Steven Uhly Adams Fuge

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Inhaltsangabe zu „Adams Fuge“ von Steven Uhly

Nach seinem fulminanten Debüt spitzt Steven Uhly mit seinem neuen Roman die Kunst des Erzählens, des Verwirrspiels und der Frage nach Identität weiter zu: Adams Fuge liefert der aktuellen Diskussion um Integration, Migration und Bildung von Identitätsmustern einen literarischen Spiegel, der die landläufigen Argumentationen hellsichtig beleuchtet. Steven Uhlys neuer Held wird als Kind von seinem türkischen Vater aus dem Umfeld der deutschen Mutter in einen Vorort von Ankara entführt. Jahre später tötet er bei einem militärischen Konflikt mit kurdischen Aufständischen einen Menschen. Kurze Zeit darauf sendet ihn das Verteidigungsministerium der Türkei nach Deutschland. Er wird Agent wider Willen und muss über Umwege feststellen, dass er als Spielball internationaler Interessen eingesetzt wurde. Seine Mission gerät zu einer fugenartig komponierten Abfolge von Scuh- und schliesslich Fluchtbewegungen quer durch das heutige Deutschland, quer durch die Vorstellungsbilder über Türken oder Deutschtürken oder Deutsche, je nach Kontext und Perspektiven. Mit seinem ironisch komponierten Spiel der Identitäten zieht Steven Uhly den Leser in den Bann eines Erzählers, dessen tragikomische Schicksalsanwendungen Adams Fuge zu einem Bildungsroman werden lassen, der die grossen Themen von Identität und Integration, Schuld, Urteil und Vorurteil neu verhandelt.

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  • Rezension zu "Adams Fuge" von Steven Uhly

    Adams Fuge
    Sarah_O

    Sarah_O

    01. February 2012 um 20:40

    Steven Uhlys Roman "Adams Fuge" erzählt eigentlich eine ganz spannende Geschichte, die durch die Themen Identität und Integration in Deutschland auch eine gewisse Aktualität besitzt und mich daher sofort interessierte. Leider war mir der Roadmovie-Stil manchmal einfach viel zu rasant, als das es mich vollständig hätte überzeugen können. Zum Inhalt: Adem Öztürk ist ein Deutschtürke aus Mannheim, der, nachdem seine deutsche Mutter die Familie wegen des gewalttätigen Vaters verlassen hatte, als er zehn war, mit seinem Vater zurück in die Türkei zieht. Mit Mitte Zwanzig tötet er als Soldat einen Kurden, der sich aber als Doppelagent entpuppt, und Adem wird als Adam Imp zurück nach Deutschland geschickt, wo er den Urheber eines antiislamischen Computerspiels unschädlich machen soll. Es entwickelt sich eine rasante Jagd durch ganz Deutschland, bei der niemand der ist, der er zu sein scheint, und auch Adam sich mit der Suche nach seiner eigenen Identität konfrontiert sieht... Schon nach wenigen Seiten merkt man als Leser, dass man es mit einer gut durchdachten Satire zu tun hat, in der Vorurteile, Klischees und Schubladendenken genüsslich ausgebreitet und überspitzt werden. Der Humor ist düster, die Handlung oft gewalttätig und irritierend, aber die dahinterstehende Aussage ist an sich gelungen verpackt. Es geht um die Suche nach einer Identität, die schwerer zu definieren ist als durch Nationalität oder Zugehörigkeit zu einer Religion oder Volksgruppe. Nicht nur Adem/Adam kann seine Identität schlecht einordnen, da er in Deutschland immer der Türke und in der Türkei der Deutsche ist, sondern auch fast alle anderen Protagonisten, die der Ich-Erzähler während seines Auftrags trifft, führen mindestens ein Doppel-, meistens sogar ein Mehrfachleben, das durch seine Komplexität nicht nur den Leser sondern auch sie selbst verwirrt. Zu dieser Verwirrung tragen auch die Toten bei, die nach ihrem Ableben an Adams Seite erscheinen. Was erst nach üblichen Konflikten zwischen verschiedenen Gruppierungen beginnt, entpuppt sich bald als wildes "Jeder-gegen-jeden", bei dem es letztendlich um nichts anderes geht als um das große Geld. In diesen Trubel aus Gewalt, Mord und Mehrdeutigkeit gerät der Protagonist mit seiner Familie, wird verletzt, nimmt neue Identitäten an und findet blind die Liebe wieder, die den Roman trotz Chaos mit einem Hoffnungsschimmer enden lässt. Trotz der Aktualität des Themas Integration und Identität, das der Roman meiner Meinung nach auch gelungen aufgreift, konnte er mich insgesamt nicht vollständig überzeugen. Das lag einerseits an der temporeichen Handlung, die für meinen Geschmack manchmal einfach zu rasant wurde. Pausen, für Gefühle oder zum Reflektieren, gibt es selten in dem bunten Reigen aus Schusswechseln, Verfolgungen und Mord. Adam und auch die anderen Protagonisten wechseln Identitäten wie andere Menschen die Unterwäsche und, obwohl ich den Roman beinahe ohne Unterbrechung durchgelesen habe und wirklich versucht habe, bei dem ständigen Wechsel von Identitäten auf dem Laufenden zu bleiben, ist es mir nicht immer gelungen. Auch der Sprache fehlt einfach der letzte Schliff. Sie kommt sehr einfach daher, dabei hätte sie, wäre sie etwas ausgereifter, sicher mit ein bisschen Sprachwitz zur Ironie des Romans beitragen können. Das ist schade, denn die Handlung hat eigentlich Potential. Mein Fazit also: Ein mittelmäßiger Roman mit schnellem Tempo, wenig Gefühlen, aber von aktuellen Interesse und mit guter Umsetzung bei der Suche nach der eigenen Identität. Manchmal leider zu wild, zu rasant und mit nicht ganz überzeugender Sprache. Kann man lesen, aber der große Wurf war es für mich leider nicht. Eine eingeschränkte Leseempfehlung.

