Stephen Hunter

 4.3 Sterne bei 42 Bewertungen
Autor von Shooter, Nachtsicht und weiteren Büchern.

Neue Bücher

Dirty White Boys
 (1)
Neu erschienen am 27.09.2018 als Taschenbuch bei Festa Verlag.

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Stephen HunterShooter
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Shooter
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 (10)
Erschienen am 01.05.2014
Stephen HunterDer 47. Samurai
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Der 47. Samurai
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 (5)
Erschienen am 16.03.2017
Stephen HunterIm Fadenkreuz der Angst.
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Die Gejagten.
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Erschienen am 01.01.2000
Stephen HunterNachtsicht: Er jagt die Mörder seines Vaters: US-Bestseller
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Nachtsicht: Er jagt die Mörder seines Vaters: US-Bestseller
Stephen HunterDirty White Boys
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Dirty White Boys
Dirty White Boys
 (1)
Erschienen am 27.09.2018
Stephen HunterNachtsicht
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Nachtsicht
Nachtsicht
 (9)
Erschienen am 08.12.2014
Stephen HunterEinsame Jäger
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Einsame Jäger
Einsame Jäger
 (7)
Erschienen am 20.04.2016

Neue Rezensionen zu Stephen Hunter

Neu
A

Rezension zu "Dirty White Boys" von Stephen Hunter

Sehr zu empfehlen...
Alex_Duerkvor 7 Tagen

Meine Meinung

Wir bekommen gleich zu Beginn eine ganze Bandbreite an Charakteren vorgestellt, darunter natürlich Lamar, Odell und Richard. Aber auch scheinbare Nebencharaktere nehmen hier einen großen Stellenwert ein und das merkt man, der Autor hat ihnen genauso viel Zeit gewidmet wie den Hauptcharakteren. Der Autor hat bei jeder einzelnen Person sehr viel Zeit und Herzblut investiert und die Ausarbeitung ist ihm somit sehr gut gelungen. Lamar als schonungsloser, mörderischer Verbrecher wurde auch genauso dargestellt. Sein Cousin Odell ist ein Riese, etwas zurückgeblieben und absolut auf Lamar angewiesen. Man sollte ihn jedoch nicht unterschätzen, er hat eine unglaubliche Kraft und keinerlei Mitgefühl für seine Opfer. Und zu guter Letzt – Richard. Ihr werdet schon noch rausfinden wie dieser absolute Feigling in die Gruppe hinein passt. Zugegebener maßen war er mein „Lieblingsverbrecher“, warum genau kann ich euch jetzt leider nicht sagen. Vielleicht weil er so unschuldig war – oder wohl eher unschuldig scheint.
Gehen wir rüber zu den „guten“ Charakteren, den Cops. Hier geht es hauptsächlich um Sergeant Bud Pewtie. Ein Mann den ich leider nicht sympathisch fand, was wahrscheinlich mehr an seiner privater Lebensweise liegt, hier verrate ich mal nicht Zuviel, nur soviel: Er ist kein Unschuldslamm. Wie oben schon erwähnt hat der Autor auch bei den ganzen Nebencharakteren (und davon gibt es viele auch wenn nicht viele überleben…) sehr viel Mühe gegeben, was ich sehr gut finde.

Nun zu der Geschichte selbst. Es startet sehr früh mit einer guten Prise Action und zieht sich auch genauso durch. Die Storyline ist gut durchdacht, zwischendurch gibt es immer mal wieder eine Überraschung die einen gut bei Laune hält. Die Charaktere hätte ich nicht besser gestalten können und durch den lockeren Schreibstil liest sich die Geschichte gerade so weg. Ich hatte oft Mitgefühl, nicht nur für die Opfer der dreiköpfigen Mordsbande.

Zu guter Letzt, lasst uns über das Ende sprechen. Oh Gott das Ende, meine lieben Freunde. Das ganze Buch über war die Action vorhanden wie eine gute Welle – mal bäumte sie sich auf, flachte danach aber wieder ab um einem die Luft zum durchatmen zu geben. Doch das Ende war eine riesige Monsterwelle! Mit einem super Cliffhänger (nein, es waren mehrere Cliffhänger) die aber alle recht fix aufgeklärt werden, was der Spannung aber keinen Abbruch tut. Jedoch muss ich auch sagen das die letzten Seiten, wenn ich so darüber nachdenke, sehr „schnell“ geschrieben wirken. Mich hätte das Schicksal des ein oder anderen Protagonisten im Detail sehr interessiert – wen genau ich meine Verrate ich nun nicht, Spoiler und so. Aber lest es ruhig selbst, vielleicht wisst ihr dann was ich meine. Aber nichts desto trotz war das Ende grandios und hat mich nicht enttäuscht.

