Die Annahme, dass ein Wesen namens Galaxias unsere Sonne für 24 Stunden verschwinden lassen kann, ist schlichtweg blödsinnig und nicht einmal als Fantasy zu gebrauchen. Die Protagonistin nennt sich salopp Tash, sollte aber - wie auch das Buch - TRASH heißen. Ein Buch für den Winter - zum Befeuern des offenen Kamins.
Stephen Baxter
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
Alle Bücher von Stephen Baxter
Die Lange Erde
Die letzte Flut
Evolution
Die Zeit-Odyssee
Der Lange Krieg
Zeitschiffe
Proxima
Die letzte Arche
Neue Rezensionen zu Stephen Baxter
Im Jahr 2255 befindet sich das Raumschiff Shadow auf einer Mission tief draußen in den Weiten unseres Sonnensystems. Was zunächst wie eine routinierte Forschungsreise erscheint, erhält eine vollkommen neue Bedeutung, als die zwanzigjährige Salma, die bereits an Bord des Schiffes geboren wurde, eine außergewöhnliche Entdeckung macht. Seit vielen Jahren existiert die Vermutung, dass sich jenseits der bekannten Bahnen ein neunter Planet befinden könnte. Doch Salma entdeckt etwas völlig anderes: ein Objekt, das weder Planet noch Schwarzes Loch ist – und dennoch von einer Bedeutung, die alles Bekannte infrage stellt. Die Shadow nimmt Kurs darauf, ohne zu ahnen, dass diese Reise weit mehr als nur eine wissenschaftliche Sensation mit sich bringen wird. Was sie dort finden, hat das Potenzial, zu einer Entscheidung von globaler, ja sogar menschheitsweiter Tragweite zu werden.
Auch die Erde hat sich in dieser Zukunft, wenig überraschend, stark verändert. Klimakrise, Ressourcenknappheit, Hunger, Dürren und Überschwemmungen prägen den Alltag. Als Reaktion darauf hat sich eine Gruppe gebildet, die sogenannten Bewahrer, die inzwischen auch die politische Führung übernommen haben. Ihr oberstes Ziel ist der Schutz allen Lebens. Neue Rohstoffe werden nicht mehr abgebaut, alles wird recycelt, Nachhaltigkeit ist oberstes Gebot. Um dennoch an dringend benötigte Ressourcen zu gelangen, greift die Menschheit auf Asteroiden und den Mond zurück. Als die Shadow schließlich von ihrer Entdeckung berichtet, ist die Aufregung entsprechend groß. Sie werden zwar die Ersten sein, die das Objekt erreichen, doch sowohl die Regierung der Erde als auch ein mächtiges Konsortium vom Mond bestehen darauf, ebenfalls vor Ort zu sein und Einfluss auf die weiteren Ereignisse zu nehmen.
Gerade die Phase der Entdeckung und die daraus resultierenden Erkenntnisse gestaltet Baxter äußerst spannend. Die wissenschaftlichen Ideen, die Konzepte und das Fremdartige dessen, was entdeckt wird, fesseln von Beginn an. Der Autor geht jedoch, wie man es von ihm kennt, noch deutlich weiter. Wer bereits Romane von Stephen Baxter gelesen hat, weiß, dass er seine Figuren und Themen gerne in sehr große Zusammenhänge einbettet. Die teils sehr ausführlichen und detailreichen Exkurse liefern zwar wertvolle Hintergrundinformationen zur Welt, zur Zeit und zu den handelnden Personen, bremsen jedoch stellenweise den eigentlichen Erzählfluss aus. Neben der Shadow werden auch die Crews der beiden anderen Schiffe intensiv begleitet. Zwar laufen alle Handlungsstränge letztlich zusammen, doch nicht jede dieser Umwege wäre zwingend notwendig gewesen, um die Geschichte verständlich oder wirkungsvoll voranzutreiben.
