Stephen Braun

 4 Sterne bei 2 Bewertungen
Autor von Der Händler des Todes, The Science of Happiness und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Stephen Braun

Der Händler des Todes

Der Händler des Todes

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Erschienen am 12.09.2011
Buzz

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Erschienen am 01.10.1997
The Science of Happiness

The Science of Happiness

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Erschienen am 01.12.2001

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Rezension zu "Der Händler des Todes" von Stephen Braun

"Der Rest der Welt hielt die amerikanische Regierung für heuchlerisch und inkompetent."
R_Mantheyvor 3 Jahren

Man kann dieses Buch der beiden amerikanischen Erfolgs-Journalisten unter zwei völlig verschiedenen Gesichtspunkten lesen. Vordergründig geht es um die Machenschaften von Victor Bout, einem russischen Waffenhändler und "Logistik-Unternehmer", der in den letzten 20 Jahren in nahezu alle kriegerischen Konflikte dieser Welt indirekt verwickelt war. Darüber kann man sich gewiss moralisch entrüsten. Doch viel interessanter ist die Art und Weise, wie die westliche Welt mit dem Phänomen Bout über 15 Jahre umging. Liest man das Buch unter diesem Aspekt, dann entlarvt es in der Tat die heuchlerische Moral insbesondere der westlichen Führungsmacht und deren unfassbare Inkompetenz.

In den Wirren des Zusammenbruchs der Sowjetunion gelang es Bout, billig einige alte sowjetische Transportflugzeuge zu kaufen. Er nutzte offenbar vorhandene Beziehungen und die missliche Lage osteuropäischer Waffenproduzenten, um ein weltweit agierendes Waffenhandelsunternehmen aufzubauen, das in der Folge sehr schnell expandierte. Über Bouts Herkunft, seinen militärischen oder geheimdienstlichen Hintergrund oder gar sein Leben wissen die Autoren nur sehr wenig oder gar nichts. Insofern ist der Untertitel des Buches recht irreführend.

Die Autoren nutzten für ihr Werk unter anderem ihnen zugängliche Geheimdienstberichte, meist aber Recherchen anderer Journalisten oder Untersuchungen von Leuten, die Bout aus Überzeugung auf der Spur waren. Darunter befinden sich auch verschiedene untergeordnete Mitarbeiter von US-Behörden. Da Bout sich und seine Tätigkeit überaus raffiniert tarnte und dabei immer wieder bürokratische Schwachstellen und sein gern genommenes Geld nutzte, fällt es schwer, seine Spuren wirklich genau zu folgen.

Das merkt man dann auch dem Text an, der nicht immer spannend geschrieben wurde und der den Leser nicht selten mit einer verwirrenden Masche ermüdet. Oft werden nämlich Dinge als Tatsachen behauptet, um sie dann wenige Zeilen später wieder halbherzig zurückzunehmen oder in den Dunstkreis von Vermutungen abzuschieben. Hinzu kommt noch, dass sich die Autoren als patriotische Amerikaner fühlen und gerne verschweigen, dass amerikanische Administrationen ebenso direkt oder indirekt in Machenschaften verstrickt waren und sind, die sie nun Bout zu Recht vorwerfen.

Bout wird angelastet, in fast alle Konflikte auf dem afrikanischen Kontinent der 1990er Jahre mit Waffenlieferungen an die sich bekämpfenden Konfliktparteien involviert gewesen zu sein. Als enger Freund des inzwischen entmachteten liberianischen Diktators Taylor ging er sogar soweit, selbst Konflikte zu inszenieren, um etwa an fremde Diamantenminen zu gelangen. Den verschiedenen amerikanischen Administrationen war zumindest auf unteren Ebenen bekannt, dass Bout permanent gegen UNO-Sanktionen verstieß. Doch entweder drangen diese Informationen nicht bis in die exekutiven Kreise vor oder sie wurden dort bewusst ignoriert.

Im Spätfrühling 2001, als sich der Wind langsam gegen Bout zu drehen begann, veranstalteten verschiedene US-Geheimdienstler eine Victor-Bout-Party, um Angestellte unterschiedlicher Behörden des aufgeblähten amerikanischen Staatswesens miteinander bekannt zu machen. Mit Ehefrauen, Kindern und beim Brutzeln von Hamburgern und Würsten versammelten sich Mitarbeiter von NSC, CIA, DIA und NSA, um ihr Wissen über Bout auszutauschen. Wenn man sich diese bizarre Veranstaltung vor Augen führt, dann kann man eigentlich nur noch grinsen. Aber es kommt noch besser.

Bout fühlte mit seinem kriminellen Instinkt wohl, dass er so nicht weiter machen konnte. Obwohl er ständig neue Fluggesellschaften gründete und obwohl er allen zeigte, wie leicht man die Sicherheitsbürokratie im internationalen Luftverkehr aushebeln kann, merkte er doch, dass man ihm näher kam. Doch unverhofft half ihm 9/11, denn danach bemühte sich die Bush-Administration um ein besseres Verhältnis zu Russland. Bouts Verhaftung passte nun nicht mehr ins Konzept.

Bout wiederum bot nun seine Dienste den US-Behörden an, und diese zögerten nicht, seine Billig-Offerten anzunehmen. Hunderte Male flog er für die US Army Fracht nach Bagdad. Entweder kapierten die Verantwortlichen nicht, mit wem sie sich einließen oder es war ihnen völlig egal. Übrigens trifft man dieses interessante Moralverständnis auch bei den Machern des Films (Lord of War) über Bout. Um die Geschichte authentisch zu gestalten, liehen sie sich ein Flugzeug von Bout, der also auch noch an seiner filmischen Verurteilung verdiente.

Nun sitzt der Bösewicht in amerikanischem Gewahrsam und wartet auf seinen Prozess. Das erfährt der Leser aus dem Nachwort des Verlages, denn soweit reicht die Geschichte nicht, die in diesem Buch erzählt wird. Zum Verhängnis wurde Bout ein vermeintlicher Waffendeal mit einer kolumbianischen Untergrundarmee, bei dem er an amerikanische Agenten geriet, die ihn dann in Thailand verhafteten.


Fazit.
Eigentlich sollte dies ein Buch über den Waffenhändler Victor Bout werden, der inzwischen in einem amerikanischen Gefängnis auf seinen Prozess wartet. Doch es ist genau so ein Bericht über die Unfähigkeit und den Unwillen amerikanischer Administrationen, seinem Treiben rechtzeitig ein Ende zu setzen. Dass er schließlich noch der US Army im Irak-Krieg half, stellt die Krönung dieses Verhaltens dar.

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