Eines nachts stehen ein paar seltsam wirkende Gestalten vor dem Teenager Jonah und entführen diesen aus dem Jugendgefängnis. Ihm wird ein (unkonventioneller) Neustart in sein von klein auf verkorkstes Leben angeboten, wenn er seine IT-Fähigkeiten nutzt, um mit anderen Jugendlichen nicht ganz legale Dinge zu drehen. Allerdings hat Jonah Schwierigkeiten, sich mit seiner neuen Situation abzufinden und möchte aussteigen, bevor er richtig drinnen ist. Er fühlt sich einfach nicht wohl dabei, krumme Dinge zu drehen und ist auch ein Stück weit damit überfordert, dass sich jemand (bzw. sogar mehrere Personen) wirklich für ihn zu interessieren scheint. Auch mit Selbstwertproblemen hat er deshalb häufiger zu kämpfen und wertet sich anfangs oft selber ab.
Die Handlung war okay, teilweise aber sehr in die Länge gezogen mit störenden Umstandsbeschreibungen oder Gedankeneinblicken, die nur bedingt zum eigentlichen Geschehen passten.
Vor allem aber störte mich, vor allem, da es sich um ein Buch ab 12 handelt, die Menge an Gewaltschilderungen ohne jegliche Einordnung. Teilweise zogen sich Kampfszenen über mehrere Seiten. Und anstatt, dass sie Konsequenzen erfahren oder jemand ihren Handlungen (auch anderen fragwürdigen Aktionen) Einhalt gebietet ermutigen sie sich gegenseitig und werden dabei teilweise noch von den Erwachsenen unterstützt. Das Buch suggeriert, dass Gewalt und Verbrechen okay sind, solange man es für sich selber irgendwie rechtfertigen kann (z.B. damit, dass die Bestohlenen ebenfalls krumme Dinge am Laufen haben). Und das ist für mich ein No Go in einem Buch ab 12.
Und auch wenn sie alle eine harte Kindheit (und teils Jugend) hatten und früh viel Verantwortung übernehmen mussten bzw. mit Problemen konfrontiert gewesen sind, sind viele Darstellungen doch übertrieben. Mich persönlich hätte es nicht weiter gestört, wäre nicht ständig betont worden, wie jung die einzelnen Protagonisten denn gewesen sind/ noch sind. Und was ihnen dabei zugemutet wird, von einem Erwachsenen, der schlussendlich nur auf seinen eigenen Vorteil aus ist.
Da es sich um Fiktion handelt (und die Handlung selbst nicht vollständig realistisch ist) mag dies andere Leute eventuell nicht stören, ich persönlich habe diese Dinge aber als durchaus störend in eine ansonsten nachvollziehbaren Handlung wahrgenommen. Vielleicht sagen andere Leute auch, dass der propagierte Gewaltanteil (bzw. Kriminalitätsanteil) aus diesem Grund für sie okay ist, ich sehe diesen in einem Buch für junge Leser ab 12 aber zwiegespalten, unabhängig von dem Realismusgrad der restlichen Geschichte. Gerade in einer Zeit, in der die Gewaltbereitschaft sowieso steigt. Diese Entscheidung muss aber jeder für sich selber treffen.
Die zwei Sterne gibt es für die solide, wenn auch langatmige, Handlung sowie dafür, dass das Buch zeigt, dass es für jede Person mit all ihren Stärken und Schwächen einen Platz gibt, dessen Suche manchmal mehrere Jahre und manchmal den ein oder anderen Schicksalsschlag braucht, sich aber auch aus diesen negativen Situationen etwas Positives machen lässt. Das hat mir wirklich gut gefallen und auch zu sehen, wie schwierig es sein kann, wenn einem immer nur schlimme Dinge passieren und einem dann gute Dinge passieren. Zum Beispiel hat Jonah sich nie wirklich willkommen gefühlt an einem Ort bzw. fühlte sich am Ende immer hintergangen/ verraten - entsprechend groß sind nun seine Schwierigkeiten, sich auf seine neuen Freunde einzulassen. Aber leider überwiegt der Aspekt mit dem "schlechten Vorbild", vor allem in Bezug auf die dargestellte Gewalt.