Der Cellist von Sarajevo

von Steven Galloway 
4,3 Sterne bei15 Bewertungen
Der Cellist von Sarajevo
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kingofmusics avatar

Bedrückend, aber Mut machend!!!

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Inhaltsangabe zu "Der Cellist von Sarajevo"

Dem Geschehen liegt eine wahre Begebenheit zugrunde
Bosnien, Anfang der 90er Jahre: Tag und Nacht wird das belagerte Sarajevo aus den Bergen ringsum beschossen. Die Bürger der Stadt leben in Angst, Nahrung und Wasser werden knapp. Doch immer wieder gibt es Menschen, die dem Irrsinn des Bürgerkriegs trotzen. Allen voran ein couragierter Musiker, der sich zum Zeichen des Protests gegen den sinnlosen Tod von 22 Menschen bei einem Granatenangriff jeden Tag um vier Uhr nachmittags im Frack mit seinem Cello inmitten der Ruinen auf die Straße setzt und das Adagio von Albinoni spielt, 22 Tage lang.
Ein ergreifender Roman über den Triumph der Menschlichkeit.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783442738922
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:240 Seiten
Verlag:btb
Erscheinungsdatum:08.06.2010

Rezensionen und Bewertungen

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    sabatayn76s avatar
    sabatayn76vor 2 Monaten
    ‚Man kann nicht mehr sagen, welche Version der Lüge die Wahrheit ist.'

    ‚Man kann nicht mehr sagen, welche Version der Lüge die Wahrheit ist. Ist das wahre Sarajevo die Stadt, in der Menschen glücklich waren, einander gut behandelt, ohne Hass miteinander gelebt haben? Oder ist das wahre Sarajevo die Stadt, wie er sie heute sieht, in der die Menschen einander töten, wo Kugeln und Granaten von den Bergen herabfliegen und die Häuser einstürzen?‘ (Seite 227)

    Ein Cellist beobachtet eines Nachmittags aus dem Fenster eine Menschenschlange, die nach Brot ansteht. Sekunden später sind 22 dieser Menschen in Folge eines Mörsergranateneinschlags tot: Freunde, Nachbarn, Fremde.

    Vierundzwanzig Stunden nach dem Anschlag setzt sich der Cellist, der in Friedenszeiten der erste Cellist des Philharmonischen Orchesters von Sarajevo war, in den Krater der Granate und spielt Albinonis Adagio - 22 Tage lang, täglich um 16 Uhr, um der Toten zu gedenken.

    Steven Galloway erzählt in ‚Der Cellist von Sarajevo‘ von der Belagerung Sarajevos, wobei es sich um eine Geschichte handelt, die teilweise auf einer wahren Begebenheit beruhrt, jedoch nicht den historisch genauen zeitlichen Ablauf der Belagerung wiedergibt, denn der Autor hat Geschehnisse aus drei Jahren in einem einzigen Monat untergebracht. Nichtsdestotrotz hat es den Cellisten, der in Galloways Roman namenlos bleibt, und den Mörsergranatenanschlag auf die Menschengruppe tatsächlich gegeben: Am 27. Mai 1992 starben dabei 22 Menschen und mindestens 70 wurden verletzt, und der Cellist Vedran Smailović spielte zu Ehren der Toten an den nächsten 22 Tagen Albinonis Adagio in g-Moll.

    Ich muss zugeben, dass ich den Einstieg ins Buch eher wirr und zu bemüht fand. Ich habe mich daraufhin auf eine wenig fesselnde Lektüre eingestellt, wurde jedoch schnell positiv überrascht. Im Verlauf zeigte sich bald, dass lediglich das erste Kapitel (‚Der Cellist‘) wenig gelungen war, dass der Roman spannend und bewegend wurde, sobald weitere Protagonisten vorgestellt wurden: Strijela, eine Heckenschützin, die nur auf Soldaten und nicht auf Zivilisten schießt, Kenan, der sich alle paar Tage auf den gefährlichen Weg durch die belagerte Stadt macht, um Wasser für sich, seine Familie und seine alte, grantige Nachbarin zu holen, Dragan, der in einer Bäckerei arbeitet und sich an ein Sarajevo erinnert, das es nicht mehr gibt, das er aber auch nicht aufgeben kann.

