meister führt ins Innerste der nationalsozialistischen Machtentfaltung und an ihre Grenzen.' Mein Fazit: Meine Leseerwartung wurde erfüllt. Den Stil der Autorin fand ich flüssig & mitreißend, gar nicht kompliziert oder "einseitig". Über die feine Ironie und die sarkastischen Untertöne musste ich schmunzeln. So redlich wie ein Sachbuch, so mitreißend wie ein fiktionaler Roman ist das Werk geschrieben. Die Lektüre an sich war jedoch eine bedrückende, da ich immmer im Hinterkopf hatte, dass es sich eben nicht um eine fiktive, sondern um eine reale Geschichte handelt. Was andererseits für "Deutscher Meister" spricht, denn der Roman hat mich wirklich berührt, wenn auch auf traurige Art und Weise. Obwohl ich mit den Finessen des Boxsportes nicht vertraut bin, konnte ich der Erzählung folgen, das Buch ist also auch etwas für Sportmuffel. Man sieht, wieviel Vorarbeit zur Erstellung des Buches nötig war, und dass die Autorin den Roman nicht en passant verfasst hat, dafür meinen Respekt. Die Thematik ist keine leichte Kost, aber gerade deshalb ist es ein wertvoller Roman, der es absolut verdient, gelesen zu werden.

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    • 6
  • Meisterhaft

    Deutscher Meister

    Helles_Leuchten

    Auf das Buch "Deutscher Meister" von Stephanie Bart bin ich tatsächlich durch eine Radiosendung aufmerksam geworden. Erzählt wird die wahre Geschichte des Sinti und Profiboxers Johann Rukelie Trollmann in Zeiten des aufstrebenden Nationalsozialismus 1933. Die Kritiken anderer Leser waren ambivalent. Negative Kommentare bezogen sich auf "zu viele, detaillierte Kampfszenen" oder verwiesen auf einen "langatmigen Anfang."Allerdings hielt mich das keineswegs vom Lesen ab. Und im Nachgang muss ich sagen, die Entscheidung war goldrichtig. Diese Lektüre ist eine absolute Bereicherung! Verantwortlich sind dafür zum einen das Leben und die Person von Johann Rukelie Trollmann selbst, zum anderen der erstklassige Schreibstil von Stephanie Bart. Selbst als Coachpotato kann man von Rukelie lernen: Wille, Zähigkeit, Mut. Es stimmt schon, zu Beginn des Buches, beinahe die ersten hundert Seiten, hatte ich stets das Gefühl, es jederzeit aus der Hand legen zu können, ohne das Bedürfnis zu haben, es unbedingt einmal weiter lesen zu müssen. Dennoch, langweilig war es zu keiner Zeit. Vielmehr baut Stephanie Bart sukzessive einen gesellschaftlichen Rahmen auf, in dem sie die Geschichte, die sie zu erzählen hat, platziert. Gerade zu Beginn erscheinen immer wieder neue Personen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen auf der Bildfläche. Dabei gelingt es der Autorin, einen authentischen, dem damaligen Zeitgeist entsprechendes Bild von Berlin und seinen Einwohnern zu zeichnen, ohne dass sich der Leser in der Vielzahl der Charaktere verliert. Und das allein ist beinahe eine Meisterleistung. Denn bis zum Schluss des Romans hält Stephanie Bart an dieser Strategie fest, erlaubt der Handlung Nebenschauplätze und dem Leser, wirklich ein Gefühl für die Situation zu entwickeln. Die Kampfszenen, jedes Detail - tragen dazu bei, sich mehr und mehr in den Protagonisten hinzeinzuversetzen. Stephanie Bart schreibt, als wäre sie leibhaftig dabei gewesen, als wäre sie selbst ein wenig Rukelie. Mit jeder Runde im Ring fesselte mich das Buch zunehmend. Wie bei einem spannenden Film im Kino begann ich an den Nägeln zu kauen und registrierte ein stetig wachsendes Bedürfnis nach Popcorn. Bis zum Ende hin reißt die Spannungskurve nicht ab. Hatte ich am Anfang noch gedacht "Nett, aber unspektakulär", so zog mich der Roman nach und nach vollständig in seinen Bann.   Zuletzt möchte ich noch anmerken: ganz tolles Deutsch. Das Buch begeistert auch sprachlich.

