Steve Ayan Hilfe, wir machen uns verrückt!

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Inhaltsangabe zu „Hilfe, wir machen uns verrückt!“ von Steve Ayan

Wieso dreht sich das Denken vieler Menschen heute nur noch um das eigene Ich? Warum sind Diagnosen wie Burn-Out oder ADHS schick? Weshalb tanzen wir den Therapeuten und Coaches nach der Pfeife? Hinter dem Psychoboom verbirgt sich eine kollektive Beunruhigung, die mehr Probleme schafft, als sie zu lösen vermag, sagt Psychologe und Wissenschaftsjournalist Steve Ayan.
Sich andauernd selbst im Blick zu haben und das eigene Befinden an den Versprechen der Psychobranche zu messen lässt uns vermeintliche Defizite besonders schmerzlich empfinden. Getrieben vom Mythos der Machbarkeit halten wir unser Lebensglück für eine Frage der Disziplin und des richtigen Know-how. Doch je mehr wir uns abstrampeln, um endlich rundum zufrieden zu sein, desto schneller entfernen wir uns vom Ziel. Selbstoptimierung ist nicht der Schlüssel zum Glück. Denn wer sein Denken und Fühlen ständig unter Kontrolle halten will, der gewinnt nichts und verliert viel - nämlich eine Gabe, die uns die schönsten Momente beschert: Selbstvergessenheit.

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  • "Psychologie taugt nicht als Ersatzreligion." (S. 17)

    Hilfe, wir machen uns verrückt!

    R_Manthey

    17. July 2015 um 15:15

    Dieses Buch haben wir Jutta zu verdanken. Jutta war gemeinsam mit dem Autor in einem Seminar zu sich selbst unterwegs. Wahrscheinlich graute es dem Autor vor Juttas Eifer, und so beschloss er, ein Buch über den Seelenzustand der modernen Gesellschaft zu schreiben, in der der Psychokult immer mehr um sich greift. Auf den ersten Blick ein lohnendes Thema von sicher großem Interesse. Aber auch ein schwieriges, wenn man etwas mehr darüber nachdenkt. Wo liegt die Grenze zwischen gefühlten oder eingebildeten seelischen Problemen und tatsächlichen? Vor nicht allzu langer Zeit verschwieg man seine Seelennöte, heute dagegen ist man ein fast schon ein Held, wenn man seinen Burnout öffentlich macht. Was für die Betroffenen erleichternd wirkt, macht auf der anderen Seite die Gesellschaft insgesamt empfänglicher für die Selbstdurchleuchtung nach eventuellen psychischen Störungen. Das nutzen geschäftstüchtige Seelenheiler clever aus. Sie erfinden neue Begriffe und Krankheiten. Und wenn solch eine vermeintliche Störung erst einmal die Namenstaufe hinter sich hat, ist sie auf der Welt, obwohl nur ein Begriff erfunden wurde. In diesem Buch geht es vorrangig um solche und andere Tricks, die uns in die Psychofalle locken sollen. Es gliedert sich in drei Teile. "Im ersten geht es um die Gesellschaft, in der wir leben, um die Inflation der Seelennöte und um die Frage, warum wir so ein Problem damit haben, Probleme zu haben. Der zweite Teil handelt von der Psychologie als Wissenschaft und erklärt, warum wir so anfällig für Legenden sind. Der dritte Teil schließlich schildert die Folgen des Psychokults im Alltag..." Der Text ist sehr gut geschrieben und entsprechend leicht lesbar. Allerdings lässt die Spitzigkeit des Autors im zweiten Teil leicht nach. Und schließlich macht das Buch mit seinen Lesern etwas, was in ihm selbst als problematisch für die menschliche Psyche erkannt wurde: Es entlarvt Tricks, die manche Menschen für die Lösung ihrer Probleme hielten, setzt aber an diese Stelle keine neuen Angebote. Das kann - wie im Text beschrieben - in einer problembeladenen Seele durchaus Unbehagen erzeugen. Den Inhalt der einzelnen Kapitel näher zu beschreiben ist nahezu unmöglich, da die Bandbreite der Themen einfach zu groß ist. Gelegentlich schießt der Autor auch etwas übers Ziel hinaus oder verstrickt sich unbemerkt in Widersprüche. Nicht alles, was die sogenannte alternative Szene lehrt, ist Blödsinn, auch wenn man diesen Eindruck beim Lesen des Buches gewinnen kann. So schreibt Ayan beispielsweise, dass alternative "Pseudotherapeuten" durch "saumselige Gespräche" den Placeboeffekt fördern. Doch der Placeboeffekt ist schließlich nichts Schlechtes. Er beschreibt nichts weiter als die Aktivierung der nebenwirkungsfreien Selbstheilungskräfte des Menschen durch den Glauben. Später übrigens erwähnt der Autor dann, dass medizinische Studien beweisen, dass genau dieser Placeboeffekt oft eine größere Wirksamkeit besitzt als die verordnete Pille. Auf Seite 117 lesen wir dann aber zu unserer Verwirrung, dass der Statistiker Ioannidis vor einiger Zeit darlegte, weshalb wohl die Mehrheit der medizinischen Studien vermutlich falsch ist. Entweder sei die Stichprobe viel zu klein gewählt oder sie ist ganz und gar untypisch für die Grundgesamtheit. Und vermutlich verfügen nur die wenigsten Mediziner über ausreichende Kenntnisse in Mathematischer Statistik, um tatsächlich belastbare Schlüsse ziehen zu können. An dieser Stelle hätte der Autor stutzen sollen, denn er fordert anderswo von allen Methoden, ob nun alternativ oder scheinbar wissenschaftlich, dass sie genau auf diese Weise ihre Wirksamkeit nachweisen sollen. Immerhin aber muss man ihm dankbar sein, dass er in seinem Buch deutlich macht, dass es einen wesentlichen Unterschied zwischen "wissenschaftlich bewiesen" und "wahr" gibt. Schließlich liefert Ayan auch noch Ratschläge, wie wir der Psychofalle entgehen können. Neben solchen offenbar vergessenen Wahrheiten, dass nicht alle Probleme eine Lösung besitzen, Fehler nützlich sind und nicht jede Risikovermeidung zielführend ist, geht es ihm vor allem um "denkfreie Zonen". Ganz im Gegensatz zur Psychotherapie oder gewissen Selbstfindungskursen soll damit die Macht des Denkens über uns beschnitten werden. Denn ohne dass wir uns dessen wirklich bewusst sind, haben wir uns zu Sklaven des Denkens gemacht. Unser Gehirn sucht ständig nach Beschäftigung. Probleme kommen ihm da wie gerufen. Wir können einfach nicht mehr nicht denken. Doch genau das Abschalten des Denkens stellt eine hervorragende Lösung all der im ersten Teil des Buches dargestellten Probleme dar. Nur lernt man das am besten durch eine Art des vom Autor ebenso empfohlenen zweckfreien Tuns, nämlich durch Meditieren. Das aber bietet nun wieder nur die alternative Szene an, die der Autor in seinem Buch geißelt. Ganz so neu scheinen auch unsere modernen Probleme nicht zu sein. Die effektivsten Methoden zur Eindämmung der Denksucht wurden bereits vor hunderten von Jahren in Asien entwickelt und haben mit Esoterik oder irgendeiner Religion rein gar nichts zu tun. Wenn man etwas wirklich aus diesem Buch lernen kann, dann ist es schlicht die dringend notwendige Aktivierung des gesunden Menschenverstandes bei der Suche nach Lösungen vermeintlicher oder wirklicher Probleme. Auf diesem Weg ist es eine gute Hilfe.

