Stephen Greenblatt

 4.6 Sterne bei 44 Bewertungen
Autor von Die Wende, The Norton Anthology of English Literature und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Stephen Greenblatt

Stephen Greenblatt ist Professor für Englische und Amerikanische Literatur und Sprache an der Harvard Universität. Er ist einer der angesehensten Forscher zu Shakespeares Werk sowie zur Kultur und Literatur in der Renaissance. Greenblatt ist Herausgeber der Norton Anthology of English Literature sowie Autor mehrerer Bücher, darunter die hochgelobte Shakespeare-Biographie Will in der Welt (2004). Für seine Arbeit wurde er mit zahlreichen Preisen geehrt, u.a. mit dem National Book Award und dem Pulitzerpreis für sein Werk Die Wende (2012). Bei Siedler erschien zuletzt Die Geschichte von Adam und Eva. Der mächtigste Mythos der Menschheit (2018).

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Stephen Greenblatt

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Cover des Buches Die Wende (ISBN:9783886808489)

Die Wende

 (18)
Erschienen am 23.04.2012
Cover des Buches Die Geschichte von Adam und Eva (ISBN:9783570553985)

Die Geschichte von Adam und Eva

 (7)
Erschienen am 22.04.2019
Cover des Buches Der Tyrann (ISBN:9783570554289)

Der Tyrann

 (3)
Erscheint am 27.07.2020
Cover des Buches Will in der Welt (ISBN:9783641156145)

Will in der Welt

 (2)
Erschienen am 27.04.2015
Cover des Buches The Norton Anthology of English Literature (ISBN:9780393925326)

The Norton Anthology of English Literature

 (8)
Erschienen am 28.02.2006

Neue Rezensionen zu Stephen Greenblatt

Neu

Rezension zu "Die Geschichte von Adam und Eva" von Stephen Greenblatt

Unterhaltsam, spannend und interessant
Eva-Maria_Obermannvor 9 Monaten

Greenblatt beginnt mit einer persönlichen Anekdote, die im ersten Moment schmunzeln lässt, im nächsten aber schon so viel Aussagekraft hat. Als Kind wurde im gesagt, er dürfe in der Synagoge den Blick nicht heben. Die kindliche Überzeugung vom Glauben kämpfte gegen die Neugierde. Die Enttäuschung, als er aufblickte und nichts geschah, setzte sich fest. Die Desillusionierung, der leise erste Zweifel, der die Welt in einem anderen Blick erstrahlen ließ. Er wird zur Chiffre des Sündenfalls selbst, zur Metapher der Erkenntnis.

Anschaulich und detailliert wiegt Greenblatt die biblische Erzählung auf gegen Schöpfungsmyhten, die älter sind. Explizit geht es dabei um den Gilgamesch-Epos, in deren Schatten die persönliche Erfahrung der Juden steht, die von den Babyloniern gefangen und verschleppt wurden. Die historischen Gegebenheiten werden zum psychologischen Ausgangspunkt und die Geschichte des Garten Edens zum Gegenentwurf des Epos. Greenblatt gestaltet diese historisch-literarische Analyse so spannend und gleichzeitig einleuchtend, dass es großen Spaß macht, das Buch zu lesen, zu überlegen, zu rätseln und zu erkennen.

Ein Kapitel bildet dabei die jahrhundertelange Unterdrückung der Frau mit der Begründung, sie sei in der Schöpfung angelegt und die Frau ohnehin zur Strafe verurteilt. Doch gleichzeitig schwingt die Betrachtung der Frau und ihre Benachteiligung in vielen der Episoden mit. Sie wiegt schwerer, je eher die Gesellschaft die biblische Geschichte für bare Münze nimmt. Leider bleibt sie auch danach in vielen Köpfen bestehen. Gerade hier hätte ich mir gewünscht, etwas über den Tellerrand zu blicken und den Lilith-Mythos zumindest zu erwähnen.


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Rezension zu "Will in der Welt" von Stephen Greenblatt