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    • 2
  • Die Hoffnung stirbt bekannterweise zuletzt!

    Deutscher Meister

    kassandra1010

    18. July 2015 um 22:42

      Ein wunderbar trauriges Buch über einen Deutschen Meister, dessen Titel in letzter Minute aberkannt wird und über den Menschen Trollmann, der immer nur eines wollte und das war Boxen.   Faire Kämpfe gibt es seit der Änderung und des Eintritts des Rassengetzes nicht mehr und ausgerechnet Trollmann, der Halbzigeuner zeigt den hohen Herren, was ein linker Haken ist. Er kämpft ein ums andere Mal fair und muss doch feststellen, das er am kürzeren Hebel sitzt.   Ein Mahnmal an unsere Vergangenheit und die Feststellung, dass auch der Sport nicht davon verschont bleibt, rassenfeindlich und unfair zu sein.   Bart erzählt melancholisch über den Menschen Trollmann und dessen Lebensweg und dessen ewige Hoffnung, das alles was er tut, nur zum Wohle des Boxsportes ist!

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  • Boxen im Dritten Reich

    Deutscher Meister

    Bokmal

    02. June 2015 um 16:27

    Eins vorweg - ich bin normalerweise nicht an Sport interessiert, weder aktiv noch passiv, doch dieses Buch hat Begeisterungspotential. Wir schreiben das Jahr 1933. Adolf Hitler ist in Deutschland gerade an die Macht gekommen. Der talentierte Boxer Heinrich Rukelie Trollmann steht im Rampenlicht der Öffentlichkeit. Er kämpft um den Titel "Deutscher Meister". Die Massen lieben ihn und seine unkonventionelle Art zu boxen und mit dem Publikum während der Kämpfe durch Späße und Faxen in Kontakt zu treten. Das "Problem" - Trollmann ist Sinto, Gipsy nennen ihn die Medien. Man versucht ihn abzusägen. Titel abzuerkennen. Ihn fertigzumachen. Eine perfide Welt, in der auch im Sport nichts mehr zählt außer der Ideologie. Zugegeben, der Zugang zum Buch fällt nicht zuletzt durch die gewählte Schreibweise zunächst recht schwer. Doch ist man einmal drin in der Welt des Boxens mit ihren Fachbegriffen, so liest man mit Genuss diesen zweiten Roman von Stephanie Bart. Es gelingt ihr auf unglaubliche Weise, den Leser mit hineinzunehmen ins Geschehen und selbst der über viele Runden geführte Titelkampf wird wider Erwarten nicht langweilig, sondern fesselt das Interesse des Lesers. Für mich ein akribisch recherchierter und hochwertig geschriebener Roman, der ein interessantes Thema aufgreift, das eben nicht das "übliche" ist, was man so über den Nationalsozialismus zu lesen bekommt!

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  • Für echte Boxfans...ansonsten etwas zäh!

