Stephen Greenblatt

 4.6 Sterne bei 40 Bewertungen
Autor von Die Wende, The Norton Anthology of English Literature und weiteren Büchern.

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Der Tyrann

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Neu erschienen am 17.09.2018 als Hardcover bei Siedler.

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Die Wende

Die Wende

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Erschienen am 23.04.2012
Die Geschichte von Adam und Eva

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Erschienen am 12.03.2018
Die Wende: Wie die Renaissance begann

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Erschienen am 29.11.2012
Der Tyrann

Der Tyrann

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Erschienen am 17.09.2018
Will in der Welt

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Erschienen am 01.10.2006
Hamlet im Fegefeuer

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Erschienen am 10.10.2008
Was ist Literaturgeschichte?

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Erschienen am 27.03.2009
Die Geschichte von Adam und Eva

Die Geschichte von Adam und Eva

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Erschienen am 22.04.2019

Neue Rezensionen zu Stephen Greenblatt

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Rezension zu "Der Tyrann" von Stephen Greenblatt

Von Shakepeare und Machtmenschen
evaczykvor 3 Tagen

“Er ist ein pathologischer Narzisst und in höchstem Maße arrogant. Er verfügt über eine groteske Anspruchshaltung und hat nie einen Zweifel daran, dass er tun knn, was er will. Er brüllt gern Befehle und sieht, wie seine Untergebenen sie hastig ausführen. Er erwartet unbedingte Loyalität, ist aber unfähig zur Dankbarkeit”

Wer nach diesen Zeilen ein weiteres Enthüllungsbuch aus dem Weißen Haus oder ein Psychogramm der Trump-Administration erwartet, täuscht sich. In seinem Buch “Der Tyrann” schildert der Literaturwissenschaftler und Pulitzer-Preisträger den Charakter des Shakespeare-Schurken Richard III. Darin setzt er sich mit “Shakespeares Machtkunde für das 21 Jahrhundert” auseinander.

Der Keim seines Buches, so schreibt Greenblatt, sei seine “wachsende Sorge über den Ausgang einer bevorstehenden Wahl” gewesen. Und nachdem die Wahl seine schlimmsten Befürchungen bestätigt habe, grübelte er weiter über “Shakespeares unheimliche Relevanz für die politische Welkt, in der wir uns nun befinden”, heißt es ohne namentliche Erwähnung Trumps.

Wie aktuell Shakespeares Dramen mit ihren Schilderungen von Machtgier und Intrige, politischer Verantwortung und Manipulation des Volkes sind, zeigt Greenblatt besonders an Aufstieg und voll von Richard III und Macbeth, aber auch die Frage des Tyrannenmords in Julius Caesar und die Vereinsamung an der Macht am Beispiel von König Lear werden erörtert.

Auch das Umfeld, in dem Shakespeares Dramen entstanden, kommt zur Sprache: Kritik an der Königin hätte schließlich als Verrat gegolten. Jedliche Kritik an Tyrannei in einer Zeit, in der staatiche Zensoren auch in Theatersälen nach Anzeichen für aufrührerisches Gedankengut hielten, hatte sich also tunlichst auf eine Herrschaft in der Vergangenheit und so fiktiv wie möglich zu beziehen,

Mit zahlreichen Zitaten aus den geschilderten Werken beschreibt Greenblatt Populismus und Größenwahn, Paranoia der Mächtigen und die Haltung derjenigen, die den Aufstieg des Tyrannen überhaupt erst ermöglichen. Welche Möglichkeiten gibt es noch, die Entwicklung zu stoppen oder zumindest zu mildern? Wer durchschaut die Tyrannei, wie regt und organisiert sich Widerstand? Fragen wie diese sind zeitlos und nicht auf die Bühnenbretter des elisabethanischen Zeitalters beschränkt.

Angesichts aktueller Ereignisse hält der Literaturwissenschafler eine geradezu tröstliche Anaklyse bereit: Shakespeare habe nicht geglaubt, dass sich Tyrannen sehr lange halten könnten: “Egal wie schlau sie ihren Aufstieg planten, einmal an der Macht waren sie erstaunlich inkompetenz.” Die Existenz von Langzeitpräsidenten, die sich ihre Herrchaft in einigen Ländern gerne auf Lebenszeit sichern wollen, widerspricht dieser Sichtweise zwar. Doch selbst brutale Herrscher schafften es zumindest bei Shakespeare nicht, die gesamte Opposition zu vernichten – Isloilation und Arroganz beschleunigten den Sturz nur noch mehr.

Trump oder Putin sind nicht Richard III. oder König Lear, doch eine spannende Analyse ist “Der Tyrann” dennoch – nicht nur für Politik- und Literaturwissenschaftler. 

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thursdaynexts avatar

Rezension zu "Der Tyrann" von Stephen Greenblatt

Shakespeare, Populisten und Tyrannen
thursdaynextvor einem Monat

Eine Warnung: Wenn man Der Tyrann zu lesen beginnt, kann man das Buch nicht mehr weglegen. Ich musste eine Nachtschicht einlegen.

Stephen Greenblatt, Pulitzerpreisträger und Shakespeare Spezialist aus Harvard, nimmt sich Shakespeare her, um die Mechanismen des Populismus und die Vorgehensweise der Tyrannen und Diktatoren zu untersuchen und sie mit jenen, die heute praktiziert werden, zu vergleichen. Und er wird fündig! Reichlich Material hat der wortgewaltige Autor in seinen Stücken zu bieten. Folgerichtig untertitelt Greenblatt sein Werk: Shakespeares Machtkunde für das 21. Jahrhundert.