Der Mann der Shakespeare gewesen sein könnte
thursdaynextvor einem Jahr

Interpretationen, Textanalysen – wer erinnert sich nicht an seine Schulzeit, eine wunderbare Aufgabe für begabte Schwafler damals. Interpretationen können Spaß machen, je nach Persönlichkeitstypus und Schwaflergenen. Unser Sohn, eher der technische Typ, gehört nicht zu jenen die gerne interpretieren. Er sieht nur Sinnlosigkeit, ihm fehlt die „factfulness“ und die Freude des Gedankenwetzens und Schärfens, die eine Interpretation beinhalten kann, ist ihm fremd. Schade, dass es Stephen Greenblatts Shakespeare Mutmaßungen (noch) nicht als Hörbuch gibt, ich würde es mir glatt noch einmal anhören, goutieren und es verwenden, um dem Nachwuchs zu beweisen, dass Interpretationen, auch wenn sie spekulativ sind durchaus mit harten Fakten untermauert werden können und es sehr wohl Sinn ergibt, sich damit zu befassen. Stephen Greenblatt, Shakespeare-Experte berichtet in Will in der Welt – Wie Shakespeare zu Shakespeare wurde so begeisternd und faszinierend über das fast komplett im Dunkeln liegende Leben des Dramatikers und Schauspielers, verbindet dieses Leben mit der elisabethanischen Zeit und den Lebensumständen, zieht Rückschlüsse aus politischen Geschehnissen und bringt Will(iam Shakespeare) wirklich in die Welt. Anschaulich erläutert er die damalige Zeit ihre Sitten und das machtreligiöse Geplänkel sehr genau, so dass (zumindest für mich) alles nachvollziehbar erscheint. Exakt so könnte es gewesen sein, das Leben dieses Menschen, der der Welt diese herrlichen Werke schenkte und dabei doch im Dunkeln blieb. Oft halte ich es für vermessen, wenn in Erörterungen und Analysen der Wille des Autors heraus gezwungen wird. Greenblatt vermochte es auf immerhin 471 Seiten, den Antrieb, unter dem dieser Renaissancedichter wohl stand zu erhellen. Wie wurde aus einem Jungen, der in der Provinz des elisabethanischen Englands als Sohn eines gut betuchten, angesehenen Handschuhmachers aufwuchs, der größte Dramatiker der letzten Jahrhunderte? Wie lebte es sich zu seiner Zeit, wer befeuerte ihn, worauf achtete er? Der Shakespeare-Experte verbindet und verknüpft Shakespeares Leben und Alltag mit den Inhalten seiner Stücke und andersherum. Dabei ist ihm bewusst, dass es niemals absolute Gewißheit geben kann, denn bereits die zeitliche Einordnung seiner Stücke ist fast nicht belegbar. Ziemlich gesichert ist Shakespeares ungefähres Geburtsdatum.

Am 26. April 1564 wird ein Gulieilmus filius Johannes Shakspere vom Stratforder Vikar John Bretchgirdle vermerkt. Übrigens nahmen es die elisabethanischen Engländer zwar sehr genau mit der Buchführung (nur so kann man später zur Weltmacht werden *g*), aber mit der Rechtschreibung gingen sie erschreckend oder erfrischend, je nachdem wie man es betrachten mag, kreativ und großzügig um, wodurch die Recherchen sicher nicht einfacher wurden. Shakespeare hingegen, dessen Familienvermögen wohl durch Trunksucht seitens seines Vaters schwand, verdiente in seinen späteren Jahren zwar gut, neigte aber – böse Zungen könnten ihn knausrig nennen, er war aber durchaus bodenständig und sparsam. Sein hart erarbeitetes Geld ordentlich zusammenzuhalten war ihm sehr wichtig, so lebte wohl recht bescheiden in London und prozessierte sogar wegen ein paar Shilling gegen einen Schuldner. Andererseits gab er 400 Pfund für Grundbesitz aus. Es schien ihm ein Anliegen zu sein, nicht wie King Lear im Alter auf die Gnade seiner Töchter angewiesen zu sein. In seinem Stück „Die lustigen Weiber von Windsor“ führt er Emporkömmlinge vor, gibt sie dem Gelächter preis, dabei hat er den Antrag seines Vaters auf Erhalt eines Wappens für die Familie weiter vorangetrieben. Greenblatt schreibt dazu: „Shakespeare war ein Meister des gespaltenen Bewußtseins. Er war ein Mann, der sein Geld für ein Wappen ausgab, der sich aber über den Dünkel, der in einem solchen Anspruch lag, lustig machte.

Aufgewachsen auf dem Land, vertraut mit einem Handwerk aus nächster Nähe, verfügte er über ein Vokabular für die Natur, das ihm als Stadtmensch so nicht geläufig gewesen wäre. Er besuchte wohl eine Lateinschule, für die Universität fehlte dann später das Geld. Pragmatisch mit gesundem Menschenverstand ausgestattet, sparsam, begabt, ehrgeizig und sehr produktiv nutzte er sein Talent und die Möglichkeiten, die ihm die Schauspielerei bot, um Erfahrungen zu sammeln, die er in seine Stücke einfließen ließ. Interessant ist seine Haltung zur damals frisch verordneten Staatsreligion, er ist sehr zurückhaltend. Man findet viel vom Menschen William S. in seinem Werk, wenn man sich wie Stephen Greenblatt jahrzehntelang mit der Materie befasst hat. Greenblatt serviert seine Gedanken und Erkenntnisse sachlich, aber so intensiv, dass sich diese Interpretation liest wie ein Geschichtsthriller. Ich fand auch nirgends etwas, das mich zum Widerspruch reizte. Alles erscheint federleicht und nachvollziehbar. Amüsant, wie Greenblatt untersucht, was es damit auf sich gehabt haben könnte, dass Shakespeare seiner Frau Anne Hathaway, die er nicht sehr geliebt haben kann, in seinem Testament sein zweitbestes Bett vermachte. Stringent und faszinierend erweckt der Professor für Englische und Amerikanische Literatur den Schöpfer von Romeo und Julia zum Leben, deckt mögliche Quellen, die Shakespeare gekannt haben muss, auf und untersucht, wie er diese in seinen Werken verarbeitete. Das elisabethanische, später das jakobinische England und der Künstler tragen einen flugs durch die nicht unerhebliche Seitenzahl und wer dann immer noch Nachforschungen anstellen möchte wird bei den reichhaltigen Quellenangaben sicher fündig. Es ist bereits das zweite Buch von Stephen Greenblatt, das sich mit Shakespeare beschäftigt das ich gelesen habe, und ich bin hingerissen von seiner Art zu erzählen. Ein großes, bereicherndes Lesevergnügen.