    Deutscher Meister

    bieberbruda

    22. December 2014 um 09:21

    Ich musste mich ehrlich gesagt durch 3/4 des Buches durchquälen. Erst zum Ende des Buches hat mich die Geschichte dann doch noch gepackt und dann war das Buch leider abrupt vorbei. Zum Inhalt: Trollmann (der Zigeuner) und Witt konkurrieren zur Nazizeit um dem Titel "Deutscher Meister" im Boxsport. Im Kampf (der gefühlt 100 Seiten lang ist) geht eigentlich Trollmann als Sieger hervor. Trotzdem wird ihm der Titel vom 1. Vorsitzenden des Verband Deutscher Faustkämpfer abgesprochen, dem der Sinti Trollmann ein Dorn im Auge ist. Da im Buch immer alle mit dem Nachnamen beschrieben werden (bzw. mit dem Titel - beispielsweise Erster Vorsitzender), finde ich es schwierig eine Beziehung mit den Protagonisten aufzubauen. Erst zum Ende hin hat mich das Buch ein bisschen gepackt - grundsätzlich war es mit seinen fast 400 Seiten aber viel zu lange und langatmig. Vor allem die detaillierten Kampfverläufe waren meiner Meinung nach sehr langweilig. Stattdessen hätte ich mir einen größeren Bezug auf die Figur "Trollmann" und dessen tragische Geschichte gewünscht. Leider kam das Ende dann sehr plötzlich und der weitere Lebenslauf Trollmanns wurde in 2-3 Sätzen abgehakt. Schade! Ich gebe dem Buch deshalb nur 2 Sterne und empfehle es nur echten Fans des Boxsports.

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  • Ein gelungener Roman über eine geschichtsträchtige Zeit

    Deutscher Meister

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    11. November 2014 um 16:04

    Das Buch „Deutscher Meister“ von Stephanie Barth ist für mich die literarische Überraschung des Jahres 2014. Der mir bis dato völlig unbekannte Autorin gelingt es mich vollkommen in ihren Bann zu ziehen mit der Geschichte des Boxers Johann Rukelie Trollmann. Johann Rukelie Trollmann ist ein talentierter wie charismatischer Boxer der im Berlin des Jahres 1933 versucht kraft seiner Muskeln und seines Talentes deutscher Meister zu werden. Leider zu einer falschen Zeit und einem falschen Ort – denn Trollmann ist Sinto und damit in den Augen der SA nicht der geeignetste Mann für den Titel. Gezielt und pointiert lässt Stephanie Barth die Zeit wieder aufleben und den Leser an den Machenschaften, Intrigen und Korruptionen jener Zeit teilhaben. Aus der Sicht eines Sportlers und dessen Welt diese Zeit zu betrachten war ein ganz anderes Leseerlebnis und Blick auf die Geschehnisse jener Zeit. Obwohl ich schon einiges aus dem Geschichtsunterricht kannte und viel Literatur zu dieser Zeit gelesen habe, hat mich der Roman gefesselt und der Stil der Autorin vollkommen überzeugt so dass ich das Buch gerne weiterempfehle.

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  • Deutscher Meister - Bart

    Deutscher Meister

    Angelika007

    10. November 2014 um 11:02

    Zahllose Sportlerinnen und Sportler waren im Europa des 20. Jahrhunderts von politischer Verfolgung betroffen. In erster Linie galt dies für faschistische Staaten, doch auch in den (post-)stalinistisch verfassten Ländern wie in der Sowjetunion oder der DDR herrschte im Sport ein Totalitarismus, der Opportunismus belohnte und »Abweichler« bitter und folgenreich diskriminierte. Dieses Buch beschreibt die politische und rassische Opfer-Situation des deutschen Nationalsozialismus um den Boxer Johann Trollmann. Daneben werden Funktionäre und Sportler rwöhnt, die sich mit den jeweiligen Systemen arrangierten. Nicht nur die Geschichte, die Zahlen und Fakten finden sich in diesem Werk, sondern auch die Betrachtungsweise zwischen den Zeilen. Wahrhaft Eindrucksvoll und teilweise in zugleich bedrückender Weise wird der Leser an die Hand genommen und erlebt die Vergangenheit des Protagonisten; dessen Ängste, Verzweiflung und Hoffnung sowie das von ihm erfahrene und auch weitergegebene Unrecht. Bemerkenswert ist, dass die Autorin Bart , die Handlungen und die Persönlichkeit des Protagonisten nicht einseitig schönt, sondern durchaus eine kritische Betrachtung erfolgte. Zugleich wird es dem Leser ermöglicht, sich mit dem abscheulichsten aller Kapitel der deutschen Geschichte anhand der Lebensgeschichte Trollmanns zu befassen und dieses Kapitel für sich strukturiert durchzuarbeiten. Krieg und Verfolgung werden in diesem Buch ungeschönt wiedergegeben. Dennoch ist es ein Werk, dass dem Leser keine Unlust an der Aufarbeitung der Geschichte vermittelt. Ich für meinen Teil habe dieses Buch insbesondere dazu genutzt, mein Wissen über das Sportlerdasein im Naziregims zu vertiefen und nachzuempfinden. Zusammenfassend kann ich sagen, dass dieses Buch ein Stück Geschichte ist