Seit Beginn seiner Karriere anfangs der 1550er Jahre interessierte sich Shakespeare dafür, wie es geschehen kann, dass ein Land in die Fänge eines Tyrannen fällt. Zu dieser Zeit musste man sich sehr vorsichtig und behutsam mit dieser Thematik befassen, sonst konnte es geschehen, dass einem plötzlich der Kopf oder andere geschätzte Körperteile abhanden kamen. Freie Meinungsäußerung war kein Bürgerrecht, Theater wurden bei unliebsamen Stücken geschlossen oder abgerissen.

Shakespeares "Trick" dem zu entgehen bestand darin, dass er die Handlung seiner Stücke in frühere Zeiten und andere Länder verlegte. Der Erfolg gab ihm recht. Ihm war es wichtig Unterhaltung für die Massen zu machen, dabei waren ihm Amüsement und Inhalt gleich wichtig. Wer wollte und dazu in der Lage war konnte im Theater auch immer wieder politisch relevantes finden. Diese Relevanz hat sich bis ins 21. Jahrhundert gehalten. Die Art und Weise wie Narzissten und Egomanen sich den Weg zur Macht bahnen ohne sich um Werte, Mitmenschen und Gemeinwohl zu scheren ist noch immer dieselbe. Putin, Trump, Erdogan, Kim Dingens und wie sie alle heißen interessiert doch nicht das Volk, außer um es für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Macht ist ihr Ziel, sei es um den Reichtum in ihrem Sinne zu verteilen, sei es zum puren Selbstzweck.

Brilliant und scharfsichtig beginnt Greenblatt anhand des englischen Rosenkrieges, Inhalt eines seiner frühen Stücke, aufzuzeigen wie alles beginnt. Spannend und faszinierend liest sich das, aber auch zunehmend beängstigend:

"Dieser Hass ist ein wichtiger Teil dessen was zu sozialen Zusammenbruch und schließlich zur Tyrannei führt. Er macht die Stimme des Gegners, ja den bloßen Gedanken an ihn fast unerträglich." So analysiert er in Heinrich dem VI. den jungen König der zu schwach ist diesen "Bruderkrieg" zu unterbinden.

Und auch in Deutschland und den USA ist dieser Hass auf den politischen Gegner wieder aufgekommen, wird forciert und genutzt von Machtmenschen, die nur ihr eigenes Interesse im Blick haben. Alles schon mal dagewesen. Wir wissen es, unsere Politiker wissen es doch entweder sind sie, wie Heinrich zu schwach oder sie glauben diese rasende Wut in ihrem eigenen Interesse kanalisieren und beherrschen zu können, oder sie sind absolute Egomanen denen jedes Mittel recht ist.

King Lear, Julius Caesar, Macbeth, sie alle sind in verschiedenen Varianten auch heutzutage vertreten. So grandios und informativ Stephen Greenblatt hier seinen Shakespeare auf diese Thematik hin durchleuchtet, so niederschmetternd und furchteinflößend sind die Schlüsse die er zieht. Soziale Ungleichheit ist gewollt, ermöglicht die Kontrolle der Massen, bis sie so brutal wird, dass diese sich erheben. Daher sind all diese Tyrannen, Despoten und Egomanen in ihrem tiefsten Innern unglücklich, paranoid und vertrauen niemandem. Weder ihren Verbündeten und Mitläufern bis hin zu ihren Familienangehörigen.

Was Greenblatt in seinem Buch darlegt ist eine exakte Analyse dieser Menschen und ihrer geistigen Verfassung und dies alles anhand der Stücke eines vor Hunderten Jahren verstorbenen großartigen Beobachters der menschlichen Natur und Seele. Trotz des unerfreulichen Themas ein großes, spannendes Lesevergnügen das ich gerne weiterempfehle. Unter anderem macht es auch Lust sich wieder an Shakespeares Klassikern zu erfreuen. Sie sich zu erlesen. Und am Ende resümiert Greenblatt: "...Shakespeare war überzeugt, die Tyrannen und ihre Günstlinge würden am Ende scheitern, an ihrer eigenen Bösartigkeit und an einem Geist der Menschlichkeit, der sich zwar unterdrücken, aber nie ganz ausrotten lasse. Die größte Chance lag für ihn im politischen Handeln gewöhnlicher Bürger."

Eine Interpretation die sich wie ein Thriller quer durch die (englische) Geschichte liest.

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Rose75s avatar

Rezension zu "Die Geschichte von Adam und Eva" von Stephen Greenblatt

Haben Adam und Eva wirklich gelebt?
Rose75vor 3 Monaten

Der Autor, Stephen Greenblatt, nimmt uns in diesem Buch mit auf eine Reise quer durch die Geschichte und den Auslegungen der Genesis.


Es beginnt in Babylon  und endet mit Charles Darwin.    Künstler und Gelehrte wie Albrecht Dürer, John Milton und Augustinus von Hippo bekommen viel Raum im Buch und man bekommt dadurch ein Gefühl dafür,   welcher Zeitgeist in diesen Epochen geherrscht hat.

Wer sich für Kirchengeschichte und verschiedene Sichtweisen auf die bekannteste Schöpfungsgeschichte interessiert, findet hier viele neue Denkansätze. 

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