Stephen Donaldson Heut sterben alle Götter

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Inhaltsangabe zu „Heut sterben alle Götter“ von Stephen Donaldson

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  • Rezension zu "Heut sterben alle Götter" von Stephen R. Donaldson

    Heut sterben alle Götter

    rallus

    19. November 2012 um 09:54

    Götterdämmerung - letzter Akt der All-Nibelungen Im letzten Akt seines Wagnerschen Opus, läßt Donaldson seine Protagonisten an die Grenzen ihrer physischen und psychischen Kräfte gehen. Anfangs bringt uns der Autor noch in die Wirrungen der Erd-Politik. Während Morn Hyland im fernen All mit ihrer zusammengewürfelten Besatzung um ihr Leben kämpft, lesen wir auf der Erde um Politik, Intrigen und Verhandlungen. Wichtig ist, die Zusammenhänge zu verstehen, welcher Plan im Hintergrund steht, wer welche Fäden zieht. Nach den anfänglichen politischen Verwicklungen nimmt das Buch Fahrt auf, die Ereignisse überschlagen sich, hier macht sich die gewissenhafte Vorarbeit Donaldson bezahlt. Die Masse von Daten und Ereignissen erschlägt den Leser nicht, es ist indessen ein höchster Genuss im spannenden Labyrinth verwoben zu sein. Dass die Geschichte immer noch einem Kammerspiel ähnelt ist eine der hohen Weihen der Schriftstellerkunst. Dabei bedient sich Donaldson eines Kniffs um die Sichtweisen der verschiedenen Personen darzustellen. Es wird zwischen vielen Haupt-und Nebenfiguren kapitelweise gewechselt, dabei überlappen sich die Übergänge öfters und die Darstellung wird intensiviert. Und noch etwas fällt auf: die Protagonisten rezitieren immer wieder Aussagen, die ihnen gegenüber im Verlauf des Buches gemacht wurden. Besonders häufig ist Angus Gedanke, die innerliche Hoffnung, seine Flucht vor den Grauen die passiert sind und noch folgen werden, die Aussage Warden Dios: "Damit muss Schluss sein" Schluss mit seiner Unifiziertheit, das Leben als Cyborg, dem einprogrammiert wurde wie er sich zu verhalten hat, dem Aufpassser zur Seite gestellt wurden, die ihn quälen, misshandeln, genau wie in seiner Kindheit. Dieses Beispiel gibt wieder wie sehr sich Donaldson doch um seine Protagonisten kümmert, ihre Innenansichten preisgibt, ihre Gefühle, Hoffnungen. Andererseits sind sie nur Schachfiguren in einem minuziös geplanten großen Spiel. Doch gerade dieser Haufen von Piraten, Illegalen, zusammengestoßen mit dem VKMP Raumschiff und Min Donner befreien sich aus ihrer Rolle und spielen das Zünglein an der Waage. Die Menschheit muss sich zwei Krisen im Verlauf stellen, einer inneren und einer äußeren Gefahr; einerseits die Amnion mit ihrem Schlachtschiff, andererseits auf der Erde zwischen dem Regierungsrat und einem vollkommen machtbesessenen Holt Fasner (der Drache). Hier ist jetzt Planung bis auf das letzte I-Tüpfelchen gefragt und der kleine Trupp kann allein der Retter der Menschheit sein. Doch darum geht es schon längst nicht mehr, Morn und ihre Mitstreiter möchten mehr: "Ob heute Millionen von Menschen umkommen oder nicht, die Polizei bleibt korrupt. Und ihnen das Leben zu retten, ist auf lange Sicht kein Ausweg. Das einzige, was wir der Menschheit zu bieten haben, das zu einer Änderung führen kann, ist die Wahrheit.” Die Wahrheit ist das was Angus verändern läßt, die Verläßlichkeit zu dem was ihm gesagt wird, läßt ihn letztendlich die Qualen seines im Kinderbett erlittenden Unrechts überwinden. Auch die anderen beziehen daraus die Stärke. Ohne die Wahrheit wäre aller Aufwand umsonst, wäre das Scheitern nahe. Und es wird bis zum Schluss unmenschliches verlangt und jeder geht bis an, oder über seine Grenzen. Am Ende erkenne ich, dass hier von Anfang bis Ende alles durchdacht war, Donaldson bringt auch seine Leser an ihre Grenzen, hat aber mit dem Amnion Zyklus ein so nicht mehr dagewesenen Science Fiction Serie geschrieben, die für sich einzigartig steht. Im Original heißt die Serie der Gap-Zyklus, weil "das Gap" das Hyperspatium ist, das Morn in die Katastrophe geführt hat. Die Leser wird es sicherlich spalten, da die Art zu schreiben seit dem Band 3 ungewöhnlich ist und sicherlich nicht jedermans(fraus) Sache, aber hier hat der Autor nicht nur hohes Drama verwirklicht, sondern auch die niedrigsten wie die besten Kräfte im Menschen in Extremsituationen sichtbar und erlebbar gemacht. Wahrheit und Verläßlichkeit sind das höchste Gut des Menschen, mit ihnen benötigen wir keine Götter. Die Götterdämmerung verdichtet das Buch buchstäblich auf Stecknadelgröße und vielleicht überlebt die Menschheit ohne ihre Götter. Volle Punktzahl!

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