Steve Niles Freaks of the Heartland

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Inhaltsangabe zu „Freaks of the Heartland“ von Steve Niles

Tief im Herzen Amerikas lauern die Monster! Der mittlere Westen ist das Herzstück der USA. Hier zählen klassische amerikanische Werte noch am stärksten, hierhin zog es die Siedler, als sie von der Ostküste ins Innere des Landes aufbrachen. Hier ist an manchen Orten noch alles so wie früher – es gibt weite rauschende Felder und am Sonntag Mutters Apfelkuchen. Und es gibt Geheimnisse, die viele nicht einmal vor sich selbst eingestehen. Wie in Gristlewood Valley, wo der junge Trevor einen Bruder hat, der in der Scheune leben muss, weil er riesengroß und entstellt ist. Aber er hat auch einen Vater, der trinkt und seine Familie tyrannisiert. Was ist schlimmer – unter einem Dach zu wohnen mit einem Menschen, der ein Monster ist, oder einfach wegzurennen gemeinsam mit einem Monster, das in Wirklichkeit ein Mensch ist? Und wenn man weglaufen will, wohin dann? Denn draussen lauern die Monster – und die Menschen ... Ein ruhiger, brilliant erzählter Mystery-Einzelband von Steve Niles (30 DAYS OF NIGHT) und Greg Ruth (CONAN, THE MATRIX). Steve Niles ist einer bekanntesten Autoren moderner Horrorcomics, den vor allem die dunkle Poesie des Schreckens interessiert.

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    Freaks of the Heartland

    Krinkelkroken

    05. October 2013 um 11:54

    Tervors Bruder Will, ein riesiger und monströs entstellter Sechsjähriger, wird von seinem alkoholkranken und tyrannischen Vater in einem Schuppen hinter dem Haus in Gristlewood Valley, im mittleren Westen der USA, wie Vieh an einer Kette gehalten. Trevor hat sich immer um seinen kleinen Bruder gekümmert und versucht, ihn vor fremden Blicken zu schützen. Eines Tages überhört er einen Wutausbruch des Vaters, der ankündigt, der miserablen Existenz des ungeliebten Nachwuchses ein Ende zu bereiten. Anscheinend ist Will nicht die einzige „Mutation“ im Dorf – und auch nicht der Einzige, der beseitigt werden soll. Trevor begibt sich mit dem sensiblen Geschöpf auf die Flucht durch das Heartland und begegnet auf dem Weg in eine bessere Zukunft Gleichgesinnten, Feinden und einem schrecklichen Geheimnis. „Freaks of the Heartland“, ein Sammelband, der alle sechs Teile rund um das ungleiche Geschwisterpaar beinhaltet, vereint alles, was schaurig-schöne Horrorliteratur braucht: Beeindruckend stimmungsvolle Bilder, eine düstere Geschichte und nicht zuletzt einen Hauch Wehmut. Autor und Zeichner gelingt es besonders eindrucksvoll dem Leser die bigotte, idyllische und dabei gottverlassene Atmosphäre des Bible Belt-Landstriches näher zu bringen. Die Zeichnungen Greg Ruths, der sich schon für „Conan“ (Dark Horse Comics, 2003) oder „The Matrix“ (Burlyman Entertainment, 2003) verantwortlich zeigt, sind so ausdrucksstark, dass ohne Weiteres als Kunst durchgehen. Bräunlich-blasse Wasserfarben und warme Erdtöne spiegeln die Landschaft des ländlichen Herzstückes Amerikas wider. Die Bevölkerung ist so wortkarg und rückständig wie die Weite ihrer Umgebung endlos und abgeschieden ist. Die von Steve Niles („30 Days of Night“) wundervoll in die Bilder gewebte Geschichte der beiden Brüder, die sich gegen falsche Moralvorstellungen, Inhumanität und verfaulte Traditionen zur Wehr setzten, erscheint als krasser Gegensatz zu der bedrohlichen Dorfgesellschaft Gristlewood Valleys und erinnert entfernt an John Steinbecks tragische Geschichte von Lennie und George („Of Mice and Men“). Die rührende Liebe, der Zusammenhalt und die Solidarität der jungen Generation gegen die älteren Tyrannen lässt Erinnerungen an die idyllischen Tage des Heartlands aufkommen – oder viel mehr an das, was man damit verbindet: den Duft nach Apfelkuchen, den Geschmack von selbstgemachter Limonade und das Gefühl vom Gras unter den nackten Füßen. Positives und Negatives wird von Autor und Zeichner so eigentümlich amalgamiert, dass morbider Horror nostalgische Wehmut kreuzt, Bildgewalt auf Unaufgeregtheit stößt. Die genialen Bilder brennen sich dem Leser in die Netzhaut und die Geschichte von Will und Trevor zieht einem das Herz zusammen. Obwohl das Schicksal der beiden Protagonisten offen gehalten wird, nimmt das Comic im Gegensatz zu „Pandämonium“ (Rezi hier: KLICK) ein hoffnungsfrohes Ende – was für mich zu einem brillanten Leseerlebnis und hochkarätigem Augenschmaus macht. Ein Meisterwerk!

