Stewart O'Nan

 3.9 Sterne bei 610 Bewertungen
Autor von Alle, alle lieben dich, Halloween und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Stewart O'Nan

Stewart O'Nan ist ein amerikanischer Schriftsteller und wurde am 04.02.1961 in Pittsburgh, Pennsylvania geboren. Er ist verheiratet und hat zwei Söhne. O'Nan studierte vorerst in Boston, arbeitete aber schließlich vier Jahre als Flugzeugingenieur und machte später einen Abschluss in Literaturwissenschaft an der Cornell University in New York. Nach seinem Studium lehrte O'Nan an mehreren Universitäten, darunter beispielsweise das Trinity College in Connecticut. In den Ort Avon in Connecticut zog er später auch zusammen mit seiner Familie. Sein Erstlingsroman "Engel im Schnee" wurde 1993 mit dem William-Faulkner-Preis. Seitdem folgten aber viele weitere Romane. Sein aktueller Roman "Emily, allein" erscheint 2012 in Deutschland.

Neue Bücher

Stadt der Geheimnisse

 (2)
Neu erschienen am 23.10.2018 als Hardcover bei Rowohlt.

Alle Bücher von Stewart O'Nan

Sortieren:
Buchformat:
Alle, alle lieben dich

Alle, alle lieben dich

 (89)
Erschienen am 01.07.2010
Halloween

Halloween

 (82)
Erschienen am 01.10.2005
Die Speed Queen

Die Speed Queen

 (61)
Erschienen am 01.09.1999
Engel im Schnee

Engel im Schnee

 (62)
Erschienen am 01.07.1998
Das Glück der anderen

Das Glück der anderen

 (59)
Erschienen am 02.06.2003
Letzte Nacht

Letzte Nacht

 (42)
Erschienen am 02.11.2009
Die Chance

Die Chance

 (31)
Erschienen am 18.07.2014
Emily, allein

Emily, allein

 (26)
Erschienen am 01.10.2013

Neue Rezensionen zu Stewart O'Nan

Neu
Buecherschmauss avatar

Rezension zu "Stadt der Geheimnisse" von Stewart O'Nan

Düster
Buecherschmausvor einem Tag

„Die Stadt der Geheimnisse“ ist in Stewart O´Nans neuem Roman das Jerusalem der Nachkriegszeit.
Der aus Riga stammende Jude Brand ist wie unzählige andere nach seiner leidvollen Odyssee durch stalinistische und nationalsozialistische Lager, nachdem er seine komplette Familie im Holocaust verloren und selbst nur durch seine außerordentliche Geschicklichkeit als Mechaniker überlebt hat, mit einem maltesischen Frachter in Palästina gelandet.
Weit entfernt vom Aufbruchswillen und Idealismus der Zionisten, ist er ein gebrochener Mann, schwer beschädigt, traumatisiert, sich und der Welt verloren gegangen. 


„Er war nicht so schwach, um sich umzubringen, aber auch nicht so stark, dass er es nicht wollte. Ihm stellte sich immer die Frage, was er mit seinem alten Leben anfangen sollte, die Erinnerung gärte in ihm wie eine Krankheit.“

Eher aus Pflichtbewusstsein und Aussichtslosigkeit übernimmt er für die jüdischen Untergrundorganisationen der Haganah und der radikaleren Irgun, die ihn mit neuen Papieren und einer Taxilizenz ausstatten, Kurierfahrten und andere kleinere Aufträge in Jerusalem.
Diese zionistischen paramilitärische Untergrundorganisationen in Palästina kämpften anfangs vor allem gegen arabische Angriffe auf jüdische Siedlungen, später aber vermehrt auch gegen die seit Ende des Ersten Weltkriegs eingesetzte Mandatsmacht der Briten. Besonders die beiden Splittergruppen Irgun und Lechi (Stern-Bande) setzten immer häufiger auf Sabotageakte und terroristische Anschläge. Und auch Brand, nun auf den Namen Jussi hörend, wird immer häufiger zu solchen Aktionen herangezogen. Bei der Sprengung einer Stromleitung handelt es sich noch lediglich um Gewalt gegen Sachen, beim Überfall auf einen Personenzug packen Brand/Jussi bereits größere moralische Bedenken. Die Eisenbahner und Passagiere, die sich vor ihm mit erhobenen Händen auf den Boden legen müssen, während er sie mit der Waffe in Schach hält, erinnern ihn zu sehr an Situationen, die er aus seiner dunkelsten Vergangenheit kennt und lieber vergessen möchte. Überhaupt ist es erschreckend, zu lesen, wie wenig sensibel sowohl Briten als auch „alteingesessene“ Juden, die den Holocaust selbst nicht miterleben mussten, mit den Überlebenden umspringen. So erinnern Verhaftungen sehr an Situationen in den KZs. 

