Nach diesem Satz im Epilog beginnt der Autor sich seltsame Fragen zu stellen. Warum, so Moss, lernen wir nicht von diesem Vogel? Solche merkwürdigen von Menschen erdachten Verbindungen zeugen allenfalls von Lebensfremdheit und Naivität, aber keineswegs von Weisheit. Als Naturliebhaber müsste dieser Autor eigentlich wissen, dass auch Tiere ihr Revier markieren und Überschreitungen nicht dulden. Vielleicht sind wir diesen Lebewesen näher als der Schwalbe, schließlich können wir auch nicht fliegen, wenn wir mit den Armen wedeln.
Ungeachtet eines solchen vergleichenden Blödsinns ist dieses Schwalbenbuch für Naturfreunde ein Genuss. Schwalben sind in der Tat seltener als früher bei uns zu sehen. Jedenfalls habe ich schon ewig keine mehr gesehen. Wer es jedoch einmal erlebt hat, dass sie ihr Nest unter einem Hausdach und oberhalb des Schlafzimmerfensters gebaut haben, der wird seine Liebe zu Schwalben mit nächtlicher Ruhestörung belohnt bekommen. Denn im Nest geht es zur Sache, dort herrscht unter den Jungvögeln keine Ruhe.
Im Buch beschreibt Moss ein Jahr im Leben von Schwalben. Wir wissen viel und gleichzeitig wenig über diese Vögel. Wir können sie beobachten, aber nicht wirklich verstehen. Wer schon einmal gesehen hat, wie diese Vögel mit einer Irrsinnsgeschwindigkeit durch schmale Löcher fliegen, wird sich fragen, wie diese Koordinationsfähigkeit funktioniert. Oder: Wie finden diese Altvögel ihr Nest, das sie beispielsweise in den Sand einer Steilküste an der Ostsee gebuddelt haben, wo es daneben viele andere davon gibt?
Für Natur- oder Vogelliebhaber ist dieses Buch eine Fundgrube. Andere mögen es vielleicht langweilig finden. Besonders schön fand ich die Illustrationen.
Stephen Moss
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
Alle Bücher von Stephen Moss
Über die Schwalbe
Wie zehn Vögel die Welt veränderten
Eine Erde – viele Welten
Wie zehn Vögel die Welt veränderten
The Robin: A Biography
The Wren: A Biography
Neue Rezensionen zu Stephen Moss
Klappentext:
„Während der gesamten Menschheitsgeschichte haben wir mit Vögeln zusammengelebt. Wir haben sie als Nahrung gejagt und domestiziert, sie in unseren Mythen, Religionen und Ritualen verehrt, sie wegen ihrer natürlichen Ressourcen ausgebeutet und uns von ihnen zu unserer Musik, Kunst und Poesie inspirieren lassen.
In Zehn Vögel, die die Welt veränderten erzählt der Naturforscher und Autor Stephen Moss die fesselnde Geschichte dieser ereignisreichen Beziehung anhand von zehn Schlüsselarten. Von Odins treuen Rabengefährten bis zu Darwins Finken, vom Wildtruthahn Amerikas bis zum Kaiserpinguin als starkes Symbol der Klimakrise ist dies ein faszinierendes, aufschlussreiches und unendlich fesselndes Werk der Naturgeschichte.“
Wenn Stephan Moss einmal über Vögel spricht, dann merkt man in jedem Satz, in jedem Wort, welche Hingabe und Achtung er den Tieren gegenüber bringt. Moss ist stets stiller Beobachter und Forscher und hat bereits wunderbare Bücher über Schwalben, Zaunkönige oder Rotkehlchen usw. auf den Buchmarkt gebracht. Als steter Leser seiner Werke weiß ich, er beleuchtet auch gern mal das Drumherum und ja, schweift auch gern mal minimal vom Thema ab. Stört das? Nein! Denn es passt dennoch immer zum Thema. Ähnlich verhält es sich in seinem Werk „Wie zehn Vögel die Welt verändern“. Hier beleuchtet er zehn ausgewählte Vögel nicht nur anhand seines Aussehens oder Balzverhalten, nein, Moss beleuchtet wie diese zehn Vögel auch mit der Entwicklung der Erde und auch uns Menschen eine Verbindung aufbauen lassen. Es geht um geschichtliches, geografisches und geologisches, um mystisches und religiöses, es geht um Forschung, Verständnis und um Aufklärung. Wie gesagt, Moss beleuchtet gerne das Drumherum und zeigt dem Leser somit auch Details auf, die wir so niemals gedacht oder gesehen hätten. Sein Sprachstil ist dabei immer deutlich und fachlich aber dennoch bestens verständlich und nie langweilig. Man spürt seinen Enthusiasmus und seine Euphorie den Vögeln gegenüber und das steckt auch die Leserschaft an. Man nimmt Moss‘ Worte auf und wird die Vogelwelt danach, nach beenden des Buches, wieder mit einem schärferen Blick betrachten und das ist auch notwendig. Moss erklärt nicht nur hervorragend in seinen Büchern, er mahnt auch zu einem besseren Blick und vor allem Verständnis für die gefiederten Mitbewohner.
Fazit: ein sehr lesenswertes Buch welches 5 Sterne absolut verdient! Für Moss‘ Leserschaft ein weiterer Buch-Leckerbissen!
„Nicht jeder verknüpft den Wechsel der Jahreszeiten mit der Schwalbe, doch ich weiß, jene nervöse Vorfreude, die mich alljährlich erfasst, erfüllt auch Millionen andere Menschen.“ (Zitat Seite 211)
Inhalt
Der englische Naturforscher und Autor Stephen Moss folgt den Schwalben, in diesem Fall der Hirundo Rustica, der Rauchschwalbe, durch das Jahr. Der englische Originaltitel „The Swallow. A Biography“ drückt dies wesentlich besser aus, als der deutschsprachige Titel. Seine eigenen Beobachtungen und sein Fachwissen, er folgt der Reise der Schwalben bis nach Südafrika, ergänzt er mit Auszügen aus wissenschaftlichen Fachartikeln und literarischen Texten aus allen Epochen, von Aristoteles bis zu modernen Songtexten.
Gestaltung
In einem Prolog wird der Weg beschrieben, den eine Schwalbe im Lauf eines Jahres zurücklegt, von Südafrika über Nordafrika nach Europa und wieder zurück. Im ersten Kapitel erfahren wir Wissenswertes über diesen besonderen Zugvogel, Inspiration auch für viele Mythen, Aberglaube und Geschichten. Dann folgen vier Kapitel mit den detaillierten Schilderungen und Fakten über das Verhalten der Schwalben in den einzelnen Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Zahlreiche Abbildungen in Farbe ergänzen die Texte und am Ende des Buches findet sich das entsprechende Abbildungsverzeichnis.
Fazit
Ich habe dieses Buch über diese einzigartigen Vögel und ihre unglaubliche Reise, die sie jedes Jahr im Frühjahr und Herbst antreten, im Garten sitzend gelesen, während ich die Schwalben beobachtet habe, ihren rasanten Flug bei der Insektenjagd, ihre Flugkünste bei der Rückkehr zu den Nestern, wo die Jungen auf Futter warten. Allerdings liegen die Nester oben an unseren Hauswänden, unterhalb der Dachvorsprünge, denn es sind Mehlschwalben. Mit dem Autor teile ich das Warten und die Freude, wenn die Schwalben wieder bei uns einziehen und die leise Wehmut, wenn sie etwa Anfang September plötzlich fort sind. Eine interessante, unterhaltsame Lektüre, nicht nur für Schwalbenfreunde, und sicher auch ein willkommenes Geschenk.
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