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  • Rezension zu "Adams Fuge" von Steven Uhly

    Adams Fuge
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    05. September 2011 um 10:22

    Mit seinem neuen Buch hat es der in München lebende und in vielen Kulturen wandelnde Schriftsteller Steven Uhly gleich bis in die Hauptnachrichtensendung der ARD gebracht. Auf dem Hintergrund der Sarrazin-Debatte wird ein Buch rezipiert und propagiert, in dem es letztlich um das Thema geht: was ist deutsch? Der Roman liest sich wie ein literarischer Spiegel der aktuellen Diskurse über Migration und Integration und die kontroversen Antworten auf die Frage, wie sich Identitäten bilden. Uhlys Protagonist heißt Adam. Die Namensnennung hat etwas Stellvertretendes für die ganze Menschheit. Adam ist in Mannheim aufgewachsen als Kind einer deutschen Mutter und eines türkischen Vaters. Als Kind wird er vom Vater entführt und in einen Vorort von Ankara gebracht. Als er seinen Militärdienst in der Türkei ableistet, tötet er einen Führer der kurdischen Aufständischen und gerät im Anschluss in eine kompliziert angelegte Geheimdienstoperation. Gegen seinen Willen schickt ihn das türkische Verteidigungsministerium mit einem nur auf den ersten Blick harmlosen Auftrag nach Deutschland. Man nutzt vordergründig die Familienzusammenführung, und schon bald sieht sich Adam zwischen den Stühlen ganz unterschiedlicher internationaler Interessen. Da geht es um Türken und Kurden, das BKA, Neonazis und natürlich auch um den Mossad. Wie eine Fuge komponiert Uhly nun die Missionen Adams, die ihn quer durch Deutschland führen und in denen der Autor geschickt alle gegenwärtigen Folien und Klischees über Türken, Deutschtürken und Deutsche bedient. Schon bald, nachdem man das Buch zu lesen begonnen hat, gerät man als Leser in einen Strudel der Ereignisse, in ein ironisches Jonglieren mit unterschiedlichen Identitäten und in eine tiefe Reflexion von Themen, wie sie die Sarrazin-Debatte angestoßen hat. Dies ist auch der Grund dafür, dass die ARD dieses Buch schon vor dem Erscheinen einem Millionenpublikum präsentiert hat. Steven Uhlys Buch wird Sarrazins Verkaufszahlen nicht übertreffen, aber es hat ein großes Publikum verdient, denn es ist ein wichtiger Roman über Identität und Integration, über Schuld und Vorurteil, ein Roman aus der Jetztzeit.

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