Die Charaktere und auch die Umgebung sind wunderbar beschrieben, nicht zu langweilig und so lebendig, dass ich ein richtiges Kopfkino hatte.
Die Kapitel wechseln zwischen den Szenarien der Verbrecher und denen der Cops, was dem Leser eine schöne Abwechselung bietet, aber auch innerhalb der Kapitel kann es zum Wechsel zwischen „Gut“ und „Böse“ kommen. Das kann unter Umständen verwirren, aber ich finde man erkennt es recht schnell.
Es gibt auch Absätze, in denen wir in die Gedankenwelt der Protagonisten und Antagonisten eintauchen, beispielsweise in die von Odell, Richard oder unserem Sergeant Bud. Auch der Charakterfokus wechselt innerhalb der Kapitel, mal spüren wir die Angst von Richard, mal die Wut von Lamar, die Angespanntheit von Sergeant Bud Pewtie oder die von Lieutenant C.D. Henderson. Gerade bei den Dirty White Boys bekommt man hier den Vergleich der Extremen. Das macht die Charaktere noch viel Authentischer und der Leser hat es leichter, sich in sie einzufühlen.
Auch machen alle Charaktere eine gewisse Wandlung durch und entwickeln sich weiter, die einen zum guten, die anderen zum schlechten (kommt auch drauf an wem man die Sympathie zuschreibt – den Cops oder den Verbrechern?) Und gerade wenn ich dachte Protagonist A oder B könnten mich nicht mehr überraschen, dann taten sie es doch. Wirklich ein guter Aufbau der Charaktere, sehr passend zur Story und ungemein „speziell“ – auf eine gute Weise.

Fazit

Ein Buch das man guten Gewissens in die Action Reihe des Festa Verlags einordnen kann. Ein flüssiger Schreibstil, gute, authentische Charaktere und eine Geschichte zum mitfiebern haben dieses Buch zu einem sehr guten Buch gemacht! Keine Null-Acht-Fünfzehn Charaktere, alle haben ihre Überraschungen genau wie die Geschichte. Gut plazierte Cliffhänger halten die Spannung an den richtigen Stellen, aber auch die etwas leichteren Passagen im Buch waren gut platziert und auf keinen Fall langweilig. Einzig und allein das Ende hat mich im Hinblick auf die Charaktere etwas enttäuscht zurück gelassen. Bei dem ein oder anderen hätte ich mir ein intensiveren Einblick in sein Leben gewünscht, wie es nun weiter geht. Dennoch finde ich das Buch alles in allem grandios und diese Kleinigkeit am Ende stößt vielleicht auch nur mir so auf. Wenn ihr auf ein gutes Actionbuch mit knallharten Jungs auf beiden Seiten steht, empfehle ich Dirty White Boys bedingungslos!

* Ich bedanke mich an dieser Stelle nochmal bei dem Festa Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars. Es hat mir sehr viel Freude gemacht, es zu lesen und zu rezensieren!