    Durch die Einführung der lebendig gezeichneten Protagonisten Strijela, Kenan und Dragan gibt Galloway dem Krieg ein Gesicht und zeigt zudem, wie schnell ein Leben im Frieden zu einem Leben im Krieg werden kann, wie Normalität und Alltag von einem Tag auf den nächsten enden können. Mir haben diese Beschreibungen des Vorher und des Nachher gut gefallen und mich sehr bewegt. Und letztendlich ist der anfänglich so mühsame Roman zu einer Lektüre geworden, die ich kaum weglegen konnte und wollte.

    Am Ende seines Romans bietet der Autor noch Einblicke in die Realität, spricht von der fast vierjährigen Belagerung Sarajevos, von mindestens 10.000 Toten und weiteren 56.000 Verwundeten, von 329 Granaten, die durchschnittlich jeden Tag in die Stadt einschlugen, und von 10.000 zerstörten bzw. 100.000 beschädigten Wohnungen.

    Zusammen mit der bewegenden Geschichte, die sich ohne Weiteres genauso zugetragen haben könnte, veranschaulichen diese Zahlen, was sich vor gar nicht so langer Zeit ganz in unserer Nähe zugetragen hat. Denn Sarajevo ist viel näher, als man denkt: Von Berlin aus ist man mit dem Auto schneller in Sarajevo als in Barcelona, und eine Autofahrt nach Rom, in die Provence oder die Bretagne würde genauso lang dauern wie eine nach Sarajevo, auch wenn einem all diese Orte wahrscheinlich viel näher vorkommen als die Hauptstadt Bosnien-Herzegowinas.

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    WinfriedStanzickvor 6 Jahren
    Rezension zu "Der Cellist von Sarajevo" von Steven Galloway

    Dieser wunderbare, einfühlsam und mit großer und tief empfundener Menschlichkeit geschriebene Roman des Iren Steve Galloway führt den Leser zurück an den Beginn der neunziger Jahre, als im Herzen Europas ein Krieg tobte, der an Brutalität alles in den Schatten stellte, was man damals, kurz nach dem Fall des Eisernen Vorhangs in Europa noch für möglich gehalten hätte. Durch die Halbdiktatur Titos über Jahrzehnte in Schach gehalten, brachen im ehemaligen Jugoslawien nach 1989 die jahrhundertealten Konflikte zwischen den verschiedenen Ethnien wieder auf, und Nachbarn wurde nicht nur zu Feinden, sondern fielen wie die Tiere übereinander her. Massenmorde geschahen von beiden Seiten, den Christen und den Moslems, wie sie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr in Europa stattgefunden hatten. Dieser Krieg, der sogar die Grünen unter Joschka Fischer von ihrem strikten Pazifismus abbrachte, war für den umgebremsten Friedens- und Fortschrittsglauben nach dem Fall der Berliner Mauer ein harter Dämpfer, der bei denen, die Geschichte nicht so schnell vergessen, bis heute als eine Art historischer Skeptizismus weiter wirkt.

    Das vorliegende Buch von Steve Galloway trägt sein Eigenes dazu bei, dass dem Vergessen gewehrt wird. Der Autor tut es auf eine poetische und literarische Weise, indem er eine wahre Begebenheit zum Ausgangspunkt nimmt, eine beeindruckende und bewegende Geschichte aus Sarajevo zu erzählen. Er beginnt mit einer Szene, als ein Musiker im belagerten und aus den umliegenden Bergen von Scharfschützen permanent beschossenen Sarajevo aus seinem Fenster auf den gegenüberliegenden Bäckerladen blickt, vor dem eine lange Schlange von Menschen nach dem endlich wieder erhältlichen Brot ansteht und Zeuge wird, wie durch eine Explosion einer Mörsergranate zweiundzwanzig Menschen den Tod finden. Der Musiker war vor dem Krieg der Erste Cellist des Philharmonischen Orchesters von Sarajevo und er beschließt, von nun an zweiundzwanzig Tage lang jeden Tag nachmittags um vier, angetan mit seinem Frack und seinem Cello in der Hand, sich vor sein Haus zu setzen und das Adagio von Albioni zu spielen.