Eine grandiose Interpretationsanalyse von Autor, Werk, Zeitalter, Politik, Religion und Zeitgenossen. Die ZEIT nennt es ein „Meisterwerk der Spekulation“ und dem schließe ich mich uneingeschränkt an. Wer sonst nichts von Shakespeare liest und kennt, wer ihn verehrt, geschichtlich Interessierte, für alle ist etwas dabei in diesem detektivischen Pageturner.

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E

Rezension zu "Der Tyrann" von Stephen Greenblatt

Von Shakepeare und Machtmenschen
evaczykvor einem Jahr

“Er ist ein pathologischer Narzisst und in höchstem Maße arrogant. Er verfügt über eine groteske Anspruchshaltung und hat nie einen Zweifel daran, dass er tun knn, was er will. Er brüllt gern Befehle und sieht, wie seine Untergebenen sie hastig ausführen. Er erwartet unbedingte Loyalität, ist aber unfähig zur Dankbarkeit”

Wer nach diesen Zeilen ein weiteres Enthüllungsbuch aus dem Weißen Haus oder ein Psychogramm der Trump-Administration erwartet, täuscht sich. In seinem Buch “Der Tyrann” schildert der Literaturwissenschaftler und Pulitzer-Preisträger den Charakter des Shakespeare-Schurken Richard III. Darin setzt er sich mit “Shakespeares Machtkunde für das 21 Jahrhundert” auseinander.

Der Keim seines Buches, so schreibt Greenblatt, sei seine “wachsende Sorge über den Ausgang einer bevorstehenden Wahl” gewesen. Und nachdem die Wahl seine schlimmsten Befürchungen bestätigt habe, grübelte er weiter über “Shakespeares unheimliche Relevanz für die politische Welkt, in der wir uns nun befinden”, heißt es ohne namentliche Erwähnung Trumps.

Wie aktuell Shakespeares Dramen mit ihren Schilderungen von Machtgier und Intrige, politischer Verantwortung und Manipulation des Volkes sind, zeigt Greenblatt besonders an Aufstieg und voll von Richard III und Macbeth, aber auch die Frage des Tyrannenmords in Julius Caesar und die Vereinsamung an der Macht am Beispiel von König Lear werden erörtert.

Auch das Umfeld, in dem Shakespeares Dramen entstanden, kommt zur Sprache: Kritik an der Königin hätte schließlich als Verrat gegolten. Jedliche Kritik an Tyrannei in einer Zeit, in der staatiche Zensoren auch in Theatersälen nach Anzeichen für aufrührerisches Gedankengut hielten, hatte sich also tunlichst auf eine Herrschaft in der Vergangenheit und so fiktiv wie möglich zu beziehen,

Mit zahlreichen Zitaten aus den geschilderten Werken beschreibt Greenblatt Populismus und Größenwahn, Paranoia der Mächtigen und die Haltung derjenigen, die den Aufstieg des Tyrannen überhaupt erst ermöglichen. Welche Möglichkeiten gibt es noch, die Entwicklung zu stoppen oder zumindest zu mildern? Wer durchschaut die Tyrannei, wie regt und organisiert sich Widerstand? Fragen wie diese sind zeitlos und nicht auf die Bühnenbretter des elisabethanischen Zeitalters beschränkt.

Angesichts aktueller Ereignisse hält der Literaturwissenschafler eine geradezu tröstliche Anaklyse bereit: Shakespeare habe nicht geglaubt, dass sich Tyrannen sehr lange halten könnten: “Egal wie schlau sie ihren Aufstieg planten, einmal an der Macht waren sie erstaunlich inkompetenz.” Die Existenz von Langzeitpräsidenten, die sich ihre Herrchaft in einigen Ländern gerne auf Lebenszeit sichern wollen, widerspricht dieser Sichtweise zwar. Doch selbst brutale Herrscher schafften es zumindest bei Shakespeare nicht, die gesamte Opposition zu vernichten – Isloilation und Arroganz beschleunigten den Sturz nur noch mehr.

Trump oder Putin sind nicht Richard III. oder König Lear, doch eine spannende Analyse ist “Der Tyrann” dennoch – nicht nur für Politik- und Literaturwissenschaftler. 

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