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  • Deutscher Meister

    Deutscher Meister

    seschat

    30. October 2014 um 08:49

    Inhalt: Der Sinto Johann Rukelie Trollmann ist ein erfolgreicher und beliebter Boxer. Sein Problem sind nicht die Gegner, sondern der Staat: das Dritte Reich. Er passt nicht ins Rassedenken des Hitler-Regimes. Ob Presse, die Boxfunktionäre etc., alle arbeiten gegen ihn. Kann sich der talentierte Trollmann im nationalsozialistischen Haifischbecken behaupten? Ein spannender mit reichlich Geschichtsstoff unterfütterter Lesestoff, der ein Einzelschicksal beleuchtet. Der Autorin Stephanie Bart gelingt es vortrefflich, sich sprachlich und gedanklich in die Zeit der 30er-/40er-Jahre hineinzuversetzen. Irrungen und Wirrungen dieser unruhigen Epoche werden mal drastisch realistisch, mal ironisch leicht dargestellt. Die klare, sachliche, meist unpersönliche Sprache beschönigt nichts, sondern stellt den Boxsport und damit Trollmanns Biografie in all seinen Facetten dar. Bei der Schilderung jedes Boxkampfs spürt man die Faszination für diesen Sport. Verschiedene Handlungsstränge sind miteinander verwoben und müssen vom Leser getrennt werden. Fiktive Dialoge beleben das Lesen. Es ist die Geschichte eines Talents, das alles für den Staat leistete, aber dafür nicht den gebührenden Dank erfuhr. Trollmann wurde zur Marionette auf Zeit. Fazit: Literarisch anspruchsvolle Lektüre mit Tiefgang und viel Geschichte

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  • Ein Buch über den Kampf, den jeder alleine ausfechtet

    Deutscher Meister

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    13. October 2014 um 14:58