Für Brand und mit ihm der Leser stellt sich immer dringender die Frage, wie weit man für eine vermeintlich gerechte Sache gehen darf. Wie gerecht und notwendig sie sein muss, um dafür zu töten.
Brands Skrupel sind deutlich höher als die beispielsweise seiner Geliebten Eva, ebenso Mitglied in seiner „Einheit“. Eva stammt aus Litauen und ist ebenso wie Brand den Lagern entkommen, hat aber auch ihren geliebten Mann verloren. Seitdem arbeitet sie in Jerusalem als Edelprostituierte und horcht auf diesem Weg Kunden aus der britischen Regierung für die Untergrundorganisationen aus. Und ist bereit, noch viel weiter zu gehen. Bei ihr findet Brand vorübergehend ein wenig Ruhe und was so etwas wie Glück. Auch wenn er weiß, dass das nur ein Ersatz für Verlorenes sein kann.
In seinem recht schmalen Roman vereint Stewart O´Nan ein wenig Spionagethriller à la Graham Greene, ein wenig Abenteuerroman und einen halbdokumentarischen Einblick in das Jerusalem der Zwischenzeit, zwischen Ende des Zweiten Weltkriegs und der Staatsgründung von Israel im Jahr 1948. Dabei gelingt ihm eine wunderbar dunkle, düstere Atmosphäre, wenn Brand nachts mit seinem Taxi unterwegs ist. Es ist eine Zeit der Sperrstunden, der Straßensperren, der Stromausfälle, Jerusalem ist finster, labyrinthisch, gefährlich. Gleichzeitig fängt O´Nan aber auch das bunte, lebendige Jerusalem ein, das selbst damals bevölkert von Touristen aller Herren Länder, von Arabern, orthodoxen Juden, Zionisten und britischen Militärs bewohnt war. Das ist atmosphärisch sehr stimmig. 

Vor allem zeichnet O´Nan aber das Psychogramm eines Überlebenden des Holocaust. Traumatisiert, abgestumpft, melancholisch, wird er erkennen, dass der Weg, den das zukünftige Israel hier geht, nicht der seine sein kann. Der Roman endet mit dem Anschlag der Irgun auf das King David Hotel, das auch Teile der britischen Mandatsregierung beherbergte, und der über 90 Todesopfer forderte.
O´Nan geht mit seinem Roman sicher nicht sehr in die Tiefe, seine Sprache ist einfach und klar. Dennoch schafft er einen beeindruckenden Blick in ein bisher für mich noch nicht so häufig beleuchtetes Kapitel der Geschichte. Und überrascht einmal mehr mit der Fülle der von ihm für seine Bücher gewählten Themen und Genres. Damit bleibt O´Nan für mich einer der spannendsten US amerikanischen Autoren.

Kommentieren0
30
Teilen
Gulans avatar

Rezension zu "Stadt der Geheimnisse" von Stewart O'Nan

Eretz Israel.
Gulanvor einem Monat

Während seine Papiere – wie sein gegenwärtiges Leben, könnte er sagen – passable Fälschungen waren, war seine Taxilizenz eine an der vorderen Stoßstange befestigte Metallplakette, die viel schwerer zu bekommen war als die Papiere, völlig echt. Und dennoch, da er schon einmal verhaftet worden war – als er in Riga an seinem Tisch in seinem Lieblingscafé gesessen hatte -, wusste er, dass man als Jude nirgends sicher war. (Auszug Seite 16)

Der lettische Jude Brand hat seine ganze Familie im zweiten Weltkrieg und Holocaust verloren und kommt 1946 als illegaler Flüchtling nach Palästina. Dort wird er vom jüdischen Widerstand gegen die britische Besatzungsmacht mit gefälschten Papieren und einer Taxilizenz ausgestattet. Brand, der sich nun Jussi nennt, wird Teil einer Widerstandszelle. Es werden erste Anschläge verübt, zunächst ohne Menschen zu gefährden. Doch der Widerstand wird radikaler und Brand muss sich klar machen, ob dies auch sein Kampf ist.

