Stephen Madden

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Mein WoD-Tagebuch

Mein WoD-Tagebuch

 (2)
Erschienen am 13.01.2016
Embrace the Suck

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Erschienen am 15.01.2015

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Rezension zu "Mein WoD-Tagebuch" von Stephen Madden

"Wie ich darauf komme, dass ich das kann? Weil ich es tue."
R_Mantheyvor 3 Jahren

Mit diesen zwei Sätzen schließt das Buch. Davor steht: "Ich frage mich nicht mehr, ob ich dazugehöre, weder bei Crossfit noch irgendwo sonst. Nicht bei der Arbeit, nicht zu Hause, nicht als Familienoberhaupt. Es ist unwichtig, wie ich im Vergleich mit dem Rest der Welt abschneide. Es geht darum, zum Training zu gehen und mein Bestes zu geben und Versprechen zu halten. Ich lerne etwas dabei, wenn ich den ätzenden Teil des Trainings willkommen heiße, aber ich kann noch mehr lernen, wenn ich alles willkommen heiße."

Wenig informierten Menschen wird der Titel des Buches nicht viel sagen. WOD heißt "Workout of the Day". Das Fitness-Training von Crossfit-Menschen muss abwechslungsreich sein, damit verschiedene Muskelgruppen trainiert werden. Man macht also immer mal etwas anderes und geht dazu in die sogenannte Box, den Trainingsraum. Crossfit ist ein extrem hartes Wechselspiel zwischen Ausdauer-, Kraft- und Schnellkrafttraining. Gewisse Parallelen zur physischen Ausbildung der Navy Seals kann man nicht bestreiten.

Dieses Buch beschreibt zwar gelegentlich das Training, dem sich der Autor unterzieht mehr oder weniger, aber es ist keine Anleitung dazu, sondern vielmehr ein Erfahrungsbericht. Immerhin begann Stephen Madden dieses selbst auferlegte Martyrium erst mit Ende Vierzig. Vorher fühlte er sich durchaus nicht unfit, denn er war ein begeisterter Radfahrer. Lesenswert ist dabei auch, wie er sich als Kind vom pummligen Loser zu einem sportlichen Siegertypen entwickelte. Die meisten Leser dieses Buches werden sich jedoch wahrscheinlich mehr für seine Crossfit-Erfahrungen interessieren.

Madden beschreibt seine Leidensgeschichte mit einer gehörigen Portion Selbstironie. Crossfit führte ihn wieder in den emotionalen Dauerzustand seiner Kindheit zurück. Stets hatte er zu kämpfen, immer war er Letzter. Das Alter forderte seinen Tribut. Aber Madden hielt durch, wohl auch angetrieben durch seine Frau, deren Fitness offenbar seine übertrifft. Natürlich kann man darüber streiten, ob man sich Crossfit tatsächlich antuen muss. Kapitel 5 heißt "Ein paar Worte über Schmerzen, Erschöpfung und Übelkeit". Vielleicht sollten Interessierte das zuerst lesen. Und möglicherweise fragen sich dann einige von ihnen, ob sie das tatsächlich erleben wollen. Madden schreibt, dass er vor dem Training natürlich Nahrung zu sich nehmen muss, weil er sonst einfach nicht genug Energie besitzt, um die heftigen körperlichen Anstrengungen überhaupt durchzuhalten. Dass er im Verlaufe seines WOD dann aber seine Mahlzeiten regelmäßig wieder herausreihert, gehört für ihn eben dazu. Besonders gesund hört sich das jedenfalls nicht an.

Bleibt die Frage, warum man sich das dennoch antut. Die Antwort ist recht einfach: Weil man etwas geschafft hat, was nicht jeder durchhält, weil man ein ganz anderes Körpergefühl bekommt, weil man sich vielleicht auch in solchen Crossfit-Truppen angenommen fühlt. Und weil man in der Tat extrem fit ist.

Natürlich kann man darüber streiten, ob man all das nicht auch anders und vielleicht auch etwas weniger stressig bekommen kann. Denn den Augenblickszustand, auf den man so stolz sein kann, bezahlt man möglicherweise mit einem Kredit, der im Alter teuer werden könnte. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden. Die deutsche Ausgabe des Buches besitzt den Untertitel "Was ich beim härtesten Training der Welt über das Leben lernte". Die Antwort darauf ist eine sehr tiefe Weisheit, die sich vielleicht nicht jedem erschließt, weil sie durch unsere Kultur blockiert wird. Ich habe sie oben zitiert: Das Leben willkommen heißen, wie das Crossfit-Training, auch wenn es schmerzt. Keinen Widerstand leisten gegen etwas, was man nicht verhindern kann, auch wenn es einem nicht gefällt.

Das ist verdammt schwer. Madden hat sein Crossfit-Training offenbar nicht nur körperlich extrem fit gemacht. Und das hat mich jedenfalls am meisten beeindruckt.

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