Stephanie Wodianka Metzler Lexikon moderner Mythen

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Inhaltsangabe zu „Metzler Lexikon moderner Mythen“ von Stephanie Wodianka

Aus kulturwissenschaftlicher Sicht ist auch die Moderne vom Mythischen geprägt. Moderne Mythen unterscheiden sich in vielem nicht von den klassischen: Sie sind zugleich stetig und wandelbar, sie schaffen kollektive Identität, stiften Sinn, deuten die Welt und verwandeln Widersprüchliches in scheinbar Eindeutiges. Das vorliegende Lexikon versucht zum ersten Mal, exemplarisch moderne Mythen aus dem Zeitraum des 19. bis 21. Jahrhunderts zu versammeln. In über 120 Artikeln werden Personen (Marilyn Monroe, Goethe und Schiller), Figuren (Asterix, Pippi Langstrumpf), Ereignisse (68er-Bewegung), Orte (Alpen, Rhein) und Konzepte (Fortschritt, Ewige Jugend) in ihrer mythischen Qualität und ihren Deutungszusammenhängen vorgestellt.

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  • Zu Mythen entwickelte Personen und Ereignisse der Moderne

    Metzler Lexikon moderner Mythen

    michael_lehmann-pape

    02. February 2015 um 12:21

    Zu Mythen entwickelte Personen und Ereignisse der Moderne Da in der Moderne „alles zum Mythos“ werden kann (aber nicht muss) und da für verschiedene Bevölkerungsgruppen je auch unterschiedliche „Kleinere“ Ereignisse oder bestimmte Personen „mythisch verklärt“ werden können, erhebt dieses Lexikon logischerweise keinen Anspruch auf absolute Vollständigkeit. Aber in der Zielrichtung der Exemplarität und Repräsentativität legen die verschiedenen Autoren im Buch durchaus im Gesamten ein Art „roter Linie“ vor Augen, an der sich die Regeln und Formen moderne Mythenbildung gut ablesen lassen. Zum anderen sind die einzelnen Mythen detailliert erfasst und beschrieben und bieten in dieser Form eine reichhaltige Informationsquelle im Konkreten für den Leser. Im breiten Rahmen möglicher Definitionen des Mythos setzten die Herausgeber in diesem Werk den „subjektiven Wahrnehmungsmodus von überindividueller, kollektiver Bedeutung im Sinne des kulturellen Gedächtnisses“ zu Grunde. Eine Definition, die dann auch den Holocaust ebenso als modernen Mythos (eben nicht im Sinne von „unwahre Überhöhung“ sondern im Sinne eines überindividuellen kulturellen Ereignisses) beschrieben kann, wie den „Flaneur“. Im Einzelnen werden zu jedem Phänomen knapp und komprimiert die Fakten und / oder biographischen Eckdaten benannt, das Hauptaugenmerk der Ausführungen (das sollte vorher dem Leser bekannt sein), liegt, dem Titel des Werkes entsprechend, auf der Beantwortung der Fragen nach dem „eigentlich Mythischen“ der konkreten Person oder Sache, nach dem Verhältnis zu Modernen und in der Darstellung der „Etappen der Mythisierung“. Seien es nun die Beatles mit einer ausführlich beschriebenen „Ikonographie“ (mediale Präsenz, die in der Moderne zur Mythisierung grundlegend einen je wichtigen Beitrag leistet, wie das Buch herausarbeitet) bis hin zu den „Untergangsprophezeiungen“ und den (gereinigten) unsterblichen Beatles als exemplarische Darstellung von Popmythen (wie auch Elvis), sei es „Casablance“ als Vereinigung mythischer Schauspieler, Filme und Orte. Schon an diesen beiden Beispielen wird deutlich, dass zum Mythos generierend ein „Mitschwingen“ erfüllter oder eröffneter Sehnsüchte gehört, ein auch „sagenumwobener“ Ort (Star Club, Abbey Road Studios, Rick´s Café), Elemente, in denen jene Überhöhung in das kollektive Gedächtnis (auch wenn es so manche der Orte gar nicht gab) sich entfalten konnte. Seien es James Bond als Entsprechung des „archetypischer Helden“ in der Moderne (für den Regeln im Kampf des Guten nicht wirklich gelten), sei es gar „Derrick“ (Präsenz und humanitär motivierte Beharrlichkeit) mit seiner fast weltweiten medialen Verbreitung, seien es aber auch „handfeste und reale“ Mythen wie Che Guevara (Idealismus und Charisma), die „RAF“ (heroische Selbstdeutung) oder die „Titanic“ als Mythos der Klassengesellschaft, des individuellen Heldentums, der zerstörten technischen Hybris des Menschen, wie auch Verdun als Mythos von Tod, Gewissen, aber auch Sinnverlust. Je konzentriert bieten die einzelnen Artikel zu den einzelnen modernen Mythen einen Überblick über die geschehenen Mythisierungen, Überhöhungen und die kollektive Wirkung der Ereignisse und Personen. Dabei stellen die Inhalte des Buches eher differenzierte Anhaltspunkte für eine eigene weitere Vertiefung der je konkreten Mythenbildungen an, als abschließende Antworten vor Augen zu führen (was in der Breite der Darstellung und der damit einhergehenden Kürze der einzelnen Artikel auch zu viel erwartet wäre). Das Buch schärft dennoch hochgradig den Blick für eine moderne Mythenbildung, verweist auf Elemente, die so nicht unbedingt umgehend vor Augen stehen als „Mythos“ und ist in der Sprache präzise und verständlich gehalten. Eine sehr empfehlenswerte Lektüre zu den „Großereignissen“, „Leinwandhelden“, „Popmythen“ und zu vielen weiteren kulturellen „Überhöhungen“, in denen sich Gesetzmäßigkeiten der Mythisierung ebenso ablesen lassen, wie konkrete Sensibilitäten, Sehnsüchte und Verfasstheiten in der konkreten Kultur.

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