Brand lernt in Jerusalem die Witwe Eva kennen. Ehemals Schauspielerin und eine bildhübsche Frau, ist bei ihr nun die Mimik einer Gesichtshälfte durch eine Narbe zerstört. Sie verdient ihren Lebensunterhalt als Prostituierte, zu ihren Terminen bringt Brand sie mit seinem Taxi. Auch Eva ist Teil der Widerstandszelle, zu der noch eine Handvoll weitere Personen gehören. Chef der Zelle ist der undurchsichtige Asher. Zu Beginn begehen sie nur kleinere Anschläge, etwa gegen die Stromversorgung. Doch Brand bemerkt die zunehmende Radikalisierung. Die der Untergrundorganisation Hagana zugeordnete Gruppe kommt in Kontakt zu Leuten der radikalen Irgun. Die Radikalisierung verunsichert Brand. Der Kampf um „Eretz Israel“ scheint ihm gerecht, aber mit welchen Mitteln?

Autor Stewart O’Nan ist dem Leser eigentlich als Porträteur der amerikanischen Gesellschaft bekannt. Sein letztes Buch „Westlich des Sunset“ handelt von Schriftsteller Francis Scott Fitzgerald und vom Hollywood der 1930er Jahre. Insofern ist Stadt der Geheimnisse als Spionagegeschichte eine bemerkenswerte Anomalie im sonstigen Werk des Autors.

Das Buch spielt im Jahr 1946 vor dem Hintergrund des israelisch-jüdischen Kampfes um einen unabhängigen Staat. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts durch die zionistische Bewegung die Bildung eines jüdischen Staates im alten Siedlungsgebiet in Palästina wieder stark betrieben wurde, kam es zu verstärkten Auswanderungswellen von Juden. 1917 hatte die Briten in der Belfour-Deklaration die Forderung der Zionisten unterstützt, unter starkem Protest der Araber der Region. Nach dem ersten Weltkrieg erhielt Großbritannien das Völkerbundsmandat über Palästina. In der Folgezeit kam es weiterhin zu einer starken Einwanderung nach Palästina und einer größeren Gewaltbereitschaft jüdischer und arabischer Bevölkerungsgruppen. Die Juden gründeten paramilitärische Einheiten wie die gemäßigte Hagana oder die radikalere Irgun. Durch die Ereignisse des zweiten Weltkriegs verschärfte sich die Situation zudem. Der jüdische Widerstand richtete sich nun verstärkt gegen die Briten, die das Mandatsgebiet räumen und einen jüdischen Staat ermöglichen sollten.

Sein altes Leben war vorbei, sein neues ein Scherbenhaufen und Schwindel. Zur Feier des Tages ging er mit einem Glas Johnnie Walker in seiner Wohnung auf und ab, drückte die Nase ans kalte Fenster und hinterließ einen schmierigen Fleck. Die brummende, taumelnde Schwermut einsamer Betrunkener. (Seite 92)

Dennoch bleibt sich der Autor treu, indem er eine Figur, nämlich Brand, in den Vordergrund stellt und die Ereignisse vollständig aus dessen Sicht durch einen personalen Erzähler beschreibt. O’Nan geht es dabei konkret um das Innenleben seines Protagonisten, eine Figur voller Schwermut, der vor den Scherben seines Lebens steht und dem nun mit seiner Beteiligung an der Widerstandsgruppe eine neue Aufgabe zugeteilt wurde. Doch „die Erinnerung gärte in ihm wie eine Krankheit“ (Seite 58). Er verliebt sich in Eva und doch bleibt die nur eingeschränkt erwiderte Liebe schal im Vergleich zu den Erinnerungen an seine verstorbene Frau Katja. Er war nie wirklich ein gläubiger Jude, nun kämpft er für die Unabhängigkeit Israels.

Ein wenig schade ist es, dass sich der Autor durch die eingeschränkte Erzählperspektive einer gewissen Dynamik beraubt. Eine nähere Betrachtung der Ereignisse durch verschiedene Figuren hätte für mich noch mehr Reiz gehabt. So kann man diesen Roman meines Erachtens dann auch nur eingeschränkt als Spionageroman einordnen, da Reaktionen der Gegenseite kaum eine Rolle spielen. So hinkt der Vergleich der New York Times zu Le Carrés „Der Spion, der aus der Kälte kam“ auf der Rückseite des Buches dann doch ein wenig.

Der Roman überzeugt dafür an anderer Stelle. Die unruhige, brodelnde Atmosphäre des dennoch florierenden Jerusalem wird sehr überzeugend in Szene gesetzt. Daneben ist diese Geschichte eines gebrochenen Mannes, der mit sich um den letzten Rest Liebe, Moral und Anstand ringt, durchaus fesselnd. So bleibt am Ende ein positives Fazit, obwohl die Winkelzüge, Manöver und Suspense eines klassischen Spionageromans etwas zu kurz kommen.

