Die Erwählten

von Steve Sem-Sandberg 
4,0 Sterne bei4 Bewertungen
Die Erwählten
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Diese vielen Bilder und Eindrücke sind mit soviel Lebendigkeit und Leidenschaft geschrieben, dass ich sie wohl nie wieder vergessen werde.

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Ein wichtiges Buch, aber nicht für Jedermann geeignet

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Inhaltsangabe zu "Die Erwählten"

An einem kalten Januarmorgen 1941 wird der elfjährige Adrian Ziegler, Sohn einer Wiener Arbeiterfamilie, seinem Zuhause entrissen und in die Klinik Spiegelgrund gebracht. Während der Zweite Weltkrieg tobt, sind Adrian und die anderen Kinder in der Erziehungsanstalt schutzlos der Hölle des Nazi-Systems ausgeliefert. Einzig der Anblick des Bergs vor dem Fenster weckt in ihnen die Hoffnung auf einen Schutzengel, der sie von diesem finstersten aller Orte zu retten vermag. Die Klinik wird so zum Spiegel des Nazi-Terrors – und das Überleben zur grausamen Ironie des Schicksals.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783442481330
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:528 Seiten
Verlag:Goldmann
Erscheinungsdatum:21.08.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    Freyheits avatar
    Freyheitvor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Diese vielen Bilder und Eindrücke sind mit soviel Lebendigkeit und Leidenschaft geschrieben, dass ich sie wohl nie wieder vergessen werde.
    Ein Buch, dessen Tiefen nicht schwärzer sein könnten.

    Inhalt:


    Adrian Dobrosch-Ziegler ist elf Jahre alt, als er das erste Mal nach Spiegelgrund kommt. Offiziell ist dieser Ort ein Erziehungsheim und eine Nervenheilanstalt für Kinder, inoffiziell ein Euthanasie-Zentrum und Versuchslabor der Nationalsozialisten.
    Zweimal gelingt ihm die Flucht, doch auch die Freiheit verspricht grausam zu sein.

    Wie viel kann eine Kinderseele aushalten?


    Meine Meinung:


    Ich hatte vorher noch nie etwas von der Klinik Am Spiegelgrund gehört, doch die ersten Seiten klärten mich schon über die Hintergründe dieser Klinik auf.

    Das Buch handelte von dem elfjährigem Adrian Dobrosch, später Ziegler. Gezeigt wurde eine Arbeiterfamilie, die ums Überleben kämpfte. Vater Alkoholiker, Mutter Arbeiterin, die ihre ganze Familie, nebst Brüder versorgte. Unter ihnen auch ein leicht zurückgebliebener Onkel. Aus dieser Familie wurde Adrian und zwei seiner Geschwister gerissen und in Pflegefamilien gesteckt. Ich fand es erschreckend, wie einfach das zu dieser Zeit wohl war. Adrian war das Paradebeispiel eines „unerwünschten Kindes“.

    Es dauerte nicht lange, bis Adrian in die Klinik Am Spiegelgrund kam und damit ein langer Leidensweg begann.

    Mit jeder nun folgenden Seite wurde das Buch und auch ich immer leiser. Es vermittelte mir den Eindruck, dass erst ein Kind, dann ein Jugendlicher und schließlich ein erwachsener Mann vor mir saß und mir seine Geschichte erzählte. Sem-Sandberg verstand es auf hervorragende Weise, mich in die Tiefen einer Kinderseele mitzunehmen.
    Niemals stellte ich mir die Frage, wie Adrian diese Zeit überstand, denn manche Ausführungen waren verwirrend, aber dabei derart fantasievoll erzählt, dass ich ein genaues Bild davon bekam, in welche Welt sich Adrian flüchtete. Tragisch waren die Geschehnisse, die nebenbei liefen, von kranken Kindern, über deren Behandlung und schließlich bis zu einem Selbstmord.

    Zusammen mit Adrian durchlebte ich all die Gräueltaten, die man nicht einmal seinem ärgsten Feind wünscht. Selbst nach Ende des Krieges war kein Lichtblick in Sicht.
    Doch ich bekam auch einen Einblick in das Leben und der Gedankenwelt der Ärzte und der Schwestern. Auf meine Frage: „ Warum nur haben sie so viele schreckliche Dinge getan?“ bekam ich eine hervorragende, nachvollziehbare, wenn auch nicht akzeptable Antwort.
    Schließlich ließ der Autor mich an gerichtlichen Prozessen teilnehmen und an dem Leben des Adrian Ziegler danach.