    Normalerweise ist das der sichere Tod für den Musiker, doch für sein Leben haben bestimmte Kräfte, die die Stadt verteidigen, die ehemalige Sportschützin und jetzige Scharfschützin Strijela ( der Pfeil) abkommandiert. Sie ist eine von mehreren Personen, aus deren Blickwinkel nun eine Geschichte erzählt wird, die mitten in der Gewalt und der Hoffnungslosigkeit des belagerten Sarajevo von Hoffnung und Zukunft erzählt, von Liebe und Menschlichkeit.
    Es ist eine Geschichte über die grenzüberschreitende Wirkung von Musik und ein Beispiel, wie mitten in Situationen des Todes und der absoluten Dunkelheit, Leben wachsen und Hoffnung gedeihen kann.

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    Ruth_liests avatar
    Ruth_liestvor 7 Jahren
    Rezension zu "Der Cellist von Sarajevo" von Steven Galloway

    Ein ganz außergewöhnliches Buch. Wie auch immer ein junger kanadischer Autor sich in die Menschen im belagerten Sarajevo einfühlen kann, Galloway ist es glänzend gelungen. Er folgt seinen Hauptfiguren durch die halbzerstörte und von Heckenschützen umzingelte Stadt und zeigt dabei, wie sich der Mensch unter diesem existenziellen Druck verändert.

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    Jaris avatar
    Jarivor 7 Jahren
    Rezension zu "Der Cellist von Sarajevo" von Steven Galloway

    Inhalt:

    So geht das Sarajevo-Roulette: Man kommt an eine Kreuzung, man wartet, man nimmt all seinen Mut zusammen und überquert die Kreuzung. Die Männer in den Bergen schiessen. Oder sie schiessen nicht. Man lebt. Oder man stirbt. Man weiss es nicht so recht. Jedenfalls viel aufregender als das Russische Roulette.

    Strijela, Kenan und Dragan leben alle in Sarajevo. Sarajevo, eine einst blühende Stadt, die nun in Trümmern liegt. Es tobt der Krieg. Alle drei wünschen sich ihr altes Leben, ihre alte Stadt, ihr altes Glück zurück. Doch stattdessen kämpfen sie jeden Tag und jede Nacht ums Überleben. Jeder auf seine Art und Weise.

    Als eines nachmittags ein Bombenangriff 22 Menschen tötet, die um Brot anstanden, verändert sich jedoch plötzlich die Seele der besetzten Stadt. Denn der Cellist beginnt zu spielen. Öffentlich. Jeden Nachmittag. 22 Tage lang. Einen Tag für jedes Opfer.
    Damit verändert er nichts - und alles.

    Meine Meinung:

    Steven Galloways "Der Cellist von Sarajevo" ist eines jener Bücher, die man liest und nie wieder vergisst. Es ist ein eindrückliches Buch, das einem Bilder in die Seele brennt.

    Galloway erzählt in abwechselnden Kapiteln von den Hauptpersonen Strijela (Pfeil), Kenan und Dragan. Von ihrem Leben in Sarajevo, der Stadt, in der sie aufgewachsen und glücklich gewesen sind und die jetzt so anders, so gefährlich und bedrohend ist.
    Sie alle haben ein anderes Los gezogen, obwohl der Kampf ums Überleben für jeden derselbe ist. Strijela griff zur Waffe, Kenan sorgt sich um seine Frau und seine Kinder, während Dragan alleine ist. So unterschiedlich die Figuren sein mögen, so nahe geht uns doch ihr Schicksal. Ihr Schicksal und das jener Menschen, die in der Stadt gefangen sind.