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glencoe1692s avatar

Rezension zu "Der 47. Samurai" von Stephen Hunter

Kein typischer Swagger, aber dennoch lesenwert
glencoe1692vor 2 Jahren

Nach einer gefühlten Ewigkeit (knapp ein Jahr) kam endlich wieder eine Übersetzung aus der Swagger-Reihe auf den deutschen Markt. Der deutschsprachige Leser wird ja nur sehr spärlich mit Übersetzungen von Stephen Hunter bedacht.
Logisch, dass ich mich als Fan der Bob-Lee-Swagger-Reihe sofort darauf gestürzt habe.
Gleich vorab, ich war nicht enttäuscht, habe aber nicht das vorgefunden, was ich aus von den Vorgängern kannte und daher hier auch erwartet hatte.
Swagger wird von der Vergangenheit seines Vaters eingeholt. Er meint, ein Vermächtnis erfüllen zu müssen, indem er ein vom Vater als "Kriegssouvenir" von Iwojima mitgebrachtes Samuraischwert aufspüren und dem Sohn des ursprünglichen Besitzers zurück geben muß. Nicht wissend, dass es sich nicht nur um ein profanes Stück Kriegsbeute handelt. Das wird ihm erst viel später bewußt, als die Familie des neuen Besitzers kurz nach Überbabe (fast) völlig ausgelöscht wird. Alle Zeichen deuten auf die Yakuza, nur die japanischen Behörden wollen das nicht wissen.
Swagger wurde nach einem Rückfall in seine Vergangenheit als Säufer des Landes  verwiesen, was ihn aber nicht hinderte, sich intensiv auf seine Rückkehr ins Land der aufgehenden Sonne vorzubereiten.
Wie? Ganz einfach, er schottet sich von Familie und Umwelt ab, ernährt sich nur noch von japanischem Fastfood, schaut sich sämtliche verfügbaren Samuraifilme an und liest alles, was zum Thema Samurai und Yakuza im Amiland aufzutreiben ist.
Mit falschen Papieren reist die "persona non grata" Swagger wieder nach Japan, nimmt Verbindung mit einem Experten auf und läßt sich innerhalb von 3 Tagen (!) zu einem nahezu perfekten Schwertkämpfer ausbilden, der dann den Kampf mit den japanischen Größen dieser Kunst aufnehmen und in der Yakuza mal richtig aufräumen wird. Danke Mr. Hunter, haarsträubender geht's kaum noch.
Etliche Kapitel sind nun für den unbedarften Leser, der über japanische Traditionen nicht viel mehr weiß, als er in  8 Bänden "Tokio Killer" von Barry Eisler erfahren hatte, völlig überladen mit Begriffen aus der Welt der Schwertschmiedemeister, aus Traditionen der Samurai und japanischer Geschichte des Mittelalters.

Entsteht hier zunächst noch der Eindruck, Hunter hätte mit unendlicher Akribi recherchiert, dann wird mit dieser Annahme aber spätestens in seiner Danksagung aufgeräumt.  Laut derer hat er es nicht viel anders gemacht als Swagger in seinem Buch: er hat sich alle verfügbaren Filme angesehen, sich eine Stunde medizinisch über die Auswirkungen von Schwertstreichen auf den menschlichen Körper beraten lassen und 14 Tage in Japan aufgehalten, um einige Örtlichkeiten kennen zu lernen.
Für den Leser, der nichts davon besser kennt, war das Ergebnis soweit okay, wenn manchmal auch haarsträubend.
Aber da man ja keine tiefgreifenden Kenntnisse hat, war das okay. Die  Mythen Yakuza und Samurai haben neue Nahrung erhalten, die schon lange vermuteten japanischen Parallelwelten wurden bestätigt. Was davon tatsächlich stimmt, bleibt weiter im Verborgenen.
Der Schreibstil ist so, wie man ihn von Hunter kennt. Auch an den Übersetzungen gibt es nichts  zu deuteln.
Kleinere Abweichungen in Geschichte und Örtlichkeiten von Schilderungen in früheren Romanen fallen nur deshalb auf, weil Hunter sie in seiner Danksagung selbst einräumt. Für den Leser sind die  Abstände zwischen den Büchern zu groß, als dass er sich diese Feinheiten gemerkt hätte.
Fazit: Wer hier einen typischen "Gunny Swagger" erwartet, wird ggf. enttäuscht. Wer sich bereits intensiv mit Ehre und Tradition der Samurai befaßt hat, wohl ebenfalls.
Ansonsten ist es ein typischer "Hunter", lesenwert, aber kein Highlight. An die ersten 3 in Deutsch verlegten Bände kommt er nicht heran.

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Rezension zu "Nachtsicht" von Stephen Hunter

Nachtsicht
Ein LovelyBooks-Nutzervor 3 Jahren

Der Action-Thriller ist nicht unbedingt bekannt für hintergründige Handlungen oder profilstarke Charaktere. Dabei ist es kein Widerspruch, lebensechte Figuren in Ereignisse zu verwickeln, die gleichermaßen turbulent wie komplex sind. Die damit verbundene Denkarbeit ist es, die viele Autoren scheuen, weil sie faul oder talentarm sind.