    In dem Roman "Deutscher Meister" erzählt Stephanie Bart die Geschichte des deutschen, erfolgreichen Boxers Johann Rukelie Trollmann, der zur Zeit des nationalsozialistischen Deutschlands boxt. Der Boxer Johann ist jedoch Sinto und wird deshalb von den deutschen Führerkräften als unwürdig und schmutzig empfunden. Die Geschichte des Romans dreht sich um den Protagonisten Johann Rukelie Trollmann, Boxer und Sinto. Um ihn herum werden die Schicksale anderer Charaktere gezeichnet, die durch den Boxsport miteinander verbunden sind. Dabei bilden sich zwei unterschiedliche, gegensätzliche Positionen; dem Führer Hitler folgsame und die ihm widersetzende. Denn der Führer favorisiert das Boxen und als dieser die Säuberungssaktion befiehlt, müssen auch viele erfolgreiche jüdische Boxpublikumslieblinge dran glauben. Der Erste Vorsitzende des Verbands deutscher Faustkämpfer führt diese Säuberungsaktion durch. Doch da es keinen Befehl zur Entfernung von Sinti gibt und Boxer Trollmann für den Titelkampf als Gegner eines andern Boxers benötigt wird lässt er diesen, im Titelkampf antreten. Dennnoch ist er ihm und den Funktionären ein Dorn im Auge. So wird dieser immer wieder von oben manipuliert und hat so kaum eine Chance auf den Titel des "Deutschen Meisters", obwohl er diesen durch seine Fähigkeiten leicht hätte erreichen können. Die Autorin charakterisiert Trollmann sehr detailliert und der Leser kann sich schnell mit ihm identifizieren und mitfühlen. Sie führt so zu den Verlieren des deutschen Nationalsozialismus und zeigt auch gleichzeitig den Drive von denen "am Hebel". Ausübung starker Kritik an diesen wird durch die Darstellung dieser als lächerlich und verzweifelt deutlich. Weiterhin lenken die Nebencharaktere, deren Handlungen meist einfach in die Haupthandlungen der Protagonisten eingefügt ist, stark vom Hauptgeschehen ab und wirken auch teilweise verwirrend, aber dienen auch zum Spannungsaufbau. Diese Spannung verliert sich jedoch leider in den seitenlangen Beschreibungen von den einzelnen Boxkämpfen, die so sehr in die Länge gezogen werden. Auch die Benennung der Charaktere vorwiegend mit Nachnamen ist irreführend und ungewohnt; gibt dem Roman jedoch seine eigene Wesensart. Dazu beitragend ist auch die Schreibweise, die oft der, der Dramatik gleicht und den altmodischen Geist hervorbringt. Das Ende ist leider sehr knapp gefasst und unzureichend. Es kommt wie ein plötzlicher Dolchstoß, eine plötzliche Niederlage; obwohl diese langsam und schwerfällig über das ganze Buch heranschleicht. Mein Fazit: Ein Roman über den Kampf, den Kampf Hitlers gegen die Juden, Sinto, Roma und Homosexuellen; sowie dem Kampf der Mächtsüchtigen für Hitler; dem hoffnungslosen Kampf der Bekämpften gegen die Kämpfenden. Der Große Kampf Hitlers im Boxkampf dargestellt.

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  • Deutsche Geschichte

    Deutscher Meister

    MissStrawberry

    Stephanie Bart schreibt hier keinen Unterhaltungsroman im üblichen Sinne, es ist ein biografischer Roman über das Leben von Johann Trollmann. Dieser war in den frühen 30er Jahren ein überaus talentierter Boxer. Unkonventionell, beliebt, charismatisch, erfolgreich – und ein Sinto. Letzeres wird ihm in dieser Zeit zum Verhängnis. Stephanie Bart weiß hervorragend, mit der Sprache und Sprachmelodie umzugehen und kann damit fast schon zaubern. Damit meine ich nicht, dass sie blumig oder so schreibt. Sie bleibt sachlich und distanziert, aber genau damit macht sie den Leser so betroffen, denn er darf sein eigenen Gedanken und Gefühle in die Geschichte einbringen. So entführt sie den Leser 80 Jahre zurück und zeigt auf, dass Sport schon damals unter Politik zu leiden hatte. Die Autorin beschreibt sehr anschaulich die Ideologie dieser Zeit, die Schwierigkeiten und Hassaktionen – aber auch das Boxen ansich. Sehr gut gemacht, sehr tiefgängig, sehr eindrucksvoll – und sehr deprimierend. Ja, es ist ja auch kein fröhliches Thema. Aber wie man doch bestimmt an meiner Hilflosigkeit in dieser Rezension merken kann, macht mich dieses Buch fassungslos, unendlich traurig und wütend auf eine Zeit, die lang vor meiner Geburt war. Auch wenn schon so viel darüber gesagt wurde – es gibt noch so viele Geschichten aus dieser Zeit, die Schicksale greifbarer machen, als man es in der Schule lernte und die uns alle dazu ermahnen, solche Dinge nie wieder geschehen zu lassen. Das Thema ist immer aktuell, denn es ist immer irgendwo Krieg und immer aus idealistischen Gründen, die einfach nur schwachsinnig sind. So wie jetzt der Wahnsinn des ISIS. Wann lernt der Mensch endlich, sich menschlich zu benehmen? Vielleicht hilft die Lektüre solcher Bücher dabei? Ich hoffe es. Von mir jedenfalls vier Sterne.

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