    Das Leben dieser drei Personen wird durch das Auftreten des Cellisten grundlegend verändert. Manche Veränderungen sind offensichtlich, nach manchen muss man suchen. Diese Zusammenhänge, ob direkt oder lose, machen das Buch nebenher zu einem kleinen Suchspiel. Ein Suchspiel, das unser Herz berühren wird.

    Die Sprache, die der Autor wählt, passt hervorragend zu dieser Geschichte. Es ist eine stille Sprache, unaufgeregt und dennoch führt sie auf direktem Weg zur Seele des Lesers. Das macht das Buch so berührend, wir fühlen automatisch mit, wir zittern, wir warten auf den Schuss - den Schuss, der fallen muss. Nein, er fällt nicht. Oder doch?
    Obwohl die Kapitel mit den Namen der Figuren angeschrieben ist, musste ich bei Kenan und Dragan immer zuerst etwas nachdenken, wer nun wer ist. Das ist ein klarer Minuspunkt, den der Autor umgehen hätte können, wenn er die sprachlichen Unterschiede der beiden Figuren nur ein kleines bisschen mehr hervorgehoben hätte.

    Das Packende an diesem Buch ist sein realer Hintergrund. Dieser Krieg fand vor noch nicht einmal so langer Zeit nicht wirklich weit von uns weg statt. Wir kennen Leute, die vor diesem Krieg fliehen mussten. Oder konnten.
    Auch den Cellisten hat es gegeben, auch er hat für die Opfer gespielt. Auf dieser Begebenheit beruht dieses Buch. Sogar die Figur der Strijela beruht lose auf einer realen Person. Hinzu kommt, wie schon erwähnt, die Sprache des Autoren, die uns so nahe geht, dass wir uns dem Buch gar nicht mehr entziehen können.

    Nein, es ist keine Wohlfühlgeschichte. Es ist eine traurige Geschichte und dennoch hinterlässt das Buch einen grossen Eindruck. Auch nach dem Lesen. Noch immer kehren meine Gedanken zum Cellisten, zu Strijela und Dragan und Kenan zurück. Es ist eine traurige Erzählung, die in einer tristen Umgebung spielt. Bloss die Erinnerungen sind farbig. Und die Blumen zu Füssen des Cellisten.

    Über den Krieg selber erfahren wir nicht viel. Wir lesen hier keine Abhandlung darüber, wie es zu diesem Krieg kam, wie die Männer in die Berge kamen und weshalb Sarajevo besetzt wurde. Wir erfahren gerade so viel, wie wir wissen müssen. Somit ist das Buch ungeeignet, falls man sich Wissen über den Krieg selber anlesen will. Als Zusatzlektüre zum Thema ist das Buch aber sehr zu empfehlen, da der Autor sich die Mühe gemacht hat, zu versuchen, selber wie ein Bewohner von Sarajevo zu denken. Eine Herausforderung, die Galloway meiner Ansicht nach hervorragend gemeistert hat.

    Fazit:

    Wer Literatur mit Realitätsbezug mag, sollte den Cellisten lesen. Auch jene, die mehr über das Leben in Kriegszeiten erfahren wollen, werden hier ein packendes Stück Zeitgeschichte zur Hand haben.
    Leser, die tiefgründige und berührende Literatur schätzen, werden in "Der Cellist von Sarajevo" ein schönes Stück Literatur finden.

    Da man über die Hintergründe des Krieges wenig erfährt, ist es als Nachschlagewerk nicht geeignet. Wer sich aber eingehender mit dem Thema des Krieges und der Belagerung von Sarajevo befassen möchte, sollte das Buch als Zusatzlektüre unbedingt in Betracht ziehen.

    Ich persönlich bin noch immer begeistert von "Der Cellist von Sarajevo" und kann dieses Buch nur wärmstens empfehlen.

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    kingofmusics avatar
    kingofmusicvor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Bedrückend, aber Mut machend!!!
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    E
    elisakavor 3 Jahren
    mojstrovkas avatar
    mojstrovkavor 4 Jahren
    T
    Tuomivor 4 Jahren
    Ein LovelyBooks-Nutzervor 4 Jahren
    Georgias avatar
    Georgiavor 6 Jahren

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