Auf Stephen Hunter trifft beides nicht zu. Dass seine Bücher hierzulande nicht längst Seite an Seite mit denen seines »Kollegen« Lee Child die Sellerlisten stürmen, liegt u. a. an einer unglücklichen Veröffentlichungsgeschichte: Hunter scheint mindestens ein Jahrzehnt zu früh auf der Bildfläche erschienen zu sein. An der Qualität seiner Werke kann es jedenfalls nicht liegen, denn in den USA gehört Hunter zu den prominenten und vielgelesenen Autoren.

Vielleicht gingen und gehen die Vorbehalte darauf zurück, dass Hunter politisch gründlich unkorrekte Thriller schreibt. Bob Lee Swagger ist generell kein sympathischer Zeitgenosse. Darüber hinaus ist er ein Scharfschütze und damit Vertreter eines offenbar notwendigen aber ungeliebten Soldatenstandes: Statt sich dem Feind Auge in Auge zu stellen, knallt ihn der Scharfschütze aus dem Hinterhalt und auf weite Entfernung ab. Nicht einmal Clint Eastwood konnte ihm mit »American Sniper« einen Glorienschein aufsetzen: Der Scharfschütze ist ein Repräsentant militärischer Drecksarbeit. Dies unterscheidet Jack Reacher, Lee Childs ansonsten ebenso gewalttätigen Ex-Militärpolizisten, von Bob Lee Swagger, der keine Hälse im Nahkampf bricht, sondern Schädel auf große Distanzen zum Bersten bringt.

Drei Jahrzehnte und drei Romane

Wem weder das eine noch das andere moralisches Bauchgrimmen beschert, liest einen ausgezeichneten Roman, der ungeachtet seiner gewaltigen Seitenstärke keine Längen aufweist. Stattdessen erzählt Autor Hunter seine Geschichte nicht nur auf mehreren Ebenen, sondern verknüpft zudem souverän Gegenwart und Vergangenheit. Der Bodycount fällt im Vergleich zum Auftaktband der Swagger-Serie geringer aus; eine kluge Entscheidung, denn Swagger kann nicht jedes Mal Strolche in höherer zweistelliger Zahl killen und anschließend in sein Privatleben zurückkehren. Die Freunde anschaulich in Szene gesetzter Gemetzel dürfen aber aufatmen: Swagger Senior und Junior fällen immer noch genug Pechvögel. Hunter integriert solche Shootouts inzwischen harmonischer in ein sorgfältig aufgebautes Geschehen, das auch außerhalb solcher »Action« seinen Schwung nie verliert.

Hinzu kommt Hunters Gespür für die karge, gefährliche aber gleichzeitig faszinierende Landschaft des US-Südens, die ihre Bewohner zusammen mit einer explosiven Historie prägte. Das erzwungene Nebeneinander ehemaliger (schwarzer) Sklaven und ihrer ehemaligen (weißen) Besitzer und die daraus resultierenden Folgen sind keineswegs überwunden. Hunter beschreibt vor allem in jenem Handlungsstrang, der 1955 spielt, eine Welt, in der oft tödliche Rassendiskriminierung ein Alltag ist, mit dem sich sogar viele Afroamerikaner abgefunden haben.

Mehr als dreißig Jahre später ist der Rassismus subtiler aber keineswegs weniger erniedrigend oder ungegefährlich geworden. An den Verhältnissen hat sich zumindest in Polk County wenig geändert. Dort herrscht wie vor dem Bürgerkrieg eine kleine Kaste reicher, weißer Familien, die sich politische Ämter zuschanzen, das Gesetz korrumpieren und sich die Taschen füllen.

Eine Lanze für das Gesindel

Schon sein Auftritt war so spektakulär wie ein unverhoffter Schlag ins Gesicht: Als Stephen Hunter 1992 seinen Anti-Helden Bob Lee Swagger erstmals von der Kette ließ, war es (trotz »Rambo«) noch keine Norm, dass Einzelkämpfer im Dienst der Gerechtigkeit Bösewichter im Dutzend umbrachten; dies blieb ihnen in jenen B-Movies vorbehalten, die man in finsteren Videotheken-Winkeln finden konnte. Dort symbolisierten ‚Helden', wie man patriotisch und psychopathisch sowie ohne Einwände eines lästigen Hirns aber umso schwerer bewaffnet für das sorgte, was als »Recht & Ordnung« definiert wurde.