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  • Rezension zu "Freaks of the Heartland" von Steve Niles

    Freaks of the Heartland

    MisterWoo

    24. September 2008 um 20:20

    So weit das Auge reicht, sieht man Farmland. Ab und zu mischen sich ein paar einsame Bäume, Holzzäune und windschiefe Häuser ins Bild. Ein Schuss fällt, vielleicht auch nur die Fehlzündung eines Traktors, und ein Schwarm Krähen fliegt auf, davon in den schmierig-grauen Himmel. Ödnis pur. Wir schreiben die "gute, alte Zeit", wann auch immer die gewesen sein mag. Vielleicht regiert gerade Präsident Truman, vielleicht auch schon Eisenhower. So genau interessiert das hier niemanden, ist auch nicht wichtig an einem Ort, an dem die Zeit stehengeblieben zu sein scheint. Ein Stück Ende der Welt, ohne Handys, Faxgeräte oder Farbfernseher. Freaks of the Heartland portraitiert den mittleren Westen der USA in den düstersten Farben. Die Geschichte ist nicht nur das düstere Portrait eines Landstrichs, sondern auch einer Familie. Autor Steve Niles (30 Days of Night) bewegt sich bei der Skizzierung der Figuren hart an der Grenze zu Klischees und Stereotypen: Daddy ist ein Trinker, Mommy wird geschlagen, und Sohnemann Trevor zieht den Kopf ein, so gut es geht. Und in der Scheune, versteckt vor dem Licht der Welt, lebt Will. Er ist von Geburt an anders, unnatürlich groß und kräftig, mit einem Wasserkopf - ein Freak. Die Farmer der Gegend, insbesondere sein eigener Vater, halten ihn für ein Monster, eine Ausgeburt der Hölle, und wollen ihn töten. Brüderchen Trevor hat jedoch etwas dagegen. Freaks of the Heartland handelt von der Doppelmoral einfacher Leute. Wer am lautesten "Monster!" schreit, ist häufig selber eines. Die Geschichte wurde schon oft erzählt, und ist spätestens seit Frankenstein ein klassisches Horrorthema. Handlung gibt es bei Freaks of the Heartland so wenig, dass man den Plot fast als statisch bezeichnen könnte. Das macht aber nichts, weil dieses Weniger an Handlung einem Mehr an Atmosphäre zugute kommt. Die wird in erster Linie durch die fabelhaften Bilder von Greg Ruth erzeugt: Dunkle Farben, viel Schatten und ein außerordentlich realistischer, leicht verwischter Strich. Die Qualität der Handlung ist nicht überragend, die der Bilder hingegen schon. Weil es wenig Text gibt, liest sich Freaks of the Heartland recht schnell. Seine Wirkung entfaltet der Band dennoch. Es ist wahrhaftig eine Bilder-Geschichte, unterhaltsam und unheimlich, mit nicht mehr Text, als unbedingt nötig. Atmosphärischer und gradliniger Horror, von dem man sich mehr wünscht.

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