    Diese vielen Bilder und Eindrücke sind mit soviel Lebendigkeit und Leidenschaft geschrieben, dass ich sie wohl nie wieder vergessen werde.
    Ein Buch, das mich zu Tränen rührte.


    Fazit:


    Ein Buch, dessen Tiefen nicht schwärzer sein könnten.
    Sem-Sandberg erzählt hier die Geschichte eines Jungen und einer Krankenschwester, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Still und leise erlebt man hier viele Jahre des Leidens, der Angst und des Kampfes um das blanke Überleben.
    Ich empfehle es allen Lesern, die sich wie ich nicht damit abfinden wollen, dass das alles doch längst der Vergangenheit angehört. Denn wir sollten niemals die Folgen von Fremdenhass, fehlender Empathie und Ignoranz vergessen.

    Dieses Buch war wohl das schwerste und bewegendste Buch, welches ich in den letzten Jahren gelesen habe.

    Kommentare: 1
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    Achtsamkeits avatar
    Achtsamkeitvor 8 Monaten
    Ein Buch, dass an die psychischen Grenzen geht!

    Das Buch schildert, wie Kinder in der Psychiatrie und im Erziehungsheim gequält und misshandelt wurden. Dies alles während der Herrschaft der Nazis. Dementsprechend auch durchgeführte Euthanasie.  Schreckensbilder von Kindern mit körperlichen und geistigen Behinderungen, aber auch Kinder, die durch Medikamente und Folter seelisch zugrunde gerichtet wurden.
    Das Buch ist zwar ein Roman, enthält aber leider Wahrheiten die es
     so wirklich gegeben hat. Ein wichtiges Buch, besonders für Menschen, die sich für Psychiatrie, Kinderseelen und Nazizeit interessieren.

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    Buchperlenblogvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein wichtiges Buch, aber nicht für Jedermann geeignet
    Ein wichtiges Buch, aber nicht für Jedermann geeignet

    "Alles Leben, das Gott erschaffen hat, ist ein Wunder. So hätte sie auch die Kinder sehen wollen. Doch das war nicht möglich. In den Augen derer, die die Abteilungen leiteten, waren es nicht einmal Kinder, die hier lagen, nur Spezimen, lebende Beispiele für physiologische oder neurologische Defekte oder für Krankheitsverläufe, deren Fortschreiten ein gründliches Studium lohnte." (S.150)

    Inhalt

    Adrian Ziegler wird an einem Januarmorgen 1941 in die Klinik Spiegelgrund gebracht. Schon vorher wurde er immer wieder von seiner Familie getrennt, eine Familie die laut vorherrschender Meinung erbbiologisch minderwertigen Nachwuchs zeugt. Hier beginnt eine Tortur für den Elfjährigen, die er sein Leben lang mit sich herumtragen wird. Denn die auf Schwerbehinderte und schwer erziehbare Kinder spezialisierte Klinik ist nur zu einem Zweck da: Der systematischen Reinigung der menschlichen Rasse.

    Rezension

    Es ist ein dunkles, totgeschwiegenes Kapitel Menschheit, dem sich dieser Roman widmet. Von Konzentrationslagern, in denen tausende Menschen ihr Leben ließen, weiß heute jeder. Doch wie vielen Kindern wurde schon in jungen Jahren alle Chancen auf Leben genommen, in Kliniken wie der am Spiegelgrund in Wien? Allein hier fanden mindestens 789 Kinder einen gewaltsamen Tod.

    Hilfe für die Hilfsbedürftigen?

    Von ihren Familien getrennt, weil sie aus ärmlichen Verhältnissen kamen, weil sie nicht so schnell lernten wie andere, weil sie körperlich nicht einwandfrei funktionierten, kamen nur die wenigsten von ihnen jemals wieder hinaus. So wie der junge Adrian Ziegler, an dessen Beispiel der Roman seine Geschichte erzählt. Unter ärztlicher Aufsicht wurden die Krankheitsbilder der Kinder eingehend studiert, sie wurden beim Betreten der Klinik vermessen, gewogen und fotografiert. Anschließend wurde ihre Akte an eine Fachabteilung in Berlin geschickt. Wenn dieses Stück Papier zurückkam, war bereits über Leben und Tod des Kindes entschieden. Befand Berlin, dass man den Kindern eine „Behandlung“ zukommen lassen sollte, so wurden sie zu Testzwecken mit Tuberkulose-Viren infiziert, bekamen überdosierte Schlafmittel und wurden der Tortur einer Pneumoenzephalografie unterworfen. Meist trat der Tod nur wenige Stunden bis Tage später ein. Den Hinterbliebenen wurde dann mitgeteilt, dass das Kind leider plötzlich verstorben sei, meist wurde eine Lungenentzündung vorgeschoben.

