Stephen Grosz

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Alle Bücher von Stephen Grosz

Die Frau, die nicht lieben wollte

Die Frau, die nicht lieben wollte

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Erschienen am 25.01.2018
The Examined Life

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Erschienen am 28.06.2013
Zycie wysluchane

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Erschienen am 01.01.2014
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Erschienen am 03.05.2013

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Rezension zu "Die Frau, die nicht lieben wollte und andere wahre Geschichten über das Unbewusste" von Stephen Grosz

Einfühlsame Schilderungen
michael_lehmann-papevor 5 Jahren


 

Kann es sein, dass ein Lob für ein Kind eher schädlich ist, das ein Kind durch ein Lob vertrauen verliert? Ja, das kann sein, folgt man Stephan Grosz ins einen Betrachtungen von Fällen und Erlebnissen als Psychoanalytiker. Denn wenn das Kind immer und immer wieder und falsch gelobt (was bist Du klug, was ist das für ein tolles Bild usw.) wird, dazu führt Grosz auch eine wissenschaftliche Untersuchung an, dann sinkt messbar die Motivation des Kindes (ich habe ja schon das tollste Bild gemalt“ und die Angst steigt, zu versagen (ich bin ja das klügste Kind, wenn ich einen Fehler mache, liegt das an meiner Persönlichkeit).

 

Besser wäre es, führt Grosz in seiner nie aufdringlichen Art aus, das „Bemühen“ eines Kindes zu loben und damit dem Kind die Erfahrung zu geben, dass sich „Mühen“ und „aktiv vorangehen“ lohnen.

 

Ein ganz andere als gegenwärtig verbreitete Denkweise, die der Leser im Buch allerdings sehr gut annehmen kann. Was nicht nur an der einsichtigen Argumentation liegt, sondern vor allem an der unaufdringlichen, klugen und einfühlsamen Weise, in der Grosz von seinen Fällen und Einsichten erzählt. Berichte, in denen er immer wieder im Kern der einzelnen Themen den Blick auf das lenkt, was unbewusst im Menschen vorgeht.

 

Die Frau, die trotz häufiger sexueller Aktivität daran „nicht satt“ wird und bei der sich zeigt, dass einige erotisch gedeutet Träume nichts anderes ausdrücken als den Verlust der engen Bindung zu ihrem Kind durch dessen erwachsen werden. Eine kleine Sequenz eines Traumes, das streicheln an der Hüfte durch einen anderen Mann, führt hier auf die Spur.

 

Oder ein anders gelagertes Empfinden bei einer Frau, die nicht nur ihren Mann, sondern auch Grosz selbst scheinbar immer versucht, „klein“ zur reden. Als „Süß und niedlich“ zu bezeichnen. Eine ganz junge Mutter, die in sich damit kämpft, dem Kind gegenüber auch sehr ärgerlich, wütend gegenüber zu stehen bei all dem Geschrei, was eben auch bei Neugeborenen im Raum steht. Wut, die auf den Mann übertragen wurde, um das Kind nicht „zu hassen“.

 

Das Eltern unbewusst ihre Kinder, manchmal auch zutiefst, beneiden um deren Potential, Frische, Zukunft, das ist im Buch genauso Thema, wie das ständige Perfektionieren des Hauses, das alle Gedanken gefangen nimmt, ohne bewusst zu merken, dass es um den Bau eines „Schutzwalles“, eines Versteckes geht, aus ganz anderen Gründen.

 

Über „Anfänge“ auch im Lebensalter redet Grosz, über Lügen, über die Liebe (sehr ausführlich und sehr lesenwert unter anderem „Wie uns Liebeskrankheit an der Liebe hindert), Über Veränderungen und die Angst davor und über das existenzielle Thema von Gehen  und Verlassen (bis hin zum Tod).

 

Immer sind es kurze Gedanken, die um das Wesentliche, den Kern des Problems oder der Verhaltensweise kreisen und gerade in der schlichten Darstellungen gelingt es Grosz, den Leser tief mit hineinzunehmen und Grundthemen des Lebens und deren Speisung aus dem Unbewussten. Ein sehr empfehlenswertes Buch.

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Rezension zu "Die Frau, die nicht lieben wollte und andere wahre Geschichten über das Unbewusste" von Stephen Grosz

Berührend, ermutigend und voller Menschlichkeit
WinfriedStanzickvor 5 Jahren


 

 

Der Titel dieses Buches hat mich sofort an ein Buch des britischen Neurologen Oliver Sacks erinnert, das den Titel trug „Der Mann, der seine Frau mit seinem Hut verwechselte“, das ich 1985 nach seinem Erscheinen mit großer Begeisterung gelesen habe.  Auch in den dann folgenden Büchern beschrieb er komplexe Krankheitsbilder anhand von Fallbeispielen allgemeinverständlich in zwanglos-anekdotischem  Stil. Sein Ziel war es dabei, neben der modernen Wissenschaft die betreffenden Menschen nicht aus dem Blick zu verlieren, hinter jeder Erkrankung das individuelle Schicksal zu erkennen und die eigene Normalität in Frage zu stellen.

 

Die hier vorliegenden Fallgeschichten des Psychoanalytikers Stephen Grosz sind kürzer, aber nicht weniger prägnant. Geschichten, die die Merkwürdigkeiten menschlichen Verhaltens beschreiben, in denen sich das Unbewusste zeigt. Es ist der Ort, sagt er, wo unsere Probleme verborgen sind, aber auch der, wo wir die Lösungen finden können.

 

Aus über 50 000 Gesprächen, die er als Analytiker geführt hat, hat er etwa drei Dutzend Fallgeschichten ausgewählt und sie unter die Rubriken:

 

* Anfänge

* Lügen

* Lieben

* Veränderung

* Gehen/Verlassen

 

geordnet.

 

Die Geschichten haben mich sehr berührt, oft eigene Erinnerungen geweckt und solche an die unzähligen Menschen, mit denen ich im Laufe meines Lebens gesprochen habe und denen ich begegnete. Oft habe ich nicht verstanden, was mit ihnen los war, doch meist gespürt, dass hinter meinem Unverständnis sich etwas anderes verbirgt, etwas, was seine eigene, mir unzugängliche Geschichte hat. Es sind Geschichten darüber, wie Menschen sich verlieren und wie sie sich wiederfinden. Berührend, ermutigend und voller Menschlichkeit.

 

Ich bin kein Analytiker, doch ich bin überzeugt, dass das, was der Autor über sein Buch schreibt, von mehr Menschen im Alltag beherzigt, zu mehr Menschlichkeit untereinander führen würde:

„Dieses Buch handelt von unserem Wunsch zu reden, zu verstehen und verstanden zu werden. Es geht aber auch ums Zuhören, nicht nur darum, den Worten zu lauschen, sondern auch um die Stille, die Lücken dazwischen. Allerdings ist das, was ich hier beschreibe, kein magisches Geschehen. Es ist Tei unseres alltäglichen Lebens.“

 

 

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