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  • Rezension zu "Hilfe, wir machen uns verrückt!" von Steve Ayan

    Hilfe, wir machen uns verrückt!

    WinfriedStanzick

    11. September 2012 um 11:01

    Man kann in den letzten Jahren, ja wenn man genau hinschaut, dauert dieser Prozess schon einige Jahrzehnte, feststellen, dass immer mehr Menschen in den unterschiedlichsten Bereichen ihres Lebens von der Kosmetik, über die Berufs- oder Partnerwahl, bei der Erziehung ihrer Kinder, ihrem Umgang mit den eigenen Eltern, ihrer Ernährung und ihren sportlichen Aktivitäten, in ihrem Sexualleben und der Auswahl der Romane, die sie lesen sich schon lange nicht mehr auf ihren eigenen Geschmack, gar ihre Intuition oder vielleicht ihre Erfahrung verlassen. Sie ziehen Ratgeber vor, Bücher oder, wenn man mehr Geld ausgeben will, auch Seminare und Workshops, in denen diese Menschen glauben Antworten zu finden auf Fragen, die noch ihre Großeltern völlig allein beantwortet haben, obwohl die kein Abitur hatten und sich nur auf ihre Lebenserfahrung verlassen konnten. Für alles und jedes gibt es einen psychologischen Ratgeber, denen allen etwas gemeinsam ist: sie zielen auf die Optimierung des eigenen Selbst, und setzen, selbst wenn sie etwa mehr Gelassenheit das Wort reden, die Menschen, die sie nutzen, unter Druck. Hier ein bisschen mehr Kompetenz, da ein wenig mehr Wissen – der Mythos von der Machbarkeit unseres eigenen Lebens blüht und immer mehr Menschen halten ihr Lebensglück für ein reine Frage der Disziplin. Nein, so ruft der Autor des vorliegenden Buches dazwischen: So kommen wir nicht weiter, so machen wir uns verrückt. Je mehr wir uns abstrampeln für unser angebliches Glück, desto schneller und weiter entfernen wir uns vom Ziel. Wer sein Denken und sein Fühlen permanent unter Kontrolle hat, der verliert, so Ayan sehr viel. Vor allen Dingeneine Gabe, die uns Menschen die schönsten Momente unseres Lebens bescheren kann: die Selbstvergessenheit. Steve Ayan ermutigt seine Leser, der ganzen Psychobranche nicht mehr auf den Leim zu gehen und stellt dafür 7 Regeln auf: 1. Keine Chance den Panikmachern 2. Weniger ist mehr 3. Wider den tierischen Ernst 4. Mehr denkfreie Zonen 5. Mut zum Risiko 6. Keine Vergleiche 7. Nicht „bei sich sein“ ist auch o.k. Ein differenzierendes Buch, das viel Licht in den Psychodschungel bringt und dem Leser viel mehr Gelassenheit im Umgang mit sich selbst empfiehlt.

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