    Auch Adrian Ziegler erlebt, wie die Kinder in der Klinik systematisch drangsaliert, gefoltert und vorgeführt werden. Wie die Bettnässer in Laken gewickelt werden, in eine mit Wasser gefüllte Wanne getaucht werden, bis sie fast ertrinken, wie sie danach stundenlang auf dem Gang stehen müssen, bis die um sie gewickelten Laken getrocknet sind. Und so etwas verstanden selbst die Krankenschwestern vor Ort unter Behandlung, Hilfe für die Hilfebedürftigen. Wie tief muss der Glaube der Reinhaltung der menschlichen Rasse in einem Kopf verankert sein, um solche Grausamkeiten vor sich selbst zu rechtfertigen? Von oberster Stelle hieß es, die Zukunft müsse für die Gesunden und Starken vorbereitet werden, Kranke und Behinderte wären ein Klotz am Bein.

    Keine Fiktion, sondern Wahrheit

    Die Namen der diensthabenden Ärzte und Schwestern wurden originalgetreu belassen. Auch widmen sich mehrere Kapitel der Krankenschwester Anna Katschenka und ihrer Obsession gegenüber dem Klinikleiter Erwin Jekelius. Im Schlusswort bedankt sich der Autor bei Friedrich Zawrel, durch dessen Aussagen weite Teile des Romans zustande kamen. Denn Zawrel ist einer der Wenigen, die Spiegelgrund lebend verlassen konnten.

    Die Lektüre war streckenweise etwas anstrengend. Nicht nur, weil die Thematik so unfassbar ist, sondern auch weil das Format der Kapitel sehr viel Aufmerksamkeit erfordert. Kaum Absätze, noch weniger wörtliche Rede, Blocksatz wohin das Auge reicht. Trostlos möchte man sagen. Genau wie die Geschichte des Buches. Man erlebt so viel Schlimmes mit den Kindern und hofft auf ein baldiges Ende, sieht, dass man das Jahr 1944 bereits erreicht hat. Dann schlägt man das nächste Kapitel auf und ist wieder im Jahr 1941 gefangen. Es ist eine Todesspirale, aus der man nicht mehr herausfindet, genervt, entmutigt, verlassen. Genauso muss es den Kindern ergangen sein, die Tag aus Tag ein der Willkür des „Pflegepersonals“ ausgeliefert waren.

    Doch trotz aller schrecklichen Ereignisse bleibt man zumeist nur Zuschauer. Kinderschicksale geben sich die Hand, doch bleibt man als Leser außen vor. Namen vergehen, Einzelschicksale werden zu denen aller. Man ist streckenweise emotionslos, weil der Stil des Romans eher einer Dokumentation gleicht.

    Passagen, die aus Adrians Sicht teilweise geschildert werden, erhalten etwas surreales, manchmal kaum nachvollziehbares. Natürlich nicht, er ist nur ein Kind. Er weiß selbst nicht, was hier eigentlich wirklich passiert, warum sie den „Erwählten“ ein Bonbon in den Mund stecken und warum diese dann wenig später nicht mehr da sind. Mehrfach versucht er zu fliehen, immer wird er eingefangen und noch schlimmer bestraft. Erst als die russische Armee ins Land eindringt, fällt Spiegelgrund und mit ihm einige der barbarischsten Jahre der Geschichte.

    Fazit

    Es fällt schwer, dieses Buch zu bewerten. Es ist ein wichtiges Buch, aber es ist auch nicht für Jedermann geschaffen. Streckenweise habe ich mich etwas schwergetan, war versucht, Seiten vorzublättern und dem Geschehen und dem Gedankengängen der Menschen zu entkommen. Doch es gibt kein Entkommen, wie es auch kein Entkommen für 789 Kinder gab.

    Bewertung im Detail

    Sprache ★★★★☆ ( 4 / 5 )

    Emotionen ★★★★☆ ( 4 / 5 )

    = 4 ★★★★


    "Adrian wurde auf den Spiegelgrund geschickt, wo man kurz zuvor einerseits eine Spezialklinik für Kinder mit schweren psychischen oder neurologischen Störungen, andererseits eine Erziehungsanstalt für schwererziehbare Jungen und Mädchen eingerichtet hatte. Der Spiegelgrund war die letzte Station, die unterste Stufe der Treppe, wo nur die Verworfensten landeten." (S.44)


    Kommentare: 4
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    Jaseundsds avatar
    Jaseundsdvor einem Jahr

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