Wie der Titel „Die Wiege der Schöpfung“ bereits andeutet, wird das Geschehen zunehmend größer, abstrakter und fantastischer. Baxter spannt einen gewaltigen Bogen über Weltraum und Galaxien, die Seltenheit und den Ursprung des Lebens, den Urknall, Schwarze Löcher sowie Fragen nach Anfang, Ende und Unendlichkeit. Nahezu jedes große Thema der Science-Fiction findet hier seinen Platz. Die präsentierte Grundidee ist klassisch Baxter: ambitioniert, kosmisch gedacht und von einer tief philosophischen Grundstimmung getragen. Weniger gelungen ist jedoch, dass sehr viele Erzählstränge und Figuren parallel aufgebaut werden. Mit etwas mehr Fokus und Reduktion hätte die Geschichte an Klarheit, Tempo und Zielgerichtetheit gewinnen können. An Ideenreichtum mangelt es dem Roman jedenfalls nicht.
Fazit:
Dass unser Sonnensystem in vielen Milliarden Jahren nicht mehr existieren wird, ist eine wissenschaftliche Tatsache. Doch was, wenn dies nur ein Teil eines viel größeren Zyklus ist? Was, wenn alles Teil eines ewigen Systems von Entstehen, Vergehen und Wiederkehr ist? Und was, wenn der Übergang zu etwas Neuem nur darauf wartet, von uns entdeckt zu werden? Stephen Baxter beschreitet mit „Die Wiege der Schöpfung“ einen weiten, visionären Weg und entwirft eine ebenso faszinierende wie utopische Zukunft: eine Menschheit, die ihre Ressourcen schützt, und ein kosmisches Geheimnis, das weit über unser Universum hinausreicht. Der Roman bietet zahlreiche starke, beeindruckende Science-Fiction-Momente, wird jedoch durch einige zähe und ausschweifende Passagen ausgebremst, die dem eigentlichen Ziel der Geschichte im Weg stehen. Für Fans von Stephen Baxter ist das Buch dennoch genau das Richtige – ein weiteres groß angelegtes, gedankenreiches und konsequent mit Science-Fiction gefülltes Werk, wie man es von ihm erwartet.
Matthias Göbel
Autor: Stephen Baxter
Übersetzung: Michael Siefener
Taschenbuch: 560 Seiten
Verlag: Heyne Verlag
Veröffentlichung: 12.02.2025
ISBN: 9783453323483
Die tausend Erden hat mich als Science-Fiction-Fan von Anfang an gepackt. Die Geschichte ist faszinierend, mitreißend und lädt dazu ein, mitzufiebern und sich gedanklich vollständig in diese vielschichtige Zukunftsvision fallen zu lassen. Besonders beeindruckt haben mich die ausgeklügelten technologischen Ideen und möglichen Zukunftsszenarien, die sehr durchdacht und intelligent miteinander verwoben sind. Man merkt deutlich, wie viel konzeptionelle Tiefe und Planung in diesem Roman steckt – dafür habe ich größten Respekt vor dem Autor.
Sehr gelungen fand ich auch die Verknüpfung der unterschiedlichen Handlungsstränge und Zeitebenen. Nichts wirkt vorhersehbar, es gibt echte Überraschungsmomente, und die Spannung bleibt über weite Strecken erhalten. Der Schreibstil ist angenehm zu lesen, und die Figuren sind so ausgearbeitet, dass ich mich gut mit ihnen identifizieren konnte.
Trotzdem ist das Buch stellenweise sehr fordernd: Manche Passagen ziehen sich deutlich, und nicht alle Handlungsstränge werden konsequent zu Ende geführt, was einige offene Fragen hinterlässt. Zudem ist die Grundstimmung sehr dunkel und schwer. Nach dem Lesen bleibt ein intensives Gefühl von Ohnmacht, Einsamkeit und der unendlichen Weite des Universums zurück – kein Buch, das man mit Leichtigkeit schließt, sondern eines, das lange nachwirkt.
Gerade diese Intensität macht das Buch für mich aber auch besonders. Trotz meiner Kritikpunkte überwiegt die Faszination deutlich, weshalb ich klare fünf Sterne vergebe. Die tausend Erden ist anspruchsvolle, tiefgehende Science-Fiction, die fordert, berührt und zum Nachdenken zwingt. Ich werde definitiv weitere Bücher von Stephen Baxter lesen.
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