Auf den ersten Blick scheint sich Bob Lee Swagger nahtlos in diese Front tumber Haudraufs und »American Fighter« zu integrieren. Autor Hunter ist ein vielleicht widerwilliger aber deutlicher Respekt für die Hinterwäldler der US-Südstaaten anzumerken. Das sind jene »Rednecks« und »Hillbillys«, die oft als »White Trash« beschimpft und ausgegrenzt werden – Männer und Frauen ohne Bildung, Job und Geld oder Hoffnung darauf, dass sich daran etwas ändert. Stattdessen bestimmen Vorurteile, Misstrauen, (falscher) Stolz und vor allem Gewalt nach dem Motto »Heavily Armed – Easily Pissed« den Alltag dieser Menschen. Sie bekommen und erwarten nichts vom Leben, und wer sich in ihre Angelegenheiten einmischt oder ihnen gar ihre Waffen nehmen will, muss mindestens mit Körperverletzungen rechnen: »You better bring yours if you come to take mine.«

Faktisch ist auch Bob Lee Swagger ein Mitglied dieser Unterschicht. In ihm dominieren allerdings die wenigen positiven Seiten: eine Naturnähe, die diese Menschen quasi mit ihrer Umgebung verschmelzen lässt, die Fähigkeit, sich mit Leib und Seele einer Sache zu verschreiben, sowie der Wille, unglaubliche körperliche Belastungen zu verkraften. Der Hinterwäldler wird bei Hunter zu einer Urgewalt, die der Zivilisation trotzt und sowohl ihre Gesetze als auch ihre Regeln ignoriert.

Nie vergessen, niemals vergeben

Insofern könnte man beide Swaggers – Vater und Sohn – als Verräter an der eigenen Klasse bezeichnen. Tatsächlich sind sie »Wilde« geblieben, obwohl sie als Gesetzeshüter bzw. Soldat einem Land dienten, mit dem sie sich nur bedingt identifizieren können. Die Swaggers haben sich für eine Seite entschlossen. Mit der für diesen Menschenschlag typischen Sturheit halten sie daran fest. Wehe jenen, die ihnen in die Quere kommen! Die Wüste ist weit, und die Wälder sind tief: Hier kennen die Swaggers das Land und die Menschen, hier sollte man sie lieber nicht reizen!

Selbstverständlich geschieht genau das. Die typisch vertierten Profikiller, die es versuchen, dienen Hunter als Kanonenfutter. Viel interessanter ist der eigentliche Unhold »Red« Bama: ein ungehobelter Klotz, korrupt, kriminell und ungebildet – und ein Vater, der seine Kinder über alles liebt, der die Familien seiner Gegner nie bedrohen würde und dem jeglicher Sadismus fremd ist. Bama ist ein ungewöhnlicher Charakter fern der meisten Klischees. Diese Figurenzeichnung ermöglicht einen Finaltwist, der wirklich überrascht.

Bama entschädigt für den deutlich konventionelleren Russell Pewtie, der eine Art Watson-Rolle spielt: Eine überlebensgroße und dabei wortkarge Figur wie Bob Lee Swagger wirkt in der kommentierten Beobachtung stärker. Swagger droht schnell zu menschlich und dabei alltäglich zu werden, wenn Hunter uns an seinen Gedanken teilnehmen lässt.

Nur bedingt ist zudem die Verbindung mit zwei früheren Hunter-Werken gelungen. Nachtsicht ist eine doppelte Fortsetzung. Der Autor setzt einerseits die mit »Point of Impact« (dt. Shooter) begonnene Swagger-Serie fort und greift andererseits Figuren und Ereignisse aus seinem Thriller»Dirty White Boys« auf, was etwas zu bemüht wirkt. Dies ist jedoch eine Klage auf denkbar hohem Niveau. Sie geht nahtlos in die Hoffnung über, vom Festa-Verlag mit weiteren, ebenso gut übersetzten und schön gestalteten Swagger-Thrillern verwöhnt zu werden!

(Anders als im Nachwort fälschlich behauptet, ist »Dirty White Boys«übrigens durchaus bereits in Deutschland erschienen. Der Roman trug den nichtssagenden Titel Die Gejagten und erschien gebunden 1997 im List-Verlag. Drei Jahre später veröffentlichte der Goldmann-Verlag ihn als Taschenbuch. Als »Stand-Alone«-Story ist dieses Werk sogar noch spannender und eindringlicher als der erste Swagger-Roman.)

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