Kommentare: 1
44
Teilen
bookish_autumns avatar

Rezension zu "Letzte Nacht" von Stewart O'Nan

Rezension zu "Letzte Nacht" von Stewart O'Nan
bookish_autumnvor 2 Monaten

In dem Buch "Letzte Nacht" von Stewart O'Nan begleiten wir den Geschäftsführer Manny DeLeon und seine Angestellten durch den letzten Tag vor der endgültigen Schließung einer Filiale, die einer großen Restaurantkette zugehörig ist.

Schon auf ersten Seiten erfahren wir, dass von den 44 Beschäftigten nur fünf in einem anderen Restaurant der Kette untergebracht werden können. Die restliche Belegschaft ist mit morgigen Tag arbeitslos.

Den letzten Arbeitstag erleben wir durch die Augen des Geschäftsführers Manny DeLeon. Ein Mann, der seine Arbeit liebt und seine Aufgaben bis zur letzten Minute ernst nimmt. Der Protagonist ist meiner Meinung nach falsch gewählt worden, da Manny einer der Glücklichen ist, der seinen Job weiterhin ausüben darf. Nicht in der selben Position aber mit dem selben Gehalt. Doch gerade ihn plagen - wenn auch nur kurzweilig - Existenzängste.
Makaber, denn seine Mitarbeiter, die fortan nicht mehr ihren Lebensunterhalt bestreiten können, haben diese Angst nicht - zumindest erfährt man nichts davon.
In der Mittagspause sind bereits alle Zweifel verflogen und Manny kauft seiner Freundin sündhaft teure Ohrringe als Weihnachtsgeschenk.
Auch moralisch gesehen, komme ich mit Manny absolut nicht klar. Er ist mit Deena, der Mutter seines Kindes zusammen, gedanklich aber bei seiner Angestellten Jacquie und lässt keine Möglichkeit aus, ihr nahe zu sein.

Enttäuschung, Existenzängste, Hoffnungslosigkeit, Traurigkeit, Verzweiflung, Wut - all das was Arbeitslosigkeit in einem auslösen kann, habe ich gehofft zu spüren.
Bekommen habe ich jedoch eine emotionslose, sterbenslangweilige Geschichte, in der sich niemand auch nur einen Gedanken über seine Zukunft macht. Der letzte Arbeitstag wird überaus detailliert beschrieben, wenn auch sehr monoton. Die Grundidee hätte mit einem anderen Protagonisten (der seinen Job verliert) durchaus Potenzial gehabt - so ist es einfach nur ein Griff ins Klo.

Kommentieren0
7
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu
Ravens avatar
✨📚 Halloween Gewinnspiel 📚✨

Da Halloween so schön ist und wir uns alle mächtig gruseln wollen, hab ich mir gedacht ich mache ein kleines Gewinnspiel!

Zu gewinnen gibt es ein ungelesenes Mängelexemplar von Halloween 😊💕

➡️Wenn du gewinnen möchtest:

🌿Meinen Blog http://runars-welt.blogspot.de/ abonnieren💕

🌿Auf meinem Blog unter dem Gewinnspiel http://runars-welt.blogspot.de/…/10/gewinnspiel-halloween.h… einen lieben Kommentar hinterlassen.

🌿Das Gewinnspiel endet am Montag 06.11.16 um 20 Uhr

📖 Klapptext

Halloween, Tag der lebenden Leichen. Die Geister dreier toter Teenager kehren aus dem Zwischenreich zurück nach Connecticut. Vor einem Jahr sind sie hier bei einem Unfall auf dem Highway gestorben. Nun sehen sie nach den Freunden, die überlebten: Kyle, entstellt und debil, und Tim, unverletzt, aber innerlich „längst tot“. Sie merken, dass Tim etwas Schreckliches vorhat.

~ Es wird nur innerhalb Deutschlands verschickt
~ du musst mindestens 18 Jahre alt sein, oder die Erlaubnis deiner Eltern haben
~Es gibt keinen Gewinnspielpartner
~keine Barauszahlung
~der Rechtsweg ist ausgeschlossen
~ pro Person bitte nur 1 Kommentar
~wenn der Gewinner nach 24 Stunden nicht antwortet, wird neu ausgelost
~Viel Glück!
Zur Buchverlosung

Zusätzliche Informationen

Stewart O'Nan wurde am 04. Februar 1961 in Pittsburgh (Vereinigte Staaten von Amerika) geboren.

Stewart O'Nan im Netz:

Community-Statistik

in 606 Bibliotheken

auf 93 Wunschlisten

von 8 Lesern aktuell gelesen

von 14 